Jahrgang 
1865
Seite
691
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mals allein öffentlich betrieben wurde, war er einer der erſten. Im Jahre 1829, als die geſammte Burſchenſchaft relegirt wurde, ging er nach Halle; charakteriſtiſch iſt, was er damals beim Abſchied einem Freunde aus der Burſchenſchaft ins Stammbuch ſchrieb:Sei Chriſt und ſei Deutſcher, dann ſchwören wir zu Einer Fahne und ſind Brü⸗ der und Freunde. Die Reiſe wurde mit mehren Freunden nach damaliger guter Sitte zu Fuß gemacht. Die jungen Leute, natürlich alle Habſeligkeiten im Ränzchen auf dem Rücken, durchkreuzten von Gießen aus zuerſt den rauhen Vogelsberg, dann ging's über Fulda nach Eiſenach zum Beſuch der Wartburg; von dieſer nach Schnepfen⸗ thal, wo ſie die perſönliche Bekanntſchaft von Gutsmuths machten, deſſen Bild Spieß zeitlebens in hoher Verehrung hielt. Ueber Gotha, Erfurt, Weimar, Naumburg und Merſeburg ging's nun nach Halle. Das theologiſche Studium ſcheint Spieß auch hier nicht mit beſonde⸗ rem Eifer getrieben zu haben; deſto eifriger trieb er die Turnkunſt, die hier viele Freunde hatte. Es wurden regelmäßige Turnſpiele ein⸗ geführt, an zwei Nachmittagen wöchentlich verſammelten ſich die Freunde in Paſſendorf zu Turnſpielen und Geſang. Die Luſt am Spielen war ſo groß, daß oft über hundert an demſelben Theil nah⸗ men und meiſt erſt mit einbrechender Nacht die Spiele ſchloſſen. Reck⸗ und Barrenübungen wurden nur zeitweiſe von wenigen betrieben; dazu boten die dürftig vorhandenen Geräthe in Paſſendorf, die auf dem verfallenen Turnplatze des Waiſenhauſes und der Schwingel im Fechtſaal wenigſtens einige Gelegenheit. Das Fechten war auch hier die am häufigſten betriebene Uebung und namentlich ward darauf ge⸗ halten, daß ſowohl rechts als auch links die Waffe geführt werden konnte. Im Lauf des Sommers ward von Halle aus eine größere Turnfahrt unternommen, die mehrere Tage währte. Man wanderte in die güldene Aue, auf den Kyffhäuſer, die Rothenburg, durch den Harz nach Frankenhauſen, auf die Sachſenburg und beſuchte dann in Kölleda den alten Jahn. Der erzählte aus ſeinem Turnerleben und die Herzen ſchlugen ihm entgegen. In dem kalten Winter 1829 bis 1830 um die Weihnachtszeit machte Spieß eine Reiſe nach Berlin. Es war damals eine andre Weiſe unter den Turnern, als vielfach jetzt. Scherzweiſe ſagte man: Wenn ein rechter Turner auf eine Turnfahrt geht, nimmt er ſich ein Stück trocknes Brot ein, trinkt dazu aus des Waldes Quelle; in der Nachtherberge ſchläft er auf dem Boden und deckt ſich mit der Stubenthüre zu. In der Turnerei der damaligen Zeit galt es für eine große Hauptſache, ſo wenig leibliche Bedürfniſſe wie möglich zu haben. Auch Spieß war ein abgeſagter Feind aller Verweichlichung. Obwohl ein fußtiefer Schnee und eiſige Kälte das Land bedeckte, verſchmähte er auch zur Reiſe nach Ber⸗ lin doch Mantel und Pelz, ja ſetzte ſich in kaum winterlicher Beklei⸗ dung in den offenen Beiwagen der nur mühſam ſich fortſchleppenden Poſt und fuhr ſo einen Tag und eine Nacht, gefoltert von der Pein der fürchterlichſten Kälte, bis endlich mit dem Ziel der Reiſe das Ende ſeiner Qualen erreicht war.

