Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
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jeden einzelnen Punkt unſerer Angelegenheit freimüthig be⸗ rühren zu dürfen.

Der vornehme Herr gab ein zuſtimmendes Zeichen, in⸗

dem er mit dem Kopfe nickte. Der verſtorbene Lord Derby, fuhr Morton fort, war Ihr vertrauter Freund. Als er ſtarb, machte er Sie zum Vormunde ſeines einzigen Sohnes und rüſtete Sie mit einer Gewalt aus, die der väterlichen gleich kam. Um Sie als Freund zu ehren, hob er ſelbſt während der Dauer der Vormundſchaft die gewöhnlichen Beſchränkungen auf, das Vermögen ward zu Ihrer Verfügung geſtellt, und Sie hatten nur die beiden Bedingungen zu erfüllen: den jungen Lord väterlich zu erziehen, und ihm bei ſeiner Volljährigkeit das Vermögen zu überliefern.

Die erſte Bedingung, murmelte Lord Seyton,habe ich dem Freunde redlich erfüllt; an der Erfüllung der zweiten

Hinderten Sie Verhältniſſe, in die ein Menſch leicht gerathen kann, der mehr Lord als Geſchäftsmann iſt. Albert Derby, ihr Pflegbefohlener, iſt ein vortrefflicher junger Mann geworden; um aber in England eine Rolle zu ſpielen, braucht er Geld, gute Eigenſchaften allein ge⸗ nügen nicht.

Das lag mir am Herzen. Sein mir anvertrautes Vermögen war mit dem meinigen verſchwunden. Seine Volljährigkeit und mein Ruin rückten immer näher ich befand mich in einer ſchrecklichen Lage. Sie, Morton, ſind als der ſcharfſinnigſte Advocat bekannt; wenn nicht von Ihnen, iſt nirgends Rath zu erhalten. Ich ſchickte zu Ihnen

Und ich kam, Mylord. Kaum hatten Sie mir das Teſtament des verſtorbenen Lords Derby vorgelegt, aus dem ich irgend einen Anhaltepunkt für Sie herausſuchen wollte, als ich auch ſchon Ihre drückende Lage für beſeitigt erklärte. In dem Teſtamente fand ich ein Legat von zehn⸗ tauſend Pfund für den Kammerdiener Robert. Der

Novellen⸗Zeitung.

(Kammerdiener war Kaufmann geworden und hatte mit dem Gelde ſeines Herrn gewuchert. Er war als ein Mil⸗ lionär geſtorben. Tags zuvor, als Sie vor zwei Jahren zu mir ſchickten, hatten die Erben aus Deutſchland, eine Malerfamilie, mir Auftrag gegeben, die Erbſchaftsangele⸗ genheit zu reguliren. Ich rieth Ihnen, als dem Vormunde lieferte Ihnen als Unterlage dazu jenen Revers, den der V Kammerdiener bei Empfang der Summe ausgeſtellt haben ſollte.

O, dieſe Erfindung war die geiſtreichſte von der Welt, ganz unſers berühmteſten Advocaten würdig! rief der Lord. Herr Morton verbeugte ſich nachläſſig mit dem Kopfe. Wenn es die Ehre einer hohen, einheimiſchen Familie gilt, müſſen die Intereſſen von Ausländern nachſtehen, fügte er hinzu.Der Kaufmann Robert verdankt ſein Glück dem Großmuthe des verſtorbenen Lords Derby, folglich iſt es ſeine Pflicht, daß er ſich gegen den Sohn ſeines Wohlthäters dankbar zeigt. Unter den obwaltenden Verhältniſſen konnte ich dieſe Klugheitsmaßregel mit meinem Gewiſſen vereinbaren. Sie gewannen alſo den Proceß und erhielten für Ihren Pflegbefohlenen, der übrigens keine Silbe davon weiß, die Erbſchaft ausgezahlt. Der deutſche Maler iſt ebenfalls vor einem halben Jahre geſtorben, ſeine Witwe wird nächſtens ſterben, und ſeine Tochter muß auf eine andere Weiſe unſchädlich gemacht werden. Sobald dies geſchehen, werde ich Bericht erſtatten.

dem Advocatef.

Hier iſt eine Anweiſßes von zweitauſend Pfund auf meinen Banquier, ſagte erEs iſt nicht viel für den wichtigen Dienſt aber der Vormund ſetzt der Dankbarkeit des Lords Grenzen.

Es iſt genug, Mylord! Die Ehre, eine verwickelte Sache gelöſt zu haben, geht dem wahren Advoraten her das Gold.

