tiſch ein Arbeiter, der neben mir ſaß und ſich eben ſeine thönerne Pfeife ge⸗ ſtopft hatte.
„Hier iſt ein Streichhölzchen. Die Blätter will ich doch erſt leſen. Wer war denn der alte Herr?“
„Das war ein Mitglied der ehrwürdigen British Anti-tobacco Society (Britiſche Geſellſchaft wider den Tabak) die womöglich mit Feuer und Schwert das Rauchen ausrotten möchte;“ ſagte ſchmunzelnd und behaglich paffend mein Nachbar.
Ich begann, meine Schätze zu muſtern. Das Päckchen enthielt eine Reihe Zettel. Einer war überſchrieben:„Der Raucher“ und enthielt eine höchſt graphiſche, auf Abſchreckung berechnete Charakteriſtik eines ſolchen Uebelthäters.„Da geht er hin,“ hieß es darin,„vor ſich hin paffend, das wohlriechende(2) Kraut genießend und denkt auch nicht einmal daran, ob er jemand anders beläſtigt, ſo lange als er ſelbſt ſich des Einathmens der nar⸗ cotiſchen Pflanze erfreut. Ja, das Rauchen iſt eine durch und durch ſelbſtſüchtige Gewohnheit.“ Ein anderes Blatt erzählt Erfahrungen von der Eiſenbahn, in deren Wagen, trotz aller officiellen Verbote, doch häufig geraucht wird. Noch ein anderes erzählt zwei Struwwelpetergeſchichten, die eine betitelt: „Was! ſeid Ihr Eurer Augen müde?“ worin von einem Straßenkehrer die Rede iſt, der eine ſchlimme Augenentzündung durch das Rauchen bekam; die zweite:„Blutſpeien in Folge des Rauchens.“ Endlich war ein Blatt da: „,60 Gründe gegen das Rauchen,“ von denen hier einige Proben:„Der Tabak hält die Sklaverei in den Vereinigten Staaten von Amerika auf⸗ recht.“„Der Tabak, Cigarren ꝛc. koſtet Großbritannien mindeſtens zehn Mill. Pfund jährlich.“„Der Tabak ſchadet dem Geruche und Geſchmack, oft auch dem Gehör und Geſicht.“„Der Tabak führt zum Müßiggang und Müßiggang iſt aller Laſter Anfang.“„Der Tabak verdirbt den Athem und macht ſeine Conſumenten ungeeignet für die feinere Geſellſchaft.“„Der Tabak ſchadet der Schönheit, verwüſtet den Teint und macht die Augen matt.“„Der Tabak, wie Jakob I, der Verfaſſer des Counterblast(Gegen⸗ wind) to tobacco ſagte, behext den, der ihn raucht. Er kann davon nicht ablaſſen.“„Der Tabak verleitet zum Trunk, zum Spiele, zu allen Laſtern.“ „Der Tabak füllt täglich die Armenhäuſer, Hospitäler und Irrenanſtalten.“ —„Schließlich ſagen wir zu Jung und Alt: Rührt keinen Tabakan, denn es iſt ein Fluch darin!“
Die andern Schriften enthielten Zeugniſſe von Aerzten, Staatsmännern, Nationalökonomen ꝛc. gegen das Rauchen; darunter waren mehrere Nummern eines Monatsblattes(T'he Anti-tobacco Journal), das die Geſellſchaft herausgibt und in dem derſelbe Gegenſtand auf die mannigfachſte Weiſe variirt zur Sprache kommt. In Proſa und in Verſen, in Erzählungen und in wiſſenſchaftlichen Auseinanderſetzungen, in Briefen früherer Raucher und in Controversgeſprächen über das Rauchen ꝛc. ꝛc. wird darin gegen das ge⸗ kämpft, was die Glieder der Geſellſchaft, wie oben bemerkt, geradezu ein „Laſter“ und eine„Sünde“ nennen. Einige dieſer Schriften ſind aufs ele⸗ ganteſte gedruckt und mit guten Illuſtrationen ausgeſtattet.
Abends folgte ich der erhaltenen Einladung und wohnte dem Jahresfeſt der Geſellſchaft bei, das in den untern Räumen der berühmten Exeter⸗ halle ſtattfand. Das Feſt hatte einen ernſten, religiöſen Charakter; es wurde mit Gebet eröffnet und beſchloſſen; Aerzte, Juriſten, die aus ihrer Criminalerfahrung Mittheilungen über die Wirkung des Rauchens machten, Schulmänner, Paſtoren, waren die Hauptredner. Zur Steuer der Wahr⸗ heit muß ich bemerken, daß die Reden nicht ohne Einfluß auf mich blieben und daß ich ſeitdem— ein viel mäßigerer Raucher geworden bin. K.
Die Probe des Rettungsbootes„Daheim“.
Am 25. Auguſt fand in Hamburg die Probe mit dem Rettungsboote „Daheim“ ſtatt, deſſen Koſten unſer Leſerkreis ſo opferwillig aufgebracht hat, und welches nun in wenigen Tagen an den Ort ſeiner Beſtimmung, Leba, abgehen wird, um dort an einem unſerer gefährlichſten Küſtenpunkte ſeine humane Wirkſamkeit zu beginnen.
