Jahrgang 
1865
Seite
744
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lacht er,Sie werden wahrlich nichts

Nun, dann kommen Sie, 1 Seebilder des Capitäns

Schlechteres ſehen. Uebrigens müſſen Ihnen die wenigſtens einen Vorgeſchmack Sie haben die Seebilder geleſen, ſind ſie treu nach dem Leben, wie ge⸗ fallen ſie Ihnen? frage ich angenehm überraſcht,ich bin begierig ein ſee⸗ manniſches Urtheil zu hören, der Prophet

Aber vortrefflich, ſage ich Ihnen, unterbricht der Kadett,ſie ſind reizend, auf allen dieſen Schiffen iſt nur ein Urtheil und wir ſehen jede neue Nummer darauf an, ob nicht wieder eins drin iſt.

Auf dem oberſten Deck ſcheint Feierſtunde zu ſein. Der wachthabende Officier ſchaut müſſig durch ſein Fernrohr nach der gegenüberliegenden Düſternbroker Badeanſtalt. Vielleicht läßt er die Damen Revue paſſiren, die vor dem eleganten Gebäude ſitzen. Alles iſt ſpiegelblank, als ob ein Kurzſpleiß ſo eben erſt das ganze Schiff hätte ſcheuern laſſen; wo nur ein Stückchen Metall ſich zeigt, da glänzt es und beſonders die Geſchütze könnte man unbeſchadet mit weißen Glacéhandſchuhen anfaſſen.Die alte Gefion, ſagte ich unwillkürlich,hätte doch nicht gedacht, daß ſie noch ein ſo prächti⸗ ges Schiff ſei.

Und ob ſie ein prächtiges Schiff iſt, meint mein Kadett,und wird auch noch lange eins der beſten bleiben.Haben die Dänen wohl mal ihr früheres Eigenthum in Kopenhagen geſehen?Soviel ich weiß, ein⸗ mal. Daſſoll der däniſche Hafenofficier an Bord gekommen ſein, ohne ſiewieder zu erkennen; als er dann im Lauf des Geſprächs nach dem Namen des Schiffes gefragt und Antwort bekommen hatte, ſoll er ganz ſtill und verlegen wie⸗ der an Land gefahren ſein. Allerdings auch eine fatale Lage für einen Officier, fügt mein Führer hinzu.

Aber kommen Sie hinunter, da iſt's intereſſanter. Im zweiten Deck iſt natürlich alles viel voller und enger als oben. Es ſtrotzt von Waffen der verſchiedenſten Art, unter der Decke ſind die Seitengewehre befeſtigt, Enter⸗ haken, Säbel, Beile, an den Seiten ſtehen die Zündnadelgewehre der See⸗ ſoldaten und oben auf dem Kopf der Winden iſt ein unheimlicher Kranz von Revolvern ins Holz eingelaſſen.Wir verdanken ſie dem polniſchen Auf⸗ ſtande, da ſind ſie an der Grenze confiscirt und uns zu Gute gekommen, erläutert mein Cadett. Außerdem befinden ſich hier die ſchweren Geſchütze, an denen die Schiffsjungen exerciren. Es ſieht beinahe aus, wie ein Frei⸗ turnen, denn in Schlangenwindungen bewegt ſich die nacktfüßige, in zwei Abtheilungen getheilte Bedienung von einer Seite des Geſchützes zur andern, bald vertheilt ſie ſich auf zwei Geſchütze, dann wird gerichtet.Fertig! Feuer! Außer dieſen Waffen des Krieges findet noch die ganze Oekonomie des Schiffes auf dieſem Deck Platz, was Wunder, daß jeder Quadratfuß Raum aus ge⸗ kauft werden muß. Einen etwas warmen, aber höchſt angenehm duftenden Mittelpunkt bildet die Küche, wo der ſchneeweiße Koch mit ſeinen Gehilfen ſo eben in beſter Hanthierung iſt; einer von ihnen macht Klöße, ein höchſt komiſcher Anblick.Das riecht vortrefflich, wende ich mich an meinen Be⸗ gleiter, der mich auf die Kloßfabrikation aufmerkſam gemacht hat,unſre Matroſen ſcheinen ſehr gut zu eſſen?Das müſſen ſie auch; bedenken Sie, wie ſollte der Menſch ſonſt die Arbeit und die Seeluft aushalten; der Mann bekommt täglich ſeine zwei Pfund Fleiſch außer den übrigen Nahrungsmitteln. Etwas weiter iſt das Lazareth, wie ich ſehe, faſt leer, daneben die Apotheke, dann folgen die verſchiedenen Handwerke; denn alles, was das Schiff an Reparaturen bedarf, wird an Bord ſelbſt gemacht, natürlich von Matroſen. Die Kajüten der Officiere und Kadetten ſind oben; ins unterſte Deck hinabzu⸗ ſteigen erſpare ich meinem freundlichen Führer, denn ich ſehe den inzwiſchen freigewordenen Capitän herankommen und verabſchiede mich mit vielem Dank.

