Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
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die ich vor ihrem Schreibtiſche fand, wo ſie einen Berg von Papieren ordnete. Nachdem ich ihr einen guten Mor⸗ gen gewünſcht und ſie gefragt, wie ſie geſchlafen, deutete ich ihr zart an, in welcher Verfaſſung ich ihre Tochter ge funden. Sie lachte.

Das einfältige Mädchen! Welche Angſt ſie hat, unter die Haube zu kommen? Nun, hoffentlich wird ſich im Laufe des Winters eine Partie für ſie finden. Ich wünſche ſelbſt, daß ſie angebracht werde: denn es iſt mir höchſt läſtig, ein junges Mädchen zu überwachen, und mein Auf enthalt bei Dir, liebe Doreſina, hat mit den Grund, daß ich in Dir eine Hülfe dabei zu finden hoffte. Da Du keinen Beruf haſt, ſo wird Dir dieſe kleine Beſchäftigung eine angenehme Abwechſelung ſein.

Ich verſtummte vor dieſer Zumuthung. Es iſt mein Grundſatz, wenn mich etwas überraſcht, ſo nehme ich mir vierundzwanzig Stunden Zeit, die Antwort darauf in mir vorzubereiten, und dann erſt ertheile ich ſie. So machte ich es denn auch diesmal. Ich ſagte etwas, das nicht zur Sache gehörte, und kehrte in mein Zimmer zurück.

Heute war unſer Leſekränzchen. Ich forderte meine in der wirklichen Abſicht ſie einzuführen; denn ich finde immer mehr, wie wenig ſie zu meinen Bekannten paßt. Sie willigte indeſſen ſogleich ein, mitzugehen, und ſomit blieb mir nichts übrig, als ſie einzuführen. Ich hatte ihr im Voraus geſagt, was geleſen würde. Sie rümpfte dazu ein wenig die Naſe.Was ſich der Wald erzählt inter⸗ eſſire ſie nicht, meinte ſie; doch wolle ſie es ſich gefallen

von dem vorzutragen, was nach ihrem Geſchmacke ſei. Ich verſetzte, daß ſie uns damit ſehr willkommen ſein werde; es bringe eine kleine Abwechſelung in unſere Zuſammen⸗ künfte, die uns angenehm anrege. Meine Couſine ſchreibt,

Novellen⸗Zeitung.

Couſine auf, mich zu begleiten, mehr aus Höflichkeit, als

laſſen, es anzuhören, wenn man ihr geſtattete, auch etwas

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Jahrg.

ich weiß es, und geht damit um, ihre Sachen zu veröffent⸗ lichen. Ich billige das nicht, weil es mir unweiblich ſcheint, die Oeffentlichkeit zu ſuchen, beſonders für die Mutter einer erwachſenen Tochter; doch wird mein Urtheil ſie nicht abhalten, ihren eignen Weg zu gehen, und ſo mag ſie denn thun, was ſie nicht laſſen kann. Sie hat eine große Mei⸗ nung von ihrem Talente und ſagte geſtern ſo etwas wie von einem verfehlten Beruf in Bezug auf ihr Eheleben, wobei ſich mein Herz zuſammenzog. Für eine vornehme Frau ſchickt ſich das Wort Beruf ſchon gar nicht, es klingt ſo plebejiſch, ſo gemein; es paßt ſich für bürgerliche Ver⸗ hältniſſe, wo die Frau dem Hauſe vorſtehen und die Ge⸗ fährtin des Mannes ſein ſoll; wer aber nur geſchaffen iſt, einen alten Namen auf die Nachwelt zu vererben, hat ganz andere Pflichten, iſt wie die Königin im Bienenſtocke und keine Drohne. Sie muß ſehr vielen ſchlechten Umgang ge⸗ habt haben, um ſolche Redeweiſe anzunehmen; denn daß es mehr ſei als Worte, will ich mit Gott nicht hoffen! Wir hatten, ehe wir fortgingen, noch eine ſchreckliche Scene mit Elfriden. Ihr war verſprochen, daß ſie zur Entſchädigung für den einſamen Abend, der ihr bevor⸗ ſtand, eine Reitſtunde nehmen ſollte, womit ſie auch ganz zufrieden war. Die Jungfer meiner Schweſter ſollte ſie begleiten und durch das Fenſter des kleinen Toilettenzim⸗ mers ihr zuſehen, des Anſtandes halber, damit ſie nicht allein mit dem Reitmeiſter ſei. Da kam die Nachricht, daß kein Pferd mehr zu haben, d. h. kein Damenpferd. Elfride war außer ſich über dieſes Fehlſchlagen, ſie verlor alle Haltung, allen bon ton, und ſchalt uns Alle der Reihe nach aus, daß wir nicht früher geſchickt, die Stunde zu beſtellen. Auf mich fielen ihre Vorwürfe noch ganz beſonders, weil ich, als hier zu Hauſe, hätte wiſſen müſſen, wie ſehr die Damenpferde in Requiſition.Mein Kind, ſagte ich ſehr gemäßigt,zu meiner Zeit kannte man dieſe unweib⸗ lichen Vergnügungen noch nicht. Da fing ſie laut zu lachen an, murmelte etwas von altjungferlicher Zimperlich⸗

