Jahrgang 
1865
Seite
714
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Geſchichten erzählt und nahe liegende Erläuterungen darüber gegeben wurden.

Der Prinz war dieſem Lehrer gegenüber immer ein liebens⸗ würdiger, lernbegieriger Schüler geweſen.Kurprinzliche Hoheit haben ſich niemals noch unwillig, verdroſſen, unſtät oder unleidſam gegen mich bezeuget, dies Zeugniß ſtellt ihm der Hofprediger Urſinus im Jahre 1699 aus;vielmehr haben Sie oftmals mit viel klugen Nachfragen und Begierde zu lernen, mich im Lehren ermuntert. Der geiſtliche Herr ſpricht von derherzlichen Freude, die er immer gehabt, ſo oft er dem Kurprinzen die Lehre der Religion vorgetra⸗ gen habe.

In demſelben Jahre 1699, als der Prinz ſo eben ſein zwölftes Jahr antrat, entſchloß ſich Urſinus zu einer Aenderung des Unter⸗ richts. Er bezieht ſich auf die Sitte derfrommen Alten, denen auch nachdem Beiſpiel Chriſti das zwölfte Jahr das beſte Lehrjahr zu ſein geſchienen, und begründet hiemit ſeinen Entſchluß, dem Prinzen die Lehre Chriſti von jetzt ab mehr im Zuſammenhang, in Ueberſicht und Vollſtändigkeit vorzutragen.

Es iſt bekannt, wie unwandelbar treu König Friedrich Wilhelm in ſeinem Glauben geweſen iſt. Hofprediger Urſinus hat jeden⸗ falls das Verdienſt, den Grund dazu in dem Knaben gelegt zu haben.

Dies war im allgemeinen die Art, wie in den verſchiedenen Gegenſtänden der Unterricht dem Prinzen ertheilt wurde. Die Leh⸗ rer kamen und gingen mit dem Glockenſchlag. Der Oberhofmeiſter war da und ſorgte, daß alles, wie es die Inſtruktion forderte, geſchah.

Beobachten wir nun den Kurprinzen auch außer der Schulzeit! Sehnſüchtig erwartete er immer das Ende der Stunden, die ihm gewiß unerbittlich lang ſchienen. Wohl täglich brachte er einige Zeit bei ſeiner Mutter in Charlottenburg zu,Lützenburg war damals noch der Name, in Schloß und Garten, wo es ihm ſo wohl gefiel, wo die Kurfürſtin ihn alles thun ließ, was er wollte.

Einſt war er hier mit Bogen und Pfeilen im Garten umherge⸗ gangen und hatte nach den Vögeln geſchoſſen. Die kleinen behenden Sänger des Gartens waren ſchwer zu treffen; auf der Straße des Dorfes aber gibt es beſſeres Wild für einen zehnjährigen Schützen, dort die dicke behagliche Gans, die ſorglos vor den anderen daher⸗ geht. Raſch wurde der Bogen geſpannt, der Pfeil aufgelegt und abgeſchoſſen, ein ſchlechter Schütze, wer die nicht getroffen hätte. Wie ſtoben die anderen auseinander und wie jagte der Prinz hinter ihnen her! Als die Jagd zu Ende war, lagen zwei todt auf dem Boden.

Ddie Erinnerung an Vergnügungen dieſer Art beſchäftigten ihn vielfach während des Unterrichts.

Wohin wollen Kurprinzliche Durchlaucht? fragte Rebeur ihn einſt, als er plötzlich während der Stunde aufſtand und hinweglief.

Die Frage kam zu ſpät, der Prinz war ſchon draußen. Als er nach längerer Zeit zurückkam, war er äußerſt redſelig.Nach den Haſen habe ich geſehen, die mir der Jäger vorige Woche gebracht hat. Sie gewöhnen ſich ſchon an mich und freſſen aus meinen Hän⸗ den. Die Füchſe hinterm Gitter aber hätten mich beinahe gebiſſen. Hier, wenn Sie ſehen wollen!

Wollen Durchlaucht nicht in den Studien fortfahren? unter⸗ brach ihn Rebeur.Wir ſtehen bei Exodus, Capitel 11, Vers 2. Der Prinz hörte nicht bis zu Ende.Naturgeſchichte ja! Erzählen Sie mir von Wölfen und Bären, Rennthieren und Auer⸗ ochſen! dann will ich aufpaſſen.

Schade, in der Inſtruktion ſtand nichts von Naturgeſchichte, es war kein Examen darüber abzulegen.Nur wenige Worte noch! fuhr Rebeur fort,wollen Durchlaucht überſetzen:ſo ſage nun vor dem Volke!

Der Prinz nahm wieder an ſeinem Tiſche Platz.So ſage nun vor dem Volke, wiederholte er etwas verdrießlich, und ſchrieb in in den großen Folianten:sic die nunc ante populum.

Nicht ante populum, Durchlaucht! fiel Rebeur ein und freute ſich, den Prinzen wieder im Zuge zu haben.Durchlaucht nehmen beſſer eine andere Präpoſition.

Plötzlich ſprang der Prinz wieder auf.Was iſt das auf dem Hofe ² ſind die Pferde ſchon da? Eh bien, Monsieur, à revoir demain!

