Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
501
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Muß ich Ihnen erſt ſagen, flüſterte ſie Albert zu, Titel einer Schweſter V

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daß ich keine Befriedigung in dem

finde? Sie ſind grauſam, Albert! Gönnen Sie mir Zeit, Arabella, die Umwandlung

aller meiner Verhältniſſe kommt ſo plötzlich, daß ich meiner

ſelbſt nicht klar werde.

Vater! rief Arabella.

Lord Seyton trat mit dem Lächeln der Zufriedenheit

Er reichte dem jungen Lord die Hand.

Albert, ſagte er,ich zürne meiner Tochter nicht,

wenn ſie ſich Ihretwegen der Geſellſchaft entzieht. Und

Du, mein Kind, erröthe nicht, wandte er ſich zu ſeiner

Tochter;Du verwirklichſt den Lieblingswunſch meines

Herzens.

Das Orcheſter begann einen Walzer. peinlichen Scene ein Ende zu machen, reichte Albert der jungen Dame die Hand.

Die Königin des Feſtes muß ſich zeigen, ſagte er. Mylord Seyton gönnt mir das Glück, Lady Arabella zum Tanze zu führen.

Der Greis öffnete die Vorhänge. Das junge Paar trat in den Saal und miſchte ſich in die Reihen der Tänzer.

Lord Seyton rieb ſich vergnügt die Hände. Es war ihm eine Centnerlaſt von dem Herzen genommen.

Eine Stunde ſpäter befand ſich ein kleiner Kreis von Herren und Damen in einem Seitengemache. Man gra⸗ tulirte der Königin des Feſtes zu ihrem Geburtstage. Arabella wußte es ſo einzurichten, daß ſie ſich ſtets an Alberts Seite befand. Ihr Lächeln, ihre glühenden Blicke verriethen, was in ihrem Herzen vorging, und der junge Lord mußte mehr als eine Vermuthung von befreundeten Perſonen darüber ausſprechen hören. Er verließ mit der Gewißheit den Ball, daß Arabella eine ernſte Leidenſchaft zu ihm hege. Von dem wahren Grunde ihrer Annäherung hatte er keine Ahnung. Und dennoch fühlte er ſich un⸗

ein.

Um der ihm

Folge.

glücklich, er konnte die Tochter ſeines vermeintlichen Wohl⸗ thäters nicht wiederlieben, das reiche, ſchöne Mädchen, um die ihn die Söhne der erſten engliſchen Familien beneideten.

VI.

Erneſtine bewohnte ein Stübchen in dem Hauſe des Bilderhändlers. Die Theilnahme Crosby's und ſeiner Schweſter Sara hatte viel dazu beigetragen, den heftigen Schmerz um den Verluſt der Mutter zu lindern. Nach dem Ausſpruche des Arztes, der zufällig Crosby's Haus⸗ arzt war, hätte die kranke Mutter den rauhen Winter nicht überleben können, die durch den Advocaten herbeigeführte Gemüthserſchütterung hatte den unvermeidlichen Tod nur beſchleunigt. Man bot Alles auf, um das junge Mädchen zu tröſten. Die Zeit, dieſe allmächtige Tröſterin, kam den Bemühungen der guten Menſchen zu Hülfe, und als acht Wochen verfloſſen waren, gab ſich die Malerin mit er⸗ neuerter Luſt der Arbeit wieder hin. Zu ihrem Erſtaunen hatte Crosby den Preis für jedes Blatt um das Doppelte erhöht, ſo daß Erneſtine ſich bald in dem Beſitze einer kleinen Summe ſah. Hatte ſie ſich früher nur das Noth⸗ wendigſte an Kleidern geſchafft, ſo fröhnte ſie jetzt der mädchenhaften Eitelkeit und begann ſich mit einem Ge⸗ ſchmacke zu putzen, der Sara, eine alte Jungfer von einigen vierzig Jahren, in Erſtaunen ſetzte. Erneſtine war in ihren ſchwarzen Kleidern ein wahrer Engel. Miß Sara erkannte ſie kaum, als ſie zum erſten Male in einem ein⸗ fachen ſchwarzen Hute und einem Mantel von derſelben Farbe erſchien.

Wohin, Erneſtine?

Es iſt heute ein ſchöner Wintertag, ich will das Grab meiner Eltern beſuchen, von dem mich das ſchlechte Wetter leider ſchon zu lange fern gehalten hat.

