Jahrgang 
1865
Seite
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1840 bis 1845 an Senſationen in verſchiedenen Theilen des Rücken⸗ marks. War ein höherer Punkt, entſprechend dem 7ten Hals⸗ wirbel, befallen, ſo empfand er nebſt einem tauben Gefühl in den Vorderarmen und Händen einen Druck unter dem, Bruſtbein, Schlingbeſchwerden und kurz abgebrochenen, hellen, ſtoßweiſen Huſten; ſchmerzte der obere Theil des Rückens, ſo erfolgte heftiges Herzklopfen, war die Gegend des letzten Bruſtwirbels afficirt, ſo kam Magendruck, Appetitloſigkeit un ſelbſt Erbrechen. Dieſe Symp⸗ tome hörten ſofort auf, wenn die Empfindlichkeit ſich nach dem untern Ende des Rückgrats hinwandte, dann traten andre Er⸗ ſcheinungen ein, denen große Hinfälligkeit, übles Ausſehn und trübe hypochondriſche Stimmung folgten. Bisweilen war das ganze Rückenmark befallen, und es zeigten ſich die ſämmtlichen Erſcheinun⸗ gen nebſt Unſicherheit im Gehen und Schwindel, ſo daß Patient ſich halten mußte. chroniſche Entzündung der Häute des Rückenmarks hielt, wurde aber auf dieſen meinen Fehler aufmerkſam gemacht, als ich ſtets große Verſchlimmerung nach Schröpfköpfen, Blutegeln und Abführmitteln ſah. Obermedicinalrath Pfeuffer, damals Prof. zu Heidelberg, er⸗ klärte das Uebel für Rückenmarksreizung und veranlaßte mich, die Behandlung zu ändern. Eiſenpräparate brachten Erleichterung, be⸗ ſonders aber die Eiſenquelle zu Steben. Aber die Krankheit wich nicht, und nach einigen Wochen war ſie wieder in früherer Heftigkeit. Da erſt dachte ich an eine erſchöpfende Unterſuchung der urſächlichen Momente. Bei dieſer Beſchäftigung kam ich endlich auf den Um⸗ ſtand, daß der Kranke mit Leidenſchaft viele und gute Cigarren rauchte. Ich ließ mich aufs Unterhandeln ein und erlangte ſoviel, daß mir der Kranke das Wort gab, wenigſtens vier Wochen ſich der Cigarren zu enthalten.

Das war ſchon viel. In der That fühlte er ſich auch nach Ab⸗

lauf dieſer Zeit als ein ganz anderer Menſch und ging zur Vollen⸗ Tag, ſtarke Cigarren.

dung ſeiner Cur, jetzt ohne Cigarren, noch einmal in das Bad Steben. Es leben viele Zeugen in B., welche die Rückkehr eines ganz andern und kerngeſunden Mannes mit mir beobachteten, aber auch folgendes: Im Winter 1845 ſaßen wir in voller Freude und Behaglichkeit im Gaſthof zu den drei Kronen in B. Da ſah

mich T. mit mitleidflehendem Blicke an, ob er nicht wohl jetzt ſich end- Ich widerſprach Nach der zweiten Cigarre ſaß T. bleich, einſilbig und

lich einmal wieder eine Cigarre erlauben dürfe? vergeblich. hohläugig da, verließ dann raſch ſeinen Platz, und als ich ihm nach⸗ eilte, erhielt ich das Geſtändniß, daß er alle die beängſtigenden Sen⸗ ſationen in vollem Maß wieder habe. Nach einer vierwöchentlichen Eiſenbehandlung und Enthaltung von Cigarren ward auch dieſer nachträgliche Schaden wieder reparirt. Der Rückfall ſtellte die An⸗ nahme der Cigarrenkrankheit in volles Licht.

