Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
440
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tigen Schwingen, und ſich zu den Füßen der Kaiſerkrone niederlaſſend, begann er alſo:Treu dem Gebote, das du, hohe Frau, uns ertheilteſt, folgten wir den Schritten der Jungfrau. Als ſie eintrat in den beengenden Raum einer Menſchenwohnung und die dumpfige Luft darin ſich ſchwer auf unſre Schwingen ſenkte, da ſchlüpften wir in das umhüllende Grün des Kranzes, und geborgen von den Blättern ganz nahe bei den Blumen, denen alle die Augen voll ſchimmernder Freudenthränen ſtanden, trug uns das Mädchen mit ſich hinauf in ein trautes Gemach. Hier wehte ein heimathlicher Hauch für uns! Ein ſchöner goldgelber Vogel in ſtrahlenblitzendem Palaſte ſchmetterte ein Morgenlied! Wie eine weiße Wolke wogte eine zarte Umhüllung vor dem geöffneten Fenſter, und üppige Schling⸗ gewächſe mit rothen und weißen Blüthendolden wehten in leiſem Luftzuge hin und her. In das ſchwebende Ge⸗ hänge ließen wir uns nieder; der Sonnenſtrahl ſchlüpfte hindurch und zog neckend den Schatten der niedlichen Blätter mit fort an die helle, grüne Wand zum leichten, fliegenden Tanze! Und an der Wand hing das Bild eines prächtigen Jünglings! Wir kannten ihn! Als der erſte Blüthenſchnee herniedertaumelte, als alle Blumen, und du ſelbſt, ehrwürdige Frau, noch in des ſüßen Schlum⸗ mers Feſſeln lagen und wir zum erſtenmale mit bangem Entzücken die ſammetnen Flügel in den Lüften wiegten, da haben wir ihn zuerſt geſehen, hier in den Räumen des Gartens, dort wo die Trauereſchen niederhangen; in ſeinen Armen bebte jenes Mädchen, und er flüſterte wunderbare Worte zu ihr, und das Mädchen weinte, aber nicht wie im Schmerze! Danach ſahen wir ihn noch öfter und es war ſein Bild in der Jungfrau Gemach und ſie trat hin vor daſſelbe und ſchmückte es mit dem morgenfriſchen Kranze und küßte die warmen, blauen Augen des ſchönen Mannes, dann faltete ſie ihre Hände und bewegte die Lippen in leiſem Geflüſter. So ſtand ſie lange, lange und ſah un⸗ endlich glücklich zu dem bekränzten Bilde hinauf. Wir

Novellen⸗Zeitung.

vergaßen aber nicht der Blumen über dieſem Anſchauen. In ſchweigſamem Selbſtvergeſſen lauſchten auch ſie dem lieblichen Thun des Mädchens, und erſt als ſie lange hin⸗ fort war, da neigten ſich die Blumen zu einander. Ich glaube, ſie waren eine Weile recht glücklich! Wohl trank der Sonnenſtrahl gar bald die Perlen aus den ſüßen Kelchen, aber ſie achteten es nicht, ſie hatten Eins dem Andern ſo unſäglich viel zu erzählen und zu geſtehen. Traute Geheimniſſe wurden getauſcht. Stärker als hier draußen entſtieg der Athem den Blumen und miſchte ſich zum betäubenden Dufte; dazwiſchen raunte es aus dem Kranze zu uns herüber. Die jungen Blumen alle waren ſelig trunken. Aber der roſige, heitere Morgen wurde zum heißglühenden Tage. Als nun die Sonne mit ihrem vollen Gluthhauche den kleinen Raum des Stübchens er⸗ füllte, da ſahen wir von blendend weißem Strahle die Blumen umwoben, und auf einmal däuchte es uns, als wenn ein erſchrockenes Beben durch den Kranz geflogen wäre. Eine Blume nach der andern neigte das Haupt und leiſes Klagen vernahm unſer bang lauſchendes Ohr! Ach, die Männertreue war dahin geſtorben, verdorben! So eben hatte noch das arme Veilchen froh in den blau⸗ ſchimmernden Stern geblickt, da ſandte ein ſchöner Sonnen⸗ ſtrahl den blitzenden Pfeil zur Männertreue. Er hätte ſich ſchützen können, der ſtolze Ehrenpreis, unter den ſtillen grünen Blättern des treuen Veilchens, aber er wollte nicht,

ſeine ganze Kraft(ach, er beſaß deren nicht gar viel) trank

der Sonnenſtrahl, die Seele gab er ihm. Und von der vernichteten Männertreue im tödtlichen Geſchoß flog der Sonnenſtrahl zu den andern Blumen. O wie waren

wir bange um ſie, wie wurde es nun ſo anders! Das Veilchen hülle ſich ſtill in ſeinen Schmerz und gewahrte nicht mehr, was ſich weiter begab. Aber ſiehe, die ſtolz⸗ glühende Feuerlilie blickte mit einem Male kälter, faſt gluthlos zur Tulpe herab, und wie zum Tode getroffen neigte die Arme matt und erbleichend das Haupt, und ihr

Keinen einzigen, antwortete Peliſſier, Bedenken Sie ſich wohl! Haben Sie nichts bei ſich, woran ſich das Zeichen des Kreuzes befindet? nichts, was etwa von einem Geiſtlichen eingeſegnet iſt? Ich bitte Sie, ſich wohl zu bedenken, denn dieſer Umſtand würde ſehr gefährlich ſein.

