So ſtarb wenigſtens einer, der unter Portugals Banner ein Sklave geweſen war, als freier Mann unter dem engliſchen Jack!
Bei der außerordentlichen Ueberfüllung des Schiffes war es durchaus unmöglich, alle Sklaven ſofort freizulaſſen und ihnen Bewegung an Deck zu geſtatten; ſie würden nicht allein die Hand⸗ habung des Fahrzeugs ſehr geſtört haben, ſondern auch in ihrer numeriſchen Uebermacht der ſchwachen Beſatzung geradezu gefährlich geweſen ſein. Mr. Matthew befahl daher, daß es einſtweilen beim Alten, d. h. bei den Beſtimmungen bleiben ſolle, wie ſie an Bord ein⸗ geführt waren, bevor die Negrinha genommen worden war. Nur die Kinder, die Weiber und die hinfälligſten unter den ſchwarzen Männern wurden abwechſelnd zum Genuß der friſchen Luft an Deck gelaſſen; man hätte nur ſehen ſollen, welches Gefühl der Befriedigung ſich in ihren ſonſt unſchönen, ſtieren Zügen dabei ausprägte. Dadurch ward auch die Luft im Naum bedeutend verbeſſert; zugleich mußten die drei portugieſiſchen Matroſen, welche von der Mannſchaft des Schooners zurückbehalten worden waren, mit einer Anzahl von Negern den Raum ſo gründlich als möglich reinigen; eine Arbeit, deren Scheuß⸗ lichkeit jeder Beſchreibung ſpottet; keiner unſerer Tarjacks wäre dazu zu bringen geweſen trotz der Kriegsartikel mit der neunſchwänzigen Katze im Hintergrund. Dreimal im Tage wurden die Neger gefüttert, anders kann ich es nicht heißen; und zwar unabänderlich mit gekochtem Reis und Palmöl. Bei dieſer Gelegenheit wurden ſie, während eine Wache mit geladenen Gewehren aufgepflanzt war, in Gruppen von je zehn Perſonen auf Deck gebracht und zuſammengeſtellt; die Köche gingen umher mit hölzernen, gewöhnlichen Waſſereimern, gehäuft angefüllt mit gekochtem Reis und ſchütteten den Inhalt derſelben in die Mitte der einzelnen Kreiſe auf das Verdeck; einem jeden Koch folgte ein Kochsmaat, welcher auf die Spitze des kegelförmigen Reis⸗ haufens ein kleines Gefäß— etwa eine Pinte, ſo viel wie ein Seidel — voll Palmöl ausleerte. Ein entſetzlicher Anblick war dann für jeden, dem das Gefühl für Menſchenwürde noch nicht ganz in der Bruſt erloſchen war, der dieſer elenden, abgehungerten, thieriſchen Geſchöpfe. Ihre Augen traten mit furchtbarer Gier weit aus den Höhlen, zwiſchen den wulſtigen Lippen floß der Geifer herab, ihre Hände krallten ſich, alle Glieder zuckten und abwechſelnd hoben ſie ein Bein um das andere— es war daſſelbe Schauſpiel, wie in einer Menagerie vor der Fütterung. Denn keiner durfte ſich unterſtehen, auch nur ein Korn Reiſes aufzunehmen, bevor das Signal dazu gegeben worden war; wehe dem hungrigen Unglücklichen, der es dennoch gewagt hätte, ſeiner Gier den Zügel ſchießen zu laſſen; die fürchterliche Katze des Bootsmannes würde ihn unnachſichtich geſtraft haben. Und leider muß das ſo ſein, denn bei der geringſten Schwäche von Seiten der Aufſeher würde alsbald eine Rauferei und Anarchie entſtehen, welche das Uebel noch zehnmal vergrößern könnte. Endlich iſt aller Reis vertheilt, glühender ſtieren die Augen, krampfhafter zucken die Glieder, die Unglücklichen triefen von Schweiß durch die Aufregung„All ready(Fertig!)“, ſagt der Bootsmann, und Lieut. Matthew gibt das Zeichen. Und jetzt kommt das Fürchterlichſte. Die ganze Menge der Schwarzen ſtößt einen Schrei aus— ich werde ihn niemals vergeſſen! So muß der Laut klingen, den die Ver⸗ dammten der Hölle emporſenden, nichts Menſchliches iſt darin, aber es gibt auch kein Thier, welches dieſen entſetzlichen Jammerſchrei des Elends und der Gier nur im entfernteſten ähnlich hervorzubringen vermöchte. Ich wurde bleich und unwohl dabei, der Middy, welcher beim erſtenmale neben mir ſtand, hielt ſich die Ohren zu und weinte; ſelbſt hart⸗ gebackene Theerjacken ſchüttelten ſich und murmelten:„ Tremendous, tremendous!(Entſetzlich!)“ Die tiefen Gutturaltöne der Männer, die kreiſchenden, ſchrillen Stimmen der Weiber und Kinder vermiſch⸗ ten ſich zu einem unbeſchreiblichen Eindruck. War es ein Anklageruf zum Himmel, den ſie erhuben, war es hervorbrechende Hungerqual, war es ein thieriſcher Freudenlaut? Ich habe es niemals zu ent⸗ ziffern vermocht.
