Jahrgang 
1865
Seite
704
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hörner. Ans Mittelhorn lehnt ſich nun links oder öſtlich die große Gletſcherregion desWetterkeſſels, der Schoß, in den Mittel⸗ und Wetterhorn ihre Gleiſcher abſenken, in welchen der Ren⸗

4 fengletſcher vom Horn gleichen Namens niederſteigt und aus dem der Schwarzwald⸗ und der Roſenlauigletſcher zu Thal niederfließen; eine Firnmulde von einigen Quadratſtunden Ausdehnung, unmittel⸗

bar vor unſern Füßen, vielleicht 4000 Fuß unter uns. Vom Ren⸗ fenhorn zieht ſich jenſeits nach Süd hin die Welt des Gauli⸗, Grün⸗ bergli⸗ u. a. Gletſcher; ſie umziehen den Fuß des Hangend⸗Gletſcher⸗ horns, das ſeine rauhe, faſt ſenkrechte Breitſeite uns zukehrt. Unnahbar ſcheint es von dieſer Seite zu ſein; doch ſcheint es nur; wenige Tage ſpäter ſteigen unſer zwei gerade an dieſer Seite von ſeiner lohnenden Spitze hernieder, freilich nicht ohne Hilfe des Seils an einer ſenkrechten Wand. In dieſer Gruppe, aus der wir nur weniges, nur das Wichtigſte genannt haben, haben wir eine rechte Muſterkarte von Gletſchern vor Augen: weite, faſt ebene Felder und wieder ſteile Hänge voll grauſiger Schründe in Kreuz und Quer; ſie iſt weniger imponirend durch majeſtätiſche Höhen, ſie ſtellt vielmehr in ihrem Ganzen die ächte Gletſcherwelt in ihrer Rauheit und groß⸗

artigen Wildheit da. Alle die Berge und Gebirgszüge, welche ſie

einfaſſen, ſind nicht von ſolcher Höhe, daß⸗ſie uns den weitern Blick hemmten; hinter ihnen erhebt ſich der reiche, ſchöne Gletſcherkranz im oberſten Theil des Haslilandes, vom 10,000 Fuß hohen Titlis

zende Dammfirn mit ihren Trift⸗, Stein⸗ u. a. Gletſchern, wieder eine wunderbar anziehende Partie. Und theils über ſie weg, theils zwiſchen ihnen durch ſchweift das Auge in weitere Ferne nach den Schwyzer⸗, den St. Galler⸗ und Appenzellergebirgen; etwas mehr zur Rechten ſteht das Uri⸗Rothſtocks Felsgeſtell, ſo kühnlich thro⸗ nend noch wie zu den Zeiten der erwachenden ſchweizeriſchen Freiheit; doort des Glärniſch Rieſengeſtalt und der ſchöne Tödi, die Wächter ddes rührigen Glarnervölkleins, und links und rechts davon freilich in etwas unſichern Umriſſen die Menge der bündneriſchen Gipfel in Reih und Glied. Wer zählt die Gipfel, nennt die Namen! Ein reicher, reicher Kranz; an ſo manche dieſer Gruppen knüpfen ſich mir die freudigſten Erinnerungen an fröhlich durchwanderte Studentenferien; von erhöhtem Standpunkt blicke ich heute auf euch zurück, ihr Orte alle froher Erinnerung, ihr Tage glücklicher Jugend⸗ zeit und wünſche ſie andern auch ſo froh, ſo glücklich, und die Ferien wünſche ich jedem unter den Torniſter, recht fern von aller Eiſenbahn. Und nun eine zweite Hauptgruppe, die ſich rechts, weſtlich vom Mittelhorn uns darſtellt; ſie bietet wieder ganz andern Genuß als die erſte. Führte uns dieſe den Reichthum der Gletſcherwelt in ihrer Mannigfaltigkeit vor Augen und eröffnete einen Blick in weite Ferne, ſo trägt die zweite Gruppe ganz den Charakter des Majeſtätiſchen und Erhabenen. Da ſtehen die himmelanſtrebenden Rieſen auf ihren ſeit Jahrtauſenden innegehabten Poſten, die Könige der Berner⸗Alpen: Schreck⸗, Finſteraar⸗, Vieſcherhörner und der Eiger. Vor allem iſt die Nähe des 12,600 Fuß hohen Schreckhorns von wunderbarer Wirkung. Zu der Wetterhorngruppe gehört als ſüd⸗ licher Vorpoſten der felſigeBergliſtock; von dieſem aus zieht ſich weſtwärts hin das Gletſcherjoch des Lauteraarſattels als Bindeglied zwiſchen den Wetterhörnern und dem Schreckhorn. Letzteres zeigt uns demnach ſeine öſtliche, weniger rauh ausſehende aber unnahbare Seite, ein blendend weißer Firn bekleidet vom Lauteraarjoch(circa 10,000 Fuß hoch) und vom obern Grindelwaldgletſcher auf bis zur obe rſten Spitze den Gneis, aus dem es beſteht, und benimmt ihm das ſchrecklich rauhe Ausſehn, das ſeine weniger bedeckte, weſtliche und nördliche Seite hat. Aber dieſer Firn der öſtlichen Seite iſt von ſolcher Steilheit, daß an eine Erſteigung von dieſer Seite wohl kaum

