Jahrg.
eine kleine Summe, um eine große zu gewinnen.
Nr. 32.)) Drilte
Novellen-
Der Schutzgeiſt.
Novelle. (Fortſetzung.). Der Advocat öffnete die Thür und ließ den Conſtabler eintreten.
„Mein Freund,“ fragte er ihn,„welchen Befehl haben Sie von dem Handelsgerichte erhalten?“
„Die Witwe Robert auf Grund eines Wechſels zu verhaften,“ war die Antwort.
„Sie ſehen, daß die Form erfüllt iſt, mein Herr.“
„So präſentiren Sie Ihren Wechſel,“ ſagte Crosby.
„Wem?“
„Der Ausſtellerin. ſo zahle ich.“
Morton öffnete ein Taſchenbuch und holte ein Papier hervor.
„Sie ſind Zeuge der Verhandlung!“ ſagte er zu dem Conſtabler.
Dann entfaltete er das Papier, trat zu dem Kranken⸗ bette und fragte höhnend, indem er den Wechſel zeigte:
„Iſt dies Ihre Unterſchrift?“
Die Kranke antwortete nicht, ſie lag regungslos in ihrem Bette. Der Mund war halb geöffnet und die Augen waren gebrochen. Ein plötzlicher, aber ſanfter Tod hatte die Dulderin ereilt, ſie war in Folge der heftigen Gemüths⸗ bewegung vom Schlage getroffen. Die todte Frau Robert konnte ihre Unterſchrift nicht anerkennen.
Ein durchdringender Schrei unterbrach die eingetretenen peinliche Stille. Dann ſank Erneſtine wie ohnmächtig an dem Bette nieder.
Während ſich Crosby mit der Ohnmächtigen beſchäf⸗ tigte, verbarg Morton ſein Papier.
„Sie iſt wirklich todt!“ murmelte er.
Erkennt ſie ihre Unterſchrift an,
„Ich verliere Mein Herr,“ ſagte er laut zu Crosby,„die Recognition des Wechſels iſt zwar unmöglich, da Sie ſich aber zum Schützer der Familie Robert aufgeworfen haben, wird ohne Zweifel eine Beſtätigung jenes jungen Mädchens genügen, um Sie zu veranlaſſen, die Ehre der Verſtorbenen zu retten.“ „Sie haben die Angelegenheit nicht als eine Ehrenſache betrachtet, Herr Advocat— ich fühle keine Veranlaſſung dazu. Als Beſchützer dieſes armen Mädchens iſt es meine Pflicht, ihm jede unnütze Ausgabe zu erſparen, wozu ich jetzt die Einlöſung des Wechſels zähle. Verfahren Sie nach dem Geſetze, das Ihnen gewiß bekannt ſein wird.“ Herr Morton grüßte mit einem kalten Lächeln und verließ das armſelige Dachſtübchen ſammt dem Conſtabler.
folge.
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Zeitung.
Nach einer halben Stunde führte Crosby das troſtloſe Mädchen nach ſeiner Wohnung, wo es von Sara, der älteren Schweſter des Bilderhändlers, liebreich empfangen ward. Dann beſorgte er die Beerdigung der armen deutſchen Frau, die zwei Tage ſpäter einfach, aber würdig vollzogen wurde
V.
Der Ball, von dem Arabella geſprochen hatte, fand in dem Hauſe des Lords Seyton ſtatt. Die Menge der Gäſte äußerte kein Erſtaunen über den Glanz und Luxus, der hier zur Schau geſtellt ward, denn man erwartete von dem für reich gehaltenen Lord nichts Anderes.
Arabella war die Königin des Feſtes; ſie wußte ihren mit einer Würde und Sorgloſigkeit, mit einem Stolze und einer Anmuth einzunehmen, als ob er auf dem ſicherſten Grunde ſtände.
Der junge Lord Albert Derby befand ſich natürlich unke den Gäſten. Er hatte den Ball mit der reizenden Tochter vom Hauſe eröffnet.
„Ich bin erſchöpft, Albert!“ flüſterte ihm die bleiche Tänzerin zu.„Führen Sie mich in jene Niſche dort, daß ich mich erhole.“
Das Paar verſchwand hinter einer halb zurückgezogenen gelben Gardine, die ein kleines rundes Gemach von dem glänzenden Saale trennte. Arabella, ſtrahlend von Gold und Diamanten, ſank auf den ſchwellenden Polſter von blaßgelber Seide. Scherzend wie ein muthwilliges Kind zog ſie ihren Tänzer neben ſich
„Sie ſind verſtimmt, mein Freund,“ ſagte ſie mit
nem erkünſtelten ſchmerzlichen Lächeln.„O, ich habe es bei Ihrem Erſcheinen ſchon bemerkt,“ fügte ſie raſch hinzu, noch ehe der junge Mann eine Antwort geben konnte. „Man ſollte faſt glauben, Sie beſuchen das Feſt nicht gern.“
„Ich bedauere, daß ich Ihnen wider meinen Willen Gelegenheit zu dieſer Bemerkung gegeben habe,“ antwortete Albert in einem artigen, ein wenig ſchmerzlichen Tone.
„Was iſt es denn, was Ihnen fehlt?“
„Man iſt nicht immer Herr ſeiner Gemüthsſtimmung.“
„Gefällt Ihnen das Arrangement unſers Balles nicht?“
„Es iſt in jeder Beziehung vortrefflich, Miß!“
„Und dennoch fehlt Ihnen die Heiterkeit? Ich will nicht nach dem Grunde fragen.“
„Den ich Ihnen auch nicht würde angeben können.“
„Weil er ein Geheimniß iſt?“ fragte Arabella leiſe, indem ſie ihre dunkelbraunen Augen vorwurfsvoll auf den jungen Mann richtete.
„Ihr Scharfſinn, Miß falſch,“ antwortete Albert lächelnd,
Thron
Arabella, präſumirt heute Abend um ſeinen Worten