Noch eine Frage, mein Herr, wann kommt das nächſte Seebild vom Capitän?.

Bald, ſehr bald, iſt ſchon im Druck, antwortete ich,nochmals ſchönſten Dank und Adieu!

Nun, wie gefällt Ihnen meine Gefion? empfängt mich der Capitän. Mit voller Ueberzeugung, wenigſtens ebenſo gut wie die Engländer und Fran⸗ zoſen, die ich im Mittelmeer geſehen habe, wenn ſie auch größer waren, und die Matroſen ein gut Theil beſſer. Sie kommen mir civiliſirter, gutmüthiger, weniger roh vor, Sie müſſen ein leichtes Umgehen mit ihnen haben.

Sie haben Recht, die fürchterlichen Strafen, welche auf jenen Flotten angewandt werden, um die Leute im Zaum zu halten, haben wir Gottlob nicht nöthig.

Wir ſpazierten an Deck auf und ab. Der Kapitän erzählte von dem böſen Sturm, den er auf der Ueberfahrt von Danzig an der ſchwediſchen Küſte zu beſtehen gehabt und wie wacker ſich ſeine Gefion gehalten habe.Sehen Sie das große Segel da, es bot dem Wind nur ein Minimum Fläche dar, aber puff, es zerplatzte in Fetzen; was meinen Sie, daß ſolch ein Segel koſtet?

Seine 800 Thlr., in einem Nu verpufft. Unter dem großen Maſt ſah der Capitän in die Höhe und fragte mich lächelnd:Kennen Sie das da oben? Ich ſah drei Leute am Maſt kleben und, wie es ſchien, die blanken Kupfer⸗ beſchläge noch blanker putzen. Es ſchoß mir durch den Kopf:Schwarze Liſte? fragte ich lachend.Schwarze Lifte! nickte er.Alſo die haben Sie auch und reichlich beſetzt?

Nein, zum Glück ſpärlich genug. Wir haben wenig Urſache zum Strafen, es iſt ein Pläſir, ſolche Leute zu kommandiren. Ich ſage Ihnen, unſre See⸗ leute ſind das beſte Material von der Welt zu einer großen Flotte. Sie hätten ſie ſehen ſollen, meine Jungens von der Nymphe im Gefecht bei Rügen. Die blutjunge Mannſchaft, die noch kein Pulver gerochen, wie ſie manövrirte im Kugelregen, und der Däne ſparte ſeine Kugeln nicht. Dieſe Ruhe, dieſe Sicher⸗ heit, mit der ſie feuerten, dieſe Heiterkeit, ja dieſer Humor, mit dem ſie jeden Treffer begrüßten, es war eine Freude! Doch kommen Sie, es iſt Eſſenszeit. Sie ſpeiſen bei mir und gegen Abend bringe ich Sie in meiner Gigg ans Land.

Das Diner war vorüber; ich kann nur ſagen, daß die Gaſtfreundſchaft einer Preußiſchen Fregatte kein übles Ding iſt, wenigſtens habe ich in Streits Hotel zu Hamburg viel weniger gut gegeſſen, und der treue Litthauer wartete auf mit einer Geſchicklichkeit, wie ſie dem beſten Oberkellner wohl ange⸗ ſtanden hätte.

Und nun, Herr Capitän, bat ich, als wir in der angenehmſten Sieſta⸗ ſtimmung den Blick durch die Kajütenfenſter auf die prächtigen, buchenbelaub⸗ ten Ufer der Bucht gerichtet, beim Kaffee ſaßen,⸗ orientiren Sie mich etwas über Ihre Nordfahrt. Ich weiß, daß Sie ſich drein gefunden haben, nicht ſelbſt mitgehen zu können, daß Sie für tüchtige Erſatzmänner geſorgt und was mir das Wichtigſte iſt, daß Sie dem Daheim Ihre Originalberichte zugeſagt haben; jetzt befriedigen Sie auch mein ſachliches und patriotiſches Intereſſe, es wäre doch ein Triumph, wenn wir Deutſchen das große Werk fertig brächten.

