Jahrgang 
1865
Seite
753
Einzelbild herunterladen

A X.e lha Friſ ſene Markgraf hi 1 ate

d2s fürſtlche Pau deer hierauf da t worden, mte gelthüren geöffnt an, begab ſich in a wurden. Mmn ein Kammerdiene arkgrafen um Er el ihm ſeine Ehr⸗ mit freundlichen d durch die ent⸗ r Augen dorthin lingen ſo inniga iſſen, und hereun don mahe an Enlſeten dlebte ein Traum ſelbe wunderſchönt Ues geführt hatte en, dieſelbe grun Engel, ein Weſen

ij Karl ſchritt dal tt aller Blice

n,mein Retter H den nämlichn verdanft. Da⸗ ſeine Dankbarket ic nich alluſehr! red; nur die Kler⸗ ochter flüchtete

Lenk, in dem ſt oder vielnehl daß dieſe Lochte ben werde, wle ol

dekwlihe ſitt 8 dem Großpape

2 mnigen Vertralle

voon Graubünden gern auf.

knabenhafte Phantaſie ſog ſich feſt an dieſer reckenhaften Geſtalt mit ihrem düſtern Nimbus des Unheimlichen und Verbrecheriſchen und klopfenden Herzens folgte ich Lenz auf ſeinen halsbrechenden Fahrten, bei denen ihn der Graubünder Rübezahl ſo ſehr geäfft und gefoppt hat. Ich glaube, ich habe geträumt von den erſchoſſenen Tyroler Jägern, von der dunklen Kammer, in der die Waffen von den Opfern Colanis aufbewahrt ſein ſollten, von den fußbreiten Gras⸗ bändern über ſchwindelnden Abgründen, über die er Lenz muthwillig gehen, von den haarſcharfen Ecken, über die hinaus er ihn den Fuß ins Leere ſetzen ließ. Später hörte ich denn, daß dem guten Lenz die Phantaſie manchen Streich geſpielt, daß ihn Colani vielfach zum Beſten gehabt und daß bei dem Bekannterwerden des früher ſo unzu⸗ gänglichen Engadins die Geſtalt Colanis viel von dem Unheimlichen und Schreckhaften verloren habe. Aber trotzdem daß noch ſein Sohn lebte, daß alljährlich viele Beſucher nach dem kleinen Orte Pontreſina kamen, die Aufklärung hätten geben können, liefen durch alle Bücher noch die alten geſpenſtigen Lenzſchen Erzählungen. Es mußte alſo doch ein ungewöhnlicher Menſch geweſen ſein, da ſich ſo beharrlich die Sage an ſeine Ferſen heftete.

Viele Jahre ſpäter, in der Glut eines oberitalieniſchen Som⸗ mers, ſuchte ich Kühlung in Tſchudis Thierleben der Alpenwelt. Auch hier, in dieſem vortrefflichen Buche, wieder dieſelben Sätze, wenn auch theilweiſe,(wie ich ſpäter erfuhr, auf Reclamation des Sohnes Colanis) durch eine Anmerkung des Verfaſſers als theil weiſe ungegründet hingeſtellt.

Das Buch hatte mein altes Alpenheimweh wachgerufen, die Berge winkten ſo lockend, ich ſchnürte mein Bündel, wandte mich über den Comerſee, durchs Bergell, über die Maloja dem Hochlande zu und drei Tage ſpäter wanderte ich eines Abends in Pontre⸗ ſina ein.

