Jahrgang 
1865
Seite
694
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finden. Bei dieſer Entſcheidung iſt jedoch ein leitender Grundſatz ſehr wünſchenswerth. Ich will verſuchen, denſelben deutlicher zu I machen und zwar an zwei Perſönlichkeiten, an zwei fingirten, aber präg⸗ nanten Charakteren, an zwei Shakeſpearſchen Geſtalten. Wer etwas vom Hamlet in ſich ſpürt, der laſſe das Rauchen, wer ſich dem Fallſtaff verwandt fühlt, der mag es ſich erlauben. Ich bilde mir nun durchaus nicht ein, daß meine Auseinanderſetzungen auf den Cigarrenconſum von Einfluß ſein werden. Ich bin vielmehr überzeugt, daß mancher Leſer dieſe Daheimnummer und meinen Artikel mit ſeiner Cigarre oder Pfeife V gleich dem Richterſchen Alten auf dem Titelblatt in zufriedener Selbſtberäucherung leſen wird. Aber darüber will ich doch noch V einige Worte ſagen, wie man rauchen ſoll, wenn man übeln Folgen möglichſt entgehen will.

Die beſte Pfeife iſt die perſiſche, Narghil, wie ſie Kämpfer*) beſchreibt und abbildet. Der Rauch wird durch Waſſer geleitet und durch ein langes Rohr gezogen. Der Rauch ſetzt in dem Waſſer das Scharfe, Brenzlichte und den größten Theil des Nicotins ab, wo⸗ durch er ſehr milde wird. Nur gehört auch eine orientaliſche Ruhe dazu. Die Rauchmaſchine wird vor dem Divan hingeſtellt, auf wel⸗ chem ſitzend der Perſer raucht.

Unſere Pfeifen unterſcheiden ſich von den Cigarren da⸗ durch, daß der Rauch nicht ſo heiß in den Mund kommt, daß er einen Theil des Nicotins unterwegs abſetzt und um ſo mehr, je län ger das Rohr iſt und je kälter der Abguß unter dem Kopfe gehalten wird. Ein Pfeifenkopf iſt vorzuziehen aus Subſtanzen, welche ſchlechte Wärmeleiter ſind, wie roher Meerſchaum oder Holz. Porzellanköpfe ſind erſt dann gut, wenn ſie eine Kruſte von Aſche angeſetzt, alſoſich angeraucht haben. Sonſt wird durch Erhitzung des Porzellans der Rauch zu heiß. Der weſentliche Unterſchied beſteht aber darin, daß der Tabak, der aus Pfeifen geraucht wird, vielmehr durch Präpara⸗ tion, durch Röſtung, durch Gährung und Beizen verändert iſt und nach dem franzöſiſchen Chemiker Henri von ſeinem natür⸗ lichen Nieotingehalt verloren hat. Hierdurch wird er weſentlich ver⸗ beſſert. Man hält ja nicht den nicotinreichſten, den ſtärkſten Tabak für den beſten, ſondern den nicotinärmſten. Der ächte Ha⸗ vannatabak, der geſchätzteſte von allen, enthält bei weitem das V

wenigſte Nicotin. Der auf fettem, gedüngten Boden gezogene, wie z. B. der Pfälzer, ſoll davon viermal ſoviel enthalten. Die Nachtheile der Cigarren, welche wohl hauptſächlich der Be⸗ quemlichkeit wegen jetzt ſo allgemein geworden und recht in der Mode ſind, finden ſich darnach leicht. Der Cigarrentabak, die Einlage, ebenſo das Deckblatt, wird nicht durch Präparation ſo vom Nicotin befreit, wie der fabricirte oder Pfeifentabak. Man

*) Amoenitates exoticae, Lemgo 1712.

braucht nur eine Cigarre zu zerſchneiden und aus einer Pfeife zu

rauchen, um das zu bemerken. Der Cigarrenrauch iſt heißer, ſchärfer,

nicotinreicher, im Geruch durchdringender, für die Augen beißen⸗

der, afficirt mehr die Nerven und erregt leichter Schwindel und

Uebelkeit. Dies vermehrt ſich, wenn die Cigarren friſch, nicht abge⸗ lagert, feucht und nicht gut brennend ſind.

Die Vorzügeder Cigarren vor den Pfeifen liegen darin, daß die Luft freieren Zutritt zu der brennenden Cigarre hat, daher ein

größerer Theil des Nicotias verbrennt, als bei der Pfeife, wo

die Luft nur von oben, nicht von den Seiten Zutritt hat. Dies gleicht übrigens den Nachtheil der üblichen Cigarren vor den Pfeifen bei weitem nicht aus. Am beſten und rathſamſten von allen Cigar⸗ ren ſind die Papiercigarren, weil man die Papierrolle mit leichtem, präparirten, trocknen Tabak füllen kann, weil das Papier beſſer brennt als das Deckblatt und der Luft freierer Zutritt gegeben iſt, als bei der Pfeife.

Im übrigen ſollte man das Rauchen auf die Zeit der Erholung und Ruhe beſchränken. Es iſt mißbräuchlich, während körperlicher Anſtrengung und Bewegung zu rauchen, ebenſo kurz vor und nach der Mahlzeit, da man im erſten Falle den Appetit, im andern die Ver⸗ dauung ſtört. Im allgemeinen aber iſt jedem zu rathen, daß er ſich der Mäßigkeit auch in dieſem Genuß befleißige, wenn er ſich des künſtlichen Reizmittels nicht ganz entwöhnen mag, was gewiß beſſer iſt, aber einige Willensſtärke erfordert.

