Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
491
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ume.

Jugend! lerie, vor

Bild zu ibt dabei, Prüderie men laſſe. Eine Zur Sc möchte t der Chre

o mores!

aufgeklär⸗ Für ihn d Körper s Fleiſch lit einen ihm ver⸗

g auf das helte und gangbar usgeſetzt Makel auf m Worte üben nicht die Sache erde weiter h ich ihm orfen hatte. Auffände

glaube. Aber ſtatt des einen Auges werde ich doch lieber gleich beide zudrücken, ich könnte es nicht ohne Schau⸗

dern ſehen, wenn ein Mitglied meiner Familie hinter dem

Holzgerüſte ſäße, umgeben von namenloſen Menſchen, und mit ſchmuzigen Farben die Hände beſudelte, als handele es ſich darum ihr Brod zu verdienen. Wohin wird es noch kommen mit einer Welt, die ſo ausartet! Gott Lob, daß meine Jahre gezählt ſind und die ewige Ruhe meiner wartet, wo dieſer Erdenſtaub mir nicht mehr ankleben darf.

blauen Zeichnung darauf, die eine ſoge⸗ Stickerei werden ſollte. Aber, o Him⸗ Ein Kind von ſechs Jahren näht

ſchein, mit einer nannte engliſche mel, wie das ausſah!

beſſer. Scheere, Fingerhut, Baumwolle wurden von der Jungfer geborgt, nichts war zu finden. Ich machte dem

Mädchen Vorwürfe über die grauſame Unordnung, die in

den Schubfächern meiner Nichte, wie ich Elfride nenne,

herrſchte; ſie warf aber alle Schuld auf das Fräulein,

Am erſten November wurde die Gemäldegalerie ge⸗

ſchloſſen. Meine Couſine arbeitet darum den ganzen Tag an ihrem Bilde, und ich ſehe ſie kaum. Elfride lieſt indeſſen Romane oder ſpielt mit dem Schooßhunde ihrer Mutter. gen. Heute war unſer Leſekränzchen, und um ſie nicht ganz allein zu laſſen, ſchlug ich ihr vor, mich zu begleiten. Sie willigte ein.

Haſt Du auch eine Handarbeit mitgenommen?fragte ich ſie in dem Momente, als wir das Haus verlaſſen woll⸗

das nie eine Sache an denſelben Ort lege und Alles durch

einander reiße, wenn ſie eben Ordnung gemacht hätte. Etwas verſpätet kamen wir ſomit im Leſeclub an.

Meine Freundinnen machten mir Vorwürfe, daß ich meiner

ſonſtigen Gewohnheit größter Pünktlichkeit ungetreu ge⸗

Sie iſt nach meinen Begriffen ſehr ſchlecht erzo⸗

ten. Sie hatte daran nicht gedacht. Wir traten wieder

in das Zimmer und ſie ſuchte und ſuchte, was ſie mitneh⸗ men könne. Einen Strickſtrumpf hatte ſie nicht, wie ſie mir geſtand; denn ſtricken konnte ſie nicht. War das mög⸗

worden, und ich entſchuldigte mich ſo gut ich konnte, ohne meine Nichte preiszugeben; denn wer ſeine Naſe abſchnei⸗ det, der ſchändet ſein Angeſicht, und die Chre meiner Blutsverwandten iſt meine eigene Ehre. Es gefiel mir, daß Elfride darauf das Wort nahm und mit recht liebens⸗ würdiger Offenheit geſtand: ſie trage die Schuld an der ganzen Verzögerung. Dies Geſtehen ihres Fehlers kleidete ſie ungemein gut und alle Damen wurden dadurch für ſie eingenommen..

Man ging nun über zu einer Berathung, was wir

zunächſt in unſerm Kränzchen leſen wollten. Um mit der

lich? Eine Zur Lohe aus dem Buſche und nicht ſtricken ſiſches Buch und eine moderne Production, und die Dame,

können! Das arme Kind, wozu hat es denn ſeine Hände? das möchte ich nur wiſſen. Aber ſie kann nicht dafür, es iſt lediglich Schuld der Erziehung. Die Mutter, die Mutter! Es muß ein ganz eigenes Blut in den Adern dieſer Mutter fließen. Ach, ſo ſehr ich mich auch geſträubt,

den Verläumdungen ein Ohr zu leihen, die über die Ver⸗

hältniſſe in jener Familie im Laufe waren, als mein Vet⸗ ter, Alfred Zur Lohe aus dem Buſch, ſeine Gattin heim⸗ führte: ſo muß ich doch jetzt mit der Schrift ſagen, daß man den Baum an den Früchten erkenne. Elfride ſuchte und ſuchte und endlich kam ein Stück Mouſſelin zum Vor⸗

