Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
492
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ſcen Schule geweſen.

lehre, die in dem Schwelgen ſchöner Gefühle beruhe. Ich

pflichtete dieſer Anſicht bei. Leute, die eine ungebildete Sprache reden, ſind mir zum Umgange nicht angenehm, ſo gut und brav ſie auch ſonſt ſein mögen; darum mag ich auch in Büchern nicht mit ihnen verkehren. Freilich läßt man ſie auf dem Papier ein gutes Deutſch reden; aber das eben iſt es, was ſie unwahr macht. Wenn Hans und Peter ſprechen, ſo gehen ſie mit dem mir und mich nach Gefallen um; und das muß man ihnen laſſen, ſonſt ſind ſie nicht mehr Hans und Peter. Mit ſeinem Ge⸗ ſinde hat man übrigens ſchon ſo viele Noth, daß man ge⸗ wiß froh iſt, wenn man nicht an ſie denken darf; wie ſollte man Freude daran finden, eine ſchöne Stunde der Muße damit hinbringen zu wollen, daß man lieſt, wie es andern Leuten mit ihnen erging? Die Damen waren aber ſo lebhaft, daß ich meine Meinung kaum anbringen konnte. Ich freute mich aber recht herzlich, am Schluſſe unſerer Debatte zu hören, daß einſtimmig alle gemeine Literatur verworfen wurde. Der Menſch iſt das einzige Thier, das aufwärts ſchaut; warum ſollte er alſo abwärts leſen? Dieſe Bemerkung, die ich am Schluſſe fallen ließ, fand allgemeinen Beifall. Man nannte mich die immer noch geiſtreiche Cordelie und rühmte, daß meine Jahre meinem friſchen Empfindungsvermögen keinen Abbruch gethan. Alle meine Freundinnen umarmten mich und ſagten mir die herzlichſten Worte. Erröthend und beſchämt erwehrte ich mich mit Mühe ihrer Liebkoſungen. In dem Augen⸗ blicke trat Elwire von Koſegarten ein. Als ſie hörte, wovon die Rede, war ſie ganz meiner Meinung und ver⸗ ſicherte, daß ſie ſtets eine eifrige Vertreterin der romanti⸗ Sie bat uns, eins ihrer neueſten

edichte vorleſen zu dürfen, bevor wir aus einander gin⸗ gen, und augenblicklich wurde die Ruhe in unſerm Kreiſe hergeſtellt, die Stühle zuſammengerückt und jedes Ohr ge⸗ ſpannt. Sie ſtellte ſich in unſere Mitte und recitirte mit vielem Ausdruck:

Novellen⸗

Zeitung.

Ein Vöglein ſaß auf einem Zweig Und ſang ſo luſtige Lieder.

Ach, daß auch ich ein Vöglein wär', Und hätt' ein bunt Gefieder.

Dann flög' ich munter durch den Wald Und ruht' auf allen Zweigen,

Stieg aufwärts oft und macht' nicht Halt, Bis müd' ich wär vom Steigen.

Im Aether wiegte ich mich gern, Im Angeſicht der Sonne, Und blieb der Erde lieber fern Vor lauter Himmelswonne.

Im Walde wohnte ich bei Nacht Und ſchaute in die Sterne,

Und früh, ſo wie der Tag erwacht, Eilt' ich ſchon in die Ferne.

Allgemeiner Beifall wurde ihr am Schluſſe für die ungemein liebliche Dichtung gezollt.Wie unſchuldig, wie naturgetreu! riefen wir aus. Ich bat mir eine Abſchrift davon aus und beklagte, daß ſie ihre Werke nicht dem Druck übergäbe; denn ſo ſehr ich auch gegen die Oeffentlichkeit in Bezug der Leiſtungen einer Frau bin, ſo würde hier doch vielen eine Freude entzogen, wenn die Arbeit ohne Vervielfältigung bliebe. Meine Aeußerung ſchien Elwiren zu gefallen. Sie lächelte heiter und er⸗ widerte mir, daß ihre Weiblichkeit ſchon das Opfer gebracht

