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der nahe bei den Trauereſchen wohnt, und ich mußte danach weinen; es wurde mir unſäglich wehe dabei.— Mag's euch der kleine Vogel auch erzählen, der hat Alles ſelbſt erlauſcht,— er und ſeine kleine, ſtille Gattin. Vielleicht plaudern ſie grade heute Abend wieder davon.— Die Trauereſchen tauchen ihr Haupthaar in den mondbeglänzten Spiegel des Teiches; in dem Gemäuer daran hat ſich die Unke eingeſiedelt, mit ihrem ſilbernen Glöckchen feierlich ernſt zu läuten in jenen zauberiſchen Nächten.— Wie über'm Hochaltar im Dome, ſo wölben ſich die Eſchen und oben auf der Wölbung hat das kleine Vogelpaar ſeinen friedlichen Sommerſitz, nahe dem ſtillen, traulichen Neſt⸗
chen.— Smaragdne Käfer ſchweben lautlos durch dies dichte Gehänge der Zweige, und darunter iſt es wie in einem geweiheten Raume.— Aber, o hört— der kleine
Vogel erzählt der Nachtigall, die heute Abend ihn zu be— ſuchen kam, daß es nicht immer einſam hier geweſen iſt.— Ach, das wird dieſelbe Geſchichte, die ich euch verheißen habe,— ſo ſeid nur gern zufrieden und hört ſtille zu!—
„Sieh, liebe Seele“— hebt er an—„es iſt lange her, mein Weib und ich ſind ſeitdem fort geweſen übers Meer, weit, weit, und als wir wiederkamen, haben wir
gemeint, die lieben Eſchen könnten nimmer noch an der alten
Stelle ſtehen, wir haben gemeint, es müſſe Alles anders geworden ſein, aber wir fanden Alles wieder, und der Schmerz um fremdes Leid, das wir hier geſchaut, der war auch noch hier und zog uns wieder in die kleine Bruſt, daß wir davon ſingen und klagen müſſen und können'’s nimmer vergeſſen.— Es war ein Abend gleich dieſem. Die Kleinen ſchliefen gut und feſt; der laue Abendwind legte ſeine weichen Flügel auch um ſie; wir ſaßen hier oben auf der Eſche hoher Kuppel und ſchauten hinaus in die köſtliche Nacht und badeten die Bruſt in ihrem milden Hauche.—
Der Blumen leiſer Schlummerathem ſäuſelte durch die Nacht zu uns. Wir ſahen die Elfen ſich baden im ſchim— mernden Thau. Wir lauſchten ihren leiſen Ruderſchlägen,
Novellen⸗Zeitung.
wenn ſie auf weißem Blüthenblatte von einem duftigen Thron zum andern ſchifften. Das ſind die geheimnißvollen
wunderbaren Klänge, die ſich kein Menſch mehr zu deuten weiß. Wir aber dürfen Manches ſchauen und wiſſen, uns und den Blumen iſt ja nichts verborgen, darüber der Himmel freundlich blaut!— Die Elfen legten auf jedes kleine Blumenhaupt einen prächtigen Perlenkranz. Du aber ſaugeſt drüben am Bache im Weidenbaum den ſüßen Traum von. ewiger Liebe und Luſt. Da theilte ſich der tiefhängende Blättervorhang unter uns und in dem lauſchig ſtillen Raum hier drunten kamen zwei Geſtalten. Es war ein ſchöner, hoher Jüngling, an ihm lehnte ein Mädchen. Wir hatten die Beiden ſchon oft in freundlichem Verkehr zuſammengeſehen. Wir hatten gehört, wie heitere Scher⸗ zesworte von ihren Lippen hinüber und herüber flogen, wie ſie gleich Kindern ſich zuſammen freuten. Das war in den erſten Tagen des jungen Frühlings! Aber bald wurde es anders. Oft ſahen wir Thränen in den Augen der Jung⸗ frau und nicht mehr eilte ſie in raſcher Freude den Schritten des ihr Nahenden entgegen; ſie bebte ſcheu zuſammen. Oft war es faſt, als wenn ſie fliehen möchte, wenn er kam, und vor ſeinem immer ſtrahlenderen Blicke ſenkte ſich ihr Auge, das ſonſt ſo voll in ſeines geſchaut, ſchüchtern zur Erde. Aber wenn er ſie verließ nach flüchtigem Beiſammenſein, dann ſchaute ſie ihm dennoch ſehnend nach. Und nun kamen ſie gegangen, mit einander, in ſtill heiliger Nacht. Der Mond warf hellen Glanz auf ihre Angeſichter,— es lag Unſägliches darauf, wir konnten's nicht benennen. Und der Mann ſenkte den dunkel gluthvollen Blick tief in das lichte treue Auge der Jungfrau, ſo daß von dem warmen Strahle die Thräne ſich losrang und Perle um Perle leuch⸗ tend niederſank. Da flüſterte Er geheimnißvolle Worte zu der Weinenden und ihr Geſicht ruhte an ſeiner Bruſt, aber ihr erhabenes, warmes Auge mußte immerfort den Strahl aus dem ſeinigen trinken, als ſei es ihr Leben geworden. So ſaßen ſie und waren ſtill geworden; wir hörten nichts
Schwefelgevuch verbreiten und die obenerwähnte Zeitungsangabe „ ß daher als irrthümlich erklärt werden. Was die rothe Farbe des Blutregens betrifft, ſo muß ſie der Beimiſchung einer zahlloſen Menge kleiner Inſecten von dieſer Farbe zugeſchrieben werden. a.