Mein erſter Gang andern Morgens führte mich in das hübſche Haus Colanis, des Sohnes unſres Helden; er ſelbſt iſt auch ſchon ein ergrauter Mann, aber noch immer einer der bewährteſten Führer. Die Stube, in der er auf einer Ofenbank von der letzten Languard⸗ fahrt ausruhte, war durchduftet von dem friſchen Geruch der Alpen⸗ kräuter, die ſeine ſchmucke Tochter, eine wiſſenſchaftlich gebildete Botanikerin, zu geſuchten Herbarien zuſammenſtellt. Freundlich empfing mich der Alte und noch freundlicher wurde ſein Geſicht, als ich ihm ſagte, daß mich ein altes Intereſſe an ſeinem Vater herführe. Ja, Herr, meinte er,ich hab's ſchon manchen Menſchen erzählt, was Wahres an der Geſchichte iſt und was nicht, aber ſie glauben alle den Büchern mehr als mir. Aber, Herr, fuhr er eifriger fort, indem er aus einem Secretär ein Papier mit gerichtlichem Siegel hervorholte,hier hab ich's ſchriftlich und gerichtlich, daß mein Vater ein Ehrenmann geweſen iſt, ein großer Jäger, aber Menſchen erſchießen? Fremde in Lebensgefahr bringen? Dummes Zeug das in den Büchern. Möchte wohl wiſſen, was die Gerichte dazu ge ſagt hätten, wenn er jeden hätte erſchießen wollen, der ihm iins Gehege kam. Aber wiſſen Sie, Herr, dazumal war unſer Land noch ganz unbekannt, hätte auch niemand gedacht, daß jemals Frenide herkommen würden, da hatte ſich's gut Mordgeſchichten ſchreiben. Nun, Herr Colani, warf ich ein,das iſt ja auch alles nur als Ge⸗ rücht nachgeſchrieben worden, aber jene furchtbaren Gänge, die Ihr Vater mit Lenz und ſeinen Begleitern gemacht hat, die ſind doch wahr?Ja, Herr, ſchmunzelte der Alte ordentlich humoriſtiſch, ſehen Sie, ich erinnere mich noch ganz deutlich wie rer Herr nnit unſerm jungen Herrn von Planta hier war; es kann ſein, daß her Vater ſie ein bischen geutzt und holprige Wege geführt hat, denn 8 ließ ſeine Gemſen nicht gern von andern ſchießen, aber dama 8 ba e ich von nichts Gefährlichem gehört und muthwillig in Lüenedene 3 hat der Vater keinen gebracht; meiner Seel, ich kenne ſo zi unl h je Ecke hier im Gebirge, aber wo jene gräßliche Stelle ſein ſoll' er zuckte die Achſeln..

Wahrheit und Dichtung ſagte ich,laſſen wir dir alten Geſchist ten ruhen. Morgen führen Sie mich nach unſrer Verabredung auf 1z Pi ählen Sie mir, was Ihnen von Ihres

iz Tſchierva und dann erzähler 3 4 s ſoll Vaters Leben bekannt iſt; Sie können ſich darauf verlaſſen, d en feinen Andenken nict ſcaden, obſchon ic ſdſtſo ane Get enöng ſchreiber bin. Das Daheim nimmt etwas über den G ſenbn Soll ein Wort ſein, Herr, erwiderte

Colani,verſprechen Sie mir nur, daß Sie meinen Vater auch

draußen, wo die Bücher geleſen werden, zu Ehren bringen wollen. Ich verſprach's ihm.

In einer erhabenen Natur, hoch oben im wildeſten Hochgebirge und Angeſichts einer netten, ruhig gelagerten Gemſenſchar, die wir abwechſelnd durch das Fernrohr beobachteten, entwarf mir andern Tags der Sohn in ſchlichter Weiſe ein kurzgedrängtes Lebensbild ſeines Vaters.

