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daß ſie das Geld erhalten würde? Konnte die Mutter nicht unter den Händen ihrer Peiniger ſterben? Unter der Laſt dieſer Gedanken ſank ſie neben ihrem Arbeitstiſche nieder, — da ward leiſe an die Thür geklopft. Morton öffnete. Crosby, der Bilderhändler, trat ein.
„Sie ſendet der Himmel!“ rief Erneſtine, indem ſie laut ſchluchzend zu den Füßen des Angekommenen nieder⸗
ſank.„So eben wollte ich zu Ihnen gehen— wollte von
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Ihnen erfahren—— „Was iſt geſchehen?“ unterbrach ſie Crosby, der nicht wollte, daß ſie den Satz vollendete. Draußen ſteht ein Con⸗ ſtabler, und hier finde ich Alles in der größten Beſtürzung.“ Die Angſt machte Erneſtinen beredt. Sie ſetzte den Bilderhändler von der Lage der Dinge in Kenntniß.
„Ach, lieber Herr,“ ſchloß ſie,„retten Sie uns, ich will Tag und Nacht für Sie arbeiten. In kurzer Zeit werde ich ſo viel Bilder liefern, daß die Summe gedeckt iſt, um die ich Sie im Namen Gottes anflehe.“
„Genug!“ ſagte Crosby, indem er die Knieende em— porhob.„Beruhigen Sie ſich, ich werde mit Ihrem Gläu⸗ biger verhandeln. Mein Herr,“ wandte er ſich zu dem Advocaten,„erlauben Sie mir, daß ich die Rechtmäßigkeit Ihrer Forderung prüfe.“
„Mit welchem Rechte? Wer ſind Sie?“ fragte Morton verletzt.
„Sie haben gehört, daß mir Vollmacht ertheilt ward, zu verhandeln.“
„Werden Sie auch zahlen können, mein Herr?“
„Sobald ſich ergibt, daß dieſe arme Frau wirklich Ihre Schuldnerin iſt, werde ich zahlen. Präſentiren Sie Ihren Wechſel.
(Fortſetzung folgt.)
Aus dem Tagebuch einer 70 jährigen Dame. Mitgetheilt von
NRobert Waldmüller.
III. Wie hat ſich die Welt verändert ſeit meiner Jugend! Meine Couſine dringt darauf in der Gemaldegalerie, vor den Augen aller Leute, ein höchſt unanſtändiges Bild zu copiren, und wie ich es ihr auch ausrede, ſie bleibt dabei, daß es ſich vollkommen ſchicke, und daß nur die Prüderie der Roccoco⸗Zeit mich einen Anſtoß daran nehmen laſſe. Was ſoll ich thun, um ſie davon abzuhalten? Eine Zur Lohe aus dem Buſch und öffentlich malen!— Ich möchte
blutige Thränen darüber weinen, wohin es mit der Ehre unſeres alten Namens gekommen. O tempora, o mores!
Mein Hausarzt war heute hier. Er iſt ein aufgeklär⸗ ter Mann, trotz ſeiner conſervativen Richtung, Für ihn iſt der Menſch noch ein Menſch, der aus Geiſt und Körper beſteht, die ſich beim Tode ſcheiden; für ihn iſt das Fleiſch noch ſündlich und der Geiſt noch ſchwach. Mit einem ſolchen Manne iſt noch angenehm verkehren, mit ihm ver⸗ ſteht man ſich ſtets.
