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Abend und die Nacht durch auf den Beinen bleiben ſollen und am Tage noch ihr eigenes Geſchäft haben?“
Der Alte von der Naſe hat das Achtel ausgetrun⸗ ken——„Auguſt, gib mir noch ein Achtel!“— Auguſt verläßt das Zimmer und ſagt halblaut:„Es iſt nicht aus⸗ zuhalten, alle Wochen einmal die Wirthſchaft mit ihm— er bekommt keinen Tropfen mehr!“ Zugleich ſtellt er ſich neben das Büffet und zählt auf einer kleinen ſchwarzen Tafel gewiſſe ureinfache Zeichen, welche die Zahl der ge⸗ noſſenen Achtel auf die leichteſt faßliche Weiſe ausdrücken. Er kommt wieder und ſagt tonlos:„Vierzehn.“ Nun wird Rothnaſe ernſthaft böſe.„Vierzehn? nur vierzehn? ſo wenig habe ich noch in meinem Leben nicht an einem Abend getrunken. Hätte ich nicht ſchon vorher in der Leipzigerſtraße zwanzig Achtel getrunken, Ihr ſolltet mich nicht ſo ſchnell loswerden. So ſeid Ihr Alle, Ihr ſeid undankbares Volk. Alle Wochen komme ich nur einmal her, damit Euch das Spätaufbleiben nicht ſchadet, und wenn die Reihe an Euch iſt, ſeid Ihr niederträchtig gegen mich und wollt mich in die kalte Nacht hinausſtoßen— Auguſt, noch ein Achtel— Auguſt, wenn Du ein Menſch biſt, er⸗ barme Dich— komm, gib mir einen Kuß— ſei mein Freund, Auguſt!“
Der Kellner iſt unerbittlich. Er zündet den Wachsſtock bei der letzten Gasflamme an und löſcht dieſe ſelbſt aus. Ein unheimliches Halbdunkel zerſtört alle eitlen Hoffnungen auf das letzte Achtel. Der Alte ſetzt den Hut auf und ſpricht:„Auguſt, ich werde das nächſte Mal bezahlen;“ er bezahlt nämlich ſtets ſeinen Wein erſt acht Tage ſpäter. Die Hausthür wird geöffnet, fällt hinter dem Alten ins Schloß— da klopft er noch einmal an.
„Was vergeſſen?“—„Ja, Auguſt, ich habe vergeſſen, Dir gute Nacht zu ſagen, bleibe mein Freund, Auguſt, hörſt Du— gute Nacht!“
Novellen⸗Zeitung.
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Weißer Schwan.
Gedicht von Hugo Oelbermann,).
Bild des Stolzes— weißer Schwan! Unbekümmert deine Gleiſe
Ziehſt du, wie der Edle, Weiſe,
Dem der Buben Pfeile nah'n!
Bild des Stolzes— weißer Schwan!
Bild der Hoheit— weißer Schwan! Mahnſt mich an die hohen Seelen, Die dem Schönen ſich vermählen, Liebend ihm ins Auge ſah'n;
Bild der Hoheit— weißer Schwan!
Bild der Reinheit— weißer Schwan! Zieh' voran.... wenn ſüß und labend Mich dereinſt ein Sommerabend Bettet in der Liebe Kahn;
Bild der Reinheit— weißer Schwan!
Bild des Sängers— weißer Schwan! Der, in Todesfluthen tauchend,
Noch ein letztes Lied verhauchend, Zieht die letzte, dunkle Bahn...
Bild des Sängers— weißer Schwan!
Weiter, weiter deine Bahn— Ziehe, ziehe weißer Schwan!
*) Aus: Gedichte von Hugo Oelbermann. Hamburg, Hoffmann und Campe. 1856.
Eine geſährliche Bonne.
