Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
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Da kommt er! rief freudig die Frau, die vor Froſt zitterte.

Ein großer, mit vier Pferden beſpannter Wagen rollte heran und hielt in dem Lichtkreiſe, den der Laden des Krämers verbreitete. Der Omnibus hatte hier ſeine Station, bei der er pünktlich auf ſeiner Fahrt durch die Rieſenſtadt V eintraf. Der Conducteur öffnete die große Thür, und ein

Dutzend Perſonen ſtiegen aus. Faſt eben ſo viel hatten ſich in einer Minute eingefunden, um die kaum verlaſſenen Erneſtine und ihre Begleiterin ſtiegen zuletzt ein, ſo daß ſie dicht an der Thür zu ſitzen kamen. Der Condueteur ſammelte das Geld ein, ſchloß ddie Thür, zog an einer Schnur, die eine Glocke neben dem Kutſcher in Bewegung ſetzte, und der ſchwerfällige große V Kaſten polterte über das Pflaſter weiter.

Plätze wieder einzunehmen.

Nun ſind wir geborgen! ſagte die Frau, indem ſie Wir können von Glück ſagen,

ſich in ihren Mantel hüllte. Hören Sie nur,

daß wir die Zeit nicht verſäumt haben. wie entſetzlich das Wetter geworden iſt.

Und es peitſchte in der That ein heftiger Wind den Schnee an die Fenſter des langen Wagens, daß ſie laut erklirrten. Die arme Erneſtine wiederholte der Matrone ihren Dank für den ertheilten guten Rath.

Dieſer Wagen fährt alſo in der Richtung nach meiner Wohnung? fragte ſie.

Ja, ſagte die Frau;er

den Stadttheil, worin dieſe Straße liegt. bei der Paulskirche zufällig keinen Fiaker finden, ſo gehen Sie mit mir in meine Wohnung, und ich laſſe Ihnen durch meine Magd einen beſorgen. Sie ſind ſehr freundlich, Madame! Wie ich ſchließen muß, ſind Sie eine Fremde? Ja, ich bin eine Deutſche. Für ein junges Mädchen iſtſe ſchwierig, ſelbſt ge⸗

bald gefunden.

berührt zwar die Straße nicht, die Sie mir genannt haben, aber er bringt Sie in Sollten Sie räuſch und jeder Schritt erſtickte in der dicken Luft.

zumal wenn man nicht genau Beſcheid weiß und fragen muß. Ich kenne das. In der Menge, die ſich um dieſe Zeit auf den Straßen herumtreibt, gibt es rohe, gewiſſen⸗ loſe Menſchen. Sitzen Sie in einem Wagen, ſo ſind Sie ſicher.

Nach einer halben Stunde hielt der Omnibus an.

Wir ſind bei der Paulskirche, ſagte die Frau, indem ſie ausſtieg.

Erneſtine folgte ihr. Sie befand ſich an der Ecke einer Straße, die auf einen Platz mündete. Der Schnee fiel ſo dicht herab, daß man nicht fünf Schritte weit ſehen konnte. Die übrigen Perſonen, die den Omnibus ver⸗ ließen, zerſtreuten ſich raſch nach allen Richtungen, ſie ver⸗ ſchwanden wie Schatten. Einen Augenblick ſpäter rollte auch der Wagen davon. Von einem Fiaker war nichts zu hören und zu ſehen.

Was beginn' ich nun? fragte Erneſtine, die ſich der Befürchtungen ihrer Begleiterin mit Schrecken erinnerte. Man ſieht weder Weg noch Steg, und ich weiß nicht, wohin ich mich wenden ſoll.

Gehen Sie mit mir, mein Kind, ich wohne nicht weit von hier, ſagte mitleidig die Frau.Ein Wagen iſt ja Kommen Sie! Kommen Sie! das iſt ja ein entſetzliches Wetter!

Erneſtine zögerte nicht, ſie folgte der Frau, die raſch in die Straße trat. Bei dem ungewiſſen Lichte der La⸗ ternen erſchienen die mit Schnee bedeckten vorübergehenden Perſonen wie ſeltſame, unheimliche Geſtalten. Jedes Ge⸗ Es um die ängſtliche Erneſtine zu veran⸗ die ihr ein guter Genius geſendet, bei einer Querſtraße an.

vereinigte ſich Alles, laſſen, ſich der Frau, feſt anzuſchließen. Bald kam man Sind Sie da, mein Kind? Ja. Nur noch wenig Schritte, und wir ſind Werde ich auch nicht läſtig?

am Ziele.

fährlich, in der Nacht die Straßen von London zu paſſiren,

Theatraliſche Genrebilder. Schauſpielerin und Nonne⸗.