V zu denken iſt, während der großentheils nackte Gneis der Weſtſeite

die Erſteigung freilich nur mit höchſter Anſtrengung durch ſtunden⸗ langes Klettern(wir hatten ſieben Stunden der mühſamſten Kletterei) ermöglicht. Erſt zweimal iſt's beſtiegen worden: 1861 durch einen Engländer, 1864 durch drei Schweizer, beidemal mit Führern von Grindelwald; die zweite Erſteigung brachte den Gewinn, leider erſt im Herunterſteigen, einen leichtern Zugang gefunden zu haben.

Das Schreckhorn iſt der Culminationspunkt eines Grates oder Gebirgsrückens, der ſich ſüdwärts in die wild zerklüfteten Lauteraar⸗ hörner zieht, welche den Lauteraar⸗ vom Finſteraargletſcher ſcheiden,

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hinweg die Uratshörner, die Suſtenhörner, die Thierberge, der glän⸗ nur im Profil geſehen wird und als eine ſchmale Kalkwand erſcheint,

das Lauteraarjoch von der bekannten Strahleck; nordwärts zieht ſich dieſer Grat vom Schreckhorn aus weniger zerriſſen, mehr verglet⸗ ſchert über das kleine Schreckhorn und Näſſihorn in den Mettenberg (in gerader Linie höchſtens zwei Stunden Länge), von wo er ſich in faſt lothrechten Kalkwänden ins Grindelwaldthal abſtürzt; dieſer nörd⸗ liche Ausläufer ſcheidet den obern vom untern Grindelwaldgletſcher.

Hart neben dem Schreckhorn links ragt das ſilberglänzende Finſteraarhorn hoch in die Lüfte, noch in der Perſpective dem erſtern den Rang ſtreitig machend, das es um 600 Fuß noch überragt an wirklicher Erhebung ü. M., und wenn ſich die beiden Spitzen auch in Betreff der Ausſicht um den Vorrang ſtreiten können, ſo bietet das Finſteraarhorn dem Erſteiger jedenfalls ungleich weniger Schwierig⸗ keit und Gefahr, hat deßhalb auch ſchon viel früher ſeinen Nacken unter dem menſchlichen Fuß beugen müſſen und ungleich mehr der Menſchenkinder auf ſeinem Scheitel getragen. Von ihm nordweſtlich abſtehend iſt das Agaſſizhorn noch kaum ſichtbar und ſchwingt ſich der Agaſſizgrat in gleicher Richtung hinüber zum Vieſchergrat, beide zeigen ihre coloſſalen Firnhänge und Gletſcherabſtürze, die nur den gewandteſten Berggängern das Betreten geſtatten. Der Vieſcher⸗ grat erniedrigt ſich etwas gegen ſein nördliches Ende hin und ge⸗ ſtattet hier einen leidlichen Uebergang, Mönchjoch geheißen, in das Gebiet des Aletſchgletſchers im Wallis, an der Spitze desMönch vorbei, der uns ſein breites Firndach grad noch zeigt; faſt wird er uns verdeckt durch den coloſſalen Eiger, der von unſerm Standpunkt

