Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
422
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Novellen⸗Zeitung.

entgegen ſchlägt, ob wir Geld haben oder keines. Ich ja doch damit dem SprichwortUnglück in der Liebe, lenke die Ideencanäle Stramin's zur Betrachtung meiner Glück im Spiel 4 nach einer Seite hin Cenüge gethan. letzten Baarſchaft, die nun bald eine echte rechte S cheide⸗ Die Fahrt ging langſam genug; wir befaiden uns auf münze ſein ſollte. Er war ergriffen. Und wie wir nun einem jener ſehr euphemiſtiſch ſogenannten Güterzüge und beide, ſchmerzlich verſunken, da ſaßen und die ganze Schwüle die Bewegung deſſelben war eigentlich nur ein großer Auf⸗ der pecuniären Nichtigkeit und Flüchtigkeit des Lebens ſich enthalt auf den Schienenwegen und den verſchedenen Bahn⸗ über uns gelagert hatte ſiehe, da war es urplöͤtzlich, höfen. Einſichtsvolle Regierungen werden& ſpäter viel⸗ als ſei die Göttin der Verlegenheit ſelbſt gerührt durch leicht als ſchickliche Strafe für politiſche Wüher und Hitz⸗ unſeren horror vacui und ſie würfe aus unſichtbarer Nähe köpfe betrachten, dieſelben einige Jahre lang täglich 20 mir das rettende Tau in die Hand. Die Erinnerung trat Meilen weit mit einem ſolchen Güterzuge reißn zu laſſen. vor mich, umwallt von goldner Lockenfülle lächelte ihr Antlitz Als wir nach unſäglicher Langfahrt den kurürſtlich heſ⸗

mild, ſie ſchaute mich an ſo verſtändnißvoll für meine Noth, ſiſchen Badeort⸗Nauheim erreichten, vergoldet ihn gerade

daß es mir leicht ward zu errathen, mit welch tröſtlichem die ſcheidende Sonne anmuthig genug, un durch die

Labſal ſie mich hüten wolle vor dem Verſchmachten in dermetalliſchen Bezüge der Beleuchtung unſen Phantaſie

Wüſte des Mammons. Stand es nicht wie ein leuchtender noch mehr zu erhitzen, als es die Hoffnung aif zu gewin⸗

Rath meines guten Genius vor meinem Auge, was ich nende Peru⸗Schätze ſchon that. Wir eilten dm Kurhaus

noch vor wenigen Tagen in der Gazette de Cassel geleſen, zu. Was kümmerte uns der berühmte koloſſae Sprudel,

klangen ſie nicht wie in Töne überſetzte Schwabacher Schrift der als wäſfriger Gruß bei der Ankunft der vrſchiedenen

mir ins Ohr, die von Nauheim datirten Worte,daß auch Züge losgelaſſen wird und die Aufforderung winkt, ſich

in laufender Sommerſaiſon in dem confortabel eingerich⸗ hier geſund zu waſchen. Was kümmerten uns die geputzten

teten Kurhaus eine Bank aufgelegt ſei, welche vor denen Siechlinge, Männlein und Fräulein, die die Stadt auf

der meiſten übrigen Badeorte Deutſchlands bedeutende einer ſcheinbar noch ſehr jungen Promenade unwandelten

Chancen vorausgebe! Jal! da liegt es! rief ich mit und das ganze Schauſpiel der Badefaulheit ud Waſſer⸗

Hamlet, an dieſer Bank müſſen wir unſere wenigen Münz⸗ langweile vor uns aufführten. Wir hatten nur ine Em⸗

reſte anlegen wie eine geſcheiterte Barke, auf dieſer Bank pfindung:Im Hintergrunde dumpfes Louisdorgemur⸗

muß die müde Seele ſich ausſtrecken und ruhen, um das 1 In der lieben Abendſonne,die im Weſtm hinab⸗

mel! unentbehrliche Metall, das Gott den Seinen hier wie im tauchte, ſahen wir nicht wie Heinrich Heine die rithe Naſe Traume beſcheert, zu erlangen! des betrunkenen Weltalls, vielmehr erſchien ſie uns als

Der Freund war bereit; ein lang' gehegter Louis, der ein unbeſchnittenes Goldexemplar vom Segen des Manns⸗ eigentlich einen Heckethaler vorſtellen ſollte, ward aus dem felder Bergbaues. Eine über Nacht entſtandene Kaufhalle Verſtecke geholt, und nicht lange, ſo ſaßen wir in dem dampf⸗ lud ein, die großgedruckten Affichen zu ſtudiren. Wr ſahen getriebenen Schienenwagen. Mir ſchien es ein gutes Omen, aber in allen Schriftzügen und Lettern nur die ſtrahlenden daß von allen Damen der Reiſegeſellſchaft keine etwas Worte:Die in dem Kurhaus aufgelegte Bank gwährt Griechiſches in ihrer Erſcheinung hatte, wenn es nicht etwa vor denen der meiſten Badeorte des übrigen Deutſolands das war, daß ſie ſämmtlich wie die helleniſchen Frauen bedeutende Chancen voraus. Aus dem Kurhaus tönten eine untergeordnete Rolle in der Geſellſchaft ſpielten. War fernhinlockende Geigentöne. Das war der Venuzberg, .

