in die Strelitzkabucht ein, und beſchoß mit größter Anſtrengung
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aller Kräfte in beiſpielloſer Eile einige Kanonenboote, welche dem Fort
Quarantäne vielen Schaden zufügten. Ebenſo ſo raſch verließ er wieder ſeine verwegene Stellung und kehrte ſtolz in Sewaſtopols Hafen zurück. Nur eine einzige Fregatte der Alliirten hatte ſchnell genug heizen können, um Jagd zu machen; an ein Erreichen des „Wladimir“ war aber nicht zu denken, und unbeſchädigt ſegelte dieſer von ſeiner Waffenthat heim, bewundert nicht allein von ſeinen Lands⸗
leuten, ſondern beinahe eben ſo ſehr von ſeinen Feinden, die, ob ſolcher Kühnheit entzückt, beinahe eingeſtimmt hätten in das Beifallklatſchen der Ruſſen.
Am Neujahrstage 1856 aber beſchoß kein„Wladimir“ mehr die franzöſiſchen Schiffe; von der Hand ſeiner Erbauer in Grund gebohrt, liegt mit vielen andern das ſchlanke Fahrzeug im Hafen begraben; die tauſende, die ihm damals zugejubelt, ſind zerſtreut, ver⸗ trieben aus ihrer Heimat und trauern um ihre verlorene Vaterſtadt.
Der IFlüchtling.
Eine Erzählung von Gottfried Flammberg. (Fortſetzung.)
An dem Tage, wo Herr von Eſchenthal den grauſigen Beſuch erhielt, ſtand Karl auf dem Deck des Schiffes, und ſchaute nach den Thürmen der Stadt Avignon, an der man ſo eben vorbeigefahren. Plötzlich weckte ihn aus ſeinen Träumen ein lange, lange nicht mehr gehörter Klang— der Klang deutſcher Worte. Es war zwar ein ihm ganz fremder, anfangs kaum verſtändlicher Dialekt, aber doch hörte er, daß es deutſch war. Er wandte ſich um. Zwei unterſetzte, ſtämmige Männer waren es, die ſich miteinander unter⸗ hielten. Sie mußten in Avignon, wo man angehalten hatte, das Schiff beſtiegen haben.„Gäb wie'n i gelueget hebb,“ ſagte der eine, „han i niet chönne gewahr were, ob er's au wirkli gſyn iſch.“„s cha ſi Vätter gſy ſi,“ ſagte der andre,„er ſieht'm präcis glych.“„Cha ſy,“ erwiderte jener, und trat an die Stelle, wo er ſein Gepäck nie⸗ dergelegt hatte, um zu ſehen, ob alles richtig aufs Schiff gebracht worden ſei. Karl betrachtete ſich die beiden Männer; ſie trugen kurze, vorn offne Mäntel von feinem ſchwarzem Sammt mit weiten Aer⸗ meln; darunter dunkel⸗-rothe Wämſer von feinem Tuch, und ſehr weite, ſackähnliche graue Beinkleider, die unter dem Knie zuſammen⸗ gebunden waren; ſchneeweiße Strümpfe bedeckten die Unterſchenkel, Schuhe mit goldenen Schnallen die Füße.
„Um Vergebung, Sie ſind aus dem Reich?“ fragte Karl. „Nei, b'hüt is, aus Bäärn,“ erwiederte der Angeredete.„Alſo Proteſtanten!“ dachte Karl bei ſich ſelbſt, und ſetzte das Geſpräch fort. Sobald er ſich als deutſchen Proteſtanten ihnen hatte zu erkennen gegeben, wurden ſie ſogleich vertraulich und herzlich, und es entſpann ſich eine lebhafte Unterhaltung. Als er ihnen erzählte, daß er lange
Jahre in Frankreich geweſen, und nun in ſein Vaterland zurückzu⸗
kehren gedenke, fragten ſie verwundert, warum er denn dann ſüd⸗ wärts, nach Marſeille, reiſe, anſtatt den Weg über Genf durch die Schweiz zu nehmen.„Mir war es nur darum zu thun, ſo ſchnell als möglich aus dieſem abſcheulichen Lande fortzukommen,“ ſagte Karl,„wo kein Proteſtant ſeines Lebens ſicher iſt.“
von Marſeille aus mit uns nach Genf und Bern zurückreiſt. machen dieſe Reiſe oft und haben Erfahrung.“
„Wie lange gedenken Sie ſich in Marſeille aufzuhalten?“ fragte Karl.„Hoffentlich nur wenige Tage,“ verſetzte der ältere der Berner.„Unſre Handelsgeſchäfte werden in zwei Tagen abgemacht ſein, wir kaufen Rohſeide ein, die dort vorräthig aufgeſtapelt liegt. Wenn uns ein andres Geſchäft nicht länger aufhält, können wir ſchon am dritten Tage die Rückreiſe antreten.“
„So ſchnell wird's eben nicht gehen,“ ſagte der andere Berner. „Schon das vorige Mal hat der Oberſt viel Umſtände gemacht, und uns keinen Zutritt auf die Galeeren verſtatten wollen. Er ſelbſt meint's zwar nicht ſo bös; aber er kann nicht, wie er will.“
„Auf die Galeeren?“ fragte Karl geſpannt.
