Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
453
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keit und lief zur Stube hinaus. Ich war froh, ihrer los zu ſein, und vergab ihr gerne die Grobheit.

Meine Couſine hatte ſich ſehr geputzt zu unſerm Kränz⸗ chen.Die Leute beurtheilen uns bei unſerm erſten Auf⸗ tretem nach dem Kleide! ſagte ſie. Ich theilte ihre Mei⸗ nung nicht. Ein alter Name läßt das Kleid überſehen. Indeſſen ſchaden konnte es nicht wir gingen. Als wir eintraten, waren ſchon Alle verſammelt. Meine Cou⸗ ſine wurde ſehr artig aufgenommen und entwickelte ſehr viel Unterhaltungsgabe, weit mehr als ich ihr zugetraut. Da meiſtens von Literatur die Rede war, ſo konnte eine Fremde auch leicht darauf eingehen, was nicht der Fall iſt, wenn Tagesneuigkeiten beſprochen werden. Sie erkundigte ſich nach den hier lebenden Schriftſtellern und äußerte den Wunſch, ſie kennen zu lernen. Davon hatte ſie mir noch kein Wort geſagt, und ich wußte darum nicht, ob ſie im Scherz oder im Ernſt rede. Wer eine erwachſene Tochter hat, für den paßt ein ſolcher Umgang doch nicht ganz, ſchon weil dieſe Herren meiſtens Demokraten ſind. Doch blieb das ihre Sache. in Dresden auch ſehr viel ſchreibende Damen, Einige ſag⸗ ten vier und zwanzig, Andere achtundvierzig.

Indem trat noch ein Gaſt ein, der mir noch unbekannt

war, und unſere Wirthin ſtellte Fräulein Elwire von Ko⸗

Man erzählte ihr, es lebten jetzt

ſegarten vor: hier ſei gleich eine aus der Zahl, die am beſten Auskunft über ihre Mitſchweſtern zu geben vermöge.

Sie nahm neben meiner Couſine Platz und gerieth in eine ſehr lebhafte Unterhaltung, die damit endigte, daß ſie ſich gegenſeitig zu beſuchen verſprachen und ewige Freundſchaft gelobten. Die Wirthin ſtand indeſſen wie auf Kohlen, weilDer Wald an die Reihe kommen ſollte und jene Beiden immer noch nicht ſchwiegen. Ich ſtand darum auf, nahte mich meiner Couſine und flüſterte:das Leſen be⸗ ginnt. Sie war nun ſtill und hörte zu, man ſah ihr

Drilte Folge.

türe wenig lerne; wenn es den Damen gefällig ſei, würde ſie zur Abwechſelung einen allerliebſten kleinen Aufſatz aus dem Spectator einſchalten. Natürlich waren Alle zu wohl⸗ erzogen, um nicht darum zu bitten. Die Wirthin, die von mir erfahren, daß meine Couſine ſelbſt ſchreibe, ging noch weiter und erſuchte ſie, eine ihrer eigenen Poeſien zum Beſten zu geben. WennDer Wald beendigt ſei, erwi⸗ derte meine Couſine; als Epiſode gäbe ſie nicht gerne etwas Bedeutendes, das eine friſche Empfänglichkeit verlange, dieDer Wald noch nicht abgenutzt. Zugleich zog ſie aus ihrer Brieftaſche ein Blatt hervor, räusperte ſich und begann mit einer Emphaſis, die mir höchſt unweiblich er⸗ ſchien, einen Aufſatz vorzuleſen, der nicht übler hätte ge⸗ wählt ſein können. Ein Glück, daß ſie ihn nicht für ihre

eigene Compoſition ausgegeben; denn eine Zur Lohe aus

dem Buſche, geborene von Weidenbaum⸗Fegeſack, durfte ſolche Geſinnungen nicht zur Schau tragen, ohne ſich an die Spitze der ſogenannten Emancipirten zu ſtellen. So wenig Achtung vor dem Hergebrachten und vor der guten alten Sitte! Mir traten die Thränen vor Schamgefühl in die Augen, während ſie las. Der Artikel war über⸗ ſchrieben:Die Mode und lautete ungefähr ſo:

Die Mode.

Es iſt die Macht der Mode, die uns verleitet, die unpaſſendſten Dinge zu thun. Die Geſetze der Natur und der geſunden Vernunft ſchweigen vor dieſer Tyrannin, und wir erſchrecken, wenn das Licht auf die ſeltſamen Wege fällt, die ſie uns führt.