Die Sache iſt einfach folgende, begann er.Sie wiſſen, daß auf Petermanns Anregung in Frankfurt eine Anzahl Geographen zuſammen kam, welche die in England neuerdings wieder vielbeſprochene Frage von der end⸗ lichen Entdeckung des Nordpols von unſern Schiffen und unſern Seeleuten gelöſt wiſſen wollte. Es wurde viel Gutes und viel Ueberflüſſiges geredet; ich ſchickte meinen Vorſchlag, in dieſem Jahre noch eine vorläufige Recog⸗ noscirungsfahrt zu machen, ein, welche der Hauptexpedition im nächſten Jahre die Wege ebnen ſollte; Petermann faßte auch die Sache praktiſch an, indem er das Anerbieten, für ſein Theil 5000 Gulden zuſammenzubringen, in die Verſammlung warf, aber der Vorſchlag fiel durch und für dies Jahr wäre alſo nichts geſchehen. Im nächſten Jahre aber wären uns ſo ſicher die Engländer zuvorgekommen, als wir hier auf dem Stuhle ſitzen. Das wurmte mich. Deshalb habe ich auf eigne Fauſt unſern Seeleuten und unſern Schiffen den Ruhm wahren wollen, das größte geographiſche Problem des

Jahrhunderts gelöſt zu haben und aus eigenen Mitteln das Schiff gechartert und ausgerüſtet. Die ganze Geſchichte koſtet 12000 Thlr., wovon vielleicht 4000 Thlr. gedeckt ſind, aber ich bin überzeugt, man wird mich auch auf dem Reſt nicht ſitzen laſſen. Uebrigens iſt mir das auch gleichgültig, wenn wir nur einmal zeigen, daß wir daſſelbe leiſten können, wie die Engländer. Den Nordpol in dieſem Jahre entdecken zu wollen, kann mir bei der Kürze der Zeit nicht einfallen, aber ich bin überzeugt, daß es von dieſer Fahrt abhängt, ob er im nächſten entdeckt wird oder nicht. Es handelt ſich darum, in dieſer günſtigſten Zeit von jetzt bis zum October die Kohlenlager auf Spitzbergen zu unterſuchen, welche eine Lebeusfrage nicht nur für die Erreichung des Nord⸗ pols, ſondern auch für den Walfiſchfang ſind, und durch das noch ganz un⸗ bekannte Meer zwiſchen Spitzbergen und Nova⸗Semlia ſo weit als möglich vorzudringen, wobei ſich wichtige Aufſchlüſſe über den Golfſtrom, die Eis⸗ barriére ꝛc. herausſtellen würden. Alle dieſe Punkte habe ich in meiner In⸗ ſtruction, wonach der Dampfer ſich genau richten wird, feſtgeſetzt; er ſoll ſuchen, bis zum zwanzigſten September ſo weit gegen den Nordpol vorzudrin⸗ gen wie möglich und an dieſem Tage unter allen Umſtänden umkehren; den Reſt muß dann die nächſtjährige Expedition thun. Am erſten October kann der Dampfer wieder in Hamburg ſein. Sie ſehen, die ganze Geſchichte iſt einfach, und doch von der höchſten Wichtigkeit; nun, ich hoffe, das Beſte und die Reſultate werden Sie ſeiner Zeit fürs Daheim erhalten.

Wir ſtanden auf. Die Gigg hielt bemannt an der Treppe. Nach einer angenehmen Segelfahrt ſteuerten wir auf Bellevue zu und von dieſer Höhe, welche die ſchöne Bucht beherrſcht und ein entzückendes Panorama bietet, überſah ich noch einmal die Schiffe und ihr reges Treiben.

Beim Abſchied ſagte ich zu meinem freundlichen Wirth:Als ſchönſte Erinnerung dieſes Sommers bewahre ich meinen Beſuch an Bord S. M. Fregatte Gefion. O. K

An unſre Leſer.

ſeit dem erſten Tage des Beſtehens unſeres Blattes ſo viele mündliche und ſchriftliche Zeichen freundlicher Theilnahme

zugekommen, daß wir bei einem großen Theil unſerer Leſer faſt ein Verhältniß perſönlichen Antheiles an unſerm Daheim vorausſetzen dürfen.

Bei dem Mangel eines geeigneten,

Sannenunterg

Im Jahre M. Fregatte, lagen mit leichten ggen Sklavenſchi larer Dienſt, we unterbricht. Da

der ſchwülen Still dorn! Da wir

ſauffahrteiſchiff

fffahrteiſchiffe

mürlich ſ 3 ei Diseiplin raſch er unter allen Segel tegann. Jedes ang

konnen, un mi