Jahrgang 
1865
Seite
752
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S 7592

Markgräfin Eliſabeth an einem milden Abend in der Orangerie des Schloßgartens einen Kreis von Cavalieren und Damen um ſich verſammelt. Begreiflicherweiſe bildete das merkwürdige Wiederer⸗ ſcheinen Karls den Stoff des Geſpräches.Wird ſich denn der Pro⸗ ceß noch ſehr in die Länge ziehen? fragte die Fürſtin.Trockau, ſagen Sie doch den Herren Juſtizräthen, ſie ſollen ſich beeilen; ich könne es nicht erwarten, die Bekanntſchaft des merkwürdigen jungen Cavaliers zu machen.Geruhen Ew. Durchlaucht die tröſtliche Verſicherung entgegen zu nehmen, antwortete der Oberſthofmeiſter, daß morgen Vormittag bereits der Entſcheid dem Herrn Markgrafen zur Unterſchrift vorgelegt werden wird.Und darf man wiſſen, fragte die Fürſtin,wie derſelbe ausfallen wird?Amtsgeheim⸗ niſſe! fürſtliche Durchlaucht, ſagte Trockau und zuckte die Achſeln. Nun, ich hoffe, rief das muntre Hoffräulein Maria von Gibelſtadt, daß die Herren Bamberger und Wiener auf alle Fälle mit einer langen Naſe abziehen werden.Wenn Ihnen das Vergnügen macht, mein Fräulein, ſagte Trockau,ſo werde ich das Meinige nach Kräften dazu beizutragen ſuchen.

Ei ei, Trockau, rief die Markgräfin,Sie ſind gegen Fräulein Marie nicht ſo amtsverſchwiegen, wie gegen mich. Mais quelle faiblesse! Es entſtand ein allgemeines heitres Lachen; denn es war ein öffentliches Geheimniß, daß der junge Wittwer Trockau eine ziemlich ausgeſprochene Neigung zu Marien hatte, die er denn in der That wenige Jahre nachher zum Altar geführt hat.

Aber Frau von Lenk, was ſagen Sie dazu? hub die Mark⸗ gräfin wieder an.Haben Sie den merkwürdigen Cavalier ſchon geſehen? Haben Sie ihn wiedererkannt?

Ich habe ihn allerdings einige Male vom Fenſter aus über die Hauptſtraße gehen ſehen, und bin ihm auch einmal begegnet. Aber ich würde in dem kräftigen breitſchultrigen Manne den ſchmächtigen Jüngling von Anno 84 nicht wiedererkannt haben.

Schade, daß Ihr Herr Papa nicht mit uns ſeinen Sommer⸗ aufenthalt in dieſer Stadt genommen hat, ſagte Frau v. Seckendorf zu Frau v. Lenk.Wenn den Herren von der Juſtiz noch etwas am Beweiſe der Identität fehlen würde, ſo könnte Ihr Herr Papa dieſen Beweis vervollſtändigen.

Aber glauben Sie, erwiderte jene,daß er mit ſeinen ſchwach gewordenen Augen ihn leichter wiedererkennen würde, als ich?

Nicht doch, meine Theure, ſagte Frau v. Seckendorf.Aber er müßte ein Geſpräch mit ihm führen, ein Examen mit ihm halten, und ihn fragen, was er damals im Elſaß mit ihm geſprochen habe. Und wenn dann der Herr Cavalier nicht über alles genaue Auskunft geben könnte malheur à lui!

Alle lachten.Ma foi, das wäre herrlich! ſagte die Mark⸗ gräfin.Wie Schade, daß Ihr Herr Papa nicht hier iſt.

Wenn Ew. Durchlaucht wünſchen, ſagt Frau v. Lenk,ſo wäre ich gleichwohl erbötig, einen Scherz aufzuführen, bei welchem ſich der Beweis der Identität gleichſam dramatiſch vor Ihren Augen darſtellen würde.Und wie wollten Sie das machen?

