Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
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weniger Schärfe zu geben.Ich kann Ihnen den Grund nicht angeben, weil ich ſelbſt ihn nicht weiß. verhehle nicht, daß ich Zerſtreuung erwarte

Gut, Albert! rief Arabella.Ich glaube, Ihr Vertrauen wird nicht getäuſcht werden. Um aber den Proceß dieſer Heilung ein wenig zu beſchleunigen, erlaube ich mir eine Indiscretion zu begehen.

Wie? fragte Albert verwundert.

Arabella neigte ſich an ſeine Wange und flüſterte:

Das heutige Feſt hat einen ſchönen Zweck. Es iſt ein doppeltes Familienfeſt, deſſen Bedeutung nur den uns

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naheſtehenden Perſonen bekannt werden ſoll. Durch dieſen

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Ball feiern wir meinen Geburtstag Arabella! rief Albert überraſcht. Erſchrecken Sie nicht, Albert; es war meine Abſicht,

daß die Bedeutung dieſes Tages ein Geheimniß bleiben g g

ſollte.

Und Sie haben mir auch nicht die leiſeſte Andeutung

gegeben!

Damit Sie vielleicht gewiſſe übliche Vorkehrungen treffen konnten? Ihr einfacher Glückwunſch, mein lieber Freund, geht mir über das werthvollſte Geſchenk.

Und ich ſtatte Ihnen dieſen Glückwunſch aus vollem Herzen ab! ſagte Albert, indem er einen langen Kuß auf die ſchneeweiße Hand Arabella's drückte.

Davon bin ich überzeugt! flüſterte ſie, verſchämt die Blicke zu Boden ſchlagend.Albert Derby kann es mit Arabella Seyton nur gut meinen.

Wie der Bruder mit der Schweſter! Ihr Vater war ja auch der meinige, er umfing uns Beide mit gleicher Liebe und Sorgfalt.

Arabella zuckte leiſe zuſammen.

7 mir nicht in den Sinn kommen, Ihre Dankbarkeit zu pro⸗ vociren. geſtattet zu haben, der Sie an den frühen Verluſt Ihrer

Ronelfen⸗ Zeitung.

Aber ich

Das wollte ich nicht ſagen! flüſterte ſie.Es kann

Faſt bereue ich, meinem Herzen einen Ausſpruch

Eltern erinnert. Ich betrachte Sie als den Freund, den ich achte und ſchätze, der mir ſo lieb geworden iſt, daß eine Trennung von ihm mir großes Leid verurſachen würde.

Arabella, Sie verkennen mich!

Laſſen wir das, Albert! ſagte ſie ſchmerzlich, indem ſie dem jungen Manne die Hand drückte.Ich freue mich, daß ich Ihnen die zweite, nicht minder wichtige Veran⸗ laſſung zu dieſem Feſte ausſprechen kann, denn ſie muß Ihnen unſere uneigennützige Theilnahme an Ihrem Ge⸗ ſchicke beweiſen.

O, mein Gott, wer hat daran gezweifelt? Wie be⸗ dauere ich

Hören Sie mich an, Albert! unterbrach ſie ihn. Dieſer Ball feiert den Tag Ihrer Großjährigkeit, den Tag, der Ihnen volle Freiheit des Handelns gibt. Sie kennen von nun an kein andres Gebot mehr als Ihren Willen. Das iſt eine glückliche Epoche in Ihrem Leben, der Geburtstag des ſelbſtſtändigen Mannes, und ich beeile mich, meinen herzlichſten Glückwunſch dazu Ihnen abzu⸗ ſtatten. Mylord Derby, um dieſen Preis bedauert Ara⸗ bella Seyton den Verluſt eines Bruders nicht! fügte ſie ſtolz hinzu.Sie fühlt ſich glücklich, den Mann als frei und ſelbſtſtändig zu begrüßen, der ihrem Herzen am ttheuerſten iſt in dieſer Welt. Mögen Sie ſtets nur das

wollen, Mylord, was Ihnen Glück bringt. Feſſelt Sie Ihr freier Wille an mich, und nicht die Dankbarkeit, ſo

rreiche ich Ihnen nicht nur mit Freude, ſondern auch mit

Stolz die Hand. O, dann reichen Sie mir Ihre Hand, Arabella!

