Jahrgang 
1865
Seite
769
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ſtanden in einem See, der ſo tief war, daß man uns Bretter zum Aufſtehn bringen mußte. In der bunteſten Unordnung lag alles durcheinander unter den improviſirten Schutzdecken, und beim An⸗ zieheg fanden wir triefende Kleidungsſtücke. Unſre guten Burſchen ſtanden jammernd auf Bretterinſeln in dieſer Verwüſtung und betrauerten den Zuſtand unſerer ſchönen weißen Wände, die großen Land⸗ karten glichen, auf denen Flüſſe, Seen und Meere mit gelber Farbe gemalt waren. Sie beeilten ſich, mit Wachsleinen die Löcher des Daches zu bedecken, ſo daß ſich nach und nach die Ueberſchwemmung legte; ein gutes Feuer trocknete uns und unſer Beſitzthum, und wir lachten herzlich über dies Abenteuer.

Wie es aber draußen ausſah, iſt ſchwer zu beſchreiben; bis jetzt hatten wir immer gemeint, gute Straßen zu beſitzen, doch wenige Regentage zerſtörten dieſen Wahn.

Unſer Weg zu den Lazarethen ſah aus wie ein friſchgepflügtes Ackerfeld, das tüchtig durchweicht iſt. Die kräftigen Pferde trugen uns ziemlich leicht durch den Schlamm; wenn wir aber abſtiegen, waren Roß und Reiter bis an den Hals mit Koth bedeckt. Dabei war es ein beſondres Vergnügen für die muthwilligen Thiere, ſich in Abweſenheit ihrer Herren auf dem Boden zu wälzen, ſo daß an ihnen kein trockener Fleck übrig blieb zum Aufſitzen. Um die Lazarethe her war es bodenlos; unzählige Male blieben wir bis an die Kniee im weichem Lehm ſtecken und mußten mit beiden Händen ein Bein nach dem andern herausziehen, wobei an jedem der großen Reiterſtiefel einige Pfund der Mutter Erde hängen blieben.

Nach wenig Tagen wurde aber der Regen zu Schnee und dar auf folgten tüchtige Nachtfröſte, die den Boden wieder trockneten. Den erſten guten Tag benutzten wir zu einem Ritt nach Balaklava, um unſern Haushalt mit den unentbehrlichſten Wintervorräthen zu verſehen. Balaklava war ein geringes Dorf geweſen, das erſt durch den Krieg die Bedeutung eines Seehafens erlangt hatte, indem es die Engländer zu ihrem Landungsplatz erhoben. Es hatten ſich dort viele Kaufleute angeſiedelt, welche zu den bekannten Kriegspreiſen für die Bedürfniſſe der engliſchen Armee ſorgten. Wir machten uns früh Morgens auf den Weg und ritten frohen Muthes durch die ſchneebe⸗ deckten Zeltreihen. Frierende Schildwachen in blauen Kapoten rannten dazwiſchen auf und ab. Hie und da führte ein Kavalleriſt im weißen Mantel, die Hände in den Taſchen, die Zügel über dem Arm, ſeine Pferde auf dem glatten Boden ſorgſam zur Tränke.

Um abzukürzen, ſchlugen wir einen Seitenpfad ein, der direkter als die Heerſtraße nach Balaklava führen mußte. Wir ahnten nicht, daß wir uns dadurch in große Gefahr begaben: bald führte unſer Weg in tiefe Schluchten, bald auf ſteile Abhänge hinauf, vor denen eine Gemſe hätte zurückbeben mögen. Es war eine unbeſchreiblich ein⸗ ſame Gegend und die Schauer dieſer Wildniß wurden noch erhöht durch die Bevölkerung, die wir daſelbſt trafen: es wurde uns nach einer Weile klar, daß die Engländer dieſe abgelegene Schlucht zur Begräbnißſtätte ihrer Pferde benützten, welche ſie, ſobald dieſelben dienſtunfähig waren, da herausführten, um ſie in dieſem Winkel umkommen zu laſſen. Allenthalben ſchauten Gerippe ſolcher Thiere aus dem Schnee hervor; hie und da ſchleppte ſich ein Geſpenſt von einem Roß am Abhange hin, allzumatt, um im Schnee nach den verdorrten Grashälmchen zu ſuchen;

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andere lagen am Wege unter den Leichnamen iher ehemaligen Gefähr⸗ ten, trübſelig ihre letzte Stunde erwartend, und betrachteten mit bre⸗ chenden Augen ihre Seiten, mit jener melancholſchen Wendung des Kopfes, die bei der leidenden Kreatur mitanzuſehen ſo wehe thut.

Es war ein merkwürdiges Todesthal! unſern muntern Thieren war dabei nicht ſonderlich zu Muth; das dmantiſche der Gegend ging entſchieden für ſie verloren, ſie trabten unter haſügem Schnau⸗ ben an den Leichen vorbei dem Ausgange der Schlucht zu.

Endlich kamen wir auf die Heerſtraße; der abgekürzte Pfad hatte uns zwar die doppelte Zeit gekoſtet, doch reute es uns vicht im mindeſten. Zu unſern Füßen lag Balaklava, vor uns das herrliche, blaue Meer im durchſichtigen Lichte eines wolkenloſen Decembertags.

