dem Vorgeben, es ſei Farbe, unſern kleinen Schützling von Kopf zu Füßen einzuſeifen, daß er ausſah, wie ein graues Schaf, das lange nicht geſchoren worden iſt. Als der Seifenſchaum eintrocknete, fing er dermaßen auf der Haut an zu beißen, daß einige ſummariſche Abwaſchungen dem Kind zur wirklichen Erquickung gereichten. Aber die ſonderbare Negeratmoſphäre verlor ſich darum noch lange nicht.
Die kleinen ſchwarzen Kerle ließen keine Gelegenheit vorüber⸗ gehen, ſich anzueignen, oder deutſch geſagt, zu ſtehlen, was ſie konnten. Einmal war ein Stück Speck verſchwunden und der Bootsmann ging an Deck herum, die Peitſche unterm Arm, ſcharf dahin und dorthin auslugend, um den Dieb zu entdecken. Da war es denn wirklich lächerlich zu ſehen, wie ſie alle, dieſe halbverhungerten dunklen Krab⸗ ben, gleich unaufgefordert in Reih und Glied traten und ihre Hände mit geſpreizten Fingern ausſtreckten, um zu zeigen, daß, weil dieſelben nicht fettig, ſie auch weder die Diebe ſeien noch etwas von der Beute erhalten hätten. Und richtig, der Spitzbube ward nicht entdeckt. Wie ſie es aber anfingen, ſollte ich bald erfahren. Eines Abends, als ich am Steuer ſtand, hörte ich in meiner Nähe ein ganz auffallendes, ſaugendes oder ſchmatzendes Geräuſch; als ich mich umwandte, erblickte ich dicht neben mir hinter einer Taurolle zwei Knaben, die ſich mit ihren Zähnen, Mund bei Mund, in ein Stück rohen Speck verbiſſen hatten, und herüber und hinüber zerrend daſſelbe zu zerreißen ſuch⸗ ten, aber immer ängſtlich darauf bedacht, es mit den Händen nicht anzufaſſen. In ihrer Gier hatten ſie ſich bis in meine Nähe gekugelt und gewahrten mich nicht einmal; bald hatte der größere, bald der kleinere die Oberhand, aber feſter halten zwei Hunde nicht den Knochen, wie dieſe Brut ihren Speck. Leider wurde die eigenthüm⸗ liche Turnübung plötzlich durch die Peitſche des Bootsmanns unter⸗ brochen, welcher endlich die Uebelthäter entdeckt hatte, die ſich an den Rationen der Matroſen, der peinlichſten Wachſamkeit ungeachtet, ver⸗ griffen und um ſo mehr Strafe verdienten, als, wie ſchon erwähnt, die Leute knapp genug geſetzt waren.— Ein andermal beobachtete ich eine Gruppe von Kindern, welche ein Mäuſeneſt mit Jungen gefunden hatte— beiläufig geſagt, fehlte es der Negrinha an keinerlei Ungezie⸗ fer! Die jungen Mäuſe waren noch ganz nackt, und ſahen aus, wie Stückchen rohen, belebten Fleiſches. Wer von der kleinen Bande ſo glücklich geweſen war, eines von den Dingerchen zu erhaſchen, der hielt es an der Schwanzſpitze, und ließ die lebendige junge Maus über die Zunge ſoweit in den Schlund hinabkriechen, als es der Schwanz erlaubte; dann aber wurde jedesmal das Thierchen wiederum zurück⸗ gezogen, damit der unvergleichliche Hochgenuß ja ſo lange als möglich dauere— gerade, wie auch die Katze mit ihrem Opfer ſpielt. Anfäng⸗ lich traute ich meinen Blicken nicht; als ich aber neugierig mich der Gruppe nähern wollte, bemerkten mich die kleinen Kobolde, und in der Angſt, daß ich ihnen die koſtbare Beute entreißen könne, ließ jedes, wie auf Verabredung ſeinen Mäuſeſchwanz los, verſchlang den leben⸗ digen Biſſen und ſchloß den Mund ſo feſt, als möglich! An den ſtrah⸗ lenden Mienen und blitzenden Augen konnte man aber zur Genüge ſehen, welch herrlicher Leckerbiſſen ihnen allen geworden war.