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Die Pariſer Börſe.*

III. Von den Wechſelagenten.

Wenn wir am Portier und an denkleinen Sitzungen glück⸗ lich vorüber in das eigentliche Local der Börſenverſammlungen gelangt ſind, ſo erblicken wir in der Mitte deſſelben eine kreisrunde Baluſtrade, um welche herum ſo ein vierzig Perſonen heftig hin und her reden und geſticuliren, zum Theil mit wüthender Geberde, ſo daß man glauben möchte, ſie drohen ſich Mord und Todtſchlag mit dieſen erhobenen Händen und Fäuſten. Wir begrüßen in ihnen die große, berühmte, ehrenwerthe Geſellſchaft der Agents de change von Paris.

Sowie es ein Uhr ſchlägt und die Börſe geöffnet iſt, ſo türzen die Baluſtrade, die den Namender Korb(corbeille) mit Recht

rägt, da in der That wie um einen Bienenkorb rings um ſie ein enentwirrbares Summen und Flattern und Thätigſein ſich ent⸗ faltet. Die Geſchäfte haben begonnen, die Aufträge kreuzen ſich, man kauft und verkauft, und daher kommt jenes Schreien, jene Exaltationen, die nichts ſind als die krampfhaften Zuckungen einer

Herren Wechſelagenten mit Urgewalt nach jener

Feuilleton.

Oe.

immerwährenden Kriſis, der Paroxysmus von Sollen und Haben, die Pantomimen des finanziellen Fiebers.

Diejenigen, die den Wechſelagenten nur auf dem Theater du Gymnaſe geſehen haben, werden ihn kaum wieder erkennen in dieſer Beſeſſenheit, welche die Augen verdreht, die Fäuſte ballt, die Hände ringt, welche an den Eiſengittern der Galerie rüttelt wie ein wildes Thier und welche wie das Bild der Raſerei die Haare verwirrt, die Mienen entſtellt trägt! Dennoch iſt dies wirklich der Agent de change, aber der Agent de change nicht im Salon der Herren Scribe oder Balzac, ſondern in ſeiner eigentlichen Beſtimmung, auf dem Schlachtfelde ſeiner Kämpfe und Triumphe!

Der Wechſelagent von heute iſt nicht mehr der Wechſelagent von ehemals. Wie die Wahlen, die Wiſſenſchaften und die Kammern, ſo ſind auch das Capital und die Speculation demo⸗

kratiſirt worden. Der Wechſelagent hat ſeine Glorie und ſeine Originalität verloren; früher war die Börſe einzig in ſeiner Hand und nur ausgezeichneten Perſonen ließ er die Auszeichnung zu Theil werden, mit ihnen und für ſie Geſchäfte abzuſchließen. Er gab Bälle, Diners, Zauberfeſte; er mußte ſich verſtellen, als ob er die Künſte und die Künſtler liebe, er mußte ſich glänzende

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Nr. 29.]

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