Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
436
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zu beſänftigen. Da kam von einer andern Seite eine Frage

3 8 nach einem recht ſchönen Schnitt zu einer weißen Piqué⸗ Pelerine. Ich ſchwieg dazu, wie natürlich, weil ich es

Nouellen⸗Zeitung.

nie darauf abgeſehen, meinen Sinn durch die Beſchäftigung

mit dem äußern Menſchen zu verflachen; die Uebrigen aber gingen lebhaft darauf ein und ſtritten, ob dieſer dicke weiße Stoff kleidſam ſei, oder nicht. Da nahm die Dame, die den Gegenſtand angeregt hatte, wieder das Wort, bemer⸗ kend, daß ſie eine ſolche Pelerine auch nur dazu benutzen wolle, ſie umzuhängen, wenn ſie krank zu Bett liege und den Arzt rufen laſſe. Das gab nun ein allgemeines Gelächter. Man wollte wiſſen, wer dieſer Arzt ſei, und war unerſchöpflich in Vermuthungen und Neckereien, die mich entſetzlich langweilten; denn dergleichen Späße führen zu nichts, und das Lachen, das ſie hervorrufen, iſt mir zuwider. Ich lache überhaupt nicht gerne; denn wozu dient

für ſolche unſchöne Belehrung dankten; aber ſie hörte nicht darauf, ſondern bemühte ſich im Gegentheil, uns allerlei über den Sitz verſchiedener Gegenſtände des menſchlichen Organismus auseinanderzuſetzen, die zu nennen meine Feder ſich ſträubt. Endlich nannte ſie dann auch das Herz, und ich athmete ordentlich dabei auf, als ſie auf ein Gebiet kam, wo man ſich wieder zu Hauſe fühlte. Leider aber war es nicht die äſthetiſche Seite des Herzens, ſondern die proſaiſche, die ſie hervorgehoben wiſſen wollte, und das war unſerm weiblichen Gefühle denn doch zu empfindlich. Ich bat ſie dringend aufzuhören. Sie willigte ein unter der Bedingung, daß ſie uns ein Capitel vorleſen dürfe. Wir gaben das zu, denn ſie war unſere Wirthin; aber ich begriff nicht, was ihr an dieſer materiellen Auseinander⸗ ſetzung gefallen konnte. Sie erwähnte dann noch, daß dieſer

entſetzliche Mann gegen die Wunderdoctorin in Greiz eifere,

es? So ſchön nun auch der Zweck dieſer Zuſammen⸗ künfte, ſo ſehe ich doch ein, daß ich nicht dahin paſſe und

mich davon zurückhalten muß, ſo oft ich nur einen Vorwand habe, der nicht kränkend iſt; denn kränken darf man Niemand. Aber es heißt auch:: Menſchen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an ſeiner Seele?

Heute kam ich in der angenehmſten Stimmung nach Hauſe. Ich war in einer kleinen Geſellſchaft bei Frau von Buſch, wo man recht anregende Geſpräche führte. Frau von Buſch iſt ein wenig Freigeiſt und ſteht nicht ganz auf der geiſtigen Höhe, wo ich ſie wünſchte; doch iſt ſie eine gute Frau und ſo muß man ihr ſchon etwas nachſehen. Da die Damen, die für heute eingeladen, meine Richtung theilten, ſo wurde ſie überſtimmt und wir feierten einen eclatanten Sieg. Sie hält nämlich ein ominöſes Journal, die Gartenlaube genannt, das ſie uns allen anpries, be⸗ ſonders wegen mancher diäätetiſchen Vorſchriften, die ein gewiſſer Bock darin niederlegen ſoll, um die Frauen aufzu⸗ klären. Wir riefen alle wie aus einem Munde, daß wir

Was hülfe es dem

die ſchon ſo viele hergeſtellt, daß er ebenſo gegen Dr. Lutze aufgetreten, gegen den Mann, in deſſen Hände die Natur dieſe wunderbare Heilkraft gelegt, die nur eine Gabe des Himmels ſein kann, und daß er endlich die Homöopathie lächerlich mache. Das Letztere war gar zu komiſch. Da wir ſämmtlich bei dieſen kleinen Kügelchen ſchwören, ſo konnte die gute Buſch freilich nicht mit ihrer Anſicht durch⸗ dringen, daß die Wirkung in der Einbildung beſtehe; denn wir wußten das beſſer. Sie urtheilte a priori, aber wir empiriſch. Das mußte denn doch den Ausſchlag geben.