Der junge Adler war nicht mehr zu halten, er flog aus ſeinem Käfig. Ein Kammerjunker, auch wohl der Oberhofmeiſter erwar⸗ teten den Prinzen. Er ſchwang ſich mit ihnen aufs Roß, ſie ritten

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ins Weite und Freie, in die Wälder und zu den Schlöſſern, nach Monbijon, Schönhauſen, nach Lützenburg oder, oder wenn man Zeit dazu hatte, auch nach Wuſterhauſen. Hier ſchwoll ihm die Seele, hier war er ſein eigen, hier war ihm ohne Rückhalt wohl.

Daß der junge Prinz dieſe Dinge liebte, Schießen, Reiten, Jagen, das läßt ſich denken. Dazu lag das Zeug in ihm von Kindesbeinen an.

In der Inſtruktion ſtand, daß der Prinz mit einem Knaben aus gutem Hauſe zuſammengethan und beide in der Eloquenz geübt werden ſollten. Wir leſen nirgend, daß es jemals dazu gekommen ſei. Wohl aber erfahren wir viel davon, daß die Söhne der hoffähigen Familien, die in Berlin lebten, aufs Schloß kommen und mit ihm exerciren mußten. Er wurde ihr Befehlshaber, ſchon weil er unter ihnen der Prinz war, noch mehr um ſeiner Kraft und Geſchicklich⸗ keit willen.

Der Kurfürſt erfreute ſich der erwachenden Neigung und unterſtützte ſie durch Lob und Belohnung. Zu Anfang des Jahres 1699, zum Neujahrsangebinde, ſchenkte er ihm das Gut Wuſter⸗ hauſen, den einſam gelegenen Landſitz mit ſeinen Mooren und Haiden, Wieſenwaſſern und Dämmen, mit ſeiner Freiheit und weiten Natur, mit allen Haſen und Füchſen, Enten und Hühnern. Was konnte es Beſſeres für den Knaben geben als die Ausſicht und das Bewußtſein, hier der Herr zu ſein!

Ein Prinz von ſo lebhafter, kraftvoller Natur wurde gewiß ſehr früh dem ſtehenden Heere beigegeben. Wir haben nirgend geleſen, von welcher Zeit an und ob er die Officierchargen von unten auf durchgemacht hat. Aber ſchon zu Anfang des Jahres 1699, alſo als er ſein elftes Jahr noch lange nicht vollendet hatte, werden zwei Regimenter, ein Infanterie⸗ und ein Cavallerieregiment, alskur⸗ prinzliche erwähnt. Wir ſehen ihn in dieſer Zeit bereits neben den dienſtthuenden Oberſten, den Kommandeuren der Regimenter, den Ehrenpoſten als Chef einnehmen.

Zu den feſtlichen Spielen, die von den Herren und Damen des Hofes damals häufig veranſtaltet wurden, wurde der Prinz ſchon ſehr früh, vielleicht im Jahre 1695 zum erſten Mal hinzugezogen. Der ſiebenjährige Knabe machte in einem Ballet, das zu Ehren der Kurfürſtin veranſtaltet wurde, als dieſe von einem längern Beſuche aus Hannover zurückkehrte, mitten unter Grazien und Amoren, die um ihn tanzten und ſcherzten, den kleinen Gott mit Bogen und Pfeil. Dich aber nun auch zu behalten, ſo hieß es in der letzten Strophe des Gedichtes, das er der Kurfürſtin entgegenſprach:

Dich aber nun auch zu behalten, Komm' ich in Cupidons Geſtalt, Und wünſche mir heut die Gewalt, Sein Amt der Liebe zu verwalten. Man ſagt, daß dieſes ſchlaue Kind Der Mutter eigen Herz gerühret, Und ſie hernach, ihm gleichgeſinnt, Ihn überall mit ſich geführet.

Mitten unter dieſen heitern Bildern einer harmloſen Knabenzeit tritt uns ein Blatt der Geſchichte von ganz abweichendem Charakter entgegen.

Es war im elften Lebensjahre des Prinzen, als wie es ſcheint einmal ein großer Akt mit ihm vorgenommen wurde. Neun Artikel wurden ihm vorgelegt. Der Prinz mußte ſich entſchließen, ſie abzuſchreiben und mit ſeiner Namensunterſchrift zu verſehen. Die Artikel lauteten:

Ich entſage für immer der Heftigkeit; will niemals Zän⸗ kereien anfangen, beſonders nicht in meinem Hausweſen; will mich nicht wieder als eigenwilliges neckiſches Kind zeigen, entſage allen Kindereien, auch dem Pfeifen und Trommeln; will heiter und froh ſein, aber keine Poſſenſtreiche mehr ausführen, beſonders nicht gegen Perſonen, denen ich Achtung ſchuldig bin; will immer aufmerkſam, willig und durchaus bereit ſein, das zu thun, was Verſtändige und beſonders diejenigen mir rathen werden, die über meine Führung zu wachen und mich zu unterrichten angeſtellt ſind; ich verſpreche, munter bei allen Dingen zu ſein, die ſchläfrig zu betreiben eine Schande iſt; will mich bemühen, den Schmeichler vom Aufrichtigen zu unterſcheiden, jenen fliehen, dieſen werthhalten; ich will, wenn ich bei Hofe bin, ſoviel mir irgend möglich ſein wird, mein Betragen nach dem Seiner Durchlaucht des Kurfürſten und Ihrer Durchlaucht der Kurfürſtin einrichten; mit Einem Wort, ich will mein Mög⸗ lichſtes thun, daß in all meinem Weſen Verſtand ohne Anmaßung,

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