Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
442
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Geltung brachte,

442 verſchiedenen Ländern, bald durch landwirthſchaftliche, bald

durch religiöſe oder hiſtoriſche Gründe geleitet, auf alle vier verfallen, wie die folgende Darſtellung zeigen ſoll.

Nach der Frühlings⸗Tag- und Nachtgleiche richtete

ſich das Neujahr der Iſraeliten im Alterthum, obwohl ſie daſſelbe als Mondjahr erſt mit dem darauf folgenden Neu⸗ monde begannen. Von ihren zwölf Monaten machten da⸗ her Abib oder Niſan, Siv oder Ijar und Siwan unge⸗ fähr den Frühling, Thamuz, Ab und Elul den Sommer, Ethanim oder Tiſchri, Bul oder Marchesvan und Chislew den Herbſt, Tebeth, Schebat und Adar den Winter aus. Auf die Rechnung der heutigen Juden kommen wir weiter unten zurück.

Mit Frühlings⸗Anfang beginnen noch jetzt die Chine⸗

ſen ihr Jahr, deſſen Monate, den des Laternenfeſtes voran, einfach gezählt werden. Auch die alten Mexicaner began⸗ nen ihr Jahr um dieſe Zeit, meiſt mit Menſchenopfern; die achtzehn Monate deſſelben oder vielmehr Zeiträume von je zwanzig Tagen hießen: Tlacaxipe⸗ hualiztli, Tozoztli, Hueitozoztli, Toxcatl, Etzalcualiztli, Tecuilhuitl, Hueite⸗ cuilhuitl, Micailhuitl, Hueimicailhuitl, Ochpaniztli, Pachtli,

Hueipachtli, Checiogli, Panchetzaliztli, Aremoztli, Tititl,

Iscagli und Atlacoalo, wozu noch fünf in Schwelgereien hingebrachte Schalttage(Nenontemi) kamen. Mit beſon⸗ derer Sorgfalt ſuchten die Peruaner, das einzige Cultur⸗

volk der ſüdlichen Erdhälfte, den Tag zu ermitteln, an dem der Sonnengott, der Stammvater ihrer Inca's, genau die

Hälfte des Tages über der Erde ſchwebte und ſomit Auf⸗ gang und Untergang an zwei gerade entgegengeſetzten Punkten wählte; denn ſie hatten zu dem Ende zwei Rei⸗ hen Säulen, genau von Oſt nach Weſt gegen einander ſte⸗

hend, errichtet, von denen zweimal im Jahre am Morgen

die öſtliche, am Abend die weſtliche Reihe alle Säulen der gegenüberſtehenden Reihe aufs Haar mit ihrem Schatten bedeckte. Die beiden Tage aber, an denen dies geſchah, wurden als Anfang der beiden Jahreshälften angeſehen.

Noveſſen⸗Zeitung.

Gleich den meiſten Eigenthümlichkeiten der amerikaniſchen Culturvölker ging auch dieſe Zeitrechnung durch die ſpa⸗ niſche Eroberung unter..

Auch der höchſte Sonnenſtand oder Beginn des Som⸗ mers galt mehreren Nationen des Alterthums als Anfang des Jahres. So den Aegyptern, bei denen in dieſen Tagen die auf den erſten Anblick gefährliche, bei gehöriger und

weiſer Benutzung aber höchſt wohlthätige Nilüberſchwem⸗ mung eintrat, die durch einen vorher im Glanze der Sonne ſtehenden und nun gegen Morgen kurz vor ihr aufgehenden Stern verkündigt wurde, den man daher bald Sihor(Fluß, Nilſtern, daher Sirius), bald als Warner vor der Gefahr Hund(daher Hundsſtern) nannte, wie denn auch der ab⸗

nehmende Schatten der Obelisken und der ganz aufhörende der ſchrägen Pyramiden den beinahe ſenkrechten Stand der Sonne erkennen ließ. Da man nach der Rückkehr des Waſſers in ſein Bett in den feuchten Schlamm, der das Land bedeckte, die Saat ſtreute, dieſelbe in der dort milden Herbſt- und Winterszeit ganz im Gegenſatze gegen die Sitte anderer Länder wachſen ließ und zu einer Zeit, wo man anderwärts an das Ausſäen dachte, mit der Ernte beſchäftigt war: ſo zerfiel den Aegyptern das Jahr nicht ſowohl in vier Jahreszeiten, die für ſie wenig Bedeutung hatten, als in drei nach der Beſchäftigung der Ackerleute verſchiedene Theile, indem die nach Sternbildern unter⸗ ſchiedenen Monate Thot, Paophi, Athyr und Choiak die Zeit der Ueberſchwemmung, Tybi, Mechir, Phamenoth und Parmuthi die Zeit der Saat und des Wachsthums, Pachom, Payni, Epiphi und Meſori endlich die Zeit der V Ernte ausmachten. Mit dieſem ägyptiſchen Jahre fiel auch das der benachbarten Aethiopier zuſammen, doch hießen deſſen Monate: Maskarum, Tikyrath, Hydar, Tyſchas, Tyr, Jacatit, Magabith, Mijaxa, Ginbat, Syne, Hamle und Nahaſe, wozu noch fünf Schalttage oder Pagomen kamen. Die in Aegypten noch unter den Ptolemäern feſtgehaltene Rechnung erlitt unter der römiſchen Herrſchaft eine Verän⸗

