Jahrgang 
1865
Seite
726
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Fabeln begann er zu entwachſen, und wurde dann einem eigenen Sklaven, dem Pädagogen übergeben, der ihn in eine der zahlreichen Schulen geleitete, ihm die Bücher und ſpäter die Cither nachtrug, und dafür ſorgte, daß der Knabe ſittſam wie ſich gebührte, die Augen nicht frech umherwerfend, die Hand unter dem Mantel, zur Schule hin und wieder von dort nach Hauſe zurückging.

Der Staat kümmerte ſich um die Schulen nicht weiter; jeder Vater mochte ſich nach ſeiner Einſicht und ſeinen Mitteln theurere oder wohlfeilere, beſſere oder ſchlechtere für ſeine Söhne ſuchen; es gab auch ſolche, wo die Knaben unter freiem Himmel auf dem Sand des Bodens die Buchſtaben kennen lernten. Im äußerlichen ſah eine antike Schulſtube der modernen gewiß ähnlich,wie die Feige der Feige, nach jenem atheniſchen Sprichwort: dort wie hier gab es Tafel und Schwamm, Kreide und Tinte, Bücher und Schreibrohre, Unarten und Schläge. Die Sitze ſtiegen terraſſenförmig an; der Unterricht begann zu ſehr früher Tageszeit. Leſen, Schreiben, Rech⸗ nen, das man wohl den Knaben mit Aepfeln, Nüſſen, Rechenſteinen erleichterte, lernte durchgängig wohl jeder freigeborne Athener; war dieſe Stufe überſchritten, ſo folgte das Leſen und Auswendiglernen von Dichterſtellen, wo dann Homer mit vollem Recht die erſte Stelle einnahm. Daneben wurde die Muſik gepflegt, beſonders das Cither⸗ ſpiel, welches die geſichtverzerrende Flöte verdrängt hatte.

Der Beſuch der Schule wurde, wo nicht das häusliche Bedürfniß die Knaben früher fortzunehmen gebot, bis zum ſechszehnten Jahre fortgeſetzt, mit welchem der Knabe in die Reihe der Epheben eintrat. Doch wurde auch jetzt, wo er dem kriegsdienſtpflichtigen Alter ſich näherte, und mannigfaltige körperliche Uebungen in den Vordergrund traten, die geiſtige Weiterbildung keineswegs außer Acht gelaſſen. Es gab im damaligen Athen Lehrer der Weisheit genug man nannte ſie mit einem Worte, das ſpäter raſch in Mißkredit kam, Sophiſten in deren Umgang der Jüngling die Fähigkeit, in den innern Zuſammenhang der Dinge wiſſenſchaftlich einzudringen, und, wenn nicht mehr, doch die zweideutige Fertigkeit erlangen konnte, über jeden gegebenen Gegenſtand für oder wider leicht und mit beſtechender Gewandtheit zu ſprechen.

Die Gelegenheit, ſich einem dieſer in Athen allmählich zahlreicher werdenden Lehrer anzuſchließen, fand er an demſelben Orte, an wel⸗ chem ſchon der Knabe die geiſtige Anſpannung durch ſtarke und häufige körperliche Uebungen unterbrochen hatte, dem Gymnaſion. Dieſe Gymnaſien es waren ihrer damals drei in verſchiedenen Gegenden der Stadt boten, mit Hallen und Alleen verſehen, einen ſtets bereiten Unterhaltungsplatz mit den angenehmſten Spaziergängen, welche von den Freunden wiſſenſchaftlicher Unterhaltung dem lauten Treiben des Marktes vorgezogen wurden. Es waren große Turnplätze mit ver⸗ ſchiedenen Abtheilungen für die verſchiedenen Uebungen, auf welchen die Knaben und mehr noch die Jünglinge einen großen Theil des Tages zubrachten. Die Aufſicht über die Gymnaſien führte das oberſte Sittengericht, die am höchſten ſtehende Autorität des alten Athens, der Areiopag und die Behörde der fünfzehn Sophroniſten; die Uebungen ſelbſt, mit Ernſt und ſchulmäßig betrieben, wurden von Paidotriben und Gymnaſten geleitet; es war der Lauf Schnelllauf und Dauerlauf, der Bogenſchuß, der Speer⸗ und Diskoswurf, das Ringen auf dem eigens dazu hergeſtellten Sandplatz, der Paläſtra, der Weit⸗ und Hochſprung. Auf den Vaſenbildern tritt uns dieſes

