Jahrgang 
1865
Seite
736
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auf Rittersreuth herabſchaute, waren ſchon öfter verſchiedene Leute als Spione auf die benachbarten Güter geſchickt worden und hatten unter allerlei Vorwänden mit den Dienſtboten Geſpräche angeknüpft, um auszuhorchen, was von den markgräflichen Vögten vorgenommen werde. Dieſer neue verdächtige Vorfall beſtärkte ihn in ſeiner Be⸗ ſorgniß, daß von Regensberg her ein gewaltſamer Ueberfall im Werke ſei; er ſchickte daher augenblicklich einen Boten nach Rittersreuth, dann ließ er ſein Pferd ſatteln, und ritt nach Hundſtein hinüber, um mit dem alten Herrn zu berathen, auf welche Weiſe Eſchenthal am beſten in Vertheidigungszuſtand geſetzt werden könne.

Der alte Hundſtein ſtand in der Erbſchafts⸗ oder Lehensange⸗ legenheit ganz auf der markgräflichen Seite. Erſtlich, weil er ſelbſt markgräflicher Unterthan und Lehensträger war, ſodann aber, weil er Grund zu hoffen hatte, daß bei der neuen Vergebung und Vertheilung des heimgefallenen Lehens die Herrſchaft Eſchenthal ihm ſelbſt über⸗ tragen werden würde. Durch ſie würde er ſeine Beſitzungen in ſehr willkommener Weiſe arrondirt haben; auch war es ſeiner Rachgier ein ſüßer Gedanke, daß gerade des verhaßten Eſchenthals Güter ſein Eigenthum werden ſollten.

Während Herr v. Leutersheim nach Hundſtein ritt, lag Karl betend auf den Knieen.Ich leide, was ich verdient habe, ſprach er,ich war nicht werth, das ehrwürdige Angeſicht meines Vaters wiederzuſehen.

Er ſtand auf. Zum Grabe des Vaters ſollte ſein erſter Gang ſein. Er ſtieg weiter von Hügel zu Hügel, bis er endlich auf den Grat des Berges heraustrat, der hier nach Norden in plötzlichem ſteilen Abſturz nach der prachtvollen weiten Thalbucht ſich niederſenkte, in deren Mitte Rittersreuth liegt. Rechts, wo der Rand des Ber⸗ ges um die eine Stunde breite Thalbucht herumbiegt, lag auf einem Vorſprung das Bamberger Schlößchen Regensberg mit ſeinen zwei dicken runden Eckthürmen; gerade drüben, Karl gegenüber, ragte ein kahler Berg mit vierfacher Felſenzinne; links hinaus ſchweifte das Auge über das flachere Land bis in weite Ferne, wo auf ſanfteren Höhen der weiße Thurm der alten Papenburg wie eine ſilberne Nadel hinter ſchwarzen Wäldern erglänzte. Zwiſchen ſenkrechten Felsmaſſen klomm Karl einen ſteilen Pfad hinab, begrub ſich dann in ein dicht verwachſenes Gehölz, das den unteren Theil des ſteilen Berghangs bedeckte; endlich kam er unten im Thale aus dem Walde heraus auf eine Wieſe, an ein Rinnſal, das in niedlichen Cascaden über Felſen⸗ ſtufen plätſcherte, dann zwiſchen Hecken, und nun lag der feſtungs⸗ artig ummauerte Kirchhof von Rittersreuth mit der Kirche vor ihm. Es war Mittag, kein Menſch war auf dem Weg, ungeſtört konnte er die Kirche betreten und an der Gruft weilen, in der die ſterbliche Hülle ſeines Vaters ſchlummerte.