4 Nunmehr erſt folgte als Erlaubniß zum Zugreifen ein zweites Signal des Capitäns. Wie der Blitz ſtürzte die geſammte Maſſe der armen verhungerten Weſen nieder, über den Reis her, in wahn⸗ ſinniger Haſt darauf bedacht, nur ſo viel wie möglich davon mit den Händen zu ergreifen, in den Mund zu pfropfen und zu verſchlingen, auf die Gefahr hin, daran zu erſticken— was übrigens auch nicht ſelten vorkommt. Mit fabelhafter Schnelligkeit ſchmelzen die Haufen des Reiſes zuſammen; je mehr ſie abnehmen, um ſo gieriger, um ſo fieberhafter, um ſo heftiger werden die Bewegungen der Unſeligen,
zuletzt fallen ſie übereinander her mit Zähnen und Nägeln, um ſich die letzten Körnchen ſtreitig zu machen, und nur der gefürchtete Scep⸗ ter des Bootsmanns vermag den wirren Knäuel endlich zu löſen und die kaum zum dritten Theile Geſättigten wieder hinabzutreiben in ihren Stall.
Eine Gruppe von Kindern, Knaben und Mädchen durcheinander, befand ſich gerade unterhalb des erhöhten Platzes am Steuer, wo ich ſtand und feſſelte beſonders meine Aufmerkſamkeit. Es war darunter ein kleines Mädchen von etwa ſieben Jahren, unſtreitig das ſchönſte und am proportionirteſten gebaute Geſchöpf unter allen, wenn auch kohlſchwarz und vom ausgeſprochenſten Typus der Race. Mit beſon⸗ derer Verwunderung nahm ich wahr, daß die Kleine dick und fett und kugelrund war, während man bei den meiſten anderen Individuen durch Haut und Knochen ſehen konnte. Ich beobachtete ſie mehrere Tage hintereinander und ſah, daß ſie mit außergewöhnlicher Klugheit niemals wie die andern den Mund mit Reis vollſtopfte, um dann durch Huſten, Pruſten und Erſtickungsanfälle am Hinunterbringen gehindert zu ſein, ſondern daß ſie immer nur ſo viel nahm, als ſie gerade bequem kauen konnte; auf dieſe Manier bekam ſie aber nicht allein weit mehr wie ihre Gefährten, ſondern vermochte auch die Nahrung beſſer zu verdauen, was ihr denn trefflich anſchlug. Ebenſo, wenn der Reis zu Ende ging, ſah ich ſie aus den letzten Handvoll, die ſie erhaſchte, zwei derbe Klöße drehen, welche ſie unter den Armen verbarg; als dann das unvermeidliche Gefecht um die Reſte begann, hatte ſie Zähne und Hände frei, eroberte und wehrte ſich ritterlich. Es war unter den Kindern ein armer, kranker, ganz verkommener Knabe— ſein Kopf glich, nur mit Haut, ohne die mindeſte Spur von Fleiſch, beſpannt, völlig einem Todtenſchädel; das Weiße der Augen war ganz dunkelgelb; die ſonſt ſo glänzenden Negerzähne ſahen hier faſt aus wie mit Moos überwachſen; weder an Armen noch an Len⸗ den oder irgend einer Körperpartie nur ein Fragment von Muskel⸗ maſſe, ſo daß man ihm factiſch jede Rippe oder Sehne im ganzen Leibe zählen konnte. Dieſes unglückliche Kind war nicht ſtark genug, um ſein tägliches Futter zu kämpfen; die anderen drängten es von der Ration weg, wie es auch die Thiere machen, und ſo wie es in Folge deſſen täglich an Kräften abnahm, ſo vermochte es natürlich an jedem Tag immer weniger Nahrung zu erraffen, wie an dem vorher⸗ gehenden. Ich ſah, wie es der Gelegenheit wahrnahm, ſeinen abgemagerten Arm durch das Gedränge des lebendigen Knäuels zu ſchieben, und ſich eine Handvoll Reis zu erobern, die es in den Mund ſtecken wollte; aber der Vorrath ging ſchon zur Neige und keiner der Rangen war halbſatt; ein ſtärkerer Knabe gewahrte die gefüllte Hand und ergriff ſie, entriß ihr die Beute, verſchlang dieſe ſelber, ſuchte dann, ganz und gar wie ein Affe, jedes einzelne Reiskorn zwiſchen den
dürren Fingerchen ſeines elenden Opfers heraus, und ſaugte ihm.
