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arme Kranke, in deren Geſichte eine ſchreckliche Veränderung vorgegangen war, denn die bleiche Farbe war in eine bläu⸗ liche übergegangen und die Augen ſtrahlten einen unheim⸗ lichen Glanz aus.
Der Advocat hatte dieſe Veränderung wohl bemerkt, trotzdem aber ſagte er mit einer eiſigen, höhnenden Ruhe:
„Sie zwingen mich, die ſtrengſten Maßregeln zu er⸗ greifen, die mir das Geſetz geſtattet.“
Herr Morton erhob ſich und machte Miene nach der Thür zu gehen. Die beſtürzte Erneſtine warf ſich ihm entgegen.
„Mein Herr, Sie werden der Mutter den Tod geben,“ flüſterte ſie in der höchſten Angſt.„Seien Sie nachſichtig, es ſteht ein Menſchenleben auf dem Spiele. Nehmen Sie die Abſchlagszahlung, ich ſchwöre Ihnen, daß Sie in kurzer Zeit ſchon eine ähnliche Summe erhalten werden!“
Und dabei ſtreckte ſie dem Manne der Gerechtigkeit bittend die kleinen gefalteten Hände entgegen.
Herr Morton ſah das ſchöne bleiche Mädchen an. Ein kaum merkliches Zucken ſeiner Geſichtsmuskeln verrieth, daß etwas in ſeinem Innern zu Gunſten der Bittenden vorging, daß er ſich aber bemühte, es unter der Maske der Kälte und Gleichgültigkeit zu verbergen.
„Ihre Mutter wird davon nicht ſterben, mein Kind!“ flüſterte er boshaft lächelnd.„Und wenn Sie dies fürch⸗ ten,“ fügte er noch leiſer hinzu, indem er ihre Hand ergriff, „ſo befriedigen Sie mich mit dem Mittel, das zu Ihrer Verfügung ſteht.“
„Was wollen Sie beginnen?“
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Dritte Folge.
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„In das Schuldgefängniß!“ rief ſie mit erſterbender
Stimme.
„Nie! Nie!“ ſchluchzte Erneſtine.„Mutter, ſei ruhig, man wird ſich nicht an Dir vergreifen!“
„Wer will mich hindern?“ fragte Herr Morton, der eine Annahme ſeines Vorſchlags hoffte, wenn er bis zum Aeußerſten ginge.
„Ich! Ich!“ rief ſie feſt und entſchieden. „Erneſtine,“ ſagte die Mutter, indem ſie mühſam ihre
abgemagerten Arme ausſtreckte,„Du wirſt Dein junges Leben nicht opfern, um mir einige armſelige Tage zu er⸗ halten. Ich verſage Dir meine Einwilligung— Du darfſt die Gattin eines herzloſen Mannes nicht werden— laß ihn gewähren— man wird nur meine Leiche in das Gefängniß bringen. Ach, ich fühle es— ich erlebe dieſen Abend nicht mehr!“ V„Mutter, ängſtige Dich nicht, es gibt noch gute Menſchen, die uns Hülfe leiſten! Herr Advocat,“ ſagte Erneſtine, plötzlich einen Entſchluß faſſend, im Tone der Ueberzeugung,„geben Sie mir eine Stunde Zeit, und ich bringe Ihnen die Summe, die Sie zu fordern ſich berech⸗ tigt glauben.“
Herr Morton ſtutzte. War es dem jungen Mädchen möglich, das Geld zu ſchaffen— und er mußte es nach der Gewißheit, mit der ſie ſprach, glauben,— ſo ſcheiterte ſein ſo künſtlich angelegter Plan. Er warf einen Blick auf die Kranke, die leichenblaß und in einer fürchterlichen Aufregung ſich mühſam emporgerichtet hatte. 2
„Gehen Sie, mein Kind, ich kann Sie nicht halten!“ ſagte er ruhig.„Wenn Sie aber in einer Stunde Ihre
„Ich laſſe die Wechſelſchuldnerin auf einem ganz be⸗ Mutter ſprechen wollen, ſo kommen Sie nach dem Schuld⸗ quemen Wege in das Schuldgefängniß ſchaffen. Dort hat gefängniſſe.“ ſie auf meine Koſten eine beſſere Pflege, als hier auf die Erneſtine ſtand wie zerſchmettert. Ihr fehlte der Muth, Ihßhrigen!“ in dieſem Augenblicke den Weg zu unternehmen, von dem Dieſe Worte hatte der Advocat ſo laut geſprochen, daß ſie Rettung erwartete. Sie ſah ſchon im Geiſte das leere ſie der Kranken nicht entgangen ſein konnten. Bett, wenn ſie zurückkehrte, und wer gab ihr Bürgſchaft 1
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„Ihr werdet nicht auf die öffentlichen Fonds ſpeculiren. AIbr werdet nicht in das leichtfertige Spiel mit Eiſenbahn⸗
actien Euch miſchen.