Im ganzen werden auf allen Sklavenſchiffen die Weiber und Kinder verhältnißmäßig ziemlich gut, wenigſtens nicht grauſam be⸗ handelt. Gegen die männlichen Sklaven nimmt man dagegen nicht die mindeſte Rückſicht, ſondern hält ſie möglichſt ſtreng, ſchon aus dem Grunde, um auch nicht den Keim einer Meuterei aufkommen zu laſſen; trotz der Bewaffnung iſt ſchon oft die Mannſchaft von Sklavenhändlern der numeriſchen Zahl der ſich empörenden Neger erlegen. Dagegen trifft man alle Vorkehrungen. Was daher dieſe Unglücklichen während des Transportes leiden, geht über alle Men⸗ ſchenbegriffe. Der entſetzlichſte Augenblick für ſie iſt auch immer der⸗ jenige, wenn ſie wieder unter Deck ſollen, und täglich erneut ſich die Schwierigkeit ſie hinabzubringen in den freilich faſt tödtlichen Raum. Nach jeder Mahlzeit werden mit Hilfe der Matroſen je zehn Mann Schwarze an die Lucken geſtellt und umringt; von ſelbſt geht keiner vor⸗ über; die Peitſche des Bootsmanns, ein Ochſenziemer, wenn nicht ein Streifen Capſcher Nashornhaut, fällt mit furchtbarer Wucht auf die nack⸗ ten Körper, aber erſt nach wiederholten Streichen ſtürzen die Unglück⸗ lichen bluttriefend, mit zerſchnittener Haut, hinab in den Brodem des entſetzlichen Gefängniſſes. Auf die erſten folgen andere zehn, bei welchen ganz die gleiche Manipulation nothwendig wird. Dieſe zweite Partie verſucht nun unten im Raume die Erſthinabgeſtiegenen nach vorne zu ſchieben und zu drängen, dieſe widerſetzen ſich nach Kräften, hier handelt es ſich um Leben und Tod. Denn je weiter
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ein Unglücklicher nach vorne geſchoben wird, je entfernter er alſo den Lucken und der friſchen Luft zu liegen kommt, mit um ſo größerer Wahrſcheinlichkeit iſt anzunehmen, daß er am nächſten Morgen erſtickt, todt gefunden werden wird. So folgt denn ein Schub dem andern und kämpft unten um die Plätze, wobei natürlich ſtets die Schwächſten an die ſchlechteſten gelangen und um ſo ſicherer dem Verderben ver⸗ fallen ſind. Aber die fürchterliche Peitſche des Bootsmanns fährt nieder ohne Gnade und Barmherzigkeit; heulend vor wahnſinnigem Schmerz ſpringen ſie hinab in das Grab ſo vieler ihrer Brüder, end⸗ lich iſt der letzte unten und dann mögen ſie ſich zurecht finden. Wer dabei ſteht und ein Herz im Leibe hat, der möchte dem Bootsmann in den Arm fallen oder ihn niederſchlagen— aber Mr. Tomkins iſt ein durchaus wackerer, ſeelenguter Mann, im Dienſt wie Gold, er thut nur ſeine Pflicht. Und er kann ſie auf keine andere Weiſe thun, und die Unmöglichkeit ſpottet der Humanität. Hinunter müſſen ſie, ſonſt ſind Schiff und Mannſchaft verloren. Ohne Peitſche gehen ſie nicht— alſo iſt ultima ratio die Peitſche! Der Raum, in wel⸗ chem die Sklaven eingepackt ſind, wird durch einen Bretterboden gebildet, welcher unten auf den großen Waſſerfäſſern liegt und kaum hoch genug, daß die Männer darin aufrecht ſitzen können. Im oberen Deck befinden ſich, der Sicherheit halber, nur zwei kleine Lucken, durch welche Luft einzudringen vermag; mehr anzubringen hält man der Meuterei halber nicht für räthlich; denn wenn eine ſolche aus⸗ bricht, laſſen ſich zwei kleine Lucken leichter überwachen und gegen den Andrang nach dem