Gehen Sie mit Gott, liebes Kind! ſagte Sara, indem ſie Erneſtinen den Hut zurcht ſetzte.Der Weg iſt weit, beeilen Sie ſich, daß Sie um vier Uhr zum Mittags⸗

Er wurde 1825 zur Preisbewerbung des Inſtituts zugelaſſen, erhielt aber nur den zweiten Preis und ging nicht nach Rom. Er tröſtete ſich leicht über dieſes Mißlingen, ſchon war er dem Publicum durch eine große Menge Compoſitionen für das Piano bekannt, meiſtens für Anfänger geſchrieben. Er ſteigerte dieſe entſtehende Berühmtheit durch kleine Arien, mit denen er eine Menge Vaudevilles ſchmückte. Mehrere fanden einen allgemeinen Erfolg und manche darunter werden noch heute geſungen. Die Pforten der komiſchen Oper öffneten ſich für ihn zum erſten Male im Jahr 1829. Er debütirte mit einer Arbeit in einem Acte: Peter und Katharina. Das Jahr darauf gab er Danilova eine Partitur in drei Acten, die ſeinen Ruf ſicherte und erhöhte, und ſeitdem producirte er fortwährend. 1832 ſchrieb er in London zwei Werke für Coventgarden und das Queens⸗Theater. 1833

ſchrieb er einverliebtes Abenteuer, worin ſeine Geſchicklichkeit

für das komiſche Genre ſich zeigte, und 1834 die Sennhütte, die ihn in der Achtung der Kenner ſehr hoch erhob und vielleicht ſein beſtes Werk iſt. 4

Dann folgtender Poſtillon von Longjumeau, dann:Zum treuen Schäfer,der Brauer von Preſton,die Königin eines Tages. Man wird bemerken, daß wir nur die ausgezeichnetſten und auszeichnenswertheſten ſeiner Productionen erwähnen, die einander mit beiſpielloſer Schnelligkeit folgten. 1840 ſchrieb er in St. Petersburg ein Ballet und über Berlin zurückkehrend componirte er dort, um ſich von der Langeweile der Reiſe zu zexſtreuen, eine zweiactige Oper nach deutſchem Text:die Ha⸗ denn er beſaß viel Sprachkenntniß und verſtand tein, das er im Collsge erlernt, das Italieniſche, Deutſche.

Aber von daea er verſchwund

Nach ſeiner Rückkehr ſcheiterte er nacheinander mit mehreren ſeiner Werke: die eiſerne Hand, Caglioſtro, der König von Yvetot, Richard in Paläſtina, das Blumenmädchen. Die beiden letztern, in der großen Oper aufgeführt, hatten nur einen mittelmäßigen Wiag; ſei es wegen des geringen Intereſſes der Texte, die er in KNuſit ſetzte, ſei es, weil er dahingekommen war, in der Wahl

ſeiner melodiſchen Ideen nicht mehr ſehr ſchwierig zu ſein. In der That geſchah es ihm, daß er, hingeriſſen durch die fieberhafte Gluth, die ihn antrieb, ohne Unterlaß zu ſchreiben, nur zu oft an die Stelle der Inſpiration das Handwerksmäßige ſetzte. Um jene Zeit hatte er ſich in der Académie royale eine neue Bahn eröffnet und gab raſch hintereinander mehrere Ballets, von denen die glücklichſten Giſella, das hübſche Mädchen von Gent und der wüthende Teufel waren.

Seit längerer Zeit verlangte man von der Regierung die Errichtung eines zweiten Theaters, welches durch die ſtets wachſende Zahl der Componiſten ſeine Nothwendigkeit fühlbar machte. Adam hielt um das Privilegium dazu an, aber er erlangte es nur um den Preis von Opfern, die weſentlich das Capital verringerten, das er dieſer gewagten Unternehmung widmen konnte, und ihm wenig Ausſicht ließen, ſie glücklich durchzuführen. Dieſe Angelegenheit, bei welcher der Componiſt dem Director zum Opfer wurde, erregte Aergerniß und hatte Rechtshändel zur Folge. Die Revolution von 1848 verſetzte der Nationaloper den letzten Streich und Adolph Adam büßte dabei alle ſeine Erſparniſſe ein. Weit entfernt, ſich durch dieſes Mißgeſchick entmuthigen zu laſſen, machte er ſich mit neuem Eifer wieder an die Arbeit. Schon mehr als einmal hatte er ſich in den Zeitungen mit der muſikaliſchen

Kritik abgegeben. 7 verfolgte ſie jetzt eifriger,

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zuerſt in dem