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war ihm ſein Glücksſtern günſtig, und in vielen Schlachten kämpfte er ruhmvoll und glücklich. Bemerkenswerth iſt, daß Changarnier im Unglücke ſeine größten Fähigkeiten offenbarte; tapfer, unbeugſam, unermüdet und mit den erſtaunlichſten militäriſchen Eigenſchaften begabt, beſaß er eine Ruhe, die unvergleichlich war; in dem Augenblicke,
in welchem Alle in Verwirrung und Schrecken geriethen,
in welchem die Beherzteſten ſich im Rückzuge mit fort⸗ reißen ließen, blieb er gleichgültig gegen alle ihm drohende Gefahr.
Changarnier befahl einſt in einem Momente der höch⸗ ſten Gefahr ſeinem Bataillone, Quarré zu formiren, und rief ſeinen Leuten zu:„Soldaten, dort ſind 3000 Beduinen, wir ſind 300 Franzoſen, la partie est égale.“ Das Ba⸗ taillon wurde durch dieſe Worte ſo enthuſiasmirt, daß es den Feind mit bedeutendem Verluſt zurücktrieb.
Nachdem ſich Changarnier bei der erſten Expedition auf Conſtantine rühmlichſt ausgezeichnet hatte, wußte dieſer General ſeinen Ruf als vortrefflicher Soldat zu bewahren und dauernd zu erhalten.
Ein alter Kaid der Hadjuten ſagte von Changarnier: „Im Arabiſchen bedeutet ſein Name: Bezwinger des Fein⸗ des, Unterdrücker des Hochmuths, und er habe ſeinen Na⸗
men gerechtfertigt,“ und indem er auf die Gebirge zeigte,
fuhr er fort:„Wenn der Orkan kommt, dann durcheilt der Blitz in einer Minute alle jene Gebirge und dringt in die tiefſten und engſten Schluchten ein; ähnlich der Schnel⸗ ligkeit des Blitzes war ſein Blick, um uns zu entdecken, und wenn er uns erſpähet hatte, dann traf die Kugel ihr Ziel.“ Jener alte Araber hat wahr geſprochen. Das, was den General Changarnier vor allen Anderen auszeich⸗ nete, war ſein ſchnelles und richtiges Urtheil und ſeine unbeugſame Energie. Angeſichts der Gefahren, der Mü⸗ hen und Beſchwerden, vergrößerte ſich ſeine Entſchloſſen⸗
heit; wenn man ſich dann ihm näherte, flößte einem ſeine
Geiſtesſtärke Vertrauen ein, und man zweifelte nicht mehr
Dritte folge.
8 am Siege. Wenn man einem franzöſiſchen Soldaten be⸗ V
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gegnet, der unter ihm in Afrika gedient hat, ſo muß man ſich die Hunderte von Streifzügen erzählen laſſen, die unter ſeinem Befehle ausgeführt worden ſind, und muß hören, mit welcher Achtung er von dem tapferen und aus⸗ gezeichneten General Changarnier ſpricht.
Bosgquet iſt einer jener Menſchen, denen man im Le⸗ ben ſelten begegnet. Sein ausdrucksvolles Geſicht und ſeine Ruhe ſind der Abglanz der Energie ſeines Geiſtes und ſeines edlen Charakters. Durch ſeinen eiſernen Wil⸗ len, durch ſeinen rechtlichen Sinn, durch ſeine Talente und ſeinen lebhaften Geiſt gelingen ihm alle Unternehmungen,“ die ihm anvertraut werden. Von Allen wird er geachtet und ſeine Güte macht ihm Jeden zum Freunde, der ihn näher kennen lernt. Man ſieht in ihm einen Menſchen, der zu großen Thaten und hohen Commandoſtellen von der Vorſehung auserleſen, einen Mann, der fähig iſt, ein Land, eine Armee, ein ganzes Volk zu retten, wenn Alle ſchon bereits am Gelingen verzweifeln. Noch jung an Jahren, wurde er zum Obercommandanten von Setif in Algerien V ernannt.
Martimprey, Oberſt und Chef vom Generalſtabe des Generals Lamoriciere, war einer der ausgezeichnetſten und geachtetſten Officiere der Armee in Algerien. Seine Rechtſchaffenheit, ſeine Tapferkeit, ſeine große Güte und ſeine angenehmen Manieren im gewöhnlichen Umgange hat⸗ tten ihm die Zuneigung der ganzen Armee verſchafft. Alle V lauſchten gern ſeinen Worten, es war Jedem ein wahrhaf⸗ tes Vergnügen, ihn ſprechen zu hören. Seine Erſcheinung erinnerte an die Krieger der früheren Zeiten.