Deck vertheidigen, wie vier große. Außerdem ſind aber auch die Neger immer noch je zwei und zwei mit den Füßen eng aneinander geſchloſſen. Ihre Ketten haben jedoch keine Schlöſſer, ſondern die Verbindungsbolzen ſind vernietet, ſo daß ein Oeffnen der Eiſen nicht möglich iſt, außer mittelſt Abſchlagen der Bolzen durch den Schmied; eine Operation, welche z. B. jedesmal vorge⸗ nommen werden muß, wenn der Kettengenoſſe eines Negers geſtorben iſt. Daher haben die Sklavenſchiffe Schmiede an Bord. Sobald alle Neger unter Deck ſind, werden die Luckendeckel aufgelegt, die Riegel darüber geſchoben und befeſtigt; damit iſt faſt jede Lufterneue⸗ rung im Raum abgeſchloſſen. Wollen ſie nicht übereinander liegen, ſo hat ein jeder Sklave ſtreng die vorgeſchriebene Stellung einzuneh⸗ men, wofür öftere Viſitation zugleich ſorgt: er ſitzt aufrecht, mit weitgeſtreckten Beinen; zwiſchen dieſen, dicht an ihm, ſitzt der zweite und ſo fort, die ganze Quere des Raumes durch; jeder läßt den Kopf auf der Schulter des Vordermanns ruhen. In dieſer Stellung müſſen ſie in der ganzen Zeit unter Deck verbleiben, eine Aenderung
derſelben, jede größere Bewegung iſt ganz unmöglich. Stumm ſitzen
ſie da; ſie ſprechen niemals unten mit einander; in dumpfem Brüten verbringen ſie die entſetzlich lange Zeit des Transports in dieſer Hölle. Nur die ſchweren Athemzüge der gepeinigten Lungen, die ſtöhnenden Laute der ſchmerzhaft Kranken, das heiſere Röcheln der mit dem Erſtickungstode Kämpfenden bringen eine Abwechſelung— und welche!— in das Einerlei dieſes grauenvollen Kerkers. Nie⸗ mand glaube, daß dies Bild zu grell gemalt oder nur im geringſten erſchöpfend ſei; im Gegentheil, es verſchweigt das Unmenſchlichſte. Es ſei nur daran erinnert, daß die rothe oder Blut⸗Ruhr die gewöhn⸗ lichſte, ſehr heftig und nicht ſelten tödtlich verlaufende Krankheit unter den Negertransporten iſt, um einen Begriff davon annähernd zu geben, was die armen, unſchuldigen Geſchöpfe an dieſem Ort der Qualen zu leiden haben. Was ſind die Bleidächer, die alten Burg⸗ verließe, die ſchwarze Höhle und ähnliche berüchtigte Marterſtätten gegen den Raum eines jeden Sklavenſchiffs— ohne Ausnahme!
Es ſchien auch, als hänge ein Fluch an der Negrinha. Sie war ein ſchlechter Segler, ſchon am zweiten Tag war die Fregatte außer Sicht. Ein Paar Tage lang hatten wir vollkommene Wind⸗ ſtille, in dieſen Breitegraden eine Qual, für die es gar keinen Namen gibt; das iſt eine Zeit, in welcher der Tod unter Deck aufräumt, wie der Marder im Taubenſchlag; von 290 Sklaven, die wir vorfanden, brachten wir 227 davon, und es wurde behauptet, dies ſei eine der glücklichſten Reiſen geweſen, die je gemacht worden; wahrſcheinlich in Folge der humaneren Behandlung in den letzten zwanzig Tagen; von den Weibern und Kindern war niemand mehr geſtorben, im Gegentheil konnten von den letzteren zwei in Zugang geſchrieben werden.
Endlich näherten wir uns dem Ziele der Fahrt, welches wir mit der Frühe des nächſten Tags zu erreichen hofften. Wir gingen mit leichter Briſe leewärts; kein Wölkchen ſtand am Himmel, das
Nerr war blau u in Vord, ſelbſt d ungsſtunde nahe ſchar an Deck un vervieſen werden Unheil mit Fart dapitin(ſo nenn
= —= =— — —= . Z S.


