Jahrgang 
1865
Seite
728
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Naſe, kleinen Haarbüſcheln an den Ohren und ſchönen braungelben Augen. Während der Körper nur 15 18 Zoll mißt, hat der ſchwarz und weiß geringelte, ſtärker als der übrige Körper behaarte Schwanz eine Länge von 24 26 Zoll und wird von dem ſitzenden Thiere ſtets zwiſchen den Füßen durch über die Schulter geſchlagen.

Als ich den Schuner betrat, fand ich alle drei Thiere jedoch in einer andern Poſition. Jedes derſelben war wegen der kühlen Temperatur mit einem Trikotjäckchen bekleidet, ſaß auf den beiden Hinterfüßen, hatte den Schweif in grader Linie auf dem Deck nach hinten geſtreckt und beide Aermchen ausgebreitet, um die warmen Sonnenſtrahlen aufzufangen. Alle drei drehten bei meinem Erſcheinen das Köpfchen nach mir um, ohne je⸗ doch ihre komiſche Stellung zu verändern. Ich hatte dieſe Thiere noch nie geſehen(auch in den zoologiſchen Gärten habe ich unter den Lemuren nicht dieſe Species bemerkt), fand ſie aber ſo allerliebſt, daß ich mir einen derſelben eintauſchte und zwei Jahre lang die größte Freude an ihm ge⸗ habt habe. Dieſe Makis haben alle Tugenden, aber keine Untugenden der Affen. Sie werden merkwürdig zahm, freſſen alles, ruiniren und verunreinigen nichts und ſind namentlich für Kinder das niedlichſte lebendige Spielzeug, was man ſich denken kann.

In meiner Cajüte wurde der neue Gaſt von ſeinen Wohnungsgenoſſen ziemlich gleichgültig aufgenommen und kümmerte ſich ſeinerſeits auch nicht viel um ſie. Nur des Abends beim Eſſen gerieth Lori mit dem Maki regelmäßig in Conflict, der jedoch weiter keine gefährlichen Folgen nach ſich zog, als daß er häufig eine Theetaſſe koſtete. Lori ſowohl wie die Kakadus und der Maki waren insgeſammt leidenſchaftliche Theetrinker. Die drei letzteren tranken allabendlich ihre volle Taſſe, während der Lori ſich mit einer halben begnügte. Sobald der Thee erſchien, meldeten ſich alle vier. Die Kakadus erhielten zuerſt. Wenn ſie getrunken hatten und nicht gutwillig auf den Stock gurückgingen, ließ ich den Lori heraus, der ſie ſofort vom Tiſche expedirte und ſich jedesmal dabei ſo echauffirte, daß er eine Zeit lang den ihm ſervirten Thee vergaß und Maki ſich darüber hermachte. Sobald dies aber geſchah, ging der Tanz los. Makis Kopf füllte faſt die Taſſe aus. So lange dieſe noch ziemlich voll war, tranken beide Thiere friedlich neben einander; je tiefer ſie aber kamen, deſto enger ward der Raum und ſchließlich bekam Lori nichts mehr. Nachdem er mehrmals vergeblich verſucht, ſeinen Rival zu verdrängen, nahm er eine ſehr herausfordernde Stellung an, ſträubte ſeine Halsfedern und verſetzte dem Maki einen Biß, bei dem er ihm regelmäßig einen Büſchel Haare ausriß. Maki war jedoch weder feige noch gleichgültig gegen die ihm zugefügte Beleidigung. Wie ein Blitz fuhr ſein Kopf aus der Taſſe und der kleine Tyrann erhielt eine ſo wohlgezielte Ohrfeige, daß er kaum das Gleichgewicht behielt. Dieſe unerwartete Gegenwehr überraſchte den kleinen Raufbold augenſcheinlich ſehr und höchſt verdutzt ſah er den frechen Ein⸗ dringling an. Dieſer trank jedoch ruhig weiter und nahm keine fernere Notiz von dem Angreifer, der ſich jetzt in das Unvermeidliche fügte und ſeinen Antheil am Thee dadurch zu retten ſuchte, daß er ſeinen Kopf mit Gewalt neben den des ſanftmüthigen Maki in die Taſſe klemmte. Das ging nun wohl, aber das Herauskommen war um ſo ſchwieriger. Sehr oft ſaß die ziemlich hohe und cylinderförmige Taſſe auf den Köpfen feſtgeklemmt und ich hatte dann das lächerliche Schauſpiel eines Kampfes, der gewöhnlich mit dem Zerbrechen der Taſſe endigte, dann aber ſogleich von beiden Seiten aufgegeben wurde, um ſich, wenn ich es zuließ, am nächſten Abend in ganz derſelben Weiſe zu wiederholen.