Einige Perſonen meinen zwar, ſie bedürften des Rauchens, um Morgens ihre gewohnte Leibesöffnung zu befördern, die ſonſt nicht erfolge. Dies beruht auf Selbſttäuſchung. Die Menſchheit hat bis zum Bekanntwerden des Tabaks an dieſer Funktion keinen Mangel gelitten und wird ihn auch ohne Tabak nicht erleiden. Die Erfah⸗ rung lehrt, daß es auch ohne Tabak wohl von Statten geht. Es kommt nur auf den Verſuch an. Uebrigens giebt es auch unbe⸗ denklichere Mittel zu dieſem Effect. Wem die Zimmergymnaſtik nicht genügt, dem ſteht ja noch das kalte Waſſer zu Gebote.

Der Zweck dieſer Excurſion auf das Tabaksfeld iſt erreicht, wenn es mir gelungen iſt, wenigſtens einige von den Daheimleſern zu überzeugen, daß der Tabaksgenuß keineswegs eine für die Geſund⸗ heit gleichgültige Sache ſei, eine Wahrheit, die immermehr an⸗ erkannt und bald unbezweifelt daſtehen wird. Die Wahrheit wird uns aber auch hier frei machen und Einhalt thun der jetzt vielfach

herrſchenden Unmäßigkeit im Tabaksgebrauch, auf die man in ſpäteren

Zeiten als auf eine Verirrung zurückblicken wird. Daher möge jeder wohl bedenken, was er thue, eingedenk des Spruchs der alten griechiſchen Aerzte: daß die fieberhaften

und epidemiſchen Krankheiten von den Götternüber

die Menſchen verhängt, daß die chroniſchen Siech⸗ thümer aber von den Menſchen ſelbſt erzeugtwerden.

Lin Blick in die Berliner Thierarzneiſchule.

Es war Friedrich der Große, der gleich nach dem Hubertsbur⸗ ger Frieden, wo die Aecker des Landmanns wüſt lagen und ſchreck⸗ liche Rinderſeuchen ſeinen Wohlſtand vernichtet hatten, den Plan der Thierarzneiſchule faßte, der aber erſt unter Friedrich Wilhelm II zur Ausführung kam. Am erſten Juni 1790 ward die Thierarznei⸗ ſchule in Berlin eröffnet, an derſelben Stelle, wo ſie ſich noch heute befindet. Die damaligen Lehrzwecke beſchränkten ſich darauf, tüchtige Fahnenſchmiede für die Armee zu bilden, zu welchem Ende von jedem Reiterregiment ein bis zwei Eleven zum Unterricht auf die Thier⸗ arzneiſchule geſandt wurden. Außerdem waren ſechs Stellen für königliche Scholaren vorhanden, welche neben freier Wohnung einen Jahresgehalt von zweihundert Thalern erhielten und ſich hier zu Beamten und Roßärzten für die königlichen Geſtüte und Mar⸗ ſtälle ausbilden ſollten. Endlich wurdenFreiſchüler zugelaſſen, die nur freien Unterricht genoſſen, für ihre Subſiſtenz aber ſelber zu ſorgen hatten. Aus ihnen ſollten ſich die Civil⸗Thierärzte recrutiren.

Im Laufe der Jahre gewann die Anſtalt an äußerm Umfange und innerer Organiſation, ſo daß ſie ſich ſeit 1817 zu einem wiſſen⸗ ſchaftlichen Inſtitute erſten Ranges emporarbeitete und nun auch eine große Anzahl von Civil⸗Eleven, ſelbſt aus dem Auslande heranzog. Ihre eigentliche Blüthe erreichte ſie unter dem jetzigen Director, Profeſſor und Geheimen Medicinalrath Ernſt Gurlt, der 1794

zu Drentkau in Schleſien geboren, ihr ſeit 1819 als Lehrer angehört, im Jahre 1849 die Leitung der Anſtalt übernahm, und ſich auch als Schriftſteller auf dem Gebiete der Veterinärkunde einen rühmlichen Namen erworben hat.

Nach dieſer kurzen Einleitung bitten wir den Leſer, der An⸗

ſtalt mit uns einen Beſuch abzuſtatten. Wir ſtehen vor einem großen, palaſtartigen Gebäude, das mit ſeinen Flügeln, Hinterhäuſern, Gärten und Wieſenplätzen ein großes Areal zwiſchen der Louiſen⸗ und Friedrichſtraße einnimmt. Es würde den Raum, welcher uns ver⸗ ſtattet iſt, überſchreiten, wollten wir in den Anatomiegebäuden, zooto⸗ miſchen Muſeen, Ställen und Magazinen verweilen, oder auch nur einen Blick in die Reitbahnen, Apotheken, Hörſäle und Laboratorien werfen; wenden wir uns alſo direkt unſerm Ziel zu. Es iſt ein Spital, nicht für Menſchen, ſondern für Thiere, und inſofern ein rühmliches Zeugniß von dem Geiſte und der Humanität unſers Jahrhunders, in welches wir den freundlichen Leſer führen wollen. Die kranken Thiere, welche aus Stadt und Um⸗ gegend eingeliefert werden, finden hier eine allen ihren Bedürfniſſen eutſprechende Einrichtung und die ſorgſamſte Pflege, wie man beides in einem Menſchenſpitale nicht beſſer antreffen kann. Für die ver⸗ ſchiedenen Arten der Hausſäugethiere, namentlich für Pferde, Rind⸗ vieh, Hunde und Katzen, ſind beſondere Ställe eingerichtet.

Die P die Zahl der zahl der übr Raun gew H durch Mauer in Thiere nüglihſt zu derhüten, nict errht ſicht vortheill

Mit R