Jahrgang 
1865
Seite
766
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erſcheinen. Einige Meerſchweine tummeln ſich in den Furchen, die der einen hängt ein prachtvoller Seeſtern, an der andern eine droße unſer Kiel im Waſſer ſchneidet und von weitem ſieht man dann und Krabbe, an der dritten eine kleine Scholle oder ein Seehündchen, ein ge wann den großen Rücken eines Walfiſches(Finnfiſch) auftauchen. Fiſch, welcher zum Geſchlecht der Hai gehörig, eine wahre Plage der verſ

Der Tag war raſch dahingeflogen. Die Sonne fing an ſich zu Fiſcher iſt, die gegen ihn denſelben Haß, als gegen ſeine größern auf neigen und wir mochten wohl acht bis zehn Stunden ununterbrochen Brüder zu hegen ſcheinen. Manchmal kommen ſeltnere, für mich zun geſegelt ſein, als wir den Ort unſrer Beſtimmung erreichten, und es intereſſantere Erſcheinungen zu Tage; ſo z. B. einmal eine Rieſen griß

galt, ſich an die Arbeit zu machen. Zuvor wird noch ein Stück ſcholle(Heiligbutt) von weit über hundert Pfund, oder auch häufig ganz Haferbrot mit einem Trunk Waſſer oder ſaure Milch genoſſen, dann der ſonderbare Seeteufel, deſſen koloſſaler Kopf den größten Theil des darb beginnt das Fiſchen. Fiſches ausmacht. Er iſt wohl einer der gefräßigſten Meeresbewoh⸗

Da die Fiſcher oft keinen Köder für ihre Angeln mitnehmen, ner, die exiſtiren, und beſonders intereſſant durch die langen fadenför⸗ llei ſo iſt ihre erſte Sorge, ſich ſolchen zu verſchaffen. Zu dieſem Zweck migen, mit fleiſchigen Anhängſeln verſehenen Knochen, die er auf des bedienen ſie ſich einzelner Angeln, an welche Blechſtückchen nebſt dem Kopfe trägt und willkürlich aufrichten oder niederlegen kann; brä rother und weißer Wolle befeſtigt werden, dieſelben läßt man bis auf ebenſo durch die handförmig ausgebreiteten und an einer Art Arm eine den Grund des Meeres hinunter und zieht ſie raſch wieder herauf. befeſtigten Bruſtfloſſen. Seine Lebensweiſe iſt nicht minder merk⸗ Wir Es iſt ſelten, daß ſich nicht ein gefräßiger Kabliau durch die Bewegung würdig als ſeine innere und äußere Strukturz der Meerte Du dieſer ſchillernden Gegenſtände anziehen läßt und als Beute mit Angler lebt beſonders auf ſchlammigem W⸗ gür herauſkommt. Dieſe ſo gefangenen Fiſche werden ſogleich in fanſtsicka lwitteer aricj v 1 Win Stücke geſchnitten, um ſo ihren Mitbrüdern als Küö uuoe Fiſchen verbirgt. 3 Feins Nun geht es an das Fiſchen. Da ſich der Kabliau au, lo forrvewegt, rihtet er feine Kopſbärteln in die Höhe rg