Beim Cap der guten Hoffnung bekam der Lori, während er ganz luſtig mit mir tändelte, auf einmal Krämpfe und ſchien in den letzten Zuckungen zu liegen. Ich wickelte ihn ſchleunigſt in Flanell, trug ihn in

mein Bett und deckte ihn ſo zu, daß er nur den Schnabel frei hatte,

ohne mir jedoch nach den früheren Erfahrungen viel von dieſer Maßregel zu verſprechen. Zeit er ſich nicht rührte. Als ich dann nachſah, ſchaute er mich mit ſeinen klugen Augen hell und freundlich an und gab mir deutlich zu verſtehen, daß er aus ſeiner Lage befreit zu ſein wünſchte. er war eben ſo munter wie zuvor.

Das Thier blieb dann noch ſechs Wochen lang ganz geſund. Als wir jedoch Anfang Juni Skagen paſſirten, fanden wir trotz der ſchönen Jahreszeit eine ſo empfindlich kühle Temperatur(3 50 R.), daß ihr einige dreißig Thiere, darunter ein Faulthier, verſchiedene ſeltene Affen und Vögel zum Opfer fielen. Aber auch mein armer Lori ſtarb. Ob⸗ wol ich geheizt und ſeinen Käfig Nachts in Betten gepackt hatte, fand ich ihn eines Morgens todt, während er am Abend vorher ſich noch von der liebenswürdigſten Seite gezeigt hatte. Der Verluſt des ſchönen Thieres ging mir ſehr nahe und ich konnte ihn lange nicht verſchmerzen.

Von dem Maki, der mir ſpäter wenigſtens ebenſo lieb wurde und jedenfalls ein höchſt intereſſantes Geſchöpf war, erzähle ich dem Leſer ein anderes Mal. R. Werner.

Ich ließ ihn eine Stunde lang ſo liegen, während welcher

Ich willfahrte ihm und

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Zeitungsreclamen.

Jeder Tag zeigt, was in Zeitungsreclamen geleiſtet wird, und die Berliner Zeitungen mögen in dieſen Leiſtungen vielleicht den Preis verdienen. Es fehlt nicht viel, daß man es den Nordamerikaniſchen Zeitungen gleich thut, in deren einer wir neulich die ſchwülſtige Anzeige eines deutſchen Arztes fanden, der ſich als unfehlbaren Doctor für alle möglichen, ſonſt für abſolut unheilbar gehaltene Krankheiten von Männern und Frauen auspoſaunt und dieſen Lobpreis mit dem Bildniſſe ſeines eigenen Angeſichtes, das durch die Fülle eines meiſterhaft gezogenen Bartes ſich auszeichnet, illuſtrirt. Sind wir nun gleich in Deutſchland ſoweit noch nicht gekommen, ſo ſind wir doch auf dem beſten Wege dazu. Die Zeitungen und die Plakate liefern in dieſer Beziehung nicht unerhebliche Beiträge zur Charakteriſtik der Gegenwart. Dabei fehlt es glücklicherweiſe auch nicht an ergötzlichem Material mancherlei Art. Das Leinengeſchäft ſcheint vorzugsweiſe, und vorzugsweiſe damals, als der amerikaniſche Krieg die Baumwolle noch nicht theuer gemacht, zu gar heiteren Reclamen Veranlaſſung gegeben zu haben. So finden wir in einer älteren Nummer der Voſſiſchen Zeitung eine Anzeige, die mit den Worten be⸗ ginnt:Es iſt keine Aufſchneiderei, ſondern die reine Wahrheit, wenn ich behaupte, daß es für meine geehrten Kunden keine vortheilhaftere Gelegenheit zu Einkäufen von Leinenwaren gibt, wie bei mir. Durch Kränk⸗ lichkeit und durch übergroße Concurrenz, verbundenmitder jetzt herr⸗ ſchenden Marktſchreierei, die dem reellen Kaufmann das Ge⸗ ſchäft ganz zuwider machen müſſen, bin ich beſtimmt worden, mein Leinengeſchäft aufzugeben, und meine Waaren abermals um 5 Procent her⸗ unterzuſetzen, ſo daß ich jetzt um 55 Procent unter dem wirklichen Werthe verkaufe. Denn es gereicht mir zum großen Vergnügen, mich meinen ſehr werthgeſchätzten Kunden erkenntlich erzeigen zu können, die mich in den Stand geſetzt haben, daß ich mich jetzt als wohlhabender Mann vom Geſchäft zurückziehen kann.