Das von canellirtem Eiſenblech in der Fabrik für Francisboote von
Me Donald u. Co. in Hamburg erbaute Boot beſitzt eine Länge von 28 Fuß bei einer größten Breite von 8 Fuß, iſt vorn und hinten ſpitz und hat, wenn es leer geht, einen Tiefgang von acht Zoll, der bei einer Be⸗ laſtung von 24 Perſonen nur bis 10 Zoll wächſt. Es unterſcheidet ſich von den an unſern Nordſeeküſten gebräuchlichen eiſernen Rettungsbooten beſonders dadurch, daß es bei hineinſchlagendem Seewaſſer ſich ſelbſt ent⸗ leert und iſt zu dieſem Zwecke anders conſtruirt, als die gewöhnlichen Francisboote. Wiährend dieſe nur an ihrem Vorder⸗ und Hinterende Luftbehälter be⸗ ſitzen, deren Schwimmkraft das Boot am gänzlichen Unterſinken hindert, hat das Boot„Daheim“ auch Luftkammern an den Seiten und einen doppel⸗ ten, durch einen etwa acht Zoll hohen und ebenfalls mit luftdichten Abthei lungen verſehenen Boden. Durch dieſe Conſtruction erhält das Boot eine ganz bedeutende Schwimmkraft, die nicht nur ſein Unterſinken unmöglich macht, ſondern es auch zwingt, ſtets ein beſonderes Niveau zu halten. Durch den doppelten Boden ſind acht Röhren von vier Zoll Durchmeſſer geführt, die oben durch ein Ventil geſchloſſen werden. Dieſe Ventile öffnen ſich jedoch bei jedem Druck von oben; ſobald daher eine See in das Boot ſchlägt, laſſen ſie das Waſſer ſofort unten ausſtrömen, da die Luftbehälter das Boot trotz des vermehrten Gewichtes auf die Dauer nicht tiefer ſinken laſſen, ſondern es augenblicklich wieder in die Höhe zu treiben ſuchen.
Die nach Peakes Syſtem conſtruirten engliſchen hölzernen Rettungs⸗ boote beſitzen ſämmtlich die Eigenſchaft der Selbſtentleerung; indeſſen geſtat⸗ teten unſere Strandverhältniſſe die Anwendung jener 5000 Pfd. ſchweren
Briefe und Sendungen ſind zu richten an
Boote nicht und es mußte deshalb zu den um die Hälfte leichteren Fran⸗ cisbooten gegriffen werden, welche ſich jedoch nicht ſelbſt entleeren konnten.
Das Boot„Daheim“ iſt das erſte Francisboot, auf das jenes Princip angewandt wurde und obwohl der Verſuch zuerſt viele Gegner fand, ſo haben die angeſtellten Proben ſein vollſtändiges Gelingen dargelegt und höchſt⸗ wahrſcheinlich werden fortan alle Rettungsboote an unſerer Küſte in dieſer Weeiiſe gebaut werden.
Die Proben wurden bei der deutſchen Seemannsſchule auf Stein wärder bei Hamburg in Gegenwart des Corvettencapitän Werner und des Vorſtandes jener Schule angeſtellt. Sie betrafen zunächſt die Prüfung der ſeitlichen Stabilität und man verſuchte das Boot mit Gewalt um zuwerfen. Zu dieſem Zwecke wurden Taue unter demſelben durchgenom men, an dem äußern Bord befeſtigt und an ihren andern Enden mit zwei Flaſchenzügen, jeder mit vier Rollen in Verbindung geſetzt. Jeder Flaſchen zug wurde alsdann mit ſieben Männern beſetzt nnd durchgeholt. Trotz dieſer gewaltigen Hebelkraft gelang es nur mit äußerſter Mühe und erſt nach Ver lauf von drei Minuten das Boot zu kentern. Dabei erwies ſich die Schwimm⸗ kraft der Seitenluftkammern und des um das ganze Fahrzeug laufenden Korkgürtels ſo bedeutend, daß das Boot faſt ſenkrecht zur Waſſerfläche ſtand, ehe es zu ſchöpfen begann.
Dieſe Probe fiel daher zur größten Zufriedenheit aus und trug nicht wenig dazu bei, das Zutrauen zu der neuen Conſtruction zu erhöhen, um ſo mehr als eine Vergleichsprobe mit einem gewöhnlichen Francisboot von 26 Fuß Länge ergab, daß letzteres ſich mit Hilfe der Flaſchenzüge und nur acht Mann bequem und ſchnell umwerfen ließ.
Weiterhin ſetzten ſich 16 Mann, welche ein Gewicht von mindeſtens 24 Centnern repräſentirten, auf den äußern Bordrand des ſonſt leeren Bootes, vermochten ihn aber nur bis zu 10 Zoll an die Waſſerfläche niederzudrücken.