ſchön, und ihre Hände, auf die ſie ſtolz iſt, ſind klein und zart. Sie hat viel Verſtand und beſitzt ſowohl Gewandtheit als Selbſt⸗ beherrſchung, was ſie reichlich bei den ſchweren Prüfungen bewies, denen ſie in ihren früheren Jahren unterworfen wurde. Von Gemüth iſt ſie hochmüthig und befehlshaberiſch, Eigenſchaften, welche ſie von ihrem Vater, König Heinrich VIII., ſ wegen ihrer Aehnlichkeit mit ihm ſelbſt beſonders

r geliebt haben ſoll, obwohl er ſeine Zärtlichkeit auf ſehr ſonderbare

Weiſe zeigte. a.

Theater.

Levaſſor. Ueber den Künſtler, der im verfloſſenen

2. en Kunf Frühjahr die fran⸗ zöͤſiſche Komik mit ſo viel Glück

auf den deutſchen Theatern zur werden einige biographiſche Notizen ſicher ihre Leſer finden.

Pierre Levaſſor iſt bereits im Jahre 1808 in Fontainebleau geboren. Mit zehn Jahren wollte er bald Prieſter, bald Schau⸗ ſpieler werden; mit zwölf Jahren wurde er zu einem Pariſer Kaufmann in die Lehre gegeben, mit fünf Sous wöchentlicher Gage. Was konnte er mit fünf Sous anfangen? Er ging auf die oberſten Galerien der unterſten Boulevard⸗Theater und genoß dort die erſten Weihen der Kunſt, die ihn ſpäter reich und berühmt machen ſollte.

Aber es ſollten noch Jahre vergehen, ehe er an ihre erſte Ausübung dachte. Er hatte angefangen, auf Liebhabertheatern zu ſpielen, mußte dieſe Verſuche aber unterlaſſen, weil er ſeine

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erbte, der ſie

kaufmänniſchen Pflichten dabei vernachläſſigte. Da war es im Jahre 1830, als er in der Stellung eines Handlungsreiſenden nach Marſeille kam, gerade im Moment des höchſten Enthuſiasmus der Julirevolution. Levaſſor ſang dort die Cantate derTrois couleurs in den Kafés mit ſo viel Ausdruck und Feuer, daß ſeine Freunde es durchſetzten, dieſen Geſang von ihm auf den Bretern des großen Theaters in Marſeille vortragen zu laſſen. Der Succeß war ein enormer, und ſeitdem war es Pierre's einzige Sehnſucht, auf dem Boden ſein Glück zu finden, auf den der Zufall ihn geführt hatte.

Nach Paris zurückgekehrt, pochte er an die Thüren der Directoren. Im Théatre des Nouveauteés debütirte er und ward

bald als ein Rival Bouffé's anerkannt. Schluß jenes Theaters gab ihn ſeinem kaufmänniſchen Berufe zurück. Die Dejazet, der er in einem Modewaarengeſchäft ſervirte, erwarb ſich das Verdienſt, durch dieſe Bekanntſchaft veranlaßt, ihn wieder auf die Bühne gebracht zu haben. Sie erwarb ihm ein Engagement im Théatre du Palais Royal, und hier ging der Stern ſeines Glückes ihm zuerſt auf. Nach achtjähriger Wirk⸗ ſamkeit ging er 1840 von hier zum Théatre des Variétés. Aber ſchon 1843 kehrte er zum Palais Royal zurück, dem er bis jetzt dauernd angehört hat.

Levaſſor beſitzt die größte Kunſt, ſich zu verwandeln, die wohl jemals auf der Bühne vorgekommen iſt. Er zeigt ſich an einem Abende in ſechs, ja in zwölf Rollen, in deren jeder er in jedem Zuge ein anderer iſt. Auch im Privatleben hat er dadurch zu den ſeltſamſten Begegnungen Veranlaſſung gegeben. So hat er einmal bei einem großen Diner in Gemeinſchaft der erſten

Der Bankerott und

Schauſpieler und Schauſpielerinnen einem Herrn Héritier die

III. Jahrg.

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