Jahrgang 
1865
Seite
705
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Der Flüchtling.

Eine Erzählung von Gottfried Flammberg.

6. In den Sevennen.

Es war gerade achtzehn Jahre ſeit dem unglückſeligen Tage, wo Karl ſeine Flucht angetreten, als die Poſtkutſche, in der er nebſt zwei anderen Reiſenden ſaß, einen langen hohen Berg in den Sevennen langſam hinaufrollte. Er fand es angenehmer, den Berg zu Fuß zu erſteigen, und ſchlug einen Seitenpfad durch den Wald ein, welcher, die Krümmung der Straße vermeidend, ſteiler und näher zum Ziele zu führen ſchien. Wie er den einſamen Pfad hinaufging, dachte er an dieſe achtzehn durchlebten Jahre und an all das Schwere, das ihn betroffen hatte, zurück, und eine unbeſchreiblich bittere Stimmung be⸗ mächtigte ſich ſeiner.

Da fiel ein Schuß in ſeiner Nähe. Ein Geſchrei um Hilfe ertönte. Ein junger Bauer, mit dem Ausdruck der Verzweiflung, ſtürzte, ohne Karl zu bemerken, quer über den Pfad mit dem Rufe:O mon Jésus! sauve ton enfant! Einen Augenblick darauf jagte ein Soldat mit einem Gewehr hinter ihm drein, den Kolben nach oben;maudit parpaillot! rief er, und war dem Verfolgten, den ſein Schuß verfehlt hatte, ſchon auf den Ferſen und im Begriff, ihn mit dem Kolben niederzuſchlagen. Karl zog, ohne ſich lange zu beſinnen, das Piſtol, mit dem er ſich auf Requillets Rath für die Reiſe bewaffnet hatte, er ſpannte, zielte und ſtreckte mit ſichrem Schuſſe den Soldaten nieder. Der Gerettete eilte auf ihn zu und flüſterte:Der Wald wimmelt von Soldaten, Sie ſind verloren, wenn Sie nicht augenblicklich mir folgen. Er riß ihn mit ſich fort ins wildeſte Dickicht. Athemlos kletterten ſie Felſen hinauf und Schluchten hinab, bis ſie endlich nach anderthalb Stunden in einer ſchauerlichen Felſenkluft eine Höhle er⸗ reichten. Im finſteren Hintergrunde derſelben ſank Jacques, der junge Bauer, ermattet auf ein Felsſtück, zog Karl neben ſich und erzählte ihm nun mit leiſer Stimme folgendes:

Der Prieſter Chayla in Pont de Montvert hielt eine Anzahl der Unſern, die er eingefangen hatte, in ſeinem Pfarrhaus einge⸗ ſchloſſen, und fand ſein Vergnügen daran, ſie auf eine teufliſche Art zu quälen. Wenn wir Nachts dem Pfarrhaus uns näherten, hörten wir das Zetergeſchrei der Unglücklichen. Mein Vetter Perier war außer ſich; denn unter jenen Opfern befand ſich ſeine Braut. Da rotteten wir unſer vierzig uns zuſammen, es war am 24. Juli, zogen mit Senſen bewaffnet vor das Pfarrhaus; Perier hatte uns eingeſchärft, daß wir nicht Böſes mit Böſem vergelten und niemandem ein Leid thun dürften. Wir verlangten nur die Herausgabe der Ge⸗ fangenen. Statt einer Antwort hieß der Prieſter ſeinen Leuten, auf uns zu ſchießen. Einer von uns blieb auf der Stelle todt, zwei andere wurden verwundet. Nun ſchlugen wir die Thür mit Aexten ein und drangen ins Haus, die Gefangenen zu befreien. Der gräßliche Zu⸗ ſtand, in welchem wir ſie fanden, erregte ſo den Zorn einiger unſerer Leute, daß ſie, ehe mein Vetter und ich es hindern konnten, den Prieſter hinausſchleppten und todt ſchlugen. Wir zerſtreuten uns, nachdem wir die Gefangenen befreit hatten, in allerlei Schlupfwinkel. Eine andere Bande aber, von einem fanatiſchen Hitzkopf Seguier geführt, überfiel nun verſchiedene Pfarrhäuſer, äſcherte ſie ein, und machte die Bewohner nieder. Sie wurden überfallen, Seguier verbrannt, ſechs andere erhängt.

uns alles verziehen werden ſolle. Etwa die Hälfte von uns war ſo thöricht, dem Verſprechen zu trauen; ſie kehrten zurück und wurden erhängt. Auch mich hatte ein Soldat im Walde aufgeſtöbert und hätte mich todt geſchlagen, wenn Du, Bruder, mich nicht gerettet hätteſt. Wie kamſt Du aber hierher? Und wer biſt Du? 3 erinnere mich nicht, Dich in unſeren Verſammlungen geſehen zu haben.

Ich bin ein Proteſtant aus Toulouſe, ſagte Karl. mir, wie ich aus dieſem Walde auf die Straße zurückkomme. ich bin auf einer eiligen Reiſe begriffen.

Dazu iſt keine Möglichkeit vorhanden, erwiederte Jacques. Der zweite Soldat, der hinter dem erſten herlief, hat Dich geſehen, als Du jenen niederſtreckteſt. Du mußt Dich bei uns verbergen; vielleicht, daß Du in ein Paar Tagen, wenn's ruhiger iſt, verkleidet aus dem Gebirge entrinnen kannſt. Aber ſchöner wäre es, wenn Du mit uns hielteſt und uns hülfeſt, die Heere des Antichriſt zu ſchlagen.

