Jahrgang 
1865
Seite
707
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Das alles ahnte Karl nicht und konnte es nicht ahnen. Die Sache der Camiſarden verloren gebend, floh er, von einer Waldung gedeckt, nach Oſten. Seine Waffen warf er von ſich und behielt nichts als ſein Piſtol. Nach langen Jahren ſah er ſich wieder einmal genöthigt, im freien Walde unter einem Baume zu über⸗ nachten. Als er aber den nächſten Morgen ſeine Flucht fortſetzte, quälte ihn der Hunger ſo ſehr, daß er ſich im Laufe des Vormittags in das Wirthshaus eines kleinen Dörfchens, einige Stunden von Privas entfernt, wagte. Er glaubte ſicher zu ſein, zu ſo früher Stunde noch keine Gäſte zu treffen, und prallte daher vor Schrecken zurück, als er zwei Officiere bei einem Glaſe Glühwein ſitzen ſah. Glücklicherweiſe bemerkten dieſe ſeine Beſtürzung nicht; er aber, mit raſcher Geiſtesgegenwart ſich faſſend, trat keck in die Mitte des Zimmers und rief:Morbleu, da treffe ich ja ſchon Geſellſchaft! Sie erlauben, meine Herren, daß ich bei Ihnen Platz nehme. Die Officiere ſahen den fremden jungen Mann in Kaufmannstracht mit einiger Befrem⸗ dung an. Er ließ ſich ebenfalls ein Glas Glühwein bringen und ſagte:Entſchuldigen Sie meine Zudringlichkeit; doch gewiß werden Sie einem alten Kriegskameraden geſtatten, ſich Ihrer Geſellſchaft zu er⸗ freuen. Die Geſichter der Officiere wurden noch länger.Ich bin der geweſene Lieutenant Steinmann, deſſen obſcuren Namen Sie ſchwerlich werden gehört haben. Doch iſt mir in der Schlacht bei Neerwinden ein Paß ausgeſtellt worden, der mich legaliſirt, und damit ſteckte er den kleinen Finger der linken Hand durch das Loch, das die Kugel in der rechten zurückgelaſſen.Steinmann? rief plötzlich der eine der Officiere,wäre das möglich? Lieutenant Stein⸗ mann, von dem mein Freund Marcel in Marſeille mir ſoviel erzählt hat! Sie ſind der Steinmann, der bei Fleurus mit ſolcher Bravour die feindliche Kanone genommen! So ſind Sie alſo nicht todt, wie Marcel glaubte!Ich treffe alſo meinen Freund Marcel noch in Marſeille? rief Karl freudig erſtaunt.Welch ein Glück, ſo iſt dieſe fatale Reiſe doch nicht vergeblich geweſen. Der gute, treffliche Marcel! Seit dem Augenblicke, wo unſer Regiment nach dem Ge⸗ hölze commandirt wurde, welches Major von der Beeſt beſetzt hielt, habe ich ihn nicht mehr geſehen. Und nun fing Karl an, eine Menge Einzelnheiten aus der Schlacht bei Neerwinden zu erwähnen, und ſprach ſo als militäriſcher Techniker, daß jeder Zweifel, den die Offi ciere etwa noch hätten haben können, verſcheucht werden mußte.

Aber wie kommt es, daß Sie Marcel ſeit dieſen zehn Jahren nie wieder geſehen haben? fragte der eine der Officiere.Zunächſt, ſagte Karl,weil ich bis zum Frieden Kriegsgefangener in England war. Die Kugel, die mich kampfunfähig machte, hat mich dadurch auch meiner Freiheit beraubt. Als ich dieſe endlich wiedererhielt, fand ſich's, daß ich todt gemeldet war; man machte mir, als ich mich um meine Penſion bewarb, alle möglichen Umſtände; die Sache wurde mir zuviel, ich ließ die Penſion laufen und ging zu meinem Freund Requillet nach Toulouſe, der mich als Theilnehmer in ſeine Handlung aufnahm. Ich wußte, daß Marcel in Marſeille ſteht und hoffte immer, auf einer meiner Reiſen ihn beſuchen zu können; aber bisher hat mich mein Weg ſtets nach dem Weſten geführt, dies iſt das erſte Mal, daß ich in dieſe Gegend komme.

