zieht der Matroſe das an die Leine gebundene dicke Negermädchen an dem bunten Baumwollenhemd aus den Wellen. Rings im weiten Umkreis ſtehen die ſpitzen Floſſen empor als warteten ſie fernerer Opfer.——
Wie das furchtbare Ereigniß gekommen— darüber waren nur Vermuthungen möglich, da Liddy nicht die geringſte Auskunft zu geben vermochte. Jedenfalls hatte der unglückliche junge Mann die mindeſtens 40 bis 50 Yards lange Leine gefangen, denn ſie war mit einer Schleife um des Mädchen Körper geſchlungen; wahrſchein⸗ lich hatte er ein Ende davon in der Hand behalten, aber es war ihm bei dem Angriff der Haie entſchlüpft und ſo ward er die Beute der unbarmherzigen Meerungeheuer. Friede ſei mit ihm und Segen ſeinem Andenken!
Als ich mit der geretteten Kleinen das Fallreep hinaufſtieg, bog ſich das Geſicht des Spaniers mit ſo höhniſchem Ausdruck über die Schanzkleidung, daß ich faſt zurückfuhr und ſtrauchelte. Kaum hatte ſich auch Liddy etwas erholt, ſo deutete ſie mit dem Finger auf ihn, einige ihrer Kameraden hatten ſich zu ihr geſellt— alle wieſen auf den Spanier und geſtikulirten heftig dazu, getrauten ſich aber nicht in ſeine Nähe. Mir ſchoß der Gedanke durch den Kopf:„Er hat das Kind über Bord geworfen.“ Ich frug den Mann am Steuer, dieſer hatte nichts geſehen, als die Kleine wenige Augenblicke vor dem Unfall auf der Schanzkleidung ſitzen. Sie kounte von dieſem Platz aus allerdings leicht durch eigene Unachtſamkeit verunglückt ſein. Aber ich meldete doch dem Capitän meine Wahr⸗ nehmung. Dieſer zuckte die Achſeln und entgegnete kein Wort; das Zeugniß von Negerkindern iſt ſo gut, wie keines; und wir hatten ja nicht einmal ihr Zeugniß.
Der gräßliche Tod des armen Burroughs hatte mit einem Male alle Freude an Bord geſtört; ich glaube ſogar, die Neger wurden an dieſem Tage ſehr ſchlecht behandelt. Sobald wir in der Frühe
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des nächſten Morgens im Hafen von Georgetown eingelaufen waren und Anker niedergelaſſen hatten, wurden ſämmtliche Sklaven ſofort ausgeſchifft und wie gewöhnlich die Mehrzahl in die verſchiedenen Diſtricte vertheilt; hier müſſen ſie durch ſieben Jahre Arbeit die Koſten für Ihre Maj. Kreuzerflotille abverdienen, worauf ſie frei ſind und nach Afrika zurück, oder wohin ſie ſonſt wollen, gebracht werden. Durch meine Verwendung brachte Lieutenant Matthew die kleine Liddy in das Haus einer reſpectabeln Pflanzerfamilie, wo ſie ſehr wohl untergebracht war; ich habe ſie nicht wiedergeſehen, da ich einen Monat ſpäter mit der„Veſtal“ die Station verließ, um niemals wieder dahin zurückzukehren, auch nichts von ihr gehört; ſie wird eben eine dicke Negerfrau geworden ſein, wie alle andern; ob in ihrer Seele jemals eine Erinnerung aufgetaucht ſein mag an den hübſchen, jungen Middy, der für ihr Leben ſo muthig in den gräß⸗ lichen Tod ging?
Der Spanier Don Ramon war in Georgetown verſchwunden, als habe ihn die Erde verſchlungen. Ich hatte mehrere von der Mannſchaft ſowie deren Schlafbaſen ins Vertrauen gezogen und wir ſuchten ihn nicht ſchlecht; aber er war und blieb verſchwunden. Die Equipage der„Negrinha“ ging an Bord der„Veſtal“ gefangen mit nach Portsmouth; der Schooner ſelbſt war in Georgetown abge⸗ takelt worden. Noch in den letzten Tagen vor unſerer Abreiſe hörten wir eine Neuigkeit, welche uns zeigte, welche Gefahren eine unvor⸗ ſichtige Behandlung der Neger bringen kann. Die ſchönſten Männer des Transports der„Negrinha“ waren ausgeleſen worden, um ſie dem weſtindiſchen Regiment einzuverleiben; unter kleiner Bedeckung ſollten ſie zu ihrem im Innern der Inſel ſtehenden Detachement ſtoßen, empörten ſich aber unterwegs, erſchlugen den Sergeanten und noch einen Mann, wurden aber von den übrigen größtentheils niedergeſchoſſen, bis auf wenige, die in die Zuckerfelder entliefen. Dies ſind meine Erinnerungen von der kurzen Fahrt auf einem Sklavenſchiff.
Der Flüchtling.
Eine Erzählung von Gottfried Flammberg.
(Schluß.)