Jan Marchiet Colani, ſo hob er an, wurde im Mai des Jahres 1772 zu Camogesk im Oberengadin geboren. Unfern der Burgruine Guardaval, da wo aus einem vielverzweigten Seitenthal ein wilder Bergſtrom hervorſtürzt, ſteht in anmuthiger Lage dies freundliche Dörfchen. Unſre Großeltern waren mit Glücksgütern nicht reich geſegnet, verſtanden aber doch, Dank der weiſen Sparſamkeit der ſorgenden Mutter und dem Verdienſte des Vaters auf anſtändige Weiſe ihre zahlreichen Kinder zu erziehen. Letzterer war Küfer und Rädermacher und galt als ein ſehr geſchickter Mann. Nebenbei trieb er etwas Landwirthſchaft und wußte in geeigneter Jahreszeit durch Handhabung ſeiner Büchſe ſich manchen Thaler zu verdienen. Bei ſeinem Sohne Jan Marchiet machte ſich ſchon in früher Jugend der Hang zur Jagd, ſein väterliches Erbtheil, geltend. So lieb ihm die Werkſtätte ſeines Vaters war, ſo ſehnſuchtsvoll erwartete er doch all⸗ jährlich die Herbſtſonne, denn war einmal die kleine Heuernte ein⸗ geſammelt, ſo wußte er ja, daß es ſeinem Vater galt, die Büchſe von der Wand zu nehmen, das nahe Gebirg zu durchſtreifen um ſich manch ſchmucke Beute heimzuholen. Nie verſäumte er Abends ſeinem Vater entgegen zu gehen, wenn er ihn im Gebirge wußte und dem ſchwer mit Beute Beladenen den Stutzen abzunehmen. Wenn nun der Alte nach dem Abendbrot ſich auf der Ofenbank reckte und von des Tages Mühen ausruhte, war das Drängen des kleinen Colani groß, die Erlebniſſe des Tages zu erfahren. Bald war ihm dies nicht genug, er mußte mitgehen und miterleben, was ihm bisher nur durch Erzählungen vorgeführt worden war. Schon im eilften Jahre begleitete er ſeinen Vater auf die Jagd, wenn auch anfänglich nur als müßiger Zuſchauer, es dauerte aber nicht lange, ſo mußte auch ihm der Stutzen an der Achſel hängen. Er fühlte ſich befähigt denſelben zu regieren und wirklich bewies er dies dadurch, daß er in der erſten Prüfungszeit fünf ſchöne Gemſen ſchoß. Zwölf Jahre alt ſchoß er bereits deren vierzehn; freilich noch immer in Geſellſchaft ſeines Vaters, dem er aber ſchon bald ſich überlegen fühlte. Bald ſchwang er ſich zu einem Meiſter in der Kunſt empor. Sein Rohr, durch ein ſcharfes durchdringendes Auge geleitet, verfehlte ſelten ſein Ziel. Als die beiden einſt mit Beute beladen aus dem Camogaskerthale heim⸗ kehrten, ſahen ſie noch in vorgerückter Nachmittagsſtunde auf einer iſolirten Felſenzinne einen prachtvollen Gemsbock ſtehen. Es ſchien dem Großvater unmöglich, demſelben beizukommen. Anderer Mei⸗ nung war der Sohn, der da glaubte daß, wenn man die Sache von der rechten Seite anfaſſe, die Schwierigkeiten zu überwinden ſeien.Vater, ſagte er,ich ſchaffe den Bock, laß mich den Verſuch machen und bleibe unterdeſſen hier, in zwei Stunden wirſt Du er⸗ fahren ob ich Recht hatte. Er ſprach dies mit ſolcher Zuverſicht aus, daß ihm die Bitte gewährt wurde, und ſo ging er freudig ab und verſchwand bald den Blicken ſeines Vaters. Zwei Stunden waren verfloſſen und noch immer lag die Gemſe widerkäuend an derſelben Stelle. Schon bangte es dem Vater um den Sohn; wußte er ja, wie ſchrecklich zerklüftet und gefahrvoll die Felſen da oben waren. Unab⸗ gewandt war ſein Fernrohr dem Gemsbocke zugerichtet; die Minuten wurden zu Stunden. Schon wollte er ſich auf den Weg machen, um den verloren geglaubten Knaben aufzuſuchen, als der Schuß dröhnte. Die Gemſe war verſchwunden, des Jünglings Kugel hatte ſie getroffen und in die Tiefe geſtürzt.

Die Stellung der beiden Gemſenjäger zu einander wechſelte von dieſem Tage an. Der Sohn hatte den Vater in Scharfſinn und Muth überflügelt.

Die Zeit, welche mein 18jähriger Vater nach der Sitte des Lan⸗ des in der Fremde und zwar bei einem Büchſenmacher in St. Etienne zubrachte, unterbrach ſeine Jägerlaufbahn. Er ſollte drei Jahre in Etienne bleiben, um ſein Fach gründlich zu erlernen, aber ſchon vor Ablauf des erſten Lehrjahres kehrte er wieder ins väterliche Haus zurück. Das Heimweh, das nur der Gebirgsbewohner kennt, dies Körper und Geiſt lähmende ſchmerzhafte Gefühl hatte ſich ſeiner im höchſten Grade bemächtigt. Von Stunde an war ihm ſein Lebens⸗