Und wo haben Sie Ihren Wagen?Ja, das iſt eben das

Heilloſe bei der Sache. Mein Wagen ſteht drüben in Privas und

wartet, bis die Pferde wiederkommen, die von einem Haufen bewaff⸗ neter Bauern requirirt und fortgeführt worden ſind.Nun, darauf können Sie lange warten, ſagte einer der Officiere;wagen ſich dieſe Camiſarden bis nach Privas! Sie werden alle Tage kecker. Aber tapfre Leute ſind's, das iſt wahr! Allen Reſpect!Die Pferde, fuhr Karl fort, als ob das über die Camiſarden Geſagte gar kein In⸗ tereſſe für ihn hätte,gehören glücklicherweiſe, ebenſo wie der Wagen, nicht mir, ſondern einem Miethkutſcher. Ich habe einem Geſchäfts⸗ freunde den Auftrag gegeben, mein unbedeutendes Handgepäck per Poſt nach Rochemour zu ſchicken; ich ſelbſt habe mich zu Fuße auf den Weg gemacht, um ſo ſchnell wie möglich den Rhone zu erreichen. Das war ſehr unvorſichtig, lieber Freund! ſagte der eine Officier;durch die Camiſarden iſt die ganze Gegend unſicher. Einem friedlichen, unbewaffneten Menſchen thun ſie nie etwas, ſagte der andere; Karl aber rief:Ei was! und wenn es Teufel wären, ſo fürchte ich mich nicht! Aber es iſt Schlag zehn Uhr, fügte er hinzu,ich muß aufbrechen, wenn ich Rochemour noch vor Mittag erreichen will.Wir werden Ihnen Bedeckung mitgeben, ſagte der

fo

Officier. Karl wollte für die Bedeckung danken; man bemerkte ihm aber, daß, wenn ſchon die Camiſarden ehrliche Leute ſeien, doch eine Menge Strauchdiebe ſich die Unruhen zu Nutze machten und als Räuber die Umgegend beunruhigten. Da Karl hiervon ſchon in den Sevennen gehört hatte, ſo weigerte er ſich nicht länger, die an⸗ gebotene Schutzwache anzunehmen, und nach herzlichem Abſchied ge⸗ langte er, von zehn Mann derſelben Armee beſchützt, die er geſtern noch bekämpft hatte, am Mittag glücklich nach Rochemour. Er ließ den Leuten Eſſen und Trinken reichen, ging unterdeſſen zu einem Kaufmann, verſilberte einen ſeiner Wechſel, beſchenkte die Soldaten noch reichlich und entließ ſie. Ein Schiff, das auf der Fahrt zu Thal begriffen war, hatte vor dem Gaſthof angelegt; Karl nahm auf demſelben einen Platz, und nachdem er ſich ſelbſt mit Speiſe und Trank erquickt hatte, beſtieg er das Schiff, um ſröhlichen Herzens den Rhone hinab nach Marſeille zu fahren.

7. Hier iſtGeduld der Heiligen.

In dem Edelhof zu Eſchenthal ſaß ein lebensmüder Greis, trotz der warmen Frühlingsluft in Kiſſen gehüllt, in einem Lehnſtuhl. Ihm zur Seite ſtand Gottfried, jetzt ein angehender Sechziger, der einzige von den alten Hausgenoſſen.Noch keine Nachricht? fragte Herr v. Eſchenthal.Sieh doch zum Fenſter hinaus, Gottfried, ob kein Bote von der Stadt kommt mit einem Briefe. Ihre Stunde muß gekommen ſein. O Gott, gib nur, daß es ein Knabe ſei.

