Jahrgang 
1865
Seite
738
Einzelbild herunterladen

Wir treten in das Hauptgebäude ein. Da fällt unſer Blick auf Namen, die auf die Pfeiler geſchrieben ſind, um welche ſich die Treppen winden. Wir werden durch dieſelben ſogleich dem Zwecke des Hauſes nahegeführt. Es ſind die Namen der einzelnen Theile des Hauſes. Das Erdgeſchoß heißt Malabar; das erſte Stock⸗ werk Canaraz das zweite Mahrattaz; das dritte Nilagiri, und das vierte Ober⸗Guinea. Auch jedes Zimmer hat den Namen irgend einer Miſſionsſtation. So wohnt die Frau des verſtorbenen Profeſſor de Wette, die zuweilen einige Zeit im Miſſionshauſe zubringt, gewöhnlich in Abbeokuta.

Seit wie lange haben Sie eigene Miſſionsgebiete? fragte ich meinen Führer.

Seit dem Jahre 1821. Im Jahre vorher zogen wir mit 18 Zöglingen aus der Miethwohnung in ein neuerbautes, eignes Haus, das wir bis vor 5 Jahren bewohnt haben. Bis dahin waren in unſrer Schule nur für ausländiſche Geſellſchaften Miſſionare gebildet worden. Da kam hierher zu uns ein merkwürdiger Jüng⸗ ling aus hohem Geſchlechte, Graf Felician Zaremba, den ein unwiderſtehlicher Drang nach chriſtlicher Gemeinſchaft aus der Kaiſer⸗ ſtadt an der Newa in die Miſſionsſchule geführt hatte. Er und der Sachſe, A. Dittrich, ſollten die Gründung einer eignen Miſſion in den Ufernländern des ſchwarzen Meeres unternehmen. Dort ſollten zuerſt die deutſchen Koloniſten, deren Kinder ſchon beſſer tatariſch als deutſch ſprachen, geiſtliche Pflege erhalten, dann aber ſollte durch ſie und von ihnen aus das Wort des Lebens unter den muhamedaniſchen Tataren, Tſcherkeſſen ꝛc. wie unter den Armeniern verkündigt werden. Der Plan wurde ins Werk geſetzt und unter allerhand Nöthen und Ge⸗ fahren fortgeführt; aber im Jahre 1833 machte ein Ukas der ruſſiſchen Regierung demſelben ein Ende. In unſern Tagen erſt hat Alexander II. einer zur Gemeinde herangewachſenen Schar Armenier geſtattet, ſich zum evangeliſchen Glauben zu bekennen. In Folge dieſer Vergünſtigung arbeiten jetzt wieder 13 unſerer Brüder an evangeliſchen Gemeinden des ruſſiſchen Reiches, theils dieſſeits, theils jenſeits des Kaukaſus. Und welches Gebiet nahmen Sie danach in Angriff? fragte ich weiter.

Schon im Jahre 1826 hatte unſere Geſellſchaft ſich nach Afrika gewandt. Nach manchen ſchweren Erfahrungen haben wir dort feſten Fuß gefaßt. Dort gilt es einen Kampf gegen die Skla⸗ verei, die das ganze Leben des Negers beherrſcht, gegen die Viel⸗ weiberei, gegen das Blutvergießen, den Mord und den Krieg, ohne den kein Jahr auf unſerer Goldküſte vergeht. Aber der Neger iſt zugänglich für unſere Sendboten und unſere Arbeit iſt nicht ohne Erfolg geweſen. Ueber dreißig Quadratmeilen erſtreckt ſich unſer dortiges Arbeitsgebiet, ſieben Stationen haben wir auf dem kleinem Territorium der Ga⸗ und Otſchi⸗Neger mit 29 Miſſionaren beſetzt.

Sind dieſe Miſſionare ordinirte Geiſtliche?

Nein nur 14 ſind ordinirt, die andern ſind Kaufleute, die als Oekonomieverwalter der Miſſion oder als Handelsleute in unſern Miſſionshandlungen angeſtellt ſind, außerdem Handwerker aller Art, Weber, Schuhmacher, Schreiner, Wagner, Schloſſer, Zimmerleute, Maurer, Mechaniker, Buchhändler und Buchdrucker, die den Miſſions⸗ werkſtätten, der Preſſe und dem Büchervertrieb vorſtehen, und endlich Oekonomen, die auf den eigentlichen Miſſionskolonien die Oekonomie im engeren Sinne des Wortes betreiben. So halten wir es in In⸗ dien ebenſowohl als in Afrika!