*

Biſchof rieth ihm davon ab, indem er meinte, er würde nicht gut gehört werden und das Volk könnte in ſeiner gegenwärtigen Auf⸗ regung leicht das, was er ſagen wollte, mißdeuten.

Nachdem Egmont ſeine geiſtigen Angelegenheiten beendet hatte, bat er um Schreibmaterial und ſchrieb einen Brief an ſeine Gattin, die er während ſeiner langen Haft nicht geſehen hatte. Er ſagte ihr jetzt ein zärtliches Lebewohl und richtete hierauf einen andern franzöſiſch geſchriebenen Brief mit kurzen und rührenden Worten an den König. Dieſer Brief iſt uns zum Glück aufbe⸗ wahrt worden:Dieſen Morgen, ſagte er,bin ich mit dem urtheilsſpruch bekannt gefallen hat, gegen mich fällen zu laſſen. Obgleich es nie meine

Eurer Majeſtät zu unternehmen, noch gegen unſern wahren alten

aus Rückſicht auf das, was ich

betrachtete.

armen Weibe, meinen

Da dem Grafen noch Zeit genug blieb,

ſie ihrer Beſtimmung zu übergeben. mit einem Ring, der zugleich

gemacht worden, den es Eurer Majeſtät Abſicht geweſen iſt, irgend etwas gegen die Perſon oder den Dienſt

und katholiſchen Glauben, ſo empfange ich doch in Geduld, was es Gott gefallen hat, über mich zu verbängen. Wenn ich während der letzten Unruhen irgend etwas gerathen oder zu. thun erlaubt habe, was anders erſchienen ſein mag, ſo that ich dies aus auf⸗ richtiger Achtung für den Dienſt Gottes und Eurer Majeſtät und als ein Erforderniß der Zeit Ich erbitte dafür Eurer Majeſtät Verzeihung und flehe, wegen meiner vergangenen Dienſte Mitleid mit meinem 1 3 Kindern und meinen Dienern zu haben. ſo eben hörten, frei blieb, trug er ein weißes Taſchentuch. Auf In dieſem Vertrauen empfehle ich mich der Gnade Gottes. Der ſeinem Wege zu dem Orte ſeiner Hinrichtung begleitete ihn Julian Breief iſt datirt Brüſſel, im Angeſicht des Todes den 5. Juni 1568. von Romeo, maitre de camp, der Capitain Salinas, Comman⸗

nahm er eine ſchöne dant der Feſtung von Gent, und der Biſchof von Ypern. Während Abſchrift von beiden Briefen, gab ſie dem Biſchof und bat dieſen, 8 Den an Philipp begleitete er 55. Pſalms: mit dem Schreiben dem Könige der Prälat mit einſtimmte.

übergeben werden ſollte. Er war von großem Werth und ein Geſchenk Philipps ſelbſt während der letzten Anweſenheit des Grafen in Madrid; Egmont hoffte daher, er würde das Herz des Königs erweichen, indem es ihn an die glücklichen Tage erinnerte, während welcher er auf ſeinen unglücklichen Vaſallen mit dem Auge der Gunſt geblickt hatte. Nachdem Egmont alle ſeine Vorbereitungen beendigt hatte,

zeigte er ein ungeduldiges Verlangen nach der Stunde ſeiner Hinrichtung und ſprach die Hoffnung aus, daß keine unnöthige Zögerung ſtattfinden würde. Um 10 Uhr Morgens erſchienen die Soldaten, die ihn zu dem Blutgerüſt begleiten ſollten. Sie brachten Stricke mit, um wie gewöhnlich des Gefangenen Hände zu binden. Egmont machte Gegenvorſtellungen und zeigte, daß er ſelbſt den Kragen ſeines Rockes und ſeines Hemdes abgeſchnitten hätte, um das Werk des Scharfrichters zu erleichtern. Er that dies, um die Soldaten zu überzeugen, daß er auf keinen Wider⸗ ſtand ſinne, und auf ſein Verſprechen, keinen zu verſuchen, willigten ſie ein ſeine Hände ungebunden zu laſſen. Egmont trug ein Gewand von carmoiſinrothem Damaſt und darüber einen ſpaniſchen Mantel mit goldnen Franſen. Seine Beinkleider waren von ſchwarzer Seide, ſo wie ſein Hut, den weiße und dunkle Federn ſchmückten. In der Hand, die, wie wir

ſich der Zug langſam fortbewegte, ſprach Egmont einen Theil n w

Albert's Derby, die Erbſchaft ſtreitig zu machen, und 1

Der Lord zog ein Papier hervor und überreichte es

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