Der einzige noch übrige Geſchlechtsvetter Guſtav denn Konrad und Albrecht waren beide geſtorben hatte wirklich vor ſechs Jahren ſeinen Abſchied genommen und ſich vermöhlt. Mehrere Jahre lang war ſeine Ehe kinderlos geblieben zum großen Kummer des Herrn v. Eſchenthal. Jetzt endlich war eine Hoffnung aufge⸗ gangen, daß der uralte Stamm wieder einen Zweig treiben werde, aber eine angſtvolle Hoffnung. Denn vor drei Monaten war Guſtav v. Eſchenthal von einer Bruſtentzündung befallen worden, und war derſelben im Laufe von vierzehn Tagen erlegen. Man kann ſich denken, mit welcher fieberhaften Spannung man der Entbindung ſeiner Wittwe entgegen blickte. Ward ihr ein Knabe beſchert, ſo war Hoffnung vorhanden, daß das Geſchlecht erhalten bleibe ein ſchwacher Hoffnungsſtrahl auch dann noch, denn was für ein armes hinfälliges Weſen iſt doch ein neugeborenes Kind!

Es iſt kein Bote zu ſehen, ſagte Gottfried;aber dort dort kommt Herr v. Hundſtein.Was kann der wollen? ſagte Herr v. Eſchenthal,er, der ſeit 19 Jahren allen Umgang mit mir gemieden!

Herr v. Eſchenthal hatte an jenem Tage, als das Gerippe Meinhards gefunden worden, ſogleich Herrn v. Hundſtein Nachricht geben laſſen. Das Gerippe blieb unberührt, bis der unglückliche Vater daſſelbe ſchaudernd in Augenſchein genommen. Herr v. Eſchenthal wollte ihn ſprechen, ward aber nicht angenommen. Er ſchrieb ihm einen Brief; er bat ihn im Namen ſeines Sohnes um Verzeihung, er ſtellte ihm vor, daß er ja ebenfalls den Sohn verloren habe, und auf eine viel troſtloſere Art, er erinnerte den Mann, dem noch zwei Söhne übrig geblieben waren, daß er ſeinen einzigen Sohn, daß er in Folge der jammervollen That auch ſeine Tochter verloren habe, und nun völlig kinderlos daſtehe, und bat ihn flehentlich, ſeinen Jammer nicht noch durch Unverſöhnlichkeit zu vergrößern. Aber alles vergebens. Herr v. Hundſtein würdigte ihn keiner Antwort.

Jetzt trat der Schreckliche ins Zimmer, ein hoher hagrer Mann mit eisgrauem, ſtruppigem Haar, und Herr v. E. zitterte, als er ihn ſah.

Die Stunde iſt gekommen! nach der ich neunzehn Jahre lang ge⸗ ſchmachtet habe, begann Hundſtein mit eiſigkalter Stimme,die Stunde, wo ich vor Sie treten und Ihnen ſagen kann: Ich bin gerächt. Ihr Geſchlecht hat ein Ende. Ihre Couſine hat einen todten Knaben geboren, und Sie, Herr v. Eſchenthal, nehmen Ihren Namen mit in Ihr Grab.

Damit wandte er ſich und ging zur Thür hinaus.

Herr v. Eſchenthal ſaß zitternd und ſprachlos; endlich rollte eine Thräne über die gefurchte Wange herab, und er ſtammelte:Herr, vergib uns unſre Schuld, wie wir vergeben unſern Schuldigern!

Die Trauerkunde beſtätigte ſich. Am Hofe des Markgrafen war große Beſtürzung; am biſchöflichen Hof zu Bamberg große Thätigkeit. Boten und Briefe flogen von Bamberg nach Wien, vom markgräflichen an den Berliner Hof; alles war gerüſtet, um in dem Augenblick, wo vollends Herr v. Eſchenthal ſein Auge ſchließen würde, den Proceß über das heimgefallene Lehen zu beginnen.

(Fortſetzung folgt.)