ſagte Albert in einer grenzenloſen Verwirrung, denn das,

das ſtolze Mädchen liebte ihn. In dieſem Augenblicke erſchien Lord Seyton zwiſchen den Vorhängen des Gemachs. Eine ſrohe Ueberraſchung

Feuilleton.

Adolph Adam.

Am 29. April hatte das kleine Theater der Bouffes Parisiens die Organe der Preſſe zur erſten Vorſtellung einer Operette einge⸗ laden, welche den Titel führte:Violettens Gliederpüppchen. Dies leichte Werk war mit außerordentlicher Gewandtheit geſchrieben, voll Geiſt und Laune, und fand den glänzendſten Erfolg. Es war eine heitere, flüchtige Muſik, die man ohne Anſtrengung hörte, deren man ohne Mühe genoß. Nach der Vorſtellung ließ der Componiſt dem Publicum anzeigen, daß er unbekannt zu bleiben wünſchte, doch das Publicum war bereits in das Ge⸗ heimniß eingeweiht und hatte im voraus den Namen des Compo⸗ niſten erfahren, durch den es dreiviertel Stunde lang angenehm unterhalten worden war. Dieſer Mann war Adolph Adam. Wer hätte in dieſem Augenblick glauben können, daß Adam ſo eben ſein letztes Wort geſprochen?

Drei Tage darauf, am 2. Mai, brachte er zwei Stunden in der Oper zu, wohin ihn das Debüt einer neuen Sängerin gezogen hatte, dann begab er ſich in das weitentlegene lyriſche Theater. Dies mag einen Begriff ſeiner außerordentlichen Thätigkeit geben.

Nach Mitternacht in ſeine Wohnung rue de Buffault zurückgekehrt,

7 ſchrieb er einen Brief, ſetzte ſich dann zur Arbeit und bedeckte 2 Niemand weiß, zu welcher Stunde er zur Ruhe gegangen iſt; am nächſten Morgen u 3 Das Aufgehn V einer Pulsadergeſchwulſt hatte dieſe ebenſo plötzliche als unvor⸗ hergeſehene Kataſtrophe herbeigeführt. Der augenblicklich herbei⸗ Fenufene Arzt erklärte, Adam ſei wie durch einen Blitzſchlag

mehrere Blätter Notenpapier mit Noten.

um acht Uhr fand man ihn todt in ſeinem Bette.

geſtorben und hätte von ſeinem Tode nicht die geringſte Ahnung

haben können.

Er hatte das 53. Jahr erreicht und ſchien kaum auf der Mitte ſeiner Laufbahn angelangt zu ſein. Sein Geſicht trug noch keine Spur des Alters oder auch nur der Anſtrengung und nur hier und da zeigten ſich einige Silberfaden in ſeinem ſchwarzen Haar. Gleichwohl haben Wenige ein ſo arbeitſames Leben geführt wie er. Man muß nach Italien gehn, um ebenſo fruchtbare

Componiſten zu finden.

was er längſt geahnt, ward ihm jetzt zur Gewißheit

ſprach ſich in ſeinem durchfurchten Geſichte aus, als er die Gruppe der beiden jungen Leute ſah. Arabella bemerkte ihn.

Adam war der Sohn des berühmten Clavierlehrers, deſſen Methode ſo lange in dem Conſervatorium der Muſik in Paris befolgt wurde. Er war 1803 geboren. Sein Vater gab ihm ſchon früh Clavierunterricht und Reichard lehrte ihm die Compoſition. Boieldieu legte die letzte Hand an ſeine muſikaliſche Erziehung.

lII. Jahrg.

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