Fürſtl. Durchlaucht geruhen zu verzeihen, wenn ich meine Veranſtaltungen vor der Hand als Geheimniß behandle. Jede nähere Auseinanderſetzung würde meinen Zweck vereiteln.

So müſſen wir uns freilich gedulden, ſagte die Fürſtin.

In dieſem Augenblick erſchien ein Lakai, und rief Frau v. Lenk ab. Ihr Herr Vater ſei ſo eben angekommen.Das iſt herrlich! rief ſie.Nun geht die Sache doppelt ſo gut!

Am folgenden Vormittag wurde Karl vor die Juſtizcommiſſion gerufen und ihm eröffnet, er ſei als der Sohn des verſtorbenen Herrn v. Eſchenthal anerkannt und ihm die Anwartſchaft auf die Belehnung mit ſämmtlichen Exſchen Gütern zugeſprochen. Zugleich aber ſei er wegen des mit Meinhard v. Hundſtein gehabten Zwei⸗ kampfes in Anbetracht ſeiner damaligen Jugend ſowie ſeiner reu⸗ müthigen Geſinnung zu der gelinden Strafe einer zehnjährigen Ver⸗

wigs XIV erlöſte.

bannung aus dem Lande verurtheilt, während welcher Friſt ſeine Güter unter Sequeſter zu legen ſeien. Der Herr Markgraf hätte jedoch die Gnade gehabt, ſeine achtzehnjährige freiwillige Verbannung ihm als überſtandene Strafe anrechnen zu wollen, ſo daß er ohne Verzug zur Belehnung ſich melden könne.

Er ging heim und dankte Gott inbrünſtig für ſoviel Huld. Ein Klopfen an der Thür unterbrach ihn. Ein Hoflakai lud ihn auf den Abend zu einem Cercle des Fürſten. Von Sigelſtadt und Trockau geleitet, erſchien er und ward von dem Markgrafen und der Markgräfin mit äußerſter Huld empfangen. Nachdem das fürſtliche Paar ſich eine Zeitlang mit ihm unterhalten hatte und er hierauf den übrigen Herren und Damen des Hofes war vorgeſtellt worden, unter welchen nur Frau v. Lenk fehlte, wurden die Flügelthüren geöffnet und das ganze Perſonal, das fürſtliche Paar voran, begab ſich in einen Saal, in welchem Erfriſchungen eingenommen wurden. Man mochte eine Viertelſtunde hier verweilt haben, als ein Kammerdiener eintrat und mit auffallend lauter Stimme den Markgrafen um Er⸗ laubniß bat, ob ein franzöſiſcher Flüchtling von Adel ihm ſeine Ehr⸗ furcht bezeigen dürfe. Der Markgraf gewährte mit freundlichem Kopfnicken die Bitte; der Kammerdiener verſchwand durch die ent⸗ gegengeſetzte Flügelthür. Geſpannt blickten aller Augen dorthin, und am geſpannteſten Karl, der an dieſen Flüchtlingen ſo innigen Antheil nahm. Die Flügelthüren wurden aufgeriſſen, und herein⸗ trat ein hoher, alter Herr, geführt geführt von

Karl war von einem Staunen gefaßt, das beinahe an Entſetzen grenzte. War denn alles ſeit neunzehn Jahren Erlebte ein Traum? Schrieb man noch immer1684? Das warderſelbe wunderſchöne junge Page, der das Pferd des Marquis v. Perilles geführt hatte, daſſelbe blühende Geſicht, dieſelben blonden Locken, dieſelbe grüne goldgeſtickte Jacke! War er denn wirklich ein Engel, ein Weſen aus einer andern Welt, mit ewiger Jugend begabt?

Nicht auf den Markgrafen, ſondern gerade auf Karl ſchritt das enrdats Paar zu, auf Karl, auf welchem jetzt aller Blicke theils lächelnde, theils gerührte Blicke ruhten.