Meeres aufhält, ſo kann von einer Netzfiſcherei nicht die Rede ſein und lockt mit den Fleiſchanhängſän die kleinen Fiſche an ſich, die er uſc 1 und daher werden überall Angeln angewandt. Dieſe ſind ungefähr dann mit großer Geſchicklichkeit ehaſcht. Olg 1 4 Zoll lang und werden mit Querſchnüren, etwa 6 8 Fuß von Während die Leine heraußezogen und wieder hinuntergeſenkt fen einander an eine lange Leine gebunden, die bis auf den Meeresgrund wird, iſt die ſtille Nacht halb verſoſſen. Schon zeigen ſich im fernen als hinabgeſenkt wird. Dies geſchieht jedoch nur langſam, da die Angeln Oſten die bleichen Spuren des arbrechenden Tages. Bu nnt der Mei während des Senkens eine nach der andern mit Ködern verſehen und alte Fiſcher ſeine Mütze ab und fimmt mit aitternder Stir ſit 6 das Boot mit langſamen gleichmäßigen Ruderſchlägen fortbewegt wird. Pſalm an, die* non Da unſere Leine, wie gewöhnlich bei den Shetländern, 1200 Angeln Nach Beendigung a erre 1 zählte, waren wenigſtens drei Stunden erforderlich, um ſie hinunter⸗ welchem er Gott daua und um jeinen Beiſtand fleht. Mehr als der 1 kur. zulaſſen. Darnach wartete man zwei Stunden, bevor angefangen glänzendſte Gottesdienſt in den prachtvollen Cathedralen Englands, un wurde, ſie wieder heraufzuziehen. Es ſei mir vergönnt, inzwiſchen ergriffen mich die einfachen Worte des armen Fiſchers, hier auf dem bun einige Worte über den Kabliau zu ſagen. Die ungeheuere Maſſe kleinen Kahne, umrauſcht von den Wellen des Meeres, weit ab von 8 1 du von Fiſchen, die wir je nach der Zubereitung, Kabliau, Stockfiſch, jeder menſchlichen Wohnung. Wa Klippfiſch, Laberdan u. ſ. w. nennen, gehören alle einer Familie, der⸗ Ganz vereinſamt jedoch waren wir nicht; überall umgaben uns we jenigen der Gadoidei(Schellfiſche) an. Aus dieſer Familie kommen Scharen von Vögeln, die uns ſelbſt während der Nacht nicht ver⸗ V 4 nur 4 5 Species als Stock⸗ oder Klippfiſch getrocknet im Handel ließen. Unter ihnen zogen mich beſonders die kleinen ſchwalbenähn⸗ 4 18 vor und zwar nicht untereinander vermiſcht, ſondern ſtreng geſondert, lichen Sturmvögel an, die in großer Anzahl unſer Boot umſchwärmten. d je nach dem Lande, für welches ſie beſtimmt ſind, ſo daß der nach Dieſe Thierchen ſind die Lieblinge aller Fiſcher und mit Recht, nar Spanien, Italien*) und Irland ausgeführte Stockfiſch andern Arten denn etwas Anmuthigeres kann man ſich nicht vorſtellen, als ihre M angehört, als der, den wir gewöhnlich in Deutſchland haben. Letzterer, kühnen Bewegungen, wenn ſie halb laufend, halb fliegend, halb der uns ſo wohlbekannte Kabliau, iſt wohl der wichtigſte unter allen. ſchwimmend auf der Oberfläche der Wogen, den kleinen Seethierchen daſa 1 Man findet ihn in ungeheurer Anzahl im ganzen nördlichen Ocean nachjagen, oder die kleinen ihnen von den Fiſchern zugeworfenen 0 V von Norwegen bis Neufundland, und ſo groß iſt die Fruchtbarkeit Fiſchſtückchen im Flug erhaſchen. dieſes Fiſches, daß man zu hunderttauſenden, ja zu Millionen die Mit Tagesanbruch wird die Leine zum zweitenmal heraufge⸗ hin Eier zählt, welche ein einziges Weibchen zur Laichzeit enthält. In zogen; wir ſind eben in voller Arbeit begriffen, als ein Ausruf des wot kleinerer Anzahl findet man in denſelben Gewäſſern den langgeſtreck⸗ dErſtaunens von Seiten des alten Skippers uns unterbricht. Er lauf ten Ling- oder Läugfiſch und den kleinen Torsk, beide ſehr wohl⸗ deutet in einiger Entfernung auf eine ſchwarze Maſſe, die ſich uns und ſchmeckend und feiner als der Kabliau. Für den Shetländer am mit den ſeltſamſten