Ein Gegenſtück zu dieſer Beobachtung iſt folgende von demſel⸗

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Ich geſtehe, daß ich anfangs das Uebel für eine

ben Verfaſſer.Dr. M. in B. nahm ſeit Jahren an Körperkraft ab durch mit wechſelndem Sitze alle entſprechenden Organe ſeines Leibes

und ſah verſchrumpft aus, wenig und war nur in leidlicher Stim⸗ mung, wenn er eine recht ſtarke Cigarre in Rauch vertilgte. Er begehrte meine Hilfe wegen heftiger Leibſchmerzen, die ihn regelmäßig befielen und die mehre Stunden, bis in die Nacht, anhielten. Er geſtand mir, daß er ſchon ſeit Jahren an Zittern, Herzklopfen, bisweilen an Erbrechen leide; dann habe ſich das Uebel in den Lendenwirbeln fixirt, als das Gefühl eines unangenehmen Hauchs, und zugleich ſei der Leibſchmerz eingetreten. Es war ein unerträglicher, reißender zermalmender Schmerz, ohne Erbrechen, ohne Stuhlveränderung, wel⸗ cher Nachts ſpurlos verſchwand. Ohne weiteres nahm ich dem Kranken das Verſprechen ab, in vier Wochen nicht zu rauchen. Das Uebel verſchwand gänzlich; aber nach vier Wochen erklärte der Kranke, er ſehe jetzt ein, daß das Uebel wirklich vom Rauchen herrühre, aber lieber wolle er die unſäglichſten Schmerzen ertragen, als den Genuß der Cigarreentbehren. Er rauchte nun wieder und erhielt ſofort unverfälſcht ſeine alten Schmerzen zurück.

Es läßt ſich wohl nicht läugnen, daß hier der urſächliche Zu⸗ ſammenhang zwiſchen dem Rauchen und der Erkrankung nachgewieſen ſei. Ich könnte eine ganze Reihe von eigenen Beobachtungen anführen, welche daſſelbe beſtätigen. In vielen Fällen war das Lei⸗ den nicht ſo ſtark, wie in den obigen Krankheitsgeſchichten; häufig iſt es mir gelungen, frühzeitig das entſtehende Uebel zu erkennen und es durch Verbot des Rauchens zu heben. Aber an Widerſpruch auch von Seiten der Aerzte fehlt es nicht. Kürzlich entließ ich einen jungen Menſchen von neunzehn Jahren ins benachbarte Ausland, dem ich I. 47.

wegen nervöſen Herzklopfens das Rauchen unterſagen mußte. Dort fragte er den Arzt: ob er rauchen dürfe? die lakoniſche Antwort lautet:Pfundweiſe, Rauchen ſchadet nicht. Ich für mein Theil

habe dagegen Veranlaſſung gehabt, tief zu bedauern, daß ich den

Tabak als Krankheitsurſache nicht früher erkannt habe.

Es ſind mir aus früherer Zeit Fälle im friſchen Gedächtniß, wo ich durch dieſe Erkenntniß ſchwere Erkrankungen hätte beſeitigen können, die einen traurigen Ausgang genommen haben. Ein junger Officier S.... aus einem kleinen deutſchen Contingente wurde zur Cur nach Meinberg geſchickt, wo er gegen ſeine nervöſen Zuſtände die kohlenſauren Gasbäder gebrauchen ſollte. Es war ein nervöſer, leicht erregter Menſch, er litt an einer hochgeſteigerten Spinalirri⸗ tation. Eine Menge krankhafter und beängſtigender Gefühle beherrſchte ihn fortwährend. Bald klagte er über den Magen, bald über den Un⸗ terleib, bald über den Hals, das Herz, die Reſpirationsorgane, bald über Krankheitserſcheinungen in der äußern Haut, in den Mus⸗ keln, den Extremitäten u. ſ. w. Seine Klagen waren ſehr lebhaft und unendlich. Objective Krankheitserſcheinungen, organiſche Stö⸗ rungen waren gleichwohl nicht aufzufinden. Es war keine Hypo⸗ chondrie, es war eine allgemeine, krankhaft geſteigerte Empfindlichkeit der Nerven. Nachdem ich dem Patienten eine Brunnen⸗ und Bade⸗ cur vorgeſchrieben hatte, fragte er mich ganz unbefangen, ob er wäh⸗ rend des Brunnentrinkens auch rauchen dürfe. Ich rieth entſchie⸗ den zur Mäßigkeit im Rauchen, leider ohne es ihm ganz und ernſtlich zu verbieten. Die Cur bekam ihm ganz gut. Ich begriff erſt ſpäter warum. Während des Brunnentrinkens am Morgen, während des Badens, während des anderthalbſtündigen Mittags, während des Brunnentrinkens am Abend, ja auch während der Stunde, wo er mir ſeine krankhaften Empfindungen vortrug, wurde nicht geraucht. Bald nach beendigter Cur kehrte das Uebel in aller Größe zu⸗