Mein theurer Freund! hub der Marquis an,mein Retter! Es iſt keine Täuſchung; Sie ſehen hier wirklich den nämlichen Marquis de Perilles vor ſich, der Ihnen ſein Leben verdankt. Das

Alter hat Furchen in ſeine Wangen gegraben, aber ſeine Dankbarkeit⸗

iſt ſo jung geblieben wie dieſer Page. Staunen Sie nicht allzuſehr! Der Page iſt nicht derſelbe; es iſt mein Enkel Manfred; nur die Klei⸗ der ſind noch dieſelben, in welchen damals meine Tochter flüchtete.

Und hier iſt dieſe Tochter, ſprach Frau v. Lenk, in dem ſie hinter ihrem Vater vortrat.Aber ich fürchte oder vielmehr um meines ehrlichen Friedens willen hoffe ich, daß dieſe Tochter Ihre bewundernden Blicke nicht mehr ſo auf ſich ziehen werde, wie an dem Brunnen zwiſchen Hagenau und Brumat.

Als aber Karl am folgenden Tage dem Kammerherrn v. Lenk ſeine Aufwartung machte, da kam außer Frau v. Lenk und ihrem Manfred ſchließlich auch noch ihre Tochter, Manfreds Zwillings⸗ ſchweſter, zum Vorſchein. Und dieſe ſah ihrem Zwillingsbruder, dem ſchönen Pagen, gefährlich ähnlich. Sie war ein ſiebzehnjähriges Fräulein; Karl war 38 Jahre alt. Und doch blieben die Aufmerk⸗ ſamkeiten, die er ihr erwies, nicht unerwidert. Eine kindliche Pietät zog ſie zu dem Manne hin, der ihrer Mutter und dem Großpapa das Leben gerettet hatte. Die Pietät wurde zum innigen Vertrauen, das Vertrauen zur herzlichen Liebe. Den 15. Auguſt 1704 führte Karl ſeine geliebte Bertha zum Altare. hinein traf die Freudenkunde von dem Sieg bei Hochſtädt, der Be⸗ freiungsſchlacht, die Deutſchland von der Tyrannenmacht Lud⸗ Karl und Bertha erreichten in ungetrübtem Glück ein hohes Alter, von Kindern und Enkeln umringt. Der alte Stamm trieb wieder Zweige und blüht heute noch in ebenſo zahl⸗ reichen Linien, wie vor dem Jahre 1684.

Der Graußündner Gemſenkönig.

Ein Jägerleben aus dem rhätiſchen Hochgebirge.

Von der Parteien Gunſt und Haß verwirrt, Schwankt ſein Charakterbild in der Geſchichte.

Ich kann mich nicht erinnern, daß je eine Lektüre einen ähn⸗ lichen Eindruck au mich gemacht hätte, als die Schilderung, welche

Lenz, der würdige und unübertroffene Altmeiſter unſrer populären Naturwiſſenſchaft, von ſeinen Erlebniſſen mit Colani, dem großen Zäger von Pontreſina, macht. Der letzte der Mohikaner und die Helden Walter Scotts hatten ihren Reiz für mich verloren, meine

Mitten in den Hochzeitjubel

gehen, von den hac u Leere ſetzen ließ

die Ph bantaſie manch ei gehabt öt und! Fünglichen Engadin und Schreckhaften d lbte, daß alljährlich

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die alten geſpenſti ein ungewöhn nlicher Sage an ſeine Ferſ

Viele Jahre

Gers, ſuchte ich K

Auch hier, in die wenn auch theilwe Sohnes Colanis) weiſe ungegründet

Das Buch h Berge winkten ſo über den Comerſee zu und drei Tag ſina ein.

Mein erſter Haus Colanis, de ein ergrauter Ma⸗ Die Stube, in der fahrt ausruhte, w träuter, die ſeine Botanikerin, zu empfing mich der ic ihm ſagte, daf Ja, Herr, mei was Wahres an! all den Lüchern fort, indem er aus hervorho ltehie an Ehrenmann aichihen; Frem das in den Büche ſagt hätten, we

Gehege kam.

noch genz unbeka he oimmen würd ereun, Herr Cola

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