Als das Boot umgeworfen war und wieder aufgerichtet wurde, hatte es ſich bis zur Höhe der Ruderbänke, alſo etwa bis zur Hälfte gefüllt und enthielt 160— 180 Kubikfuß Waſſer. Dieſe ganze Waſſermaſſe verſchwand in einem Zeitraum von 40 Secunden und der obere Boden zeigte ſich dem nach vollſtändig trocken.
Die luftdichten Zwiſchenräume des doppelten Bodens laſſen ſich noch mit vier bis fünf Centner Korkſtücken vollſtauen. Dadurch wird die Schwimm kraft des Bootes weiter vermehrt und die Selbſtentleerung noch in viel kür zerer Zeit vor ſich gehen; jedoch wurde von dieſer Probe abgeſehen, da der angeſtellte Verſuch die Richtigkeit des Princips zur Genüge darthat.
Die Ruderproben ergaben eine durchaus befriedigende Geſchwindigkeit und ebenſo ſteuerte das Boot vortrefflich.
Endlich wurde noch ein Verſuch gemacht, ob die rings um das Boot angebrachten Rettungsleinen und Taubuchten zweckentſprechend ſeien und ſchwimmende Perſonen mit ihrer Hilfe leicht in das Boot gelangen könnten. Zu dieſem Zwecke ſprangen fünf bis ſechs Seemannsſchüler, welche bei der Probe gegenwärtig waren, in vollem Anzuge vom Bollwerk in das Waſſer und retteten ſich ohne weitere Hilfeleiſtung in das Boot. Dies ging ſehr ſchnell und bequem und ließ auch dieſe Einrichtung nichts zu wünſchen übrig.
Somit dürfen wir alſo die Verſicherung ausſprechen, daß das Boot „Daheim“, das erſte aus freiwilligen Beiträgen des deutſchen Volkes für unſre Oſtſeeküſte erbaute Rettungsboot, in jeder Beziehung dazu angethan i*ſt, ſeine ſchwierige Aufgabe zu löſen. Es wird ſich das Vertrauen ſeiner Beſatzung erwerben und dieſe wird nicht anſtehen, durch Sturm und Bran⸗ dung den ſeefahrenden Brüdern zu Hilfe zu eilen und ſie dem Wellentode zu entreißen. Mag Gott ſeine Wirkſamkeit ſegnen und ihm vergönnen, durch edle Thaten ſich auszuzeichnen!
Wir aber bitten unſere Leſer nicht in ihrem Liebeswerke zu ermüden und auch fernerhin dem Rettungsweſen ihre wärmſte Theilnahme zu ſchenken. Nur dann kann es gedeihen und Segen bringen, wenn das ganze Volk es hegt und pflegt. Noch viele Nationen fehlen an der Küſte, bis ſie gänzlich geſichert iſt, und ebenſo erfordert die Unterhaltung beträchtliche Summen. Mit den einmaligen Gaben iſt es nicht allein gethan; jährliche dauernde Bei⸗ träge, wenn anch nur geringe, ſind die Hauptſache und um ſie bitten wir deshalb aufs neue.
Die Summe der bis heute bei uns eingegangenen Gaben beläuft ſich auf Thlr. 1733.— und Thlr. 32— Jahresbeiträge. Die Verlagshandlung.
Der gefälligen Beachtung empfehlen wir nochmals das der vorigen Nummer beigelegte Kärtchen, ſowie unſre Bitte in Betreff deſſelben. Es ſoll uns freuen, wenn ſich recht viele unſrer Freunde deſſelben bedienen, wir werden gern umgehend per Kreuzband jede gewünſchte Anzahl ſenden. Der Termin des Beginns eines neuen Jahrgangs dürfte allen freundlichen Bemühungen beſon⸗ ders günſtig ſein.
Briefkaſten.
Herrn H. J. in Hamburg. Wir wünſchen, daß die 3 Exempl. Daheim, welche Sie nach Hongkong ſenden, recht viele Nachfolger ſinden mögen. Uebri⸗ gens ſind es nicht die einzigen, welche in dieſe weite Ferne gehen. Ein Col⸗ porteur,(deutſche Colporteure und Handwerksburſchen kommen überall hin,) erzählt uns, er habe auf einem Dampfer, welcher von Auſtralien nach England ging, ebenfalls das Daheim gefunden und in den deutſchen Colonien hinter
ie Redaction des Daheim in Leipzig, Poſtſtr. Unter Verantwortlichkeit von A. Klafing in Bielefeld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in Leipzig. Verlag der Dahrim⸗Expedition von Delhagen* Klaſing in Bielefeld und Berlin.— Druck von Liſcher 2 Wittig in Leipzig.
Melbourne und Adelaide iſt es nicht ſelten.
Nr. 19
An einer Morgenſtunde ſein beliebteſte traut wie er! ſchiedenen St bänglichen La⸗ In Val Prün nach kurzem gingen. Di Vermuthung
einem ſchattie
ſich windend, STIiere bisd
Eins nach d
war meinen telle meid Aagaſſtätte Punkt, der erreichen ko allenfalls! Saclgaſſe nerte die; Abgrund auf dem!


