Jahrgang 
1865
Seite
761
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Ein deutſches Familienblatt mit Illuſtrationen.

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Ausgegeben im September 1865. Ber Jahrgang länſt vom October 1864 bis

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dahin 1865. N 52.

1865.

Der Graubündner Gemſenkönig. Ein Jägerleben aus dem rhätiſchen Hochgebirge. (Schluß.)

An einem ſchönen Auguſttage ging mein Vater allein in früher Während der kurzen Raſt, die mein Vater nun hielt um ſein Mittags⸗ Morgenſtunde von Hauſe fort, um in Val Chamuera, damals noch brot einzunehmen, ſchweifte ſein Falkenauge ſtets im Gebirg umher. ſein beliebteſtes Revier, ſich Vorrath für die Küche zu ſuchen. Ver⸗ An einer Stelle am jenſeitigen Abhang des wilden Alpenthals, dort traut wie er mit der Gegend war, fiel es ihm nicht ſchwer, an ver⸗ hinten, ſehen Sie, wo vom Piz Prüna herunter ein wild zerriſſener ſchiedenen Stellen Gemſen zu entdecken, doch alle lagerten in unzu⸗ Gletſcherarm ſich erſtreckt, bemerkte er zwei ſich bewegende Gegenſtände. gänglichen Lagen, ſo daß er vorzog, ſein Glück anderswo zu verſuchen. Sein Fernrohr, das raſch zur Hand war, gab Aufſchluß darüber. In Val Prüna, nahe an einer ihm bekannten Felſenwand, entdeckte er Es waren zwei Gemsböcke, die nach gehaltener Mittagsruhe daſelbſt nach kurzem Suchen 7 Gemſen, die langſam graſend in die Höhe äſten. Die Lage war dem Jäger günſtig, die Entfernung nicht groß, gingen. Die ungewöhnliche Sonnenhitze in ſo hoher Lage ließ der die Windrichtung wie erwünſcht; leicht konnte er ſie beſchleichen. Vermuthung Raum, daß die Gemſen hoch in der Wand oben an Kurzentſchloſſen ließ er ſeine ſchon gemachte Beute an Ort und Stelle einem ſchattigen Orte ſich lagern würden. Ueber ſchmale Felſenbänder liegen und machte ſich auf den Weg rahin. Unbemerkt konnte er ſich ſich windend, von Fels zu Fels ſpringend, gelangten die flinken muntern auf fünfzig Schritte nähern. Ein Schuß fiel; der größere Gemsbock Thiere bis dahin, wo ein weiteres Fortkommen nicht mehr möglich war. brach zuſammen, um alsbald wieder aufzuſtehen. Er machte ein Paar Eins nach dem andern lagerte ſich, behaglich wiederkäuend. Der Platz Schritte und that ſich nieder. Die Kugel hatte ihm den Unterleib war meinem Vater recht. Von den Gemſen unbeachtet, jede offene durchbohrt. Das jüngere Thier ſprang auf und machte ein Paar Stelle meidend, ſtieg er auf Umwegen, gegen den Wind, der luftigen Sätze, hielt aber an, als es bemerkte, daß ſein Gefährte wieder ruhig Lagerſtätte der Gemſen zu. Mit Mühe und Gefahr erreichte er den lagerte. Es hatte nur den Knall des Stutzens gehört, vom Jäger Punkt, den er ſich vorgemerkt und von wo aus ſein Blei das Wild ſah es nichts. Dieſer Bock ſiel auf den zweiten Schuß ſofort. Dem erreichen konnte. Es war die einzige Stelle durch welche die Gemſen Verwundeten konnte der Vater ſich offen nähern, mit dem Jagdmeſſer allenfalls hätten entrinnen können. Das ganze Rudel war in eine gab er ihm den Gnadenſtoß. Die Tageszeit war vorgerückt, ſchon Sackgaſſe gerathen, aus der kein Stück entrinnen ſollte. Bald don⸗ warfen die Gipfel der Berge lange Schatten; es mußte die Rückkehr nerte die Büchſe und das erſte ſtürzte von ſchwindelnder Höhe in den nach der Alp angetreten werden. Sie hätten meinen Vater ſehen ſollen, Abgrund hinunter. Die andern ſprangen auf, rannten unſchlüſſig für ſeine breiten Schultern war es ein Leichtes, die zwei Gemsböcke auf dem beſchränkten Raum hin und her und ließen dadurch dem dorthin zu ſchaffen. Er kam grade zur Stunde des Melkens in der Alpen⸗ Vater Zeit, ſeinen einläufigen Stutzen wieder zu laden. Wieder ſtreckte hütte an und wurde vom Senn freundlich willkommen geheißen, auch ein Schuß eine Gemſe nieder. Da war keine Rettung; der einzige wie inmer, mit warmer Milch erquickt, es war ſein liebſtes Ge⸗ Weg war verſperrt. Abermals und abermals knallte das mörde⸗ tränk. Er hatte ſich eben ans lodernde Feuer gelagert, als der Senn riſche Gewehr, und wieder und wieder ſtürzten die Opfer in die grau⸗ ihm zurief, daß eine prächtige Gemſe in geringer Entfernung graſend ſige Tiefe. In Angſt und Verzweiflung wagten ſich die zwei noch vorbeiziehe.Bah, ſagte der Vater, der immer gern einen Poſſen übrigen nach der Stelle hin, von wo her die verhängnißvolle Kugeln trieb,heute wär's eigentlich des Jagdglücks genng, jedoch wenn Ihr es kamen, doch mit gehobenem Stocke jagte er ſie zurück. Es war der wünſcht, und Euch verpflichtet meine heutige Jagd nach Hauſe zu Beute noch nicht genug; bald lagen alle ſieben wie aufgeſchichtet bringen, ſo will ich's verſuchen und Ihr ſollt den Bock als Lohn für Eure auf dem Schneefeld in der Tiefe beiſammen. Für die Küche V Mühe haben. Der Senn war natürlich gern dabei. Mein Vater war ſomit geſorgt, die Jagdluſt aber war noch nicht befriedigt. trat vor die Hütte, ſah das ſchöne Thier, maß mit ſicherm Auge die

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