Bedeau, einer der berühmteſten franzöſiſchen Gene⸗ rale, ſowohl durch ſeine Dienſte in Algerien, als auch durch ſeine Functionen in Frankreich während der Republik. Wenige Worte werden hinreichen, um ihn näher kennen zu lernen.
Auge, ſchlankem Wuchs, Händen, die das Elfenbein, Haaren, welche die Seide beſchämen könnten,— kurz, das wahre Bild einer himmliſchen Houri. Dieſes anbetungswürdige Weib ſaß, wie man ihm ſagte, beſtändig vor ihrem Hauſe, ſah die Vorüber⸗ gehenden kommen und gehen und ſchien ſelbſt gern geſehen zu werden. Eine ſchamhafte Röthe färbte ihre Wangen mit lieblichem Purpur. Nach dieſen Berichten fühlte der Prinz ſein Herz beſiegt und wurde in die reizende Unbekannte verliebt bis zum Wahnſinn.
Augenblicklich ſendete er ſeinen Günſtling nach Conſtantine und
gab ihm den Befehl, von Jedem, der darüber zu verfügen hätte,
die Hand dieſer Zauberin zu verlangen, dagegen, nach muſel⸗ nänniſchem Brauch, eine ſtattliche Mitgift bietend. Der Geſandte
kommt nach Conſtantine, ſieht die Dame, findet ſie ſo, wie man ſie geſchildert hat, und tritt in das Haus, welches ihm durch ſeine Aermlichkeit eines ſolchen Schatzes an Schönheit wenig würdig erſcheint. Eine von den Dienerinnen der Dame war eben beſchäftigt, einige kleine Unordnungen an dem Anzuge und dem Haarputze ihrer Gebieterin zu beſeitigen. Der Bewohner der Sahara verkündet den Zweck ſeines Beſuches. Aus einem Gemache im Hintergrunde tritt darauf Jemand ein, ohne Zweifel der Vater der reizenden
Infantin mit Haut von Lilien und Roſen, und erkundigt ſich in
ſcharf⸗provengaliſchem Dialekt und mit all' der Anmuth, welche der Marſeiller zu entwickeln verſteht, nach dem Anliegen des Arabers. Darauf entſteht ein ziemlich lächerliches Zwiegeſpräch,
in Folge deſſen der Brautwerber Ben⸗Djellab's die Entdeckung
reigende Dame eine mechaniſche Wachspuppe iſt, ein in Tuggurt vollkommen unbekanntes Wunder der europäiſchen Induſtrie. Der Geſandte Seiner Tuggurtaniſchen Hoheit fand ſich durch
n daß er es mit einem Friſeur zu thun hat, und daß die
die erhaltene Aufklärung indeß noch nicht geſchlagen. Er bot die Mitgift an, man wurde um die gleich zu erlegende Summe von dreihundert Francs einig, und der Saharaer nahm die reizende Schöne mit ſich, die ohne Zweifel noch gegenwärtig eine der werthvollſten Zierden des neunthorigen backſteinernen Palaſtes der Dynaſtie der Djellab bildet. a.
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Auſtralien.
Dem Europäer, der dies Land unſerer Antipoden betritt, muß der Gegenſatz alles deſſen auffallen, woran er ſich bisher als an feſtſtehende Geſetze gewöhnt hatte. So ſind z. B. die Jahreszeiten den unſrigen entgegengeſetzt: Der Januar bildet dort die Mitte des Sommers und der Juli die Mitte des Winters. Der Frühling umfaßt den September und den October; der Sommer beginnt mit dem Anfang des November und endet mit dem Ende des Februar. März, April und Mai ſind Herbſt; der übrige Theil des Jahres bis zum 31. Auguſt ſtellt den Winter dar. Mitternacht hier iſt Mittag dort und ſo umgekehrt. Wir ſehen zur Sonne nach Süden, die Auſtralier nach Norden. Der längſte Tag fällt bei uns in den Juni, dort in den December. Der Nordwind bringt Hitze, der Südwind Kälte. Der gleiche Widerſpruch zeigt ſich überall. ſind in Neu⸗Wales ſchwarz und die Adler weiß nicht, der Vogel ſingt nicht; die Eule zeigt ſi Kukuk ruft ſeinen Namen während der Na vierfüßige Thiere, die einen Schnabel ihre Jungen in Beuteln mit ſich um
ie Schwäne Liene ſticht und der g findet ragen haben


