Jahrgang 
1865
Seite
723
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de,de ob ſolher V B ſeijalllatſten V

ſind zerſtreut, de⸗ rlorene Vaterſtdt

den ihnen dajſt Zahlen ſollen. V ganzen Leibe. ſe glücklich in die Sgaben zuſammen, die nach Marſelle emacht, ohne ſolce enf waren und den von einer franziſt eißt Schwabach adert Gulden rhe zier bei uns. Aber s vorige Mal gut. Marell iſ Summe an, und ſi mmung gelangen. theilten nun Kal er die Summe in vertheilen werde. Ja, ſagte der tte einige Männer ſie dieſe und jede geben haben. lückich Marſellt ſelben Gaſthof in tundigen und iſ agen. Karl bega 4 beim Eintritt de g verändert hatten erig, ob Nard adzwanzigſten um mehr, als zwiſhen 3 Reunionskriegä enant, war feite

von ihnen abgelenkt, nicht durch

auch hinlegen und hauen.

ſchaft, und daß er nun ſeit 1697 in Toulouſe in der Handlung des Herrn Requlllet beſchäftigt geweſen, jetzt aber entſchloſſen ſei, in ſein deutſches Vaterland zurückzukehren; nur habe er Frankreich nicht ver⸗ laſſen wollen, ohne ſeinen alten Freunden Lebewohl geſagt zu haben.

Das nenn' ich einen braven Jungen! rief der Oberſt.

Aber dafür ſoll er auch geehrt werden, wie ein Graf. Valet! vier Flaſchen Rouſſilon, Fleur de Ganymède! Ich denke, Du bleibſt ein Paar Wochen bei uns, Steinmann?

Wer wird gleich von der Abreiſe reden? ſagte einer der Offi⸗ Laßt uns die Gegenwart genießen und fröhlich ſein!

Und ſie waren fröhlich von ganzem Herzen. Alle möglichen alten

Kriegsabenteuer wurden aufgewärmt, der zu Lille verlebten Feſte und

frohen Abende gedacht; es ſammelten ſich noch andre Officiere um

ſie, und Mitternacht kam heran, ehe Karl es ſich verſah.

Aber Morgen früh, ſagte Marcel beim Abſchied,will ich Dich ganz allein für mich haben. Ich erwarte Dich um neun Uhr zu einer Taſſe Chokolade.

Karl war über dieſe Ausſicht, mit Marcel allein zu ſein, ſehr froh. Er erſchien pünktlich und harrte auf den Augenblick, wo er ſein Anliegen vorbringen könne. Marcel bahnte ihm ſelbſt den Weg.Laß uns einen Spaziergang machen, ſagte er,und die Merkwürdigkeiten von Marſeille beſehen. Den Kriegshafen vor allem mit den Galeeren; wir können eine beſteigen doch nein! da fällt mir ja eben ein, daß Du Proteſtant biſt. Nein, das iſt nichts für Dich!

Und warum nicht? fragte Karl.

Nun, Du haſt ja wohl ſchon davon gehört, daß wir über 300 Proteſtanten hier als Sträflinge auf den Galeeren haben! Es iſt, weiß Gott himmelſchreiend, wie man mit den Leuten umgeht. Es ſind Männer aus den beſten Familien darunter. Aber in unſrer Macht ſteht es nicht, ihr Loos zu ändern. Ich meinerſeits thue, ſo viel ich kann, ihr trauriges Geſchick zu lindern und den Miß⸗ handlungen zu wehren; aber meine Macht reicht nicht über die Ge⸗ ſetze. Ich gehe ſoweit ich kann; würde ich die Grenze des Möglichen überſchreiten, ſo würde die Folge nur die ſein, daß das Commando über die Galeeren mir abgenommen und einem Fanatiker übergeben würde, unter dem die armen Leute noch viel mehr zu leiden hätten.

Haſt Du unter den Galeerenſklaven einen Namens de la Foſſe? fragte Karl.Woher kennſt Du ihn? fragte der Oberſt.

