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Beilaͤufig geſagt, war der ganz zufallig entſtandene 3weck meines hieſigen Aufenthalts auch nicht weit her. Aus zwei, den Merkwurdigkeiten der Stadt gewidme⸗ ten Tagen hatte naͤmlich die Leihbibliothek, meiner Wohnung gegenuͤber, ſchon vier Wochen gemacht, und es war ſchwer abzuſehen, wenn die Gewalt dieſer Bi⸗ bliothek uͤber meinen Willen aufhoͤren wuͤrde.
Ich muß bemerken, daß die groͤßtentheils ſehr un⸗ ſcheinbar gewordenen Bucher der Anſtelt ſo wenig Schuld daran hatten, als ihr Beſitzer und deſſen weibliche An⸗ gehoͤrige. Aber das Portrait eines Madchens, als Veſtalin gekleidet, ſah ich am Tage meiner Ankunft im Wohnzimmer des Bibliothekars, wie meines Erachtens kein einziges Mädchen mehr auf dor ganzen weiten Welt exiſtirte.
um Gotteswillen, ſo redete ich den Mann an, wer
iſt dieſe Schoͤnheit? Ja, antwortete er, geheimniß voll laͤchelnd, ſie ſind nicht der erſte, mein Herr, der eine ſolche Frage an mich richtet. Ich kann Ihnen nur ſo viel ſagen, daß es eine ſehr vornehme Perſon iſt.— und eine Perſon, fugte er hinzu, die ſich fur die Muͤhe, welche ich mit
ihrer Lektuͤre habe, überaus erfenntlich beweiſt.
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