Auge durch den Erzbiſchof von Toledo vorgehalten. Karl heftete den Blick lange und ernſt auf das heilige Symbol, für ihn ein Denkzeichen irdiſcher Liebe ſowohl als himmliſcher. Der Erzbiſchof ſprach den Pſalm de Profundis; da rief der⸗Sterbende, indem er eine ſchwache Anſtrengung machte, das Crueifix zu umfaſſen, ſo laut, daß es in dem anſtoßenden Gemache hörbar war:Ach Jeſus! ſank zurück auf ſein Lager und hauchte ohne Todeskampf ſeine Seele aus. Er hatte ſtets gebetet vielleicht aus Beſorgniß vor dem erblichen Flecken des Wahnſinns, daß er in dem Beſitz

Höhlung gebrochen wurde, in welche der Kopf kam, ſo daß die Füße den heiligen Grund berührten. Indeß blieb der Körfer des Kaiſers nicht lange an ſeinem Ruheplatze in St. Juſt. Eke viele Jahre verfloſſen, wurde er auf Befehl Philipps II. nach dem Escurial in das prachtvolle Mauſoleum gebracht, wo er noch jetzt an der Seite der Kaiſerin Iſabella ruht.

Die Leichenfeierlichkeiten für Karl v. wurden mit vielem Pompe durch den römiſchen Hof, durch die Regentin Johanna in Valladolid, und mit noch größerer Pracht durch Philipp II. in ſeiner geiſtigen Kräfte ſterben möchte. Sein Gebet war erhört Brüſſel gefeiert. Philipp war in Arras, als er die Nachricht von worden. ſeines Vaters Tode empfing. Er zog ſich augenblicklich in ein

Nachdem des Kaiſers Körper einbalſamirt und in einen Kloſter nahe bei Brüſſel zurück, in welchem er mehrere Wochen bleiernen Sarg gelegt worden war, wurde er drei Tage lang in eingeſchloſſen blieb. Während deſſen befahl er, die Glocken aller der Kapelle ausgeſtellt und die beſten Redner des Kloſters hielten Kirchen und Klöſter in den Niederlanden vier Monate lang täͤglich drei Leichenpredigten, dann wurde die Leiche unter den üblichen drei Mal zu läuten, und daß während dieſer Zeit keine öffentliche Feierlichkeiten, unter den Gebeten und Thränen der Brüderſchaft Feſtlichkeit ſtattfinden ſolle. Am 28. December kam der König und des kaiſerlichen Haushalts, in Gegenwart zahlreicher Zu⸗ ſchauer aus der Nachbarſchaft, der Erde übergeben. V

Das Begräbniß fand jedoch nicht ohne einige Schwierigkeit ſtatt. Karl v. hatte in ſeinem Teſtamente den Wunſch ausge⸗ ſprochen, daß er unter dem Hochaltar begraben werden möchte, und zwar ſo, daß ſein Kopf und ſein Oberkörper unter die Stelle zu liegen kämen, auf welcher der Prieſter ſtand, wen

Vesperſtunde, wurde eine Proceſſion nach der St. Gudula⸗Kirche veranſtaltet. 5 74 Die Proceſſion beſtand aus der vornehmſten Geiſtlichkeit

den Mitgliedern der verſchiedenen geiſtlichen Orden, Jeder m einer brennenden Kerze in der Hand, den Edlen und Cavaliey er das

1 des Hofes, den Großbeamten des Staates und des königlj 5 Hoochamt hielt. Dies verlangte der Kaiſer in aller Demuth; aber V Haushalts, ſämmtlich in tiefe Trauer gekleidet. Dann fo /o unter den gewiſſenhaften Geiſtlichen entſtand die Frage, ob es die Ritter des goldenen Vließes mit den Inſignien und Aier ſtatthaft ſei, andere Gebeine als die eines Heiligen einen ſo prachtvollen Kleidung ihres Ordens. Der Marquis von 2 Gand

geweihten Platz einnehmen zu laſſen, wie der unter dem Hochaltare

war. Der Streit wurde heftiger, als es ſich für die Gelegenheit

ziemte, und endlich dahin entſchieden, daß in die Mauer eine *

rug das kaiſerliche Scepter, der Herz on Vi r/ oe trug das kaiſerliche Scepter, der Herzog von Villaherr hauer

Schwert und der Prinz von Oranien den Reichsapff

Krone. Philipp ging zu Fuß, in einen dunklen Man⸗ feſters

während der Nacht nach Brüſſel und am folgenden Tage, vor der

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