Ich kenne ihn gar nicht, erwiderte Karl,aber ich bin ge⸗ beten worden, ihm Geld zu übergeben, und bei Deiner Geſinnung zweifle ich nicht, daß Du mir dies ermöglichen werdeſt.

Dazu kann Rath werden. Woher kommt das Geld?

Aus meinem Heimatlande.

Es waren ſchon früher einige Berner Kaufleute zu gleichem Zwecke hier, die mich durch die unkluge und laute Art, mit der ſie zu Werke gingen, in die peinlichſte Verlegenheit geſetzt haben. Ich ſagte ihnen, ſie ſollten mir die Summe anvertrauen; darauf wollten ſie aber nicht eingehen.

Ich werde Dir das Geld gern anvertrauen, ſagte Karl.

So war's nicht gemeint, verſetzte Marcel.Du ſollſt die Freude haben, es de la Foſſe ſelbſt zu geben. Du als mein Freund kannſt ja ganz ohne Aufſehen zu erregen mit mir die Galeere beſuchen. Nur bitte ich Dich, ihm das Geld in der Stille zuzuſtecken.

Sie gingen. Karl ſchlug das Herz, als ſie dem Hafen ſich näherten. Von der nächſten der Galeeren erſcholl eben ein Jammer⸗ geheul. Karl ſah, wie ein Mann, völlig entkleidet und über eine Pritſche gelegt, von einem türkiſchen Sklaven mit einem mit Pech ge⸗ tränkten Tau aufs unmenſchlichſte gehauen wurde. Karl erblaßte. Mußt Du nun gerade zu ſo einem Anblick kommen! ſagte Marcel. Aber laß uns eilen, der Scene Einhalt zu thun!

Das Boot trug ſie ans Deck. Auf beiden Seiten ſaßen Reihen von Galeerenſklaven, bis auf den Gürtel herab nackt, an die Ruderbänke geſchmiedet, confiscirte Verbrechergeſichter die einen, und mitten darunter ſtille Dulder. Aber Karls Aufmerkſamkeit wurde den Gemißhandelten, der bereits in den Schiffsraum hinabgebracht worden, ſondern durch einen Nene ſklaven, welcher vortrat und zu dem Schiffslieutenant ſagte:Mich Ich auch will Hugenott ſein.

Was? rief der Lieutenant,biſt Du nicht getauft? haſ Du nicht ſtes das Sakrament aus des Prieſters Hand muyſandene 3

Was Prieſter ſagen, kann nicht Wahrheit ſein; ſelig, die

ciere.

Karl, und erzählte in Kürze von ſeiner Verwundung, ſeiner Gefangen⸗

leiden um meines Namens willen, ſagen Herr Chriſtus. Ich Hugenott ſein. Ich ſelig werden wollen.

Nun, wenn Du Hiebe haben willſt, rief der Lieutenant, der Wunſch kann Dir erfüllt werden.

Halt, rief Marcel.Das Geſetz gegen die relaps iſt für Franzoſen gegeben, und nicht für unvernünftige Wilde. Und wer hat Ihnen geheißen, die Strafſentenz gegen Landon ohne meine Beſtätigung zu vollziehen? Haben Sie dem Pater Chillat mehr zu folgen, als dem König? Habe ich Ihnen nicht die Ordre von Paris gezeigt, die uns äußerſte Vorſicht in allen Maßregeln zur Pflicht macht? Haben Sie vergeſſen, daß engliſche Kriegsſchiffe in dieſen Gewäſſern kreuzen, während der Aufſtand in den Sevennen täglich größere Dimenſionen annimmt? Wollen Sie es riskiren, daß bei einem Zuſammenſtoß mit der engliſchen Flotte, die Galeeren⸗ ſklaven, zur Verzweiflung gebracht, durch keine Schläge und Strafen ſich mehr bewegen laſſen, den Arm zu rühren, und daß unſre Galeeren dem Feind in die Arme fallen?