Unterdeſſen hatte Gottfried vor Herrn v. Gibelſtadt ein langes und ſtrenges Verhör zu beſtehen.„Wer war der fremde Menſch, der zu Ihnen gekommen?“—„Ein alter Bekannter aus meiner Vater⸗ ſtadt Gunzenhauſen.“—„So? Aus Gunzenhauſen?— Und was hat er hier gewollt?“—„Mich einmal beſuchen.“—„Und was habt Ihr miteinander geſprochen?“—„Ach nun, Herr Baron, was eben zwei alte Bekannte mit einander ſprechen können.“—„Und was hatte denn der laute Ruf:„Karl! Karl!“ zu bedeuten, den ich, da ich gerade vorüberging, deutlich gehört habe?“—„Er heißt Karl und ich rief ſo in dem Augenblick, wo ich ihn wiedererkannte.“—„Aber warum fuhren Sie denn da auf einmal von ihm zurück und machten Complimente und Entſchuldigungen?— Nun beliebt's Ihnen, zu reden?— Wiſſen Sie, daß ein Bote des Herrn v. Leutersheim mir vor einer halben Stunde gemeldet hat, daß derſelbe Menſch ſich in den Edelhof Eſchenthal eingeſchlichen und ans Geſinde gemacht und 'daſſelbe ausgefragt hat nach allem Möglichen, was die Familie Ihres ſeligen Herrn betrifft?“
„Das mag wohl ſein,“ ſagte Gottfried, der ſeine Faſſung all⸗ mählich wiedergewann.„Heraus mit der Sprache,“ rief Herr von Gibelſtadt;„was haben Sie mit ihm geredet? wer iſt er? Ich will nicht hoffen, daß Sie, ein alter Diener des Eſchenthalſchen Hau⸗ ſes, mit den Bamberger Spionen unter Einer Decke ſpielen!“
„Herr Baron,“ ſagte der Kammerdiener,„Ihr Argwohn iſt unbegründet. Der Unbekannte— ich will es nur geſtehen— iſt nicht aus Gunzenhauſen. Ich werde über ihn die volle Wahrheit ſagen, ſobald Ew. Gnaden die Gewogenheit gehabt haben werden, mir mitzutheilen, was Sie mit mir thun wollen, wenn ich— Ihnen den ſeit neunzehn Jahren entflohenen und todtgeglaubten Sohn meines Herrn zur Stelle ſchaffe?“
„Wie— was?“ ſagte der Herr v. Gibelſtadt.„Scherzen Sie? Haben Sie ſich von einem Betrüger anführen laſſen?“
„Ich ſcherze nicht; denn der Mann, mit dem Sie mich haben reden hören, war der Junker ſelbſt. Und daß er kein Betrüger iſt, davon glaube ich Ihnen die beſten Beweiſe geben zu können.“
Er erzählte ihm, wie Karl der kleinſten Umſtände und unbedeutend⸗ ſten Vorfälle aus ſeiner Kinderzeit Erwähnung gethan.„Wer außer ihm ſelbſt kann dieſe Kleinigkeiten wiſſen? Auch dem vertrauteſten Freunde würde er dieſe Lappalien ſchwerlich erzählt haben.“
Herr v. Gibelſtadt, durch Gottfried über alles, was dieſer ſonſt von Karl gehört hatte, genau unterrichtet, beſchloß augenblicklich mit Gottfried nach Eſchenthal zu reiten, um Herrn v. Leutersheim dieſe wichtige Nachricht mitzutheilen.
Mittlerweile hatte Herr v. Leutersheim mit dem alten Herrn v. Hundſtein eine lange und angelegentliche Unterredung gehabt, wie man das vermeintlich ſo gefährdete Eſchenthal gegen einen Handſtreich der Regensberger zu decken habe. Ueber viele Mannſchaft hatten beide im Augenblick nicht zu verfügen; morgen früh wollten ſie in die nahe gelegene neu erbaute Stadt und Sommerreſidenz des Markgrafen ſchicken, wo dieſer eben Hof hielt und ſich fünfzig Mann Bedeckung er⸗
bbitten. Für heute Nacht wollte man die Bamberger durch Ab⸗ ſchreckungsmittel ſich vom Leibe halten.
Nachdem dieſe Vorkehrungen getroffen waren, ritten Herr v. Hund⸗ ſtein und Herr v. Leutersheim nach Eſchenthal zurück. Sie waren eben in den Wald und an die Stelle gekommen, wo der Weg ſich nach Wal⸗ chenbrunn hinabzuſenken beginnt und Herr v. Hundſtein richtete, wie jedesmal, wenn er hier vorbeikam, einen grimmigen Blick nach dem nahen Platze, wo ſein Sohn getödtet worden.„Wer kniet dort?“ murmelte er leiſe und hielt ſein Roß an, in das Gebüſch den ſtarren Blick gerichtet.„Ein Menſch auf den Knieen, die Hände ringend, gerad an dieſer Stelle! Was hat das zu bedeuten?“ Er ſchwang ſich vom Pferde; Leutersheim folgte ſeinem Beiſpiel.„Es iſt der näm⸗ liche Menſch,“ flüſterte der letztere,„der heute als Spion im Edelhof erſchienen iſt.“ Auf dem weichen Moosboden ſchritten die beiden Männer, von Karl ungehört, bis dicht hinter dieſen heran.
„Wer ſeid Ihr?“ herrſchte Hundſtein ihn an. Erſchreckt fuhr Karl auf, ſah den langen hagern Mann vor ſich ſtehen und erkannte ilt dieſem dürren Geſicht mit der Habichtsnaſe und der eckigen Felſenſtirn auf den erſten Blick Herrn v. Hundſtein.
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