Neue Eppedition nach den Quellen des Ril.
Der Vicekönig von Egypten iſt begierig geweſen, ſich den ſeit einigen Jahren unternommenen Verſuchen zur Auffindung der Nilquellen anzuſchließen, und hat daher beſtimmt, daß eine Expe⸗ dition nach dem obern weißen Nil abgeſendet werden ſoll. Den
Befehl über dieſelbe trug er einem jungen franzöſiſchen Reiſenden
an, dem Grafen Escayrac von Lauture, der durch bedeutende Studien über Sudan bekannt iſt.
Nach dem Plan, den Graf Escayrac der geographiſchen Geſellſchaft vorlegte, wird die Expedition aus drei Compagnien Soldaten des Geniecorps, Sappeuren ec. beſtehen, welche zugleich
erforſchen.— Dieſes ungeheure Meer, welches die Stelle ein auf vielen Karten dem fabelhaften See Marawi angewie
Männer.
iſt 15 bis 20 Tage der Schifffahrt groß, wie die arabiſchen Handelsleute ſagen, die es genau kennen wollen. Die Südſeite Nyaſſar iſt erforſcht worden, die Nordſeite aber iſt vollkommen unbekannt. Es ſoll derſelben, wie man ſagt, ein großer Fluß entſpringen, welches vielleicht der Schary iſt. Jedenfalls gibt es an ſeinen Ufern mehrere beträchtliche Staaten und wichtige Städte. q.
Die drei vornehmen Jünglinge. (Arabiſche Anekdote.)
Naaman, Bey von Conſtantine, ließ eines Tages in der ganzen Stadt verkünden, daß es bei Todesſtrafe verboten ſei, ſich während der Nacht auf offener Straße blicken zu laſſen. Die Ausführung des Decretes vertraute er dem Kaid⸗ed⸗dar an, dem er befahl, nächtliche Runden in der Stadt vorzunehmen. Als die Nacht anbrach, verrichtete der Beamte ſein Gebet, und als er die Moſchee verließ, nahm er fünf Polizeiagenten mit ſich, in deren Begleitung er ſeine Runde durch die verſchiedenen Stadttheile begann. Als ſie nach der Straße der ſogenannten Tuneſiſchen Wirthe kamen, trafen ſie drei ſehr elegant gekleidete junge Männer,
die ruhig mit einander ſprachen.
„Ihr jungen Leute,“ rief ihnen der Kaid⸗ed⸗dar zu,„aus welchem Grunde irrt Ihr zu dieſer unziemlichen Stunde in der Stadt umher?“
„Wir haben dazu gar keinen Grund,“ ſagten die drei jungen
[II. Jahrg. V
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nühr, aber „du“ tonte bebte es a ſie ſich inni ſein größtes „Da wunderbare den lauſchten Midchen ſag ihren allmäe Luſt und all ans fingen! „Daral Anſchauen, Menſchen L fromm geſt goldnen Ke tauchen, d zog es mäch kannten wi hatte oft in Gattin hat! auf ihr ruh ihrem kleine ihr jeßt. an der Sei „Als gefaltenen ſetzten uns wir deutlie ſahen wir glaube, ſie trauten Ra Mutter ſie ſahen wirf Gühet aus
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