zuletzt noch die Finger ab, um das etwa daran haftende Palmöl nicht einzubüßen. Dann ließ der Räuber erſt die Hand los, die ſich leer ohne Nahrung zurückzog— der Körper, zu dem ſie gehörte, ſchien nicht mehr Flüſſigkeit genug zu beſitzen, um den vorgequollenen Augen eine Thräne des Verzweifelns zu geſtatten, kaum mehr Athem genug zu einem heiſeren übelklingenden:„Aji, Aji!“ Das kleine dicke Mädchen hatte ſich weislich aus dem Kreiſe zurückgezogen, ſie ſaß auf dem Deck, holte einen ihrer Klöße unter dem Arm hervor und verzehrte ihn mit ver⸗ gnüglichem Schmatzen. Da hörte ſie die ſtöhnende Klage des unglück⸗ lichen Knaben, der dicht neben ſie zurückgefallen war. Einen Augen⸗ blick beſann ſich die Kleine, es iſt wahr; bald aber nahm ſie entſchloſſen den andern Kloß aus ſeinem Verſteck, brach ihn auseinander, gab die größere Hälfte davon dem Hungernden, und als dieſer ſie im Augen⸗ blick verſchlungen hatte, auch den Reſt. Dann lachte ſie, ſchüttelte ſich und klatſchte vergnügt in die Hände, während ihr Schützling dank⸗ bar grunzte.
Neben mir hatte der Middy Burroughs geſtanden und die ganze Scene ebenfalls beobachtet. Er war ſelbſt noch ein Knabe, aber hoch⸗ herzig und kühn, wie einer; das Waſſer trat ihm in die Augen, er zog eine Tafel Chocolade aus der Taſche und ſchenkte ſie dem Mäd⸗ chen. Aber gleich mußte er laut auflachen, über die poſſirlichen Geberden, mit denen das Kind den ihm ganz unbekannten Gegenſtand betrachtete, beroch, aufpochte, bis es endlich dahinter kam, zu was er
gut ſei; aber dann; die Tafel verſchwand zwiſchen dem weißen Gebiß 7 Ihr Nachbar bekam diesmal nichts; nicht ein bischen! Ihm warf ich den einzigen Zwiebak zu, den ich in der Taſche hatte— wir waren ſehr †
mit einemmale und man hörte das knirſchende Zermalmen.
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un mit meiner d nend eines getrag ſt waſen; dies ffenen Mundes u pvenig irgend ei enlich holte ich dor. Aber ſie be dyeration gat nich und ſtüpte ihr d ds Gezappel! R etücke Segeltuch ume Kind jamme nachen befahl un Ich fürchte, wir Jerleidet. da Kinder Deck ſich aufhalten betreten durften, ſ des Sturzbads ün Drangenſchnitzen Ldy. So hatte auf keine Weiſe kine andere Antn davon bekam ſie diel mit ihr ab, ihr ſogar eines Puppe angefertig Jtter an zu ſchre var um keinen andern Kinder, ſ glaubten ſie, es an den Midſhipn hun vermag. S ſinen Füßen, u einem gebildeten das thieriſch dan zad ſch Mihe, nichts blieb bei lides:„In the falſt gelang es nen aus lauten d B für T Suanm und La dortugieſſchen ormoſa durch
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