Es iſt Mode geworden, den Schmerz um geliebte

Dahingeſchiedene durch eine ſchwarze Kleidung zur Schau g 3 h

aber an, wie zerſtreut ſie war, und bei der erſten Pauſe

nahm ſie das Wort und erklärte, daß man von ſolcher Lee⸗

zu tragen. Forſchen wir dem Urſprung dieſer Sitte nach, ſo dankt ſie ihr Entſtehen ſicher dem Umſtande, daß die Trauernden nicht geneigt waren, ihrer Kleidung eine hin⸗ reichende Aufmerkſamkeit zu widmen. Nach und nach ahm⸗

Equipage und eine Loge in der Oper oder bei den Italienern

und ein Genie der Agiotage.

Und heutzutage fährt er im Fiacre; er iſt nicht mehr bei den erſten Aufführungen weder der Oper noch der kaiſerlichen Muſik⸗ Akademie zu finden; alles, alles iſt bei ihm geſunken, das Ver⸗ mögen, der Einfluß, das Anſehn, der Luxus, die Toilette, die Küche. Es gibt kaum noch ein, zwei oder drei⸗ Wechſelagenten, die ein eignes Hotel haben; diejenigen, deren Frauen Diamanten

tragen, kann man an den Fingern abzählen, und die meiſten von ihnen haben keine andere Decoration an der Bruſt als das kleine

blaue Bändchen. Der Wechſelagent von heute hat es nicht mehr

mit großen Leuten zu thun, ſondern mit Jedermann. Du, ich,

Dein Geiſtlicher, Dein Speiſewirth, Dein Schneider, Dein Be⸗ dienter, wir Alle ſpeculiren heutzutage, und für ſolche Clienten iſt es nicht mehr nöthig, großen Aufwand zu machen. Man kennt die Leute nicht mehr, mit denen man Geſchäfte macht, man braucht

auch nicht von ihnen gekannt zu werden; man iſt kein Fürſt der

Börſe, kein Feldherr mehr, ſondern ein Philiſter, ein Biedermann,

ein Handwerker der Courſe, der nur noch auf Beſtellung arbeitet! IV. Von den Privatſpeculanten.

Wenn man zu Mittag, eine halbe, auch eine ganze Stunde

vor ein Uhr, an der Börſe vorübergeht, ſo ſieht man eine lange

Reihe von Menſchen, die ſich dort wie nach der Thüre eines Theaters drängen. Das ſind Leute aller Stände, Nentiers, Handwerker, Hauseigenthümer, Portiers, Commiſſionäre, Künſtler, Schauſpieler, die ſich alle möglichſt frühzeitig dort einfinden, um

den erſten Platz rings um den Korb der Wechſelagenten, den wir halten. Jeder Wechſelagent war ein berühmter Mann, ein Heros

ſo eben ſchilderten, einzunehmen. Dicht am Parquet der Corbeille Fuß faſſend, an der Seite des öffentlichen Ausrufers, kaufen ſie Actien, die ſie auf derſelben Börſe wieder verkaufen.

Ein großer Theil dieſer Leute iſt hier täglich, und die einzelnen Habitués ſind aller Welt ſo bekannt, als wenn ſie dort zu Hauſe wären. Da, jener Greis mit weißen Haaren, der dem Börſen⸗ wärter eine Priſe Tabak anbietet, iſt der Senior dieſer Specu⸗ lanten. Er iſt ein alter Tenor der komiſchen Oper, der die Stimme verlor und deshalb das Theater mit der Börſe vertauſchen mußte. Seit 30 Jahren erſcheint er hier jeden Tag; früher ſpeculirte er auf die Rente, jetzt kauft oder verkauft er täglich zehn Eiſenbahnactien, nicht mehr und nicht weniger. Aus dem allgemeinen Ausſehen des Parquet und der Couliſſe wir werden dieſen Ausdruck weiter unten noch erklären), aus der Pbyſiognomie der Wechſelagenten ſieht er das Steigen und das Fallen mit einem wunderbaren Inſtinete voraus, und ſo gewinnt er 10 bis 12,000 Francs des Jahres, von denen wenigſtens 4000 als Proviſion in die Taſche der Wechſelagenten gehen, ſo daß ihm noch circa 6000 Franes ſichern reinen Gewinnes bleiben, die er durch zwei Stunden täglichen Drängens und Gedrängtwerdens auf immer noch leichte Weiſe verdient.

Aber nicht alle Privatſpeculanten ſetzen ihr Glück auf die zweideutigen Mienen der Agenten; es gibt ihrer, die bei dieſem Spiel der Courſe ein Combinationstalent entwickeln wie ein Anders beim Schachſpiel. Da iſt ein alter Wechſelagent, der früher an der Spitze der Börſe ſtand, aber jetzt, nachdem er durch Unglücks⸗ fälle in das Privatleben zurückgedrängt iſt, in dieſem Kriege der Hauſſe und der Baiſſe einen Scharfſinn und eine Kühnheit ent⸗