Zu Anfang des 18. Jahrhunderts glänzie unter den gefeierten Künſtlerinnen des Théatre français Mademoiſelle Gautier, die 1716 unter die Mitgliedern aufgenommen wurde und ſich 1726 naach den glänzendſten Erfolgen von dem Theater in das. Kloſter zurückzog, um ſich den ſtrengſten Ausübungen und der glühendſten Frömmigkeit zu überlaſſen. ß wohlgebaut und hatte ein geiſtreiches, ausdrucksvolles Geſicht. Ddie Natur begabte ſie reich mit allen Eigenſchaften des Körpers unnd des Geiſtes; ſie entwarf mit Leichtigkeit ſehr hübſche Verſe,

malte mit vielem Talent in Miniatuy, war ausgezeichnet als Kupferſtecherin, führte das Stoßrappier mit einer Anmuth und eeiner Geſchicklichkeit, welche die geſchickteſten Fechtmeiſter in Ver⸗

wunderbare Körperkraft. Gleichzeitige Memoiren ſprechen mit Bewunderung von dem Fauſtkampfe, den ſie gegen den berühmten Sachſen beſtand. Allerdings wurde ſie beſiegt, allein der künftige Sieger von Fontenay und Lawfeld erklärte laut, ſich gegen ihn bisher verſucht hätten, Mlle. Gautier ihm den längſten und kräftigſten Widerſtand leiſtete. nicht damit, ſilberne Teller wie Oblaten zuſammenzurollen und harte Thaler zu zerbrechen, ſondern ſtellte

ſt der Menſchheit und der Freundſchaft.

Mlle. Gautier eben mit einigen Genoſſen bei Coliker,

Mademoiſelle Gautier war groß,

wunderung ſetzte. Dabei beſaß ſie eine für das weibliche Geſchlecht

ſpeiſte. Man theilte der luſtigen Geſelſſchaßt die traurige Nach⸗ richt mit, und ohne irgend Jemandem ihre Abſicht zu verrathen, verließ Mlle. Gautier die Geſellſchaft, ſprang in ihren Wagen und gelangte zu dem Orte des Schreckens, indem ſie ſich uner⸗ ſchrocken in die Säle des traurigen Aufenthaltsorts menſchlicher

Schmerzen ſtürzte, die bereits von den Flammen bedroht wurden. Sechsmal drang ſie in die von dichtem Rauch gefüllten Räume und ſechsmal kehrte ſie ſiegreich zurück, auf ihren Armen einen und ſogar zwei Kranke tragend, die ſie in dem Schiff der Kirche von Notre⸗Dame niederlegte.

Das Volk, ein thätiger Zuſchauer dieſer Aufopferung und dieſes Muthes, begriff anfangs nicht die heldenmüthige Handlung einer Frau, die funkelnd von Diamanten und in den reichen

Kleidern der höchſten Stände den Flammen und dem Ekel des Hoſpitales furchtlos die Stirn bot. Indeß dies Volk, das edle Handlungen ſo gut zu würdigen verſteht, zögerte nicht lange, die Anſtrengungen der Mlle. Gautier durch Beifallsgemurmel un donnerndes Lebehoch zu ermuthigen. ſogar ſo weit, daß Schiffsleute des Hafens

Wagen der Mlle. Gautier abſpannen wollten, um ſie nach Hauſe

zu fahren. Rur mit Muhe wendete ſie dies ab und ſie folgten ihr bloß unter der Bedingung, daß ſie ihr am nächſten Tage einen Kranz von Lorbeeren und Roſen überreichen dürften, welche damals als Symbol der Tapferkeit und der Schönheit galten.

Mlle. Gautier hatte alle guten und ſchlechten Eigenſchaften ihres Standes. Sie war heftig, ehrgeizig, auffahrend und konnte natürlicher Weiſe kein Muſter guter Sitte ſein.

Unter ihren Anbetern hatte Mlle. Gautier auch den Groß⸗

Abend marſchall von Würtemberg gehabt. Dieſer entführte ſie zu ſeinem

Der Enthuſiasmus ging die Pferde von dem

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