So klagte ich ihm denn mein Leid in Bezug auf das unerhörte Vorhaben meiner Couſine. veruhigte mich. Es ſei allerdings früher nicht gangbar
geweſen, daß eine Frau ſich unbeſchützt öffentlich ausgeſetzt; undeſſen dürfte ich unbeſorgt ſein, dadurch einen Makel auf unſere Familie geworfen zu ſehen; denn mit dem Worte „emancipirt“ ſei dieſe Neigung eine Kunſt zu üben nicht
zu bezeichnen. Ich ſollte ein Auge zudrücken und die Sache
ohne Rüge ihren Gang gehen laſſen. Man würde weiter nicht daruber reden. Er iſt ſo verſtändig, daß ich ihm
zitternde Dey Abgeordnete an den König von Frankreich ſchicken
wollte, um ihm Friedensvorſchläge machen zu laſſen. Dieſe
Vorſchläge zu überbringen, wählte er Porcon de la Barbinais, indem er glaubte, daß ein ſo tapferer Mann, der ihm ſo viel Schaden zugefügt hatte, in hohem Anſehn ſtehen müßte, und daß ſeine Worte daher von Gewicht ſein würden. Ehe er indeß einen Gefangenen freiließ, der ihm ſo wichtig ſchien, mußte Porcon ſchwören, in die Gefangenſchaft zurückzukehren, wenn die Unter⸗ handlung mißlänge.„Erinnere dich,“ ſagte ihm der Dey,„daß
die Köpfe von 600 gefangenen Franzoſen mir für den Deinigen
haften.“ Porcon reiſte ab; doch die Vorſchläge des Dey waren unan⸗ nehmbar, und er that daher nichts, um ihnen das Wort zu reden,
ſondern begab ſich von Paris nach Algier zurück, des Looſes, das
ſeiner harrte, gewiß. Der wüthende Dey ließ ihm den Kopf abſchlagen.
Durch den verhängnißvollen Vertrag von Bretigny im Jahre 1360 hatte der Dauphin Karl als Löſegeld für den König Johann ein Drittel von ganz Frankreich an die Engländer zu voller Ober⸗
hoheit abgetreten und noch außerdem drei Millionen Goldthaler
gezahlt, die man nach unſerm jetzigen Gelde auf 247 Millionen Francs ſchätzen kann. Unter den abgetretenen Theilen befand ſich auch Ponthieu mit der Hauptſtadt Abbeville. Dieſes ſah ſich mit Schmerz von Frankreich losgeriſſen und unter eine neue Herrſchaft
geſtellt. In jener Zeit war jede Herrſchaft drückend, doch die des
Auslandes in der patriotiſchen Stadt unerträglich, wenn ſie durch ihre Straßen die fremden Söldlinge ſchreiten ſahen, die ſeit fünf⸗ zehn Jahren Frankreich unter die Füße traten und keine große
Rückſicht gegen die zeigten, welche der Sieg ihnen unterworfen hatte. Es fanden Zuſammenkünfte ſtatt, die endlich zu einem Aufſta⸗— führten. Dieſer wurde unterdrückt und ein reicher Bürger, Namens
Ringois, dabei verhaftet. Der engliſche Commandant zeigte ſich indeß ſehr gemäßigt und bot Ringois die Freiheit unter der einzigen Bedingung an, daß er Eduard III. den Eid der Treue leiſten
ſollte. Ringois weigerte ſich deſſen. Man brachte ihn nach
Dover und drohte ihm mit dem Tode, wenn er auf ſeiner Weigerung beharrte; er blieb dabei. Nun führte man ihn auf den Gipfel eines das Meer überragenden Thurmes der Feſtung, ließ ihn die Brüſtung erſteigen und forderte ihn auf, das einzige Wort auszuſprechen, das ihn retten konnte. Er verweigerte es abermals, und die Wachen ſtießen ihn mit ihren Lanzen hinab in das Meer. Dieſe großmüthige Selbſtaufopferung war nicht verloren, denn einige Jahre ſpäter rächte Abbeville den Tod Ringois’. Ein
furchtbarer Aufſtand brach aus, und nach einem Kampfe, der drei Tage währte, wurde die feindliche Garniſon vertrieben. König Karl belohnte die Treue der Stadt, indem er den Schöffen derſelben den Adel verlieh und drei goldne Lilien in das Stadtwappen auf⸗ nehmen ließ. Sie ſind noch darin; doch wer kennt vielleicht in Abbeville ſelbſt den Namen Ringois noch?— a.
Der Raffee und die öffentlichen Raffeehäuſer. Der Kaffee kam aus Arabien zu uns und war im Orient bereits ſeit langer Zeit im Gebrauch, als er in Europa eingeführn wurde. Der Reiſende Theévenot machte ihn in Paris gegen 1616
zuerſt bekannt. Auf ihn folgte Soliman Aga, türkiſcher Geſ andter,
[II. Jahrg.
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