Sie überraſchen mich. Ich glaubte, die ganze Miſſionsthätig⸗ keit beſtände in der Verkündigung des Evangeliums und in der Unter⸗ weiſung der Jugend. Wie ſind Sie zu allen dieſen Einrichtungen gekommen? wandte ich mich an meinen Führer.

Das will ich Ihnen ſagen, erwiederte er;Predigt und Unter⸗ richt bahnen die Wege, erwecken die Gewiſſen, führen zum Glauben; aber ſie reichen nicht aus, feſte und dauernde Gemeinden zu bilden und auszubauen. Es erwies ſich als unerläßlich, nicht nur in dem noch unciviliſirten Afrika, ſondern auch in dem gebildeten Indien, den Gemeindegliedern auf praktiſchem Wege durch Vorführung chriſtlicher Vorbilder einen Begriff zu geben von einem rechten Arbeits⸗, Ge⸗ werbs⸗ und Handelsleben und ihnen Gelegenheit zu verſchaffen, ſich unter Aufſicht und Anleitung von Europäern an die Ausübung aller bürgerlichen Chriſtentugenden zu gewöhnen. Das iſt der Urſprung der Miſſionskolonien und der Miſſionswerkſtätten, die nun faſt alle finanziell auf eignen Füßen ſtehen.*)

*) Für die induſtriellen und commerciellen Arbeiten ſind in Baſel zwei beſondere Kommiſſionen. Die Miſſionshandlungskommiſſion betreibt einen

Bitte, erzählen Sie mir doch noch mehr von dieſer Thätigkeit Ihrer Geſellſchaft in der Heidenwelt. So viele Leute führen es ja immer gegen die Miſſion an, daß ſie den Handel ſtöre.

Ja, ſo wird geſagt. Aber laſſen Sie mich nur eine Thatſache aus der afrikaniſchen Miſſion hervorheben, die ſolche Meinung völlig widerlegt. Im Yorubalandeeſ iſt durch die Gründung der Miſſion ein völlig neues Leben angebrochen. Der Handel blüht, und das Volk genießt einer ſolchen Wohlfahrt, daß viele andere Negerſtädte bereits um einenweißen Mann gebeten haben. Die Ausfuhr von Baumwolle auf den Markt von Mancheſter darf jetzt als ein feſter und geſicherter Zweig des Yorubahandels angeſehen werden. Es war im J. 1852, als die erſten Ballen Baumwolle, durch Maſchinen gereinigt und für den engliſchen Markt gepreßt und verpackt, aus den induſtriellen Werkſtätten der Miſſions⸗ geſellſchaft in Lagos und Abbeokuta nach Mancheſter geſandt wurden. Ja, dieſe Werkſtätten waren fünf Jahre lang die einzigen Kanäle, durch die England mit weſtafrikaniſcher Baumwolle verſorgt ward. Jetzt ſind viele hundert Reinigungsmaſchinen in und um Abbeokuta in Thätigkeit; auch ſieben Schraubenpreſſen befinden ſich dort, und zwar mehrere im Beſitz eingeborner Handelsleute, ſo daß die indu⸗ ſtriellen Etabliſſements der Miſſ.⸗Geſellſchaft, nachdem ihr Zweck, näm⸗ lich die Begründung eines einheimiſchen Baumwollenhandels erreicht war, in andere kaufmänniſche Hände übergehen konnten.

Ueberhaupt folgt durchwegs Bildung und Civiliſation im Gefolge der Miſſion. Iſt es doch ein Miſſionar(Marſhman in Serampur) geweſen, der die beweglichen chineſiſchen Typen erfand und die Papierfabrikation in Indien einführte. War es doch eine Miſſionarsfrau(Frau Mault in Nagercoil), die in Indien das Spitzenklöppeln einführte, und damit nicht nur auf der Londoner Induſtrieausſtellung 1852 Anerkennung fand, ſondern vielen Weibern zu reinlicher Beſchäftigung und ehrlichem Auskommen verhalf.