Nach einer Weile trat er ernſt aber ruhig heraus und überlegte beſonnen, was nun weiter zu beginnen ſei. Das nächſte war, den alten Gottfried aufzuſuchen. Er ging von dem Kirchhof das Dorf hinab, und ſah das Schloß bisher der gemeinſame Beſitz der verſchiedenen Linien des Geſchlechts vor ſich. Eine ſteattliche, breite Fronte, mit mächtigen runden Eckthürmen, ſtand es frei in einem weiten, von Bäumen beſchatteten Hofe, der mit niedrigen Seitengebäuden und einem Schloßgraben umgeben war. Karl über⸗ ſchritt die Zugbrücke und trat in den Hof. Ein ältlicher Mann in Livree, eine ſchwarze Trauerbinde um den Arm, trat eben in eines der Nebengebäude. Obgleich Karl ſein Geſicht nicht hatte ſehen können, ſo erkannte er doch ſogleich an der Figur und der noch immer mili⸗ täriſch⸗-geraden Haltung den alten Kammerdiener. Er folgte ihm; er klopfte an die Thür.Herein! rief die wohlbekannte Stimme, und als er eintrat, fand er Gottfried zu ſeiner Freude allein.

Sie werden mich nicht mehr kennen? hub er an, und der kalte verwunderte Blick des Kammerdieners bewies ihm, daß er in dieſer Vermuthung ſich nicht irrte.Erinnern Sie ſich noch eines Auguſt⸗ nachmittages im Jahre 84, wo ein heftiges Gewitter

Was wollen Sie? Ja doch! Waren Sie vielleicht bei dem Brande zugegen? Sind Sie einer von denen, die den Holzſchuppen löſchen halfen? Ich wüßte freilich nicht

Nein, wenn der Holzſchuppen in Brand gerathen iſt, ſo war ich da jedenfalls nicht mehr im Ort. Aber, Gottfried, erinnern Sie ſich nicht vielleicht eines zwölfjährigen wilden Knaben, der durchaus von Ihnen verlangte, Sie ſollten ihm das Meiſenneſt vom Apfelbaum holen, und der, weil Sie ſich weigerten, ſelbſt eine Leiter holte und hinaufſteigen wollte, und herunterfiel und ſicher den Arm gebrochen hätte, wenn der gute treue Gottfried ihn nicht gehalten hätte.

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Ach Gott, das war der Junker Karl, ſagte Gottfried, und eine Thräne floß über ſeine Wange.Aber woher wiſſen Sie denn das?

Ich weiß noch mehr. Ich weiß auch, wie Sie mit Adelinen auf der Wieſe waren und ſie Schlüſſelblumen ſuchte, ſich einen Kranz zu binden, und wie dann plöͤtzlich des Wachtelbauern Stier los wurde, weil Kaspar die Stallthür nicht zugemacht, und wie der Stier auf die Wieſe ſprang, gerade auf meine Schweſter zu

Karl! Karl! rief Gottfried, und im Sturm ſeiner Gefühle alle Standesunterſchiede vergeſſend, ſprang er auf ihn zu, preßte ihn an ſein Herz und benetzte ſeine Wangen mit heißen Thränen.

Verzeihen Sie Junker Herr Baron! Ich habe nicht be⸗ dacht mir war's, als wäre es wieder der kleine Karl von damals.

Ach Herr Baron wenn Ihr Herr Vater nur vier Wochen länger Wiederum erſtickten Thränen ſeine Stimme.Sie

leben alſo? Und dem ſeligen Herrn hat man geſchrieben, Sie ſeien in der Schlacht bei bei Windenheim oder

Bei Neerwinden gefallen, half Karl ein.Verwundet wurde ich dort und gefangen. Aber wer hat das meinem Vater geſchrieben?

Ein Herr in Straßburg, Mevoille hieß er, glaube ich. Ihr Herr Vater war bei Hofe geweſen und hatte dort einen Franzoſen getroffen, der Sie kannte.

Seltſam! Aber guter Gottfried, können Sie mir nicht einen Biſſen Brot geben?