Es iſt nicht zu leugnen, daß Dresden der reizendſte Ort in der ganzen Welt iſt; aber mir iſt es doch nicht mehr das, was es einſt war, als der Sinn für das Schöne ſich noch mehr regte und die Liedertafel noch einen Kreis von No⸗ tabilitäten verſammelte, auf den Deutſchland ſtolz ſein mochte. Wo biſt du hin, du ſchöne Zeit! Wenn ich den lieben Theodor Hell wandeln ſehe, dann erkenne ich recht, wie du uns entflohen! Damals war die Abendzeitung meine liebſte Lectüre, und aus Pietät halte ich ſie auch jetzt noch fort, trotz ihrer namenloſen Mitarbeiter. Sie war

Feuilleton.

oed. 2de

Die Pariſer Börſe. I. Zu ihrer Geſchichte.

Erſt ſeit Villèle kann man in Paris von einer Börſe ſprechen. Im Kopfe dieſes Miniſters ſteckte mehr Unternehmungsgeiſt und Verführungskunſt, als man gewöhnlich glaubt. Er wollte die Rente um jeden Preis zu Geld machen, und ſo kam es, daß er den Wechſelagenten mit Summen bis zu einer Million verführeriſch wurde. den Windeln und ſtammelte ſ. z. ſ. erſt von ihren kleinen Prämien. Die armſeligen vier Milliarden der franzöſiſchen, die paar Millionen der ſpaniſchen und der neapolitaniſchen Schuld, das war die kleine Scale, deren erſte Töne ſie zwitſchern lernte. Das war die Zeit, als die Provinzen, noch Opfer ihrer Vorurtheile, einzig an Morgen Land und Quadratmeilen glaubten, ſo daß ſie ihre Fonds nicht anders als auf feſten Grund und Boden oder in ſolchen Beſitzthümern anlegten, die man nicht forttragen konnte. Die Thoren damals bauten noch oder rodeten Wälder aus, und ſie ſparten, um einen Fetzen Land zu kaufen und mühſelige Wirth ſchaft für einen erbärmlichen Gewinn darauf zu treiben.

Glückliche Leute, die wir heutzutage ſind! Wir haben jetzt

Dennoch lag die eigentliche Speculation damals noch in

Actien auf Eiſenbahnen, Actien auf Dampfſchiffe, Actien auf

Fabriken, die für uns dampfen, fahren, pfeifen; wir haben jetzt ruſſiſche, belgiſche, engliſche, öſterreichiſche, piemonteſiſche, grie⸗ chiſche Fonds, Fonds von allen bekannten und unbekannten Welt⸗ gegenden; wir haben jetzt Aſſociationen, große und kleine Banken, Comptoirs und Souscomptoirs und vor allem Credits⸗Mobiliers, die für uns rechnen, zählen, denken, arbeiten und, gleich uner⸗ müdlichen, willenloſen Maſchinen, die Millionen in Milliarden verwandeln!

Früher reichten vier oder fünf Banquiers für die Geſchäfte aller der genannten Unternehmungen und Inſtitute hin. Die aus⸗ ſchweifendſte Phantaſie konnte nicht über die zehn Millionen Fres. Lafitte's ſich verſteigen; auf der Straße blieb man ſtehen, wenn er vorbeiging, und ſagte:das iſt er, der Lafitte, wie man jetzt ſagt:das iſt Pereire, oder Rothſchild!.

Es war zur Zeit der Entſtehung des communiſtiſchen Syſtems von Saint⸗Simon und der Rehabilitation des Fleiſches, als Frankreich ſich reif fühlte für die Bewegung der Agiotage und die erſten großen Finanzbewegungen. Dieſelben begannen 1832 und ſchon 1837 hatte ſich ein allgemeiner Zug nach der Börſe der Geiſter bemächtigt. Die Entſtehung der Eiſenbahnen gab dieſem

R 28.

die Genoſſin Alters ſein; und Blätten! find, wie das Ambroſfi. 39 habe mi Ott uu gehen, Weit doch Al huftig, als we iiner Schenke; wie ein großes ihre Töchter al ſie hier aus, nicht geglaubt ich blickte, gey ihren bunten nicht wenigſten und Frauen g Freundin läche Hauſe bleiben nur her, um z ganz entſetzt ü meine Entrüſtt derte:Sie le gute Cordelia, dNeR. Csjit hundert ſolche Sehen Sie Hoſgärtners, zahl Familien Männer, dene eine Schenke,u zu rauchen und neben der Ga dunit anzufan Sorgen mit aa dnen neu

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