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ten die Uebrigen die äußere Nachläſſigkeit nach und die nen.
Betrübten, die nicht aufgelegt waren, ſich in die Luſtbar⸗ keiten ihrer Mitbrüder zu miſchen, entſchuldigten ihr Nicht-⸗ mitgehen durch ihren Anzug. Wahrer Kummer war die erſte Urſache dieſer Mode; denn er konnte die bunten Ge⸗ wänder, die der Freude angehören, nicht mit ſeiner inneren Stimmung in Einklang bringen und legte ſie darum bei Seite. Dieſe Auszeichnung einer wahrhaften Empfindung verlor ſich bald, denn lachende Erben und Witwen fingen an dieſelbe düſtere Kleidung zu tragen. Pracht und Pomp folgt jetzt dem Geſchiedenen, der Sohn des reichen Vaters betrauert dieſen, indem er ſeine Hülle mit glänzendem Ge⸗ pränge beſtattet.
„Dieſe Art, ſeinen Kummer zu zeigen, findet auch un⸗ ter Fürſten und Königen ſtatt, die ſich in allen Sprachen
Brüder nennen und beim Tode für einander den Purpur
anlegen, im Falle kein Krieg ſie gerade entzweit. Hofleute
und alle Jene, die gern einen ſolchen Namen führen, wer⸗ den bei dem Unglücksfalle eines Prinzen ſogleich vom tief⸗ ſten Kummer ergriffen und tragen die Zeichen deſſelben
bis auf die größten Kleinigkeiten zur Schau.
Des Hof⸗
mannes Mienen und Kleid ſind die Hieroglyphen ſeines Türkei, ſo antwortete er:„Der Sultan lebe in Frieden
Schmerzes. Seine Stimme ſinkt zum bloßen Flüſtern
herab und ſeine Gedanken ſind darauf gerichtet, ſeine Klei⸗
dung nach beſter Einſicht ſeinem Schmerze anzupaſſen. „Die herrſchende Neigung der Menſchen, größer zu
ſcheinen als ſie ſind, verleitet ſie, den Hof zu ſuchen. Die
Dame, die noch geſtern in die Farben des Regenbogens
gekleidet war, wählt heute die Farben der Nacht, weil die
Trauer befohlen. Dieſe Neigung zum Wechſel zeigt ſich nicht nur in Jenen, die der Reichthum in den Stand ſetzt, jede Laune zu befriedigen, ſondern auch da, wo der Man⸗ gel herrſcht. Die Witwe eines Majors, die von einer
Novellen⸗Zeitung.
händler, Seidenfabrikanten und Putzmacherinnen.
kleinen Penſion lebt, findet es unumgänglich nöthig, für
ſich und ihre Töchter die Hoftrauer mitzumachen. Sie darben daheim, um auf der Straße in Schwarz zu erſchei⸗
Sie legen ſich jede Entbehrung auf, nur um zu der erſten Geſellſchaft dem Scheine nach zu gehören.
„Wie verdrießlich es aber auch ſein mag, unter harten Entbehrungen die äußern Zeichen der Trauer zur Schau zu tragen, ſo ſind doch Jene noch nicht die am tiefſten Trauernden; denn zu dieſen gehören die Kaufleute, Spitzen⸗ Ein gütiger und königlich geſinnter Prinz muß ſeinem Tode
darum mit Sorge in das Auge blicken, weil er vorherſieht,
wie viele ſeiner Unterthanen dadurch brodlos werden, und um dem vorzubeugen, wird er anordnen, daß nur die Per⸗
ſonen ſeines Haushaltes Schwarz anlegen und Niemand
ſonſt. Ihm wird eine Trauer des ganzen Landes eine ähnliche Ceremonie dünken, wie die jener Barbaren, die ihre Selaven tödten, um ſie dem Begräbniß ihrer Könige beizufügen.
„In einem Kaffeehauſe erſchien häufig ein Gaſt, der ſtets das Zeitungsblatt mit der Bemerkung aus der Hand legte:„Wahrhaftig, die Fürſten ſind alle noch bei guter Geſundheit.“ Fragte man ihn, was er für Nachrichten aus Wien habe, ſo hieß es:„Gottlob, die deutſchen Prin⸗ zen befinden ſich ganz wohl!“ Fragte man ihn nach der
mit allen Potentaten.“ Als man ſich nach dem Manne
erkundigte, ergab es ſich, daß er ein en gros-Geſchäft mit
Seidenwaaren treibe. Wenn er Beſtellungen macht, ſo geſchieht es ſtets mit dem Vorbehalte: das Uebereinkommen ſei nur in dem Falle bindend, daß kein Fürſt ſterbe. „Wenn ein fremder Geſandter den Hof, bei dem er accreditirt iſt, beim Abſterben ſeines Landesherrn ſchwarze Gewänder anlegen ſieht, während das Volk die Farben der Freude beibehält, ſo wird ihm die ſeinem Herrn erwieſene Ehre weit mehr in die Augen fallen, als wenn die ganze Welt ſchwarz gekleidet wäre. Fragen Sie die Gattin eines Kaufmannes, warum ſie die tiefe Trauer angelegt, und ſie antwortet: ein Mitglied der kaiſerlichen Familie
wickelt, die auf anderem Felde eines Napoleon oder Friedrich des
Großen würdig geweſen wären.