Madame Z..., eine wohlhabende Pariſerin, wurde vor Kurzem früh Morgens benachrichtigt, daß ein Fremder mit ihr zu ſprechen wünſche, und zwar in einer ſehr wichtigen Angelegenheit. Nachdem derſelbe vorgelaſſen war, ſagte er: 1
„Verzeihen Sie, Madame, daß ich Sie ſchon ſo zeitig am Morgen beläſtige. Ich bin Beamter der Sicherheitspolizei und komme als ſolcher, eine Unterſuchung in Ihrem Hauſe vorzunehmen, da wir die Gewißheit erlangt haben, daß ſich ein ſehr gefährlicher junger Verbrecher zu Ihnen geflüchtet hat.“
Man kann ſich denken, wie ſehr Frau Z... bei dieſer Mit⸗ theilung erſchrak, und zwar um ſo mehr, als der Agent noch ver⸗ ſicherte, daß ſich der geſuchte Sträfling unter ihrer Dienerſchaft befinde. Frau Z... behauptete, daß das unmöglich ſei, daß alle ihre Leute ſchon lange bei ihr im Dienſte wären und ſie für dieſelben einſtehen könne. Der Agent entgegnete nur, daß er ſeine Kenntniß aus den ſicherſten Quellen habe und daher verlange, daß Frau Z... unter irgend einem Vorwande ihre geſammte Dienerſchaft herbeirufe.
Nun ließ man nach einander den Kammerdiener, den Kutſcherꝛc. kommen, welche ſämmtlich verſchiedene Befehle erhielten, ohne zu
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Frau Z... fuhr erſchreckt auf ihrem Stuhle empor. „Ach! mein Herr, was für ein Einfall! Wenn es aber ſein
muß, ſo will ich meiner Kammerjungfer klingeln.“
Dieſelbe trat ein. Der Agent gab aber ſehr bald der Dame ein kaum merkbares verneinendes Zeichen, und dieſe befahl darauf der Kammerjungfer, die Bonne mit den Kindern herbei zu rufen.
Fräulein Angelique trat ſogleich ein, die Hände nachläſſig in den Taſchen ihres feſtonnirten Percal⸗Schürzchens. Lange Ringellocken fielen unter dem mit rothen Bandſchleifen beſetzten Häubchen hervor und umgaben ein Antlitz, auf welchem der Aus⸗ druck jungfräulicher Unſchuld lag.
„Das iſt mein Mann!“ rief der Agent aus, indem er mit der einen Hand die vorgebliche Bonne ergriff, mit der andern aber die Haube und das falſche Haar vom Kopfe des zarten jungen Mädchens riß. 1
Man kann ſich denken, wie gewaltig Frau Z⸗⸗, erſchrak, als ſie erkannte, daß ein entflohener Sträfling als Kindermagd in ihrem Dienſte geſtanden habe. Noch immer hat ſie ſich nicht recht wieder von ihrer Ueberraſchung erholt, verſichert aber Jedem,
daß ſie niemals eine ſorgſamere, liebevollere, freundlichere Kinder⸗
magd gehabt habe, als dieſe von ſo ſeltſamer Art. Die Kinder ſelbſt weinten, als ſie ihre liebe Bonne abführen
ahnen, aus welchem Grunde man ſie gerufen habe. Der Agent ſahen, und noch troſtloſer war der Kutſcher, den dieſelbe in einem erkannte in keinem derſelben den Geſuchten, und Frau Z3... ſolchen Grade bezaubert hatte, daß es ſchon ſeine Abſicht geweſen
erwartete daher ſchon, daß er ſich wieder entfernen werde. Aber er blieb und ſagte:
..... „Derzeihen Sie, Madame, aber ich bin noch nicht von dem denn
Gegentheile der mir gemachten Angaben überzeugt. uns zu dem weiblichen Dienſtperſonal übergehen.“
Laſſen Sie geweſen.
war, um ihre Hand anzuhalten.
auch dieſe waren bei Fräulein Angelique in beſter Ordnung 8.
Nun verlaſſe man ſich auf das Geſicht und auf Zeugniſſe,
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