jede Lufterneue
ereinander liegen
g einzunel
Stumm ſibe
umpfem B rüten
Im Raum des Sklavenſchiffes.
Mit Erlaubniß des Kunſtvereines zu Glasgow nach dem Gemälde von J. Noel Paton.
Meer war blau und ſchaukelte in leiſen Wellen. Alles war fröhlich an Bord, ſelbſt die armen Gefangenen unten wußten, daß die Erlö⸗ ſungsſtunde nahe ſei. Lachend und ſchäkernd trieb ſich die Kinder⸗ ſchar an Deck umher und mußte alle Augenblicke in die Schranken verwieſen werden, weil ſie den Leuten in die Beine fuhr und allerlei Unheil mit Farbentöpfen und gefüllten Eimern anrichtete. Der Capitän(ſo nenne ich unſern Lieutenant) war in ſeiner Cajüte; ich ſtand am Kompaß. Da ertönt auf einmal ein ſchriller Schrei und gleich darauf der verhängnißvolle Ruf des Mates am Steuer: „Mann über Bord!“ Ich ſprang ſogleich auf den Hinterſteven, aber erſt nach einer Meile entdeckte ich— daß es Liddy war, das kleine Negermädchen, das dort mit den Wellen kämpfte, nur zu gut kannte ich das gelb und grüngeſtreifte Hemd. Sie ſchien verloren, obgleich alle dieſe Negerkinder ſchon von Kind auf ſchwimmen können; ſie hielt ſich auch tapfer; aber ſchon waren wir ein gut Stück voraus⸗ Da ertönte plötzlich das Commando des Capitäns:„Boot ins Waſſer!“ Zu gleicher Zeit aber wieder ein vielſtimmiger Schrei und ein Plumps in die Wogen. Nicht lange, ſo kam der blonde Kopf des Midſhipman aus der Tiefe zum Vorſchein und kräftig ſtrich der junge kühne Mann dem unglücklichen Kinde zu. Mittlerweile hatten wir beigedreht; ein Theil der Mannſchaft arbeitete am Boote; es war ein plumpes ſchwerfälliges Ding; aber die Negerinnen hingen ſich mit an die Züge, ſo kam es allmählich ins Waſſer; vier Mann darin an den Rie⸗ men, ich als Steurer. Die ganze Zeit über hatte ich nicht Gelegen— heit gehabt, nach den beiden Schwimmern zu blicken; aber noch nicht viele Bootslängen waren wir von dem Schooner entfernt, da rtbnt abermals ein Schreckensruf von ſeinem Bord: Sharks, Sharks!! Das Meer wimmelt hier von Haifiſchen; ich hatte daran gar nicht gedacht, jetzt fuhr es mir wie ſiedendes Blei durch die Gebeine.
„Vorwärts, Ihr Männer, drauf und dran!“
Aber es war
nicht nöthig, die braven Jungen anzuſpornen; Burroughs war ihnen allen lieb, auch die Kleine dauerte ſie. Ich war auf eine Ruderbank geſprungen:„Ich ſehe ſie, er hat das Kind!“ rief ich — aber das Wort erſtarb mir im Munde, denn im Umkreis ſah ich auch die ſpitzen, dreieckigen Floſſen der hungrigen Ungethüme aus den Wellen hervorragen, eine ganze Herde, wie es ſchien, alle verſam⸗ melt um die Unglücklichen, immer näher ihnen rückend. Eine fieber⸗ hafte Angſt ergriff mich:„Drauf, Ihr Leute, drauf, oder der Hai be⸗ kommt ſie!“ ſchrie ich; die Matroſen thaten ihr Möglichſtes. Ich hatte das Steuer angebunden, eine Leine ergriffen und war nach dem Bug geſprungen, zum Wurf bereit. Da waren ſie!„Muth, Burroughs, Muth!“ Er bedurfte deſſen, denn er war zum Tod erſchöpft, das Mädchen ſtieß er vor ſich her— ganz nahe ſchon waren ihm zwei oder drei der fürchterlichen Floſſen.„Schlagt mit den Riemen, Männer!“ rief ich,„noch zwei, drei Züge, Burroughs, ſo, ſo, und nun fang die Leine, mein Junge, Du biſt gerettet!“ Mit ſicherer Hand— ich hatte die Zähne zuſammengebiſſen, denn ich wußte, von meinem Wurf hing das Leben der Unglücklichen ab— warf ich, die Leine kreiſte ein paarmal in der Luft, entrollte ihre Bogen und fiel glück⸗ lich herab auf das ermattete Paar. Ich mußte mir eine halbe Minute Zeit gönnen— ſie war ſchauerlich— die Ungethüme waren den Kindern ſo nah, daß ich mich zwingen mußte, die Augen nicht zu ſchließen. Ein Matroſe hatte das Ende der Leine mit erfaßt— Zieh! und mit aller Kraft, weitgreifend, holten wir ſie ein, fühlend, daß ein Körper an ihr hing.„Gott ſei Dank!“ ſagte ich mit tiefem Athemzug— da— es überläuft mich noch kalt, wenn ich nur daran denke— tönt ein entſetzlicher Schrei über das Waſſer— weit von uns noch ſteigt der Leib des unglücklichen Midſhipman mit hoch zum Himmel erhobenen Armen und gräßlich verzerrten Zügen ſenkrecht empor— um dann unterzutauchen für immer. Gleichzeitig aber