Er ſprach das alles mit leiſer Stimme, doch laut genug, daß Karl, der hinter ihm ſtand, jedes Wort verſtehen konnte. Der Lieutenant entfernte ſich ſchweigend. Marcel ging mit Karl auf dem Verdeck auf und ab; bei einem der Sträflinge blieb er ſtehen, und flüſterte Karl zu: Voilà de la Fosse. Karl ließ ſtillſchweigend das Packet mit dem Geld und einen Brief in de la Foſſes Hand gleiten. Dieſer blickte zum Himmel und lispelte:Sois béni, Seigneur! dann blickte er zu Karl auf und wollte ein Wort des Dankes ſtam⸗ meln. Karl aber flüſterte, ihn kaum anblickend: Je vous reverrai, und ſetzte ſeinen Weg an Marcels Seite fort.

Sie ſtiegen in die Cajüte hinab.Das haſt Du klug ge⸗ macht, ſagte der Oberſt;ich werde nun de la Foſſe nebſt zwei andern, Blanchard und Desmonts, kommen laſſen, mir über Ver⸗ ſchiedenes zu rapportiren; denn ſie ſind eine Art von Oberſklaven die über die andern, eine gewiſſe Aufſicht zu führen haben. Ich werde die Sache kurz machen, damit Dir noch Zeit bleibe, Dich nach Belie⸗ ben mit ihnen zu unterhalten.

Die drei Männer erſchienen, den Oberkörper jetzt in eine Jacke von grobem Zwillich gehüllt. Der geſchäftliche Rapport war raſch beendigt.Hier iſt ein Proteſtant aus Deutſchland, der Eure Be⸗ kanntſchaft machen will, ſagte Marcel und zog ſich in einen Winkel der Cajüte zurück.

O mein Herr! hub de la Foſſe an,welche große Freude haben Sie uns gemacht! Der Herr ſegne Sie für dieſe Liebesgabe.

Dieſe Gabe kommt nicht von mir, unterbrach ihn Karl,ich bin nur der ſehr zufällige Ueberbringer derſelben, wie Ihnen der bei⸗ liegende Brief ſagen wird. Ich meinerſeits kann in dieſem Augen⸗ blick nichts anderes thun, als Ihnen mein tiefſtes Mitleid aus⸗ ſprechen mit Ihrem unglücklichen Geſchick..

Halten Sie uns für unglücklich? rief de la Foſſe mit dem Tone ſichtlicher Verwunderung, und ſeine Augen ſtrahlten. O mein Herr, glauben Sie es uns, wir waren noch nie ſo glück⸗ lich, als ſeit der Zeit, da wir um des Namens unſers Herrn willen leiden durften. Es iſt wahr, unſre Leiden ſind ſchwer, und anfangs meinten wir, ſie ſeien unerträglich; aber mehr und mehr haben wir es gelernt, welch ein Segen im Leiden liegt; unſre ſtörrigen Herzen ſind ſtille geworden, und je gelaſſener wir uns der Hand unſers Herrn beugten, je klarer wir es einſehen und daran glauben lernten, daß nicht Menſchen es ſind, deren Willkür wir hingegeben ſind, ſondern daß unſer treuer Gott es iſt, der uns in dieſe Trübſale geſetzt hat, deſto mehr haben wir auch den unausſprechlichen Troſt und die Gnade Gottes an unſern Herzen erfahren, und jeden Tag erfahren wir dieſe beſeligende Macht des Glaubens in höherem Maße. Wir ſind jetzt ſoweit gelangt, daß wir aufrichtigen Herzens für die zu beten vermögen, die uns wehe thun.

In der gleichen Weiſe redeten die beiden andern Männer. Ihre Blicke ſtrahlten von ſtiller Freude.

Und ſehnen Sie ſich doch nicht manchmal nach der Freiheit?

Will Gott uns irgend einmal in dieſem Leben die irdiſche Freiheit zurückgeben, ſo werden wir Ihn dafür preiſen. Denn mit Wehmuth gedenken wir der Zeit, da wir noch durften in den Vor⸗ höfen des Herrn und in verſammelter Gemeinde Ihn loben. Wohl wünſchen wir alle, daß dies unausſprechliche dies höchſte irdiſche Glück uns in dieſem Leben noch einmal zu Theil werden möchte. Aber wir bitten Ihn, daß, wenn die Freiheit unſerm Seelenfrieden