Dieſelbe Nummer der genannten Zeitung enthält mit großen Lettern und breitem Rande folgende ſinnreiche Annoce:

50,000 Thaler hat mir Fortuna beſchert! und darum höre ich auf, Leinwandhändler zu ſein, verkaufe aus, wie noch niemand ausverkauft hat. Nun wird doch endlich mein ſehnlichſter Wunſch erfüllt, die große Welt zu ſehen. Eine Reiſe um die Welt zu machen, war ſtets mein einziger Wunſch, und jetzt bin ich ſo glücklich, ihn ausführen zu können, indem ich durch die Lotterie reich geworden bin, und da ich als allein ſtehender Mann um ſo leichter dieſem meinen Lieblingswunſche nachgehen kann, welches in dieſem Jahre nicht mehr geſchehen könnte, wenn ich nicht ſchleunige Anſtalten treffe, mein nicht unbe⸗ deutendes Lager von Leinenwaaren zu verkaufen, ſo habe ich deshalb ſämmt⸗ liche Waaren in Berlin zum Ausverkauf geſtellt, und iſt mein Geſchäftsführer von mir autoriſirt, 50 Procent und noch mehr unter dem wahren reellen Werthe alle meine Beſtände, die ich noch beſitze, verkaufen zu können, damit ich ſobald als möglich Berlin verlaſſen und mit dem ſegelfertigen Schiffe meine Reiſe antreten kann. Bemittelte und unbemittelte Leute finden in dem eigens dazu gemietheten Verkaufslokale, Franzöſiſche Straße Nr. 46, Gelegen⸗ heit, gute Bielefelder und andere Sorteu Leinwand zu Preiſen zu kaufen, wie ſie noch nie dageweſen ſind. Friedrich Leopold Neuendorf aus Bromberg.

Für das deutſche Rettungsweſen zur See gingen bis heute, den 15. Auguſt ferner ein:

Aus der höheren Töchterſchule zu Neuſtrelitz Thlr. 2. 20 Sgr. Ungenannt aus der Schweiz 5 Fres.= Thlr. 1. 10 Gr. Pf. Unger in Niederlichtenwald Thlr. 1. Pf. Dubbers in Dandenzell, Baden, Jahresbeitrag Thlr 1. Pfennigſammlung der Knaben des V. Hauſes des Gr. Friedrich⸗Waiſen⸗ hauſes zu Rummelsburg bei Berlin durch Erzieher Krauſe Thlr. 2. F. v. A. H. in B. Thlr. 2. A. O. in Althaldensleben Thlr. 5. E. Sch. in Voerde Thlr. 1. G. W. in Hamm Thlr. 1. Aus Weinheim,einer Wittwe Scherflein fl. 2= Thlr. 1. 4. Aus der Töchterſchule zu Iſerlohn Thlr. 8. Frau Heſſel in Grünſtadt Thlr. 2. Pf. Ebel in Waldpries Thlr. 1. Dr. Simon in Gießen Thlr. 2. N. N. in Opladen Thlr. 1. Pf. Ulbrich in Breslau Thlr. 1. Bürgermeiſter Berg in Arnswalde Thlr. 1. Pf. F. St. in L. bei G. Thlr. 1. Benzler in Honnef Thlr. 1. Ungenannt aus Königswald Thlr. 1. R. Hohl in Elberfeld Thlr. 1. A. B. in Weinheim, Baden, fl. 10.= Thlr. 5. 21. Gr. 3 Pf. Ungenannt in Birkenheim, Baden, fl. 10= Thlr. 5. 21 Gr. 3 Pf.. Betrag unſrer vori⸗ gen Quittung Thlr. 1650. 29 Gr. 3 Pf. In Suͤmma: Thlr. 1700. 16 Gr.

Briefkaſten.

S. K. in Nizza. Ihre Mittheilung iſt ſehr intereſſant; ſie macht aber gegenwärtig ſchon den Weg durch alle unſere Zeitungen, wodurch ſie für uns unmöglich wird.

Prof. Z. in Beru. Ihr Beitrag iſt willkommen; er wird im Laufe des nächſten Quartals zur Aufnahme gelangen.

Zur gefälligen Beachtung!

Wir machen unſre Leſer ſchon jetzt darauf aufmerkſam, Einbanddecke zu mäßigem Preiſe vorbereiten.

nachbezogen werden.

daß wir gegen Ende des Jahrgangs eine künſtleriſch ausgeführte Es iſt dadurch jedem Beſitzer möglich gemacht, ſich den Jahrgang um ein Geringes elegant und geſchmackvoll einbinden zu laſſen und ihn dauernd zu erhalten.

Zur Completirung deſſelben können einzelne Quartale jederzeit

Die Verlagshandlung.

Unter Verantwortlichkeit von A. Klaſing in Bielefeld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in Leipzig.

Verlag der Daheim-Expedition von Velhagen* Klaſing in Bielefeld und Berlin. Druck von Fiſcher a Wittig in Leipzig.

Es iſt Sturm heult die eiſigen S meinen Garte ſtämme in der Gott der Herr anmuthiger, ſeiner ſchänen die gefrorener caos hinaus vinterlicen

3 Se

Der Re dens iſ ſchli nach ſeinem Gurückgegeben träumend