Zeit Schritt zu halten, wählten wir abwechſelnd ein claſ⸗

welche den Vortrag bei der Wahl hat, trat heute mit der

Anſicht auf, daß wir uns nun auch dem neuen Genre zu⸗ wenden müßten, den man die Dorfgeſchichte nennt. Da⸗ gegen erhoben mehrere Stimmen ſich ſogleich ſehr laut. Man nannte das die Proſa des Lebens, die uns herab⸗ ziehe in die Untiefen, wo die Alltäglichkeit hauſe und der Kampf um den Erwerb von Pfennigen die ganze Pointe ſei, um die ſich das Leben drehe; während des Dichters Aufgabe bleibe, von Perlen eine Brücke zu bauen, die unſer Erdenleben an den Himmel knüpfe und uns die Seligkeit

der ſich voll Galanterie zeigte. Er empfing bei ſich einen großen

Theil der guten Geſellſchaft und ließ ſeinen Gäſten auf türkiſche

Weiſe bereiteten Kaffee vorſetzen. Der erſte Eindruck, den dieſes

neue Getränk auf die Pariſer und beſonders auf die Pariſerinnen

machte, war demſelben nicht ſehr günſtig, aber da man von dem Geſandten entzückt war, wollte man dieſen Eindruck nicht offen geſtehen und erklärte den Kaffee überall für vortrefflich. Es gab

daher auch kein nur irgend vornehmes Haus, in welchem man ſich nicht beeilt hätte, den Modeaufguß in kleinen Porcellantaſſen und

auf Servietten mit Franſen beſetzt herumzureichen. Die Wuth

war allgemein, und viele Leute glaubten, wenn die erſte Hitze vorübergegangen wäre, würde der Geſchmack für den Kaffee

erlöſchen; Frau von Sévigne ſelbſt behauptete, er würde nicht

länger leben als Racine. Ueberdies hatte er die medieiniſche Facultät gegen ſich, die ihn für ein Gift erklärte. Einem Mitglied

dieſer Tacultät ſagte Fontenelle:Ich bin Ihrer Meinung, Doctor; gleich Ihnen glaube ich, daß der Kaffee ein Gift iſt; ſchon ſeit 80 Jahren bin ich dieſer Meinung.

Um die Wirkungen dieſes Giftes zu bekämpfen, verfiel man darauf, den Kaffee mit Milch zu vermiſchen, und 1680 ſchrieb Frau von Sévigné, die ihre Meinung über den Kaffee ebenſo wie über Racine geändert hatte, von ihrem Gute Rochers in der Bretagne an ihre Tochter:Wir haben hier gute Milch und gute Kühe. Wir laſſen dieſe gute Milch gut abſahnen und die Sahne

dann mit Zucker und gutem Kaffee miſchen. Mein liebes Kind, das iſt etwas Gutes und ich werde in der Faſtenzeit dadurch großen Troſt empfangen.

Da Induſtrielle die Neigung der Pariſer für den Kaffee bemerkten, beſchloſſen ſie, dieſelbe auszubeuten, und im Jahre

Armenier Namens Pascal auf der Meſſe von St. Germain eine kleine Bude, in welcher er Kaffee ſchenkte. Dies war der Urſprung der Kaffeehäuſer. Andere Armenier folgten dem Beiſpiel, doch ſtatt in ihren Buden zu bleiben, durch⸗ zogen ſie die Straßen und trugen vor ſich her einen Keſſel von Blech mit Allem, was zur Bereitung des Kaffees erforderlich iſt. Sie verkauften ihre Waare für zwei Sous die Taſſe. Etwa um dieſelbe Zeit errichteten Gregoire und Procope ein neues Kaffee⸗ haus in der rue des fossées St. Germain. Statt es wie ihre Concurrenten zu machen, die in ihrem Local rauchen und Bier trinken ließen, zwei Gewohnheiten, die damals der ſchlechten Geſellſchaft angebörten, wählten ſie ein ſehr nettes Haus, ſchmückten ihren Laden auf das beſte aus und boten den Gäſten Kaffee, Cho⸗ colade, Eis und feine Liqueure. Man fand bei ihnen die Gazette und den Mercure galant, und bald wähite die Menge ihr Kaffee⸗ haus zum Sammelplatz; Gelehrte und Literaten kamen oft daſelbſt zuſammen. Noch heute zeigt man den Platz, den J. J. Rouſſeau fur gewöhnlich einnahm, und bewahrt ebenſo die Erinnerung an

Volkaire und Biron und andere berühmte Stammgäſte. Gregoire und Procope fanden bald zahlreiche Nachahmer; zuerſt folgten der café du pont St. Michel, dann der des Quai de l'école, dann zehn andere, dann hundert andere, und die Cabaréts wurden der Kaffee⸗ häuſer wegen verödet.

Der verbrauchte Kaffee kam Marſeille; dann brachten die Holländer Kaffeepflanzen nach ihren Colonien und bald konnten ſie den Norden Euxropas verprovian⸗

1672 eröffnete ein

tiren. Erſt 1720 dachte Frankreich daran, Holland nachzuahmen.

zuerſt aus dem Orient nach

Eine Kaffeepflanze, in dem Gewächshauſe des Jardin des plantes

gezogen,

wurde dem Capitain Deslieux anvertraut, der während . 8 2