Aber ſage Denn

An uns aber erließ der Präſident Baville eine Pro⸗- clamation, daß, wenn wir friedlich in unſere Wohnungen zurücktehrten,

Ihr, arme Bauern, wollt daran denken, die königlichen Truppen u ſchlagen? ſagte Karl.

O, wir werden ſie ſchlagen, rief Jacques.Wir haben eine Feſtung, dergleichen der König nicht aufzuweiſen hat; wir haben, wenn's drauf und dran kommt, über ein Heer von 10,000 Mann zu gebieten, lauter Leute, deren keiner den Tod ſcheut, weil der Tod ihm doch gewiß iſt. Und dazu haben wir ein ganzes Heer von Spionen; denn die ganze Einwohnerſchaft des Gebirges hält es mit uns. Aber halt, da kommt mein Vetter Perier ſelbſt mit ſeinem Onkel Rolland.

Serve Dieu! rief Perier von weitem, ehe er Karl in der Dunkelheit bemerken konnte,unſere Sache geht vorwärts! Zwei⸗ hundert Mann mit Senſen bewaffnet ſind in kleinen Trupps unter⸗ wegs, Waffen und Lebensmittel zu requiriren, und die meiſten ſind ſchon zurückz. die Leute geben ihnen mit Freuden, was ſie verlangen, denn ſie halten alle von Herzen mit uns. Aber wer iſt dieſer Fremde?

Jacques erzählte, wie Karl ihn gerettet. Der ſchlanke blonde Perier und der athletiſche ſchwarzbärtige Rolland ſchüttelten ihm die Hand, und wie er nun von ihnen die getroffenen Anordnungen hörte, da fing auch er an, an die Möglichkeit eines erfolgreichen Widerſtandes zu glauben, und eine plötzliche fieberhafte Kampfesluſt bemächtigte ſich ſeiner.Diantre! rief er,wir wollen dem Tyrannen ſeine Ruchloſigkeit bezahlen!

Aber Perier, Rolland und Jacques traten entſetzt zurück, und Rolland ſprach:Mein Bruder, darfſt Du auf Sieg hoffen, wenn Du den Höchſten durch Läſterungen und Flüche erzürnſt? Mit dem Teufel haben wir nichts zu ſchaffen. Wir dienen Gott, darum kennen wir keinen anderen Ausruf der Betheuerung als den: Serve Dieu!

Jetzt kam neuer Zuzug. Bald hatte ſich die ganze Höhle mit bewaffneten Bauernſöhnen gefüllt. Sie brachten reichliche Lebens⸗ mittel; jedoch ehe man ſich zum Mahle niederließ, fielen ſie alle auf die Knie, und Rolland ſprach ein Gebet voll Glaubensmuth und Glaubensglut. Nach beendetem Mahle legten ſie ſich auf dem harten Grund der Höhle nieder und ſchliefen, während der Eingang der Höhle abwechſelnd von je zwei Mann bewacht wurde.

Die folgenden Tage vergingen unter Waffenübungen, wobei Karl mit ſeinen kriegswiſſenſchaftlichen Kenntniſſen den Leuten von großem Nutzen war. Am dritten Tage kam ein ausgeſchickter Kund⸗ ſchafter mit der Nachricht zurück, daß ein Truppencorps von 300 Mann bei Carnoulé ins Gebirg gerückt ſei und kaum mehr eine franzöſiſche Meile entfernt ſein könne.Der Herr ſei mit uns! ſagte Perier, gab ein Zeichen, und in tiefſter Stille brach der ganze Haufe von etwa 200 Mann aus der Höhle auf und begab ſich auf den verborgenſten Pfaden nach einer Thalſchlucht, an welcher der Feind vorbeikommen mußte. Perier traf ſeine Anordnungen mit einem Geſchick, welches Karl Bewunderung abnöthigte. An einer Stelle zog ſich ein Nebenweg durch einen jungen Eichenſchlag; etwa 70 Mann commandirte Perier auf jede Seite des Weges in das Dickicht, da ſollten ſie mit geſpanntem Gewehre auf dem Bauche liegen

und nicht vor gegebenem Zeichen, dann aber alle mit einander los⸗

ſchießen. Er ſelbſt mit etwa 60 Mann, darunter Karl, ging hinab auf die Straße, dem Feinde gerade entgegen. Der Feind rückte an; Perier ſtellte ſich beſtürzt und wandte ſich mit den Seinen ſeitwärts, als ob er eine Anhöhe gewinnen wollte. Sofort machte der Feind eine Flankenbewegung, ihm die Flucht abzuſchneiden. Da warf ſich Perier mit ſeiner Schar in jene Seitenſchlucht und floh, ſo ſchnell er konnte, durch den Eichenſchlag. Die ganze Macht des Feindes ſetzte ihm nach, ſowie er aber dieſe mitten zwiſchen den beiden Reihen ſeines Hinterhaltes ſah, machte er plötzlich Kehrt, gab eine volle Salve, und auf dieſes Zeichen ſchoſſen auch die in dem Gebüſch verborgenen 140 Mann ihre Büchſen ab. Eine furchtbare Niederlage brachten dieſe von drei Seiten kommenden Salven hervor; noch furchtbarer war die Verwirrung unter denen, die nicht ſofort todt oder ſchwerverwundet niedergeſtürzt waren. Sie wollten fliehen, ſahen ſich aber von den Senſen, die aus den Gebüſch en ſtarrten, aufgehalten. Von allen Seiten umzingelt und in einen Knäuel zuſammengedrängt wurden ſie niedergemäht. Von den 300 Mann blieben nur fünf am Leben; dieſe entließ Perier, ſie ſollten zu ihrem General, dem Grafen Broglio, gehen und ihm erzählen, was ſie hier erlebt hätten.