Jahrgang 
1865
Seite
696
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abgerundet, die Fenſter klein und nahe der Decke, Krippen und Raufen in einer Mauervertiefung; der Fußboden beſteht aus loſem Sande. Zur Aufnahme verdächtiger Pferde dienen 7 Ställe, durch einen Flur mit beſonderem Eingange von den reinen Ställen geſchieden; jeder Stall bietet nur Raum für Ein Pferd.

Von dieſem Gange aus gelangen wir nach dem Kuhſtall, deſſen Krippen von Gußeiſen ſind, die in einer 1 ½ Fuß breiten, ebenfalls eiſernen Bank ruhen, welche in der ganzen Länge des Stal⸗ les an einer Wand hinläuft und zugleich die Raufe erſetzt.

Die Ställe für kranke Hunde liegen außerhalb des Hofes in beſondern Gebäuden an der Südſeite der Pferdeſtälle und enthalten zugleich die Wohnung des Hundewärters. Sie ſind in drei Abtheilungen geſchieden, nämlich für nicht mit anſteckenden Krank⸗ heiten behaftete, für der Tollkrankheit verdächtige und für wirklich tolle Hunde. Dieſe Ställe umſchließen wieder einen kleinen mit Bäumen beſetzten und mit einem Brunnen verſehenen Hof. Die Hunde der beiden erſten Abtheilungen befinden ſich jeder in einem eiſernen Käfig, deſſen Boden der Reinlichkeit wegen mit einer Abfluß⸗ rinne verſehen iſt.

Bei unſerm Eintritt empfängt uns ein diaboliſches Geheul und Gekläff in allen Tonarten. Einige Köter rütteln zornig an den Eiſenſtäben und verſuchen nach uns zu ſchnappen, andere wedeln melancholiſch mit dem Schwanz und laſſen die fieberheiße Zunge lang heraushängen. Gar viele Arten ſind hier vertreten, von dem Hof⸗ hunde in Größe eines Kalbes bis zu dem winzigen Affenpinſcher, den man bequem in die Taſche ſtecken kann. Daneben Doggen und Neu⸗ fundländer, Wind⸗, Hühner⸗ und Dachshunde, Möpſe und Seiden⸗ ſpitze, auch mehre dreſſirte kunſtſinnige Pudel. Einen der letzteren, den der Wärter denSchauſpieler nennt, entſinnen wir uns vor wenigen Monaten auf der Bühne eines Affentheaters geſehen zu ha⸗ ben, wo er durch ſeine Kunſtſtücke das Publikum von kleinen Knaben und Mädchen zu athemloſer Bewunderung und rauſchendem Beifall hinriß. Auch jetzt noch unterſcheidet er ſich von ſeinen ungebildeten Vettern und Baſen durch eine würdige Haltung und den Ausdruck ſtiller Reſignation.

Der abgeſondert belegene Tollſtall iſt durch ein Eiſengitter von einem Vorraum geſchieden, wo man die Kranken beobachten und wenn wiſſenſchaftliche Verſuche angeſtellt werden ſollen, andere Hunde und Thiere ohne Gefahr zu ihnen hineinlaſſen kann. Am Fußboden befindet ſich ein Schiebkaſten zur Aufnahme des Futter⸗ und Waſſernapfes, der von außen mit Riegeln verſehen und nie ganz aus ſeiner Oeffnung herausgedrängt werden kann. Man läßt die Hunde frei umherlaufen, um ſie beſſer beobachten zu können; doch ſind in der Wand Ringe angebracht und mit Ketten und ſtarken Hals⸗ bändern verſehen, um nöthigenfalls ein ſolches Thier anzuſchließen.

Die Patienten werden aus Berlin und Umgegend eingeliefert; für Pferde und Rindvieh ein Koſtgeld von 15 Sgr. pro Stück und Tag, für Hunde ein ſolches von 5 Sgr. entrichtet. Die Zahl der in der Anſtalt aufgenommenen kranken Pferde mag alljährlich 2 3000 betragen; die Anzahl der kranken Hunde 600 1000; wogegen die Anzahl der kranken Rinder weit geringer iſt. Zuweilen kommen unter den Patienten auch Eſel und Maulthiere, Ziegen, Schafe, Schweine, Katzen, Kaninchen und verſchiedene Vögel, ſelbſt Hirſche, Rehe und Affen vor; jedoch werden dieſe nur ausnahmsweiſe aufgenommen.

Zu dieſen in der Anſtalt verpflegten Thieren kommen noch die Thiere, welche zur thierärztlichen Unterſuchung, zur Conſultation, zu kleineren Operationen und dergleichen mehr in der Zahl von

10 20 täglich den Aerzten und Lehrern der Anſtalt vorgeführt werden.

Demnach haben die Eleven reiche Gelegenheit, ſich nach allen Seiten hin theoretiſch und praktiſch auszubilden. An jedem Tage findet in den Krankenſtällen der kliniſche Unterricht ſtatt; die Zöglinge lernen hier die verſchiedenen Krankheiten der Hausthiere aus eigener Anſchauung kennen, ſie unter Anleitung der Lehrer beurtheilen und behandeln. Jedes in die Anſtalt gebrachte Thier wird einem Eleven, der ſich in dem höhern Semeſter befindet ſ. g. Praktikanten zur ſpeciellen Unterſuchung, Beobachtung und curativen Behand⸗

ruhen

lung übergeben. In Gegenwart des Lehrers beſtimmt er aus den den aufgefundenen Krankheitsſymptomen den Sitz, die Art und den Charakter der vorhandenen Krankheit, forſcht bei dem Ueberbringer des Thieres nach den Urſachen des Uebels, ſtellt die Prognoſe, verordnet die nöthigen Heilmittel und Diät, und wenn dies alles vom Leh⸗ rer genehmigt iſt, ſo applicirt der Schüler die Heilmittel mit eigner Hand.