haben würde, wenn nicht alle Druckereien in den Händen

der Männer wären, die einen großen Neid gegen jedes Frauentalent hegten und es darum auf jede Weiſe zurück⸗ zuſchrecken ſuchten. Wir Alle beklagten das aufrichtig. Sie fuhr fort, ſobald ſie unſere Theilnahme ſah, uns eine Beſchreibung der Schwierigkeiten zu machen, die ifen weiblichen Weſen entgegenſtellten, wenn es ſeine poetiſchen Arbeiten durch rauhe Männerhand dem Publicum zukommen laſſen wollte. Ihr Bericht war haarſträubend. Nichts von Courtoiſie, nichts von Schutz gegen das ſchwache Ge⸗

der Ueberfahrt, wo Waſſermangel entſtand, mit eigner Auf⸗ opferung ſeine geringe Waſſerportion mit der Kaffeepflanze theilte. Dieſe Sorgfalt wurde belohnt, denn die Pflanze kam in den Antillen vortrefflich fort und von ihr rührt der Same zu all' den Kaffeepflanzen her, die jetzt in Cayenne, St. Domingo und Guadeloupe beſtehen. a.

Sagen. Der A666 Pouſſinière.

Eines Sonntags riefen um zehn Uhr Morgens die Glocken in Fougeres, wie gewöhnlich, die Gläubigen zu der Hauptmeſſe. Wilhelm Quiller, ein Tuchhändler, eilte über den Platz und ſtand im Begriff, in die Kirche einzutreten, als er dem daraus kommenden Abbé Pouſſinière begegnete.

Der Abbé war ein ſehr origineller Menſch, beinahe verrückt, wie die Einen meinten, und nach der Verſicherung Anderer ein vollſtändiger Hexenmeiſter; man ging nie an ihm vorüber, ohne daß man ſich erlaubte ihn anzureden, weil man hoffte irgend eine verſchrobene Antwort zu bekommen, die man Abends im Freundeskreiſe wieder erzählen konnte.

Wohin geht Ihr, Abbé? ſagte Meiſter Quiller lächelnd.

Ich will in die Meſſe von St Melaine von Rennes, ant⸗ vielen Nebenumſtänden, führte Zeugen auf und gab als Beweiſe

wortete ernſt der Abbé.

Nun iſt aber Fougères zwölf Stunden von der ehemaligen Hauptſtadt der Bretagne entfernt. Meiſter Quiller zuckte daher die Achſeln und ſagte:Ihr würdet noch nicht zur Vesper nach,

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Rennes kommen, Abbé, ſelbſt wenn Ihr das ſchwarze Zauberroß

des Vater Marec zwiſchen den Beinen hättet.

Ehe drei Minuten vergehn, würde ich an der Thür von St. Melaine in Rennes ſein, entgegnete zuverſichtlich der Abbé. Wollt Ihr mitkommen? Setzt Euren rechten Fuß auf meinen linken und gebt mir Eure beiden Hände.

Indem er ſo ſprach, ließ er ſeinen linken Fuß unter den rechten des ehrlichen Tuchhändlers gleiten und ergriff deſſen beide Hände, Ein Schauder durchrieſelte den ganzen Körper des Meiſter Quiller. Er fühlte ſich plötzlich 200 Fuß über den Boden erhoben und wie pfeifend über die Häuſer, die Felder, die Berge davongetragen. Aus der Ferne erblickte er den Kirchthurm von St. Sulpice in dem Thale; es kam ihm der Gedanke, ſich im Vorüberfliegen daran feſtzuhalten, und er umſchlang die Thurm⸗ ſpitze mit ſeinem Arme; aber der Abbé riß ihn vorwärts, der Kirchthurm wankte, neigte ſich auf die Seite und blieb ſeit jenem Tage in dieſer ſchiefen Stellung ſtehen, wie man ſich davon noch heute überzeugen kann.

So währte der Luftflug fort, bis die beiden Reiſenden an der Kirchſchwelle von St. Melaine in Rennes niederſtiegen, als eben der letzte Glockenſchlag den Beginn der Hochmeſſe verkündete. Es war eben erſt Punkt zehn Uhr. Die zwölf Lieues hatten ſie in weniger als drei Minuten zurückgelegt. Es fehlte nicht viele ſo hätte Meiſter Quiller ſein bischen Verſtand verloren. Am nächſten Tage vor die Behörde gefordert, erzählte er ſein Abenteuer mit

verſchiedene Beobachtungen an, die er aus der Höhe über das angeſtellt hatte, was unter ihm vorgegangen war, ſowohl in der Stadt als auf dem Felde. Man erhärtete, daß Alles, was er

II. Jahrg.

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