Habe ich nicht Recht gehabt, lieber Leſer, das Baſeler Miſſions⸗ inſtitut eine Völkerbildungsſtätte zu nennen? Sind die ins Auge fallenden Ergebniſſe auch nur erſt klein, zählen die afrikaniſchen Gemeinden auch nur erſt 956 Getaufte und 497 Communikanten, iſt darum das Werk ein minder erfreuliches? Schon vor einer Reihe von Jahren ſagte der heidniſche Fürſt einer Nachbarſtadt von Abbeo⸗ kuta zu dem dort ſtationirten Miſſionar:Fahret nur in Eurer Arbeit geduldig fort; Gott wird Euch darin ſegnen; denn es iſt ein gutes Werk, wie man in Abbeokuta ſehen kann. Ich kann mich noch wohl der Zeit erinnern, wo die Abbeokutaner nichts als Räuber, Menſchendiebe und Sklavenhändler waren; aber ſeitdem iſt dort eine große Veränderung vorgegangen, welche ihren Urſprung nur in dem Segen Gottes haben kann, der auf der Arbeit des weißen Mannes ruht. Und iſt es nicht eine Freude zu hören, daß durch das Geſchenk eines Schweden von 10,000 Franken es der Geſellſchaft möglich geworden iſt, in dieſem Jahre den Wolta zu überſchreiten, der das von ihr allein bearbeitete Aſchante⸗Reich von Dahome ab⸗ grenzt, und nach Oſten über das Aquambuland einen Poſten gegen das blutgetränkte Dahome vorzuſchieben?

In Indien arbeitet unſere Geſellſchaft ſeit 31 Jahren, fuhr mein Führer fort.Unſer Miſſionsfeld an der Weſtküſte iſt von unſerer nördlichſten Station Guledgudd in Südmahratta bis zu unſerer ſüdlichſten, Kodakal in Malabar etwa 140 Stunden lang und vom Meer bis zu den Bergen im Oſten 40 Stunden breit und zählt mehre Millionen Einwohner. In dieſem weiten Gebiet haben wir 16 Stationen mit 52 Miſſionaren, unter welchen 3 Eingeborne ſind. Von Anfang an iſt unſere Arbeit dort geſegnet worden. Unter den erſten Sendboten waren gleich tüchtige Theologen von der Tübinger Hochſchule, ſo Mögling und Dr. Gundert. Das neue Teſtament wurde in die Tuluſprache übertragen. Mögling veröffentlichte die Schätze der alten Landesliteratur, ſammelte Sprichwörter und ſchrieb populäre Erbauungsſchriften. In ähnlicher Weiſe ſuchte Gundert die Malajalimſprache auszubeuten, in die er auch das neue Teſtament überſetzt hat. Im J. 1844 wurden mehrere hochgeſtellte Brahminen⸗

regelmäßigen Handel, beſonders mit Weſtafrika. Ihr Zweck iſt, erſtens die Miſſionsſtationen mit europäiſchen Lebensbedürfniſſen zu verſorgen, zweitens Induſtrie und Agrikultur unter den Eingeborenen zu fördern. Dieſe Handels⸗ operationen werden ganz unabhängig vom Comittee ausgeführt mit einem Aktienkapital von 200000 Franken, woran die Miſſion mit 15 Aktien betheiligt iſt. Der Gewinn, nachdem Zinſen und Dividenden abgezahlt ſind, fließt in die Miſſionskaſſe.

aaglichen d. dhrer⸗ und ein

ds Volkes criſtlic zbulbücher und E rten, die aus de

Dieſe Schr

Keineswegs fandlung in Man

Aber glaul hätigkeit in Ind riſen, wie ſehr vi

Wonach ſe Freund.Wenn Stationen 300 nikauten befinden, alles Große reift unſer deutſches Vo wie viel geringer Indier? Daß

leberzeugung ſich rvon könnte ich; von Heiden redig Stelle aus dem ſerausgibt. Sie unter allen engliſ angliſcen Sprach der Wurzel bis Blatt der Bibel dieſes Buches wi andere Schriften engliſche Sprach gibt es kein an Iſt aber dies de rrleuchteten und der Einführung widerſetzen. 5 iſt CEs gibt d V Pufſie, de V de Hindujugen Refürchtet und g geben die Eltern verſen ſich aller langt. Der G andert und mil iſche Gebräuche aurück, das ſelbſ

=