Sie haben noch nicht gegeſſen? Sogleich will ich Ihnen brin⸗ gen, was ich habe. Oder nein, wollen Sie denn nicht aufs Schloß? Was werden der Herr von Gibelſtadt und der Herr Markgraf ſelber für eine Freude haben, daß wieder ein Herr Baron da iſt⸗

Nein, guter Gottfried, ſagte Karl und hielt ihn am Arm. So ſchnell geht das nicht. Wir wollen, während ich eſſe, ruhig überlegen, was zu thun ſei. Das Schlimmſte iſt, daß ich gar keinen Beweis beibringen kann, daß ich wirklich Karl von Eſchenthal ſei, keinen außer jenen Erinnerungen aus meiner Jugend, für deren Richtigkeit Du einſtehen kannſt. Das wird aber vor der Lands⸗ hauptmannſchaft wenig gelten. In Frankreich habe ich unter fal⸗ ſchem Namen gelebt

Ei wenn Sie nur beweiſen können, daß Sie der Lieutenant ſo und ſo ſind; denn daß dieſer Lieutenant der Baron Karl iſt, dafür müſſen ſich, denke ich, in den Briefſchaften Ihres Herrn Vaters die Beweisſtücke finden.

Eben das kann ich nicht darthun, ſagte Karl.Ich war für todt gemeldet nach der Schlacht bei Neerwinden. Als ich vier Jahre drauf aus der Kriegsgefangenſchaft frei wurde, wollte man beim Kriegsminiſterium nichts mehr von mir wiſſen.

Es iſt noch ein andrer Umſtand, fuhr er nach einer Pauſe fort,der mich zur Vorſicht mahnt. Du weißt, welche Unthat ich verübt habe.

Ach Gott, ja. Darüber ſollte freilich Gras gewachſen ſein. Aber der alte Hundſtein hat Ihren Herrn Vater bis. ins Grab mit ſeinem Groll und Haß verfolgt. Vor dem müſſen Sie ſich hüten.

Sie beredeten ſich noch eine Weile und fanden, daß die Sache zum Handeln noch in keiner Weiſe reif ſei. Karl müſſe ſich vor der Hand noch verborgen halten; Gottfried ſolle niemandem ſagen, daß der junge Baron erſchienen ſei. 3

In aller Stille verließ Karl das Schloß. Als er aus Gott⸗ frieds Häuschen trat, ſchüttelte er dieſem unter der Thüre noch einmal die Hand. Er bemerkte nicht, daß droben im Schloſſe Herr v. Gibel⸗ ſtadt am geöffneten Fenſter ſtand und Gottfrieds Wohnung ſcharf beobachtete.

Karl ging zum Dorfe hinaus und überlegte, welchen Weg er einſchlagen ſollte. Ueber Eſchenthal wollte er nicht wieder gehen. Aber plötzlich durchzuckte ihn ein ganz neuer Gedanke.Wie, dachte er bei ſich ſelbſt,wenn ich geraden Weges zu Herrn v. Hundſtein ginge, mich ihm zu Füßen würfe und als den Mörder ſeines Sohnes bekennte! Die verdiente Strafe will ich tragen; ich kann ihr ja doch nicht entgehen, ſobald ich mit meinem Namen hervortrete. Wenn aber dem Markgrafen wirklich ſoviel daran liegt, daß mein Geſchlecht erhalten bleibe, ſo wird er Gnade vor Recht ergehen laſſen.

So denkend, ſchritt er in den Wald, erſtieg an einem weiter öſt⸗ lich gelegenen Punkte den ſteilen Berg, und kam ſo in jenem Seiten⸗ keſſel hinab, in welchem Walchenbrunn lag. Von da führte ihn die Straße nach Hundſtein wieder ſanft den Berg hinauf, in den Wald. Er hätte dieſen ſchrecklichen Wald umgehen können: er wollte es nicht;

nn. in vor ihm ſtand uren noch, ſtehen alen war ſie freili fult, die Strohlag

Nan den Mark heines liegt freun begend die alte, r⸗ iſtich für den S Wappen. Daſſelb ſab, nach unten r Religion und e Stadt, die vor Sſhöfen war und age Handelstreiben herrſcht hat.B ,iſt auch im V Koülkerung geblie dieſem Maße ſelte V zer und materielle Grr manche Mme Stadt dahi ſecetss ertönten in im 21. Januar rale unter dem Geſängen und mi und umtanzt. A ung durch die fra ſegann, trotz der ei datſche Armee üb uug ſah die Stadt de Angſt und Ro