ſenkrecht aufgerichtet auf der Seite des Mönchjochs, nicht viel weni⸗ ger ſteil nach der Grindelwaldſeite abfallend; links von Mönch und Eiger erhebt aus dem Wallis her das Aletſchhorn ſein gewaltiges Haupt, das einzige, was aus jener Gegend uns heute zu ſehen ver⸗ gönnt iſt, und rechts durch ſchweift das Auge nach verſchiedenen Gipfeln der Berneralpen, die, im Profil geſehen, ihre maleriſche Ge⸗ ſtalt nicht mehr haben. Doch, war auch viel Schönes durch die Föhnwolken unſerm Auge verhüllt, klagen durften wir nicht; denn viel Schönes und Großes auch ward uns geboten, und unvergeßlich bleibt der Eindruck, der Genuß, den ein ſolcher Blick in die Rieſen⸗ gebilde der Schöpfung gewährt.

Immerhin aber mahnten die ſchon dem nahen Lauteraarſattel aufliegenden Föhnwolken, daß es wohl Zeit ſei, den Rückzug anzu⸗ treten; glücklicherweiſe ſehen ſie nicht ſehr zerriſſen aus, werden daher eher Regen als Sturm uns bringen; aber beides iſt wenig willkom⸗ men. In Eile noch einmal das Thermometer zur Hand, es zeigte, wie zu Anfang,+ 20 C., dann ward ein Glas vom Beſſern jubelnd geleert mit einem Hoch aufs Wetterhorn!

Nun galt's, die ſteile Spitze hinunterzuklimmen, was größere Vorſicht noch erforderte als das Aufſteigen. Wenden konnte ſich die Linie nicht; der hinterſte Führer wird daher jetzt zum erſten; rück⸗ wärts hinter ſich ſchleicht ſich einer nach dem andern durch die Breſche hinunter, einen letzten Blick noch wirft er über die Zinne hinaus, ſucht dann die alten Fußtritte, und ſo iſt bald Ade Du ſchönes Wetterhorn, Du kühne Spitze! die Colonne wieder in Gang. Es mag 8 ½ Uhr geweſen ſein, als wir die Spitze betraten, um 9 ½ ſchon waren wir wieder am ſchwierigen Manöver, das beim Herunter⸗ ſteigen faſt mühſamer ward, weil bei jedem Schritt der Bergſtock ſo tief wie möglich in den Schnee getrieben werden mußte, um den Halt deſto ſicherer zu machen. Langſam, aber prächtig ging alles von Statten; endlich durften wir der Welt wieder das Angeſicht, dem Berg den Rücken zuwenden und raſcher ging's vorwärts dem Sattel zwiſchen Wetter⸗ und Mittelhorn zu. Daß wir hier ſchon wieder kurzen Halt machten, die Spitze wieder muſterten, die gefährlichſte Schanze nach errungenem Sieg, daß wir noch einmal den Becher kreiſen ließen, wer will's uns verdenken? flatterte doch ſo luſtig und flott im Winde die Fahne, die wir aufgepflanzt; ſie wehte uns dasLebewohl zu, wohl nicht auf Wiederſehn!

'S iſt doch eine arge Strapaze, meinten wir ſelbigen Abends, als wir, glücklich in Grindelwald angelangt, plaudernd und das Er⸗ lebte durchſprechend beim Weine unter unſerm Dache ſaßen,ſo bald ſteigen wir wohl nicht wieder. Und am folgenden Tag da ſchmie⸗ deten wir neue, größere Pläne, deren Ausführung nicht lange auf ſich warten ließ. Das iſt der Reiz der großen Alpenwelt; ſie thut's einem an, ihr Zug iſt unwiderſtehlich.

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Es war g. ulſine Nu nnderen Reſfend dnngſem hinauf aftegen, und de Krümmung guführen ſchien uie attehn? zevoffen hatte, nübhigte ſich ſe

da fielei oin junger Ba eanl zu bemerk Jesus! Sauve te nit einem Gew parpaillot! ri datte, ſchon au niederzuſchlagen nit dem er ſich er ſpannte, ziel Der Gerettete ton Soldaten,

ſelgen. Er r letterten ſie Fe underthalb Stu richten. Im fi Bauer, ermatt ihm nun mit le Der Pr der Unſern, d ſcloſſen, und ſu quälen. W nir das Zete ſdußer ſich; de lolteten wir ſogen mit Se engeſchärft, da in Lid thun fangenen. Ste er

en verwu angen ins F ſund in wel 3 ſlalt daß ſie,