bewegte Leben in allen möglichen und meiſt in natürlich⸗kräftigen Stellungen ohne Künſtelei entgegen; an den aufblühenden Geſtalten der völlig Entkleideten konnte der Künſtler für ſeine Ganymedes⸗ oder Heraklesbilder, ſeine Kaſtor und Pollux, die Ideale finden; auch dieſer Theil der Erziehung hielt den allgemeinen und höhern Zweck der Bildung feſt, nicht Athleten oder Soldaten zu bilden, ſondern den Einzelnen in den Vollbeſitz ſeiner körperlichen Kräfte zu ſetzen, damit der Geiſt an dem Körper einen kräftigen, nie verſagenden Diener habe.

Wenn nun ſo auf dieſen Uebungsplätzen, wo man abwechſelnd die körperliche Kraft im Ringkampf mit den Altersgenoſſen und die geiſtige im lebendigen Verkehr mit dem Sophiſten oder Rhetor erprobte und übte, eine Saat reicher und harmoniſcher Bildung aufblühte, ſo fehlte dagegen der Erziehung der griechiſchen Jünglinge ein anderes Bildungselement faſt völlig, welches im Leben der modernen Völker eine ſo große und heilſame Rolle ſpielt der durch feine Sitte und ebenbürtige Bildung geadelte Umgang mit den Frauen.

In dieſer Beziehung war in Athen in der That eine Ver⸗

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ſchlechterung des Volksgeiſtes und der Volksſitte eingetreten. In der Heroenzeit, wie ſie in den homeriſchen Gedichten uns entgegentritt, verkehren die edlen Frauen Penelope, Andromache, Helena frei mit den Männern ritterlicher Sitte und ritterlichen Standes. Nauſikaa fährt allein mit ihren Geſpielinnen nach dem Meeresſtrande; Jüng⸗ linge und Mädchen führen Reigentänze mit einander auf, und Pene⸗ lope waltet des fürſtlichen Hausſtandes in Abweſenheit ihres Ge⸗ mahls. In ſchönen Worten ſchildert Odyſſeus das häusliche Glück liebender Ehegatten:

Mögen Dir ſchenken die Götter, was immer Dein Herz ſich erſehnet,

Einen Mann und ein Haus, und edele Eintracht dazu dann

Gnädig verleihn; denn was gibt's Herrlichers doch und Vollkommners, Als wenn Mann und Frau einhelligen Sinns miteinander Halten das Haus; ein Dorn im Auge den Uebelgeſinnten, Aber den Freunden zur Freud', und zumal ſie ſelber genießens.

Dieſem ſchönen Bild entſprach nicht mehr allzuhäufig die Wirk⸗ lichkeit. Die Komödien dieſer Zeit ſind voll zügelloſen und rohen Witzes, deſſen Zielſcheibe die Frauen ſind. Die Philoſophen deduciren ihre geringere Begabung zur Tugend; die Tragödien des Euripides, wenige Jahre ſpäter, wimmeln von bittern Invektiven gegen das Geſchlecht, von dem, nach ſeinen Worten, 10,000 noch nicht eines Mannes Werth gleich kommen. Die Sitte beſchränkte ſie mit immer peinlicherer Strenge auf das Haus, und welche von ihnen größere Freiheit des Lebens begehrte, die mußte auf Ruf und Ehrbarkeit zu⸗ gleich verzichten.