In Berlin lernte Spieß viel Neues in der Turnerei, namentlich am Schwingel, wobei ihm der rüſtige Turner Philipp Wackerna⸗ gel, jetzt in Dresden, der berühmteſte Hymnolog unſrer Zeit, an die Hand ging. Spieß erlangte allmählich eine Rieſenſtärke. Es ward uns erzählt, daß er einmal in Halle einen Studenten, der ihm in un⸗ gebührlicher Weiſe aufs Zimmer gedrungen, zur Thüre hinauswer⸗ fen wollte. Die Thüre war jedoch zu, der Geworfene flog wider die Thüre mit ſolcher Gewalt, daß die Füllung der Thüre durchbrach und der zudringliche Beſucher trotz geſchloſſener Thüre auf die Hausflur und zur Treppe gelangte.

Zu Oſtern 1830 kehrte Spieß von Halle nach Gießen zurück. Ein Freund, der damals zuerſt in nähern Verkehr mit ihm trat, (Reallehrer Hofmann in Darmſtadt) ſagt in der Eingangs erwähnten Gedächtnißrede:Sein Bild aus jener ſchönen Zeit, ich möchte ſagen unſrer jungen Liebe, ſteht noch lebhaft vor meiner Seele, und er iſt im weſentlichen derſelbe geblieben, wenn auch im gereiften Mannes⸗ alter die Züge ſicherer und beſtimmter, ja mitunter ſchroffer wurden, und im einzelnen wohlthuend mehr hervortraten. Sein ganzes Weſen, als er von Halle zurückkehrte, war ernſter, beſtimmter, entſchiedener geworden, und ein idealer Zug zeichnete ihn aus. Ich ſehe noch jetzt den kräftigen unterſetzten Jüngling in ſeinen grauen, leinenen, vom Knie an abwärts eng zugeſchnittenen Hoſen, ſeinem dunkeln Röckchen, umliegenden Hemdkragen, mit ſeinem ſchwarzen Bart und ſeinem mehr ernſten als freundlichem Geſichte, leicht beweglich in jedem Gliede vom Kopfe bis zur Zehe, gewandt in jeder Leibesübung, ein geſchickter

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Reiter, ein guter Schwimmer, ein ausgezeichneter Tänzer und Schlitt⸗ ſchuhläufer, im Gebrauch jeder Art der Waffen wohlgeübt, in turne⸗ riſchen Uebungen hervorragend, tapfer, ſtets zum Kampf bereit, doch nie zum Streit herausfordernd, wenn er aber an ihn herangebracht wurde, ihn bis zum Ende durchfechtend. Dabei hatte er einen offnen Sinn für Wiſſenſchaft und ein beſonderes Intereſſe für Kunſt, er zeichnete, malte, muſicirte gut und ſang ausgezeichnet. Er konnte leicht mit Jedermann verkehren, war allen bekannt, kannte viele, hatte aber nur mit wenigen vertraulichen Umgang. Dieſe Leichtigkeit im Verkehr und dieſe Empfänglichkeit für Freundſchaft, aber auch die Zuverläſſigkeit und Treue und rückhaltsloſe Offenheit gegen ſeine Freunde, iſt ihm durch ſein ganzes Leben geblieben und er hatte auch das Glück, in den mannigfaltigſten Tagen und an den verſchiedenſten Orten treue Freunde ſich zu gewinnen.

Alsbald nach ſeiner Rückkehr von Halle ſuchte Spieß auch in Gießen der Turnkunſt allgemeinen Eingang zu verſchaffen. Sie ſollte mithelfen zu einer gründlichen Reform des Studentenlebens. Er forderte die Studenten aller Farben auf, die alten Parteiungen und ihren Z wieſpalt aufzugeben und dem Mißbrauch der Waffen zum Duell zu entſagen, dagegen einen freien brüderlichen Verein zu ſtif⸗ ten, einen Turnplatz zu errichten, ſich im Gebrauch der Waffen für den Dienſt des Vaterlandes zu üben. Bald konnte man ihn in Ver⸗ ſammlungen, bald mit den Parteihäuptern über die Abſchaffung des Duells im größten Eifer ſtreiten ſehn und er ſtand nicht allein. Gar manche zwar lachten über ſeinexcentriſches Weſen, wie es die nann⸗ ten, die den tiefen Ernſt und die Bedeutung ſeines Strebens nicht verſtanden; ſeine ruhigern Freunde hatten auch wohl manches in ihm zu dämpfen. Er aber ließ ſich durch keine Schwierigkeiten abhalten, der Turnplatz kam zu Stande und ein zahlreicher Verein aus den verſchiedenen Parteien von ſolchen, die dem Duell entſagten. Nun war Spieß ganz in ſeinem Elemente und ein rüſtiges fröhliches Trei⸗ ben herrſchte auf dem Turnplatz. Allein ſchon nach wenigen Monaten