Der heroiſche Charakter des ganzen Feldzugs ſtellte ſich uns hier aufs neue in ſeiner Größe dar. Auf eine Entfernung von achthundert Stunden eine Armee von viermalhunderttauſend Mann zu transportiren, ihnen vom Vaterlande aus übers Meer nicht nur Nahrung, Kleidung und Wohnung, ſondern alles Kriegsmaterial, Te⸗ legraphen und Eiſenbahnen zuzuſenden, um damit in einer halbwil⸗ den Gegend alle Rieſenwerke der neueſten Strategik auszuführen, wahrlich, darüber dürfte der Nachwelt eben ſo wohl ein Epos überlie⸗ fert werden, als uns die Ilias und die Aeneide des Alterthums.

So gut durch die Regierung für das leibliche Wohl des eng⸗ liſchen Heeres geſorgt war, war auch die Kirche auf die geiſtliche Pflege deſſelben bedacht; außer den durch die Hochkirche angeſtellten Feldkaplanen, deren je einer zwei Regimenter zu verſehen hatte, übten noch zahlreiche Evangeliſten, Bibelträger und Stadtmiſſionare ihre Wirkſamkeit im engliſchen Lager aus.

Ein Obriſt, den wir beſuchten, erzählte uns, daß in allen Divi⸗ ſionen ſogenanntelectures eingerichtet waren, um den Soldaten Gelegenheit zu bieten, ſich wiſſenſchaftlich fortzubilden; dazu waren

mehrere Leſeſäle eröffnet, in denen große Kiſten voll Bücher aufgeſtellt

waren zur Benutzung ſämmtlicher Leſeluſtigen; ſogar Concerte wur⸗ den gegeben, um die Muſikfreunde zu erfreuen, kurz, nichts war ver⸗ ſäumt, was zum Beſten der Armee dienen konnte. Die Kranken⸗ pflege wurde ebenfalls aufs ſorgfältigſte berückſichtigt; allbekannt iſt die ſchöne Aufopferung der Miſſ Nightingale, welche mit ihren freien Diakoniſſen die Lazarethe in Balaklava einrichtete, und dann in Skutari das große Hoſpital gründete, in dem die kranken Englän⸗ der ſo ausgezeichnete Beſorgung fanden.

Unſer eigentliches Tagewerk wurde mit wenig Erfolg gekrönt. Wir fanden keine waſſerdichte Decke über unſer armes Haus. Ziem⸗ lich mißmuthig lenkten wir unſre Pferde heimwärts; der Boden, der jetzt noch ſpiegelglatt iſt, beginnt aufzuthauen; ein leiſer Regen fällt auf uns nieder und beim Nachhauſekommen treffen wir unſre Bur⸗ ſchen wehklagend und unſer Zimmer durchnäßt.

Dieſer fortwährenden Waſſersnoth ward erſt abgeholfen, als unſer Freund, Capitän Salangon, uns aus Sewaſtopol eine Dachbe⸗ deckung aus Eiſenblech zuſandte, die uns vollkommen ſchützte.

Trotz der mannigfachen Schäden, die unſer Hüttchen nach und nach offenbarte, hat es bis zum Schluſſe des Feldzugs den evangeli⸗

ſchen Predigern einen ſchützenden Aufenthaltsort geboten, deſſen ſie alle heute noch dankbar gedenken.

Kus allen deutſchen Gauen.

Ein Tag im Wiſtelgan.

Es kann einem manchmal ſchon wunderlich ergehen.Kirch⸗ weihe in Franken, wollte ich ſchreiben, um auch an meinem Theil aus allen deutſchen Gauen im Daheim zu erzählen, und als ich geſchrieben hatte, zeichnete der Künſtler, und wie nun beides fertig war, da hatte ich eine Kirchweihe in Mittelfranken geſchrieben und er ein Bild aus Oberfranken gezeichnet, und das hätte nun und nimmer zu einander gepaßt. Und aus Oberfranken hat der Künſtler wieder ein ganz kleines Stück herausgegriffen, das allerdings auch in allem dem, was zur Eigenthümlichkeit von Land und Leuten ge⸗ hört, das reichſte und charakteriſtiſchſte iſt. Dieſes Fleckchen iſt uns durch unſer Bild genau bezeichnet: denn das iſt ein Miſtelgauer Bild; ſo tragen und haben ſich die Leute ſonſt in ganz Oberfranken nicht und noch viel weniger bei mir in Mittelfranken. Da bleibt mir denn wohl nichts anderes übrig, als den erſten beſten Sommer⸗

morgen zu benützen und einmal wieder in mein ſchönes, ſonniges Ober⸗ I. 52.

land zu wandern, im Miſtelgau einzukehren und mir wieder einen recht friſchen Eindruck von Land und Leuten zu holen, denn aus der blaſſen Erinnerung läßt ſich ſo etwas nicht ſchreiben. Geht das Glück gut, ſo kommen wir vielleicht recht zur Kirchweih; wer von den Leſern will, kann mich begleiten.

Wenn wir von Bayreuth auf der großen Straße, die nach der ſogenannten fränkiſchen Schweiz führt, weſtwärts wandern, ſo halten wir nach einer Stunde gewiß zuerſt bei derFantaſie ſtill, der ſchönſten der jene Stadt beſonders reich und anmuthig ſchmückenden Schloß- und Parkanlagen, dem Beſitzthum des Herzogs von Würt⸗ temberg. Durch wundervolle Perſpektive iſt faſt die ganze Umgebung ſcheinbar in das Bereich des reizenden Parkes gezogen; ſo, meint man, wäre die hochgelegene Kirche des von jenſeits des Thals her⸗ überſchauenden Dorfes Eckersdorf abſichtlich dort hingebaut, nur um der prächtigen Schloßterraſſe ein maleriſch Gegenüber zu geben, wäh⸗

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