Der Hauptgrund für dieſe Verſchlimmerung lag wohl in der Einwirkung des Sklaventhums, welches auf mehr als eine Weiſe den alten Völkern zum Fluch geworden iſt. Wo die Rechte des Schwächern an einem Punkte mißachtet werden, da werden ſie es bald an allen. Der freie Mann, welcher ſich zahlreichen Sklaven gegenüber als un⸗ umſchränkten Herrn hat fühlen lernen, wird ſich auch dem ſchwächeren Geſchlechte gegenüber in der ganzen Unendlichkeit ſeines Werthes fühlen. Damit aber war entſchieden, daß die Frauen ſelbſt ſittlich ſinken mußten, da ihnen von den Männern keine tiefere Achtung mehr ent⸗ gegengebracht, keine höhere Bildung mehr vergönnt wurde.

Schulen gab es für ſie nicht; es war Glück genug, wenn ſie außer dem Spinnen und Weben noch dürftig leſen und ſchreiben lernten. So wuchſen ſie, imParthenon vergraben, zu Jungfrauen heran. Die Stätten, an welchen die Männer ihre Bildung holten, die Gymnaſien, die Theater, öffentliche Aufführungen und Schau⸗ ſtellungen waren ihnen verſchloſſen oder nur ſchwer zugänglich. Aus dem Hauſe kamen ſie ſelten, nur etwa beim Panathenäenfeſt, wo auch ſie einen Theil jenes Feſtzugs bildeten, in welchem das ganze Volk ſich ſeiner Schirmherrin auf der Burg darſtellte, und eben ſo ſelten vielleicht bei einer Hochzeit im eigenen Hauſe, oder wenn ſie mit dem Zuge gingen, der eine Verwandte, eine Freundin bis an die Schwelle des bräutlichen Gemaches geleitete, oder wenn ſie hinter der Bahre eines Vaters oder Bruders hergingen, bekamen ſie männliche Geſell⸗ ſchaft zu ſehen. Kein fremder Mann betrat leicht in Abweſenheit des Hausherrn die Wohnung, geſchweige das Zimmer der Frauen, und ſelbſt wenn der Mann in Geſellſchaft von Freunden zu Hauſe ſpeiſte, waren Mutter und Töchter ſelten oder niemals zugegen. So kam ihnen allmählich das heirathsfähige Alter heran. Dann wählte der Vater aus Familien⸗ oder anderen äußeren Rückſichten der Tochter,

dem ſchwerzuverſorgenden Beſitzthum, wie ein Dichter ſagt, den Mann; von einer Herzensneigung war ſelten die Rede, glücklich genug, wenn ſie nach der Hochzeit durch das Zuſammenleben allmählich ſich bildete. Der Vater beſtimmte die Mitgift, dann fand die feier⸗ liche Verlobung ſtatt; Hauſes, dem Zeus, der Here, dargebracht, und ſo nahte der Tag der Hochzeit. Da ward das Waſſer zum bräutlichen Bad aus dem Neun⸗ röhrenbrunnen der Quelle Kalirrhoe geholt, die Braut ward ge⸗ ſchmückt, und es folgte das Weihopfer und der Schmaus, bei welchem

. die Braut verſchleiert erſchien, und bei welchem auch Frauen und Mädchen zugegen waren. Gegen Abend hielt der mit Ochſen oder Maulthieren beſpannte Wagen vor dem mit Laubgewinden geſchmückten Hauſe. Dann zündete die Mutter der Braut die Hochzeitsfackel an; ſie beſtieg den Wagen und nahm, dichtverſchleiert, zwiſchen dem Bräu tigam und ſeinem Freunde, dem Parochos, ihren Platz; dem Maul⸗ thiergeſpann voraus ging der Zug der Fackeltragenden mit Flöten⸗ begleitung und unter Abſingung des Hymenäus; auf dem Wege rie⸗ fen wohl die Begegnenden dem Zuge glückverheißende Worte zu. Die

das Opfer ward den Schutzgottheiten des

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