Heft 
(1820) 3
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Veſtalin hineinzuſehen und nebenbei von ihr durch den Leihbibliothekar zu hoͤren. Obſchon der Mann ſie, wie ich, nur vom Bilde her kannte, ſo wußte er doch theils aus ihren Briefen, theils durch den Mund der Kam⸗ merdienerin ſo viel von dieſem achten Weltwunder zu ruͤhmen, daß ich immer mehr bezaubert wurde, und die gluͤckliche Zeit gar nicht erwarten konnte, in der es meiner Liebe vergoͤnnt werden ſollte, Leib und Leben fur ſie zu wagen. Dahin aber kam es nach allem, was ich hoͤrte, wahrſcheinlich. Denn die Dame war aus einem uͤberaus vornehmen Hauſe und meine Situation nicht gemacht, ihr auf dem gewoͤhnlichen Wege beizu⸗ kommen. Das indeſſen behagte mir eben, und wenn meine Figur, wie ich hoffen zu koͤnnen glaubte, der Holden gefiel, dazu die Glut meiner Liebe ihr, ver⸗ muthlich noch ganz neues, Herz in Flammen ſetzte, ſo mußte nnn bald von einer Entfuͤhrung die Rede ſeyn, der es nicht an Verfolgern fehlte. Was endlich daraus

werden ſollte, ſchwebte mir zwar nicht ſonderlich klar vor Augen. So viel jedoch war gewiß, daß meinem geiſtigen Blicke im Hintergrunde manches graͤulichen Blutbades, wobei die kraͤftige Verzweiflung meiner endloſen Liebe niemals den Kuͤrzern zog, ein wuͤſtes