Abwechſelnd wachen die Praktikanten mit dem commandirten Wärter auch während der Nacht in den Krankenſtällen, um hier die vorgeſchriebene mediciniſche und diüätetiſche Pflege der Patien⸗ ten zu bewirken, oder nöthigenfalls die Hilfe des kliniſchen Aſſiſtenz⸗ arztes in Anſpruch zu nehmen. Sie machen den Thieren die vom Lehrer angeordnete Bewegung im Freien, ſchaffen die Geſtorbenen zu dem Sectionsplatz, wo ſie unter Leitung des Lehrers die Section des Cadavers vornehmen, den Sectionsbefund in ein hierzu beſtimm⸗ tes Buch eintragen und ſolches dem Profeſſor der Anatomie zur Beſtätigung vorlegen.

Außer der Hoſpitalklinik in der Anſtalt beſteht auch eine ſoge⸗ nannte ambulatoriſche Klinik. Um den Eleven Gelegenheit zu geben, die ſeuchenartigen und ſporadiſchen Krankheiten der Haus⸗ thiere an Ort und Stelle kennen zu lernen, werden die angemeldeten Patienten auch in den Ställen der Beſitzer behandelt, nicht nur in Berlin, ſondern auch im viermeiligen Umkreiſe der Stadt. Nach er⸗ haltener Anzeige begibt ſich der kliniſche Lehrer, begleitet von einigen Eleven erſter Klaſſe, ſofort dahin, wo die Hilfe verlangt wird.

An der Anſtalt wirken acht Lehrer, von denen einige Repititoren; ſie hat ihren eigenen Hausarzt für die Behandlung der Eleven und des Unterperſonals; außerdem Büreau⸗ und Unterbeamte.

Aus den Zöglingen der Anſtalt ſind die meiſten Civil⸗ und Militär⸗Thierärzte erſter und zweiter Klaſſe innerhalb der Preu⸗ ßiſchen Monarchie, die Departementsthierärzte bei den Regierungen und die Aſſeſſoren bei den Provincial⸗Medicinal⸗Collegien hervor⸗ gegangen, und viele Thierärzte des Auslandes ſind hier gebildet worden.

Uebrigens bilden der Director und die betreffenden Lehrer ein Collegium, das auf Verlangen der Gerichte und Behörden in allen Veterinärangelegenheiten ſein Gutachten in letzter Inſtanz abgibt, und in dieſer Beziehung den höheren wiſſenſchaftlichen Deputationen gleichſteht. Solcher wiſſenſchaftlicher Arbeiten werden von ihm all⸗ jährlich mehrere hundert abgefaßt, darunter forenſiſche Superarbitria, Beurtheilungen über thierärztliche Werke und Geheimmittel, Gutachten über veterinär⸗polizeiliche Gegenſtände, Beurtheilung der eingeſand⸗ ten Probearbeiten behufs Erlangung des Zeugniſſes zur Anſtellungs⸗ fähigkeit als Thierarzt, und gutachtliche Beurtheilungen über die von den Thierärzten erſtatteten Veterinär⸗Sanitätsberichte.

Nach allem dieſem können wir wohl mit der Behauptung ſchließen, daß die Berliner Thierarzneiſchule zu den am vortrefflichſten organi⸗ ſirten und ſegensreichſten Anſtalten des Preußiſchen Staats gehört.

O. Gl.

Briefkaſten.

Dem eifrigen Abonnenten in Leipzig.

Mißgeſchick. Der Augenzeuge liegt von den Strapazen krank, auch. Wir müſſen alſo wohl oder übel warten. . Herrn Th. R. in Baſel. Laſſen wir's genug ſein mit dem Piz Languard, ſchon des Raumes wegen. Wir wußten wohl, daß uns jeder Alpenfreund dankbar ſein würde. Wenn Sie wieder hinauf kommen, ſo grüßen Sie uns die Bernina.

Herrn B. v. T. in Moskan. Wir haben Rußland nicht vergeſſen, aber man kann ja in drei Vierteljahren nicht alles erſchöpfen. Schon in den nächſten Nummern erſcheint der Anfang einer Reihe Skizzen aus Rußlands intimem inneren Leben. Auch die Seebilder werden fortgeſetzt, nur nicht in jeder Nummer.

Herrn Th. S.

Den Artikel verfolgt ein eigenes der Zeichner

H in München. Sie glauben nicht, was ſo ein Holzſchnitt im heißen Sommer für Heimtücke entwickeln kann. Er wirft und zieht ſich in der Preſſe nach Herzensluſt, und wenn man glaubt, er habe ſich beruhigt, ſo ſpringt er womöglich nach allen Richtungen.

Herrn Carl K. in Minden. Herzlichen Dank für Ihre freundliche Zu⸗ ſchrift und für die ermuthigende Anerkennung, die Sie unſeren Beſtrebungen und Leiſtungen zu Theil werden laſſen.

An O. R. in D. DieExinnerungen eines evangeliſchen Feldpredigers, die Ihnen ſo viel Freude gemacht, werden in möglichſt kurzen Zwiſchenräumen fortgeſetzt. No. II kommt in eine der nächſten Nummern.

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