Er rauchte wieder, ohne daß es beachtet wurde, den ganzen Ja er rauchte Mittags zwiſchen der Suppe und dem Rindfleiſch und Abends noch im Bett! Die Cigarre ging nicht aus. Er conſultirte mich ſpäter wiederholt perſönlich und ſchriftlich. Aber ſein Uebel blieb. Im Jahre 184849 machte er den Feldzug nach Holſtein mit. Er hatte das Glück, einen Truppen⸗ theil, der im Sundewitt von den Dänen abgeſchnitten und bereits verloren gegeben war, mit geringem Verluſt zu den Seinigen zurück⸗ zuführen. Er wurde mit Ehrenbezeugungen überhäuft und erhielt mehrere Orden. Nun aber entſtand die Bedenklichkeit, ob ihm

rück.

auch wohl jeder den Heldenmuth zutraue, ob er nicht beneidet

werde; er ſah überall verdächtigende Andeutungen, ein Complot umgab ihn, wo er ging und ſtand, kurz, es bildete ſich eine fixe Idee mit Hallucinationen bei ihm aus, die ihn aus einer Irrenanſtalt in die andere führte, bis der Tod ſeinem Unglück ein Ende machte. Es iſt mir, wie ich ſchon bemerkte, zu ſpät klar geworden, daß Patient lediglich an einer chroniſchen Cigarrenvergiftung litt, wo⸗

krankhaft geſchwächt wurden, bis zuletzt die Ausſtrahlung der Rücken⸗ marksreizung ſich auch in das Gehirn erſtreckte und, wie es nicht ganz ſelten iſt, zur Geiſtesſtörung wurde.

Glücklicher war ein College von mir, der von einer angeſehe⸗ nen Dame wegen einer ſehr heftigen Migräne, die der Kunſt der berühmteſten Aerzte hartnäckig widerſtanden hatte, conſultirt wurde. Lange konnte er, bei genaueſter Nachforſchung, keine Urſache des Uebels entdecken und daher auch keine Heilmethode auffinden. End⸗ lich findet er, bei Unterſuchung der Mundhöhle, hinten auf der Zunge eine Partie Schnupftabak liegen, die beim Eſſen und Trinken noth⸗ wendig dem Magen zugeführt werden mußte. Er verbot ſtreng das Schnupfen und die Dame war ſofort curirt.

Durch dieſe Krankheitserzählungen hoffe ich deutlich gemacht zu haben, daß die Theorie über den Genuß, den das Rauchen gewährt, über die beruhigende Einwirkung des Nicotins auf die Bewegungs⸗ nerven und das Bewußtſein dieſer Wirkung mit der Art der Nerven⸗ leiden urſächlich zuſammenhängt, die jetzt faſt täglich vorkommt und immer häufiger wird. Der Genuß des Tabaks, beſonders der Cigarren wird häufig erkauft durch eine Schwächung der Nerven und der entſprechenden Organe.

Hiernach darf man nicht mehr fragen, wie es oft geſchieht: Iſt das Rauchen ſchädlich? Man muß vielmehr fragen: Iſt mir das Rauchen ſchädliche Die Frage iſt individuell und auf dieſe Frage muß der denkende Arzt eine richtige Antwort