2„Ihr werdet ſtets mit Wohlwollen Euren Actionär empfangen, Ihr werdet immer Euch beeilen, ihm Rechenſchaft abzulegen und ihm Aufklärung zu geben, wenn er ſie verlangt,— Ihr werdet ihn um keinen Preis auf die erſte Dividende ein Jahr und drei Monate warten laſſen!“
Ddies war die Idee, die der heilige Saint⸗Simon ſeinen Schülern hinterließ. Als er damit ſein Teſtament gemacht hatte, hauchte er ſeinen Geiſt aus, indem er ſagte:„ZJetzt kann ich dieſe Erde verkaſſen, ich vermachte ihr den Credit Mobilier.“
Die Schüler empfingen freudig ſeine Idee, aber ſie ſagten ſich:„Ei was! Unſer Meiſter iſt längſt alt geworden und ein wenig faſelig,— nehmen wir den Credit Mobilier, wie er uns gefällt, und brauchen wir ihn zu unſerem eignen Nutzen!“
So brachten ſie den Credit Mobilier auf die Börſe; ſie machten die Hauſſe und die Baiſſe, ſie ſtießen das Einmaleins um und zeigten, daß zwei mal zwei viel mehr macht als vier.
4 Es gab kein Geſchäft, das ihnen nicht gut dünkte, wenn ſie Geld dabei verdienten, und ſo kam es, daß ſie unberechenbare
Verdienſte machten und daß in wenigen Monaten die Erfinder des
Credit Mobilier ſo reich wurden wie kleine Fürſten. Das iſt die Parabel vom Credit Mobilier.
Aus der Geſchichte. Zwei unbekannte Helden.
In der Mitte des 17. Jahrhunderts war die Macht Spaniens
im mittelländiſchen Meere tief geſunken, die Frankreichs noch nicht
an deſſen Stelle getreten, und Niemand übte die Polizei in dieſem
Meere aus. Die Zeit war daher höchſt günſtig für die Seeräuber
der Barbareskenſtaaten, die ungeſtraft von Candia bis zu den
baleariſchen Inſeln, von den Küſten der Provence bis zu denen
Siciliens ſtreiften, die Schiffe ausplünderten und die Mann⸗
ſchaften derſelben tödteten oder in die Sclaverei ſchleppten. Was
indeß die Regierungen vernachläſſigten, verſuchten einige Städte
zu thun. St. Malo z. B. hatte einen bedeutenden Handel und
ſuchte dieſen durch die Waffen zu ſchützen. Von Zeit zu Zeit
ſchickte es eine Fregatte zum Kreuzen in das mittelländiſche Meer
hinaus, und um die Handelsſchiffe gegen die algieriſchen Piraten
zu ſchützen. 1665 verrichtete dieſen Dienſt eine Fregatte von 36
Kanonen. Sie wurde befehligt durch einen Einwohner St. Malo's, Porcon de la Barbinais. Porcon that Wunder. Statt
reicher Priſen fanden die Algierer überall nur ihn auf ihrem Wege,
und der Dey ſah nichts als beſchädigte Schiffe mit decimirter
Equipage in ſeinen Hafen einlaufen. Er ſchwur bei dem Barte
des Propheten, ſich an dem ungläubigen Chriſtenhunde zu rächen, der ſeinen Handel zu Grunde richtete, und brachte gegen die einzige
Fregatte ſolche Streitkräfte auf, daß ſie endlich genommen und
Porcon nach Algier gebracht wurde. Indeß begann Ludwig XIV. ſeine Macht als König zu zeigen. Er hatte eine Escadre unter den Befehlen des Herzogs von Beaufort abgeſchickt, welche die
Corſaren zweimal ſchlug, ſo daß Algier bloßgeſtellt war und der