Geberden nähert. Es iſt der große Rücken eines käm wichtigſten iſt der geringere Kohlſiſch, der ebenſo fruchtbar wie der: Walfiſches, der bald aus dem Waſſer emporſchnellend, bald wieder Bo Kabliau, die Inſeln in unglaublicher Menge umſchwärmt. Er bildet untertauchend, unaufhörlich das Waſſer wie raſend peitſcht. Eben ihre Hauptnahrung und ſchützt ſie, beſonders bei ſtrenganhaltendem ſcheint er auf uns zukommen zu wollen und wir haben bereits die 1 Winter, wo jede Verbindung mit dem Feſtlande unmöglich iſt, vor Ruder zur Flucht ergriffen, als er etwa ſechszig bis achtzig Fuß an 11 Hungersnoth. Seine junge Brut, unter dem Namen von Sillacks uns vorüberſchießt, indem er uns ſeine blutigen Seiten zeigt; dieſe 1 und Pilltacks bekannt, iſt ſo zahlreich in den Buchten der Inſeln vor⸗ erklären uns ſeine ſeltſamen Bewegungen. Sein Körper hing vol handen, daß man ſie vor einigen Jahren aus dem Innern eines halb⸗ von Seehündchen, die ſich durch ſeine Speckſchicht durchgefreſſen geſunkenen Schiffes, bei Baltaſound, wochenlang mit Körben heraus⸗ hatten und jetzt zu den empfindlichſten Muskeln gelangt waren. Der 1 fiſchte, ohne daß ihre Zahl vermindert zu ſein ſchien. Anblick des armen gequälten Thieres war ſchaudererregend und ſeine 1 Nach Verlauf von zwei Stunden begann der aufregende Theil heftigen Geberden zeugten von ſeinem furchtbaren Schmerz. Wir 1 dur unſerer Arbeit. Die Boje wird ins Boot genommen und die Leine waren froh, als er unſern Augen entſchwunden war und wir keinen bhr langſam und mühſam aus einer Tiefe von 12 1500 Fuß vom Zuſammenſtoß mit ihm mehr zu fürchten hatten. 727 Ei Grunde des Meeres gezogen. Mit Spannung ſehen wir der erſten Schon neigt ſich der zweite Tag ſeinem Ende und mit ihm* ſſt Angel entgegen und mit einem Freudenruf wird der erſte Fiſch in überzieht ſich der Himmel; ein feuchter Nebel umgibt uns und zu Fe Empfang genommen; es iſt ein prächtiger Ling, ihm folgen zwei tauſenden umfliegen uns die kleinen Sturmvögel; ſorgſam ſchweift 1 mun Kabliaus und einige Kohlfiſche; alles verſpricht einen glücklichen Fang. der Blick des alten Skippers nach allen Gegenden umher, ob er etwa Kan Aber ach, unſere Hoffnung wird bald zu Schanden! Eine Angel nach Zeichen eines herannahenden Sturmes entdecken kann. Lange geht u der andern kommt zum Vorſchein ohne Beute für die Fiſcher. An alles gut und wir fiſchen weiter, als er auf einmal Befehl gibt, die 3 bru ine raf raufzuziehe 2 ztare; Wer *) Wenn die norwegiſchen Stockfiſcheapitäne nach Venedig kommen, Leine raſch heraufzuziehen. Ohne weteres beginnt men das Werk. 8 blonde, blauäugige vierſchrötige Nordlandsſöhne, die wochenlang in und Am nördlichen Horizont theilt ſich nach und nach der Nebel und der 6 unter ihrer duftenden Ladung zugebracht haben, ſo verfreiten ſie einen Gernch, Himmel nimmt eine grüngelbliche Färbung an, die dem Alten ſehr der fürchterlich iſt. Die Leute ſehen ſo freundlich und nett aus, daß es einem zu mißfallen ſcheint. Mehrmals treibt er zu raſcherer Arbeit an. cher idenelich leid thun kann, ſie fliehen zu müſſen. Aber es iſt unerträglich; Beinah iſt die ganze Leine ins Boot gezogen, als er, immerfunruht⸗ den äden, in welche ſie kommen, riechen tagelang nach dem Stockfiſch; kommt ja.; 3;. n Kſ* die übrige Mannſchaft an Land, ſo iſt ſie im Stande, den ganzen Markusplatz ger werdend, befiehlt, dieſelbe im Stich zu laſſen und ſo raſch als möglich 4 ſche V zu parfümiren. A. d. R. heimzufahren. Sofort wird die Leine abgeſchnitten und in wenigen

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