Eine andere, mehr complicirte Operation, um einen Augen⸗ blick der Baiſſe möglichſt auszubeuten, iſt folgende: Du haſt 30,000 Francs, um 50 Actien der Lyon⸗Eiſenbahn zu kaufen;
dieſe 50 Actien bringſt Du auf die Bank und erhältſt gegen Pfand
derſelben 13,000 Francs. Von hier auf die Börſe iſt wieder nur ein Katzenſprung, und Du kaufſt dort für die erhaltenen 13,000 Francs neue 25 Actien; gleich wieder ſtürzeſt Du mit dieſen auf
die Bank zurück, die Dir mit Vergnügen neue 6000 Francs gibt, und ſo bis ins Endloſe hin und zurück, bis Du mit den 30,000,
die Dir gehören, mindeſtens Deine 100 Actien gekauft haſt; dann warteſt Du einen günſtigen Moment ab, bis die Actie um vielleicht nur 100 Franes geſtiegen iſt, und realiſirſt ſo einen reinen Gewinn von circa 10,000 Francs!
Aehnliche Geſchäfte macht ein Weſen, das den ſeltſamen Du weißt wohl nicht, was
Namen der„Börſenſpinne“ trägt. das iſt, verehrter Leſer, die„Börſen“⸗ oder die„ſpeculirende Spinne?“ Dieſes furchtbare Getbier bleibt Monate, oft Jahre lang, ohne das geringſte Lebenszeichen, ohne irgend welche Be⸗ wegung in ſeinem finſtern Netze verſteckt; ſobald aber dunkle Gewitter grollend heraufziehen und die paniſchen Schrecken der Baiſſe ſich über die Börſe ſtürzen, dann ſieht man ſie, die ſpecu⸗ lirende Spinne, aus ihrem Hinterhalt hervorkriechen und ſich mit ihren langen allumfaſſenden Krallen auf die ſchönſten, danieder⸗ liegenden Papiere ſtürzen.— Der Speculant, den wir darunter verſtehen, wartet, mit ſeinen ſichern Fonds in der Taſche, ſtets den Augenblick ab, wo die Baiſſe ihre äußerſten Grenzen erreicht hat,— iſt es dann ſo weit gekommen, daß die Börſe ihre Seele
gewiſſermaßen aufgeben oder in eine günſtige Kriſis eintreten muß,
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dann hat er Vertrauen genug, um an die Fortdauer der Krankheit und des Kranken zu glauben,— er kauft, er kauft furchtbar, er kauft zu den niedrigſten Courſen, was der Markt bietet und was
ſeine Taſche nur faſſen kann, die in dieſem Falle unermeßlich
erſcheint. So ſchrecklich das Erſcheinen dieſes Ungeheuers an ſich iſt, ſo wohlthätig ſind ſeine Folgen; die Börſenſpinne erſcheint nie allein, ſie erſcheint immer in Schaaren; nicht auf Verab⸗ redung, aber wie durch Sympathie kriechen ſie gemeinſam aus ihren dunklen, ſicheren Gewölben mit ihren großen, ſchweren Geldſäcken herbei, und am Tage nach ihrem Erſcheinen iſt das Wetter ſtets umgeſchlagen; die Baiſſe hat ſich erſchöpft, der Himmel heitert ſich auf und die Hauſſe ſendet ihre erſten Früh⸗ lingsboten. Die Börſenſpinne bringt die neue beſte Jahreszeit, aber ſie beutet ſie auch aus: ſie weiß es, wenn der Hochſommer eingetreten, wenn die Speculation ihre Hundstage und die Papiere ihre höchſten Courſe erreicht haben, und dann ſchlägt ſie wieder los, verkauft, verkauft furchtbar— Alles, was ſie beſitzt, um wieder zu verſchwinden, bis ſie dann wieder— und wieder— und immer wieder———— Entſetzliches Ungeheuer! Verruchtes ſolides Menſchenkind, das Du etwas haſt und durch Dein Haben mehr und mehr gewinnſt, das Du nur einfache, ehrliche Geſchäfte machſt und in deſſen Taſche ſchließlich aller Schwindel aller Schwindler ſeine goldnen Fruͤchte trägt!
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