Der Mann ſchien es ernſt zu meinen, aber Peliſſier beruhigte ihn. Die Beſchwörung begann darauf. Alles war für einige Augenblicke ſtill, und man hörte nur den ſchweren Athem des Mannes. Nicht ein einziges Wort wurde geſprochen, nicht eine einzige Bewegung gemacht, bis mit einem Male ein grauſen⸗ hafter Schrei, ein Schrei, der dieſer Welt nicht anzugehören ſchien, das Ohr des erſchreckten Obriſten traf. Dann hörte er die Worte: Ach, Obriſt, Sie haben mich getäuſcht! und Alles war wieder ſtill wie zuvor. G

Peliſſier wartete einige Augenblicke und rief dann den Jauberer bei ſeinem Namen. Keine Antwort! Er wartete vergebens; der Mann war verſchwunden. Sein Tſchako und ſeine Kleidungsſtücke lehnten noch gegen den Baum und Peliſſier begab ſich noch in derſelben Nacht nach der Caſerne, um Befehl zu geben, daß die genaueſten Nachforſchungen angeſtellt würden. Aber es wurde keine Spur wieder von dem Manne entdeckt.

Als ſich Peliſſier auskleidete, erinnerte er ſich an das Sca⸗ pulier, welches er ſeit Jahren getragen und welches ihm ſeine Mutter mitgegeben, als er bei der Armee eintrat. Er hatte daſſelbe vergeſſen gehabt. 8.

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Aus der Geſchichte. Noble Paſſionen.

Ludwig XVI. hatte bekanntlich eine Leidenſchaft, die man bei einem Enkel Ludwigs XIV. ſehr auffallend und ſonderbar finden mußte: er war Schloſſer und Mechaniker und übte dieſe beiden Geſchäfte mit beſonderer Vorliebe aus. Er hatte ſich in ſeinem Schloſſe eine eigene Werkſtatt einrichten laſſen, und ſobald er die Staatsgeſchäfte erledigt hatte, entſchluͤpfte er ſeinen Miniſtern, den Geſandten und Höflingen, lief die geheime Treppe zu ſeinem Dachſtübchen hinauf, hing ſein Hoftleid und ſein großes Ordensband an einen Nagel, band eine Schürze vor, nahm einen ſchweren Hammer in die Hand und ſchlug aus Leibeskräften auf ſeinen Amboß los. Zum Genoſſen oder vielmehr zum Lehrer hatte er einen Schloſſer, Namens Gamin, der ihn ohne alle Umſtände zurechtwies, ihn auszankte und ganz wie einen Lehrling behandelte. Ludwig XVI. war gleichwohl kein ſchlechter Arbeiter; es fehlte ihm weder an Geſchicklichkeit noch an Kraft, und noch weniger an Eifer. Sie machten mit einander Geheimſchlöſſer und ſogar Uhren. Man kann ſich denken, daß viel Sorgfalt und manche Abwaſchung erforderlich waren, um den Schloſſergehülfen wieder in den Stand zu ſetzen, in dem Hofzirkel zu erſcheinen. Ludwig XVI. ſchien übrigens in ſeiner Höofkleidung weniger zu Haus zu ſein, als in ſeinem Schloſſeranzuge, und den Höflingen entging dieſe Bemerkung nicht. Die Königin litt darunter, und um ſie zu tröſten, machte man ſie auf das Beiſpiel Peters des Großen aufmerkſam; aber ſie erinnerte ſich eher daran, daß Karl IX. gleich Ludwig XVI. Schloſſer war, daß Ludwig der XIII. Seinesgleichen

nicht in der Geſchicklichkeit fand, eine Hammelkeule zu ſpicken, und

(Il. Jahrg.

Nr. 28.

ſclaner Bun aus dem Kranz Feuerlilie 1 vringud Stral Aber eswar d war grcht 5 gfil'inmet ve nun èr Tag d dät und dies knengewotſe aglühte, da Kranz hing we bangem, ahnu bemahl vergin Ich aber legte und lauſchte alle Blumen! noch leiſe U uns und gab da war es nich Wilchen allin ſchweigend gebt vor Jammer! blaſſe lebloſe? voch en ſo f als ſa die klei Auge gezogen Strahl darin geiſterhaft ſti Blumenhanpt traurigen Sti um gepreßten Mit ſprach die meiſten de mit leſem Zu nüſſen. Und di Ludrig XV grſelbe, der enmen ſelbſt 1 m zahrgeh Vazu habe

Dauf Gewiß demſelben ah rachte, ſcho beſeßbuches ſeit undenklich ur zu Anfa⸗