„Da Ihr Proteſtant ſeid, dürfen wir's Euch wohl anvertrauen,“ fuhr der Berner, leiſe flüſternd fort.„Ihr habt ja wohl gehört, daß hunderte von Reformirten auf die Galeeren geſchmiedet ſind und an⸗ dere hunderte in den fürchterlichſten Kerkern ſchmachten. Ihre Lage iſt eine entſetzliche. Denkt Euch, Männer, die einſt angeſehene Bür⸗ ger, Kaufleute, Beamte waren, ſitzen nun halbnackt bei Wind und Wetter, unter die gemeinſten Verbrecher gemiſcht, auf den Ruderbänken, den rohſten Mißhandlungen preisgegeben; fort und fort werden ſie durch die Miſſionsprieſter gequält, ſie ſollen übertreten, werden bis aufs Blut gepeitſcht, wenn ſie ſich weigern, die Hoſtie zu empfangen, oder endlich in die furchtbaren Löcher des Chateau d'If geworfen, wo ſie
„Das iſt richtig,“ ſagten jene,„aber trotzdem thut Ihr am beſten, wenn Ihr Wir
lebendig begraben ſind. Und dabei verlangt man von ihnen, daß ſie alles außer dem trocknen Brot für theures Geld bezahlen ſollen.“ Karls Auge funkelte vor Zorn, er zitterte am ganzen Leibe. „Da legen nun die Gemeinden derer, die glücklich in die Schweiz und nach Deutſchland entronnen ſind, Liebesgaben zuſammen, und ſenden ſie den Armen— meiſt durch Kaufleute, die nach Marſeille kommen— zu. Wir haben noch nie dieſe Reiſe gemacht, ohne ſolche Gaben mitzubringen. Auch diesmal, wie wir in Genf waren und den Paſtor Calendrier aufſuchten, hatte derſelbe ſoeben von einer franzöſi⸗ ſchen Colonie in Franken,— ich glaube, der Ort heißt Schwabach— durch den dortigen Paſtor eine Summe von zweihundert Gulden rhei⸗ niſch zu ſolchem Zweck erhalten, und die haben wir hier bei uns. Aber wenn der Oberſt Marcel nicht gefälliger iſt, als das vorige Mal—“ „O, wenn's von dem abhängt, dann iſt alles gut. Mareel iſt mein perſönlicher Freund. Vertrauen Sie mir dieſe Summe an, und ſie wird ſicher und unverzüglich an das Ziel ihrer Beſtimmung gelangen.“ Die Berner Herren waren hocherfreut, und theilten nun Karl mit, daß„der Director de la Foſſe“ es ſei, der die Summe in Empfang nehmen und an ſeine Unglücksgenoſſen vertheilen werde. „Director? und Unglücksgenoſſen?“ fragte Karl.„Ja,“ ſagte der Kaufmann,„dieſe Leute haben aus ihrer eignen Mitte einige Männer ausgewählt, die ſie ihre Directoren nennen, denen ſie dieſe und jede Sorge für ihre gemeinſamen Angelegenheiten übergeben haben.“ Tags darauf erreichte die Reiſegeſellſchaft glücklich Marſeille; Karl logirte ſich mit den beiden Kaufleuten in demſelben Gaſthof ein. Er ging ſogleich, ſich nach Oberſt Marcel zu erkundigen und ihn aufzuſuchen. Marcel war in ein Weinhaus gegangen. Karl begab ſich ohne weiteres dorthin und erkannte ſogleich beim Eintritt die Geſtalt ſeines alten Freundes, den die Jahre wenig verändert hatten.
Er ſetzte ſich ihm ſchräg gegenüber, und war begierig, ob Marcel
auch ihn erkennen würde. Aber zwiſchen dem achtundzwanzigſten und achtunddreißigſten Jahre verändert ſich ein Menſch mehr, als zwiſchen dem vierzigſten und fünfzigſten; Karl, zur Zeit des Reunionskrieges noch ein jugendlich aufgeſchoſſener ſchlanker Lieutenant, war ſeither zum kräftigen Manne erblüht; Leiden und Erfahrungen aller Art
hatten ſeinen früher weichen Zügen ein charaktervolles Gepräge
verliehen; zu dem ließ ſeine Kaufmannskleidung den Oberſt nicht von ferne ahnen, daß er hier einen alten Waffengenoſſen vor ſich habe. Der Oberſt war mit zwei anderen Officieren des vierten Regiments, deren Karl ſich ebenfalls recht wohl erinnerte, in leb⸗ haftem Geſpräche begriffen, und der letztere ward bald zu ſeiner Freude inne, daß ſie in Erinnerungen an den flandriſchen Feldzug ſich ergingen.„Ein köſtlicher Spaß,“ rief Marcel,„wie wir dem dicken Holländer Hauptmann die Fuhr Rheinwein abjagten!“„Es war zwei Tage vor der Schlacht bei Fleurus,“ ſagte ſein Nachbar, „ich weiß noch, wir ſaßen den Abend vor der Schlacht beiſammen, und ließen uns den Rüdesheimer ſchmecken, als der lange Adju⸗ dant eintrat und meldete, der Feind ſei im Anzug.“„Ach ja, der — nun, wie hieß er doch?“„Crepin,“ half Karl ein.
Verwundert ſchauten ſie ihn an.„Mit Verlaub, Ihr Herrn, ich war auch bei der Partie,“ fuhr Karl lachend fort,„aber es ſcheint, Marcel, Du kennſt Deinen alten Freund Steinmann nicht mehr.“
„Steinmann! Alter Steinmann!“ rief der Oberſt, ſprang um den Tiſch herum, und ſiel Karl um den Hals.„Wahrhaftig, er iſt's!“ riefen die andern.„Aber wir haben Dich ja längſt als todt beweint und betrauert,“ ſagte Marcel.
„Für den Krieg und ſeine Thaten bin ich freilich todt,“ ſagte
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