ward die fernere Theilnahme bei Strafe der Relegation verboten und der öffentliche Turnplatz verſchwand. Spieß ſtudirte nun ernſtlich für ſein theologiſches Examen; ſeine liebſte Erholung war, mit ſeinen Freunden im Garten ſich turneriſch zu ſtärken und es war oft ergötz⸗ lich, wenn eine Anzahl junger Männer im Mondſchein oder auf der gefrorenen Schneefläche ihm in den mannigfaltigſten Bewegungen und Windungen nachfolgte. Die verſchiedenen Schritt⸗ und Sprungar⸗ ten, die er ſpäter in ſeinen Ordnungsübungen ſo geſchickt zu einem Ganzen zu verbinden wußte, ſprudelten ihm damals nur ſo hervor. Eine ganz beſondere Laſt war es ihm, mit den Seinen zur Erholung durch Wald und Feld, über Berg und Thal eine Turnfahrt zu machen. Da fehlte es nicht an Uebungen. Dann aber welche Wonne, unter einem alten Eichbaum zu raſten und vaterländiſche Lieder zu ſingen, oder auf den Trümmern einer alten Burg zu ruhen, die Schönheit der heimatlichen Thäler umher zu genießen und von des Vaterlandes ehemaliger Größe zu reden und von ſeiner künftigen Herrlichkeit zu träumen. Dabei entging ihm kein ſchöner Baum, kein alterthümliches Gebäude, kein rieſelnder Bach, kein lieblicher Wieſengrund, kein ſtatt⸗ liches Bauernmädchen in ſeiner kleidſamen Tracht, wie ſie jene Gegend (um Gießen) ſo mannigfaltig darbietet, kein ſchöner kräftiger Mann, über deſſen Anblick er ſich nicht kindlich freuen konnte und wovon er wo möglich eine Skizze einzeichnete. Dieſer Sinn für die Natur und ihre Schönheiten hat ihn durch ſein ganzes Leben begleitet.

Nach Vollendung ſeiner Studien ward Spieß Hauslehrer bei dem Grafen zu Solms⸗Rödelheim in Aſſenheim in der Wetterau. Er blieb in dieſer Stellung bis zum Sommer 1833. Da erhielt er zufällig Kunde, daß die Stadt Burgdorf im Kanton Bern für ihre Schule einen Lehrer ſuchte, der neben dem Unterricht in Geſchichte und Geſang auch zur Leitung des Turnens tüchtig ſei. Dieſe Nach⸗ richt ſchien ihm ein Aufruf, ſich ganz dem Erziehungswerk der Jugend zu widmen. Naſch bewarb er ſich um die Stelle, erhielt das Beru⸗ fungsſchreiben und trat ſchon im Herbſt 1833 in ſein neues Amt ein.

Um dieſe Zeit herrſchte in der Schweiz ein lebendiger Eifer um die Hebung des geſammten Jugendunterrichtes und beſonders aus Deutſchland waren bedeutende Kräfte hingezogen worden. Spieß, zum Lernen wie zum Lehren gleich bereit, ſtand bald mit ſeinen Lands⸗ leuten wie mit ſtrebſamen Schweizern in lebendigem Verkehr, der nicht wenig zu der ſchönen harmoniſchen Durchbildung beitrug, die bei ihm, getragen von einer tiefreligiöſen Geſinnung, ſeine Wirkſam⸗ keit ſo ſegensreich gemacht hat.