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Adolf Spieß.
Weſen. Und das brachte Adolf Spieß in edelſter, in wahrhaft genialer Weiſe. Spieß nahm die geſunden Grundſätze von Gutsmuths wieder auf, faßte das höchſte Ziel harmoniſcher Menſchenbildung ſcharf, klar und feſt ins Auge, führte die Schönheit in die Turnkunſt ein und ſtellte ſie unter beſtimmte äſthetiſche wie ethiſche Geſetze. Er verſtand ſelbſt das Jahnſche Turnen aus dem Fundament, aber er trieb's mit ſeltener Feinheit. Noch erinnere ich mich des Stau⸗ nens unter unſrer jugendlichen Turnerſchar, als er, zum erſten⸗ mal nach langer Abweſenheit in der Schweiz in ſein heſſiſches Vaterland wieder zurückkehrend den Darmſtädter Turnplatz beſuchte. Wir hielten ihn gar nicht für einen Turner, da fehlte ja ganz die für unerläßlich gehaltene, allerdings ſehr zweckmäßige, aber nicht eben ſchöne graue Leinwandkleidung, man hätte ihm kaum zugetraut, daß er den„Felgaufgang“ machen könne. Wie er nun aber den ſchwar⸗ zen Sammtrock ablegte und ſich wie der Blitz aufs Reck ſchwang, wie erſtaunten wir! Stücke, die wir nie geſehen und welche Ge⸗ wandtheit, welche Eleganz, welche Elaſticität der Glieder, welcher Rythmus, welche Schönheit jeder Bewegung! Spieß hat das Jahnſche Turnen durchaus nicht verworfen, aber er hat es verfei⸗ nert, veredelt durch Hervorhebung und Neuerfindung ſolcher Uebun⸗
gen, die nicht einſeitig einzelne Muskeln, ſondern den ganzen Kör⸗ per bilden. Er hat dann neu hinzugeſchaffen ein Syſtem von Uebun⸗ gen, die man eben das„Spießſche Turnen“ nennt, das dem Jahnſchen eine unentbehrliche Ergänzung iſt und das allein, nicht blos in allen gelehrten, ſondern auch in den Volksſchulen ein⸗ und durchführbar iſt. Dieſes beſteht vorwiegend in Freiüb ungen und Ordnungsübungen und gerade in letztern wird man das darin gebotene äſthetiſche und ethiſche Erziehungsmittel leicht erkennen.
Das Jahnſche Turnen erweckte, wie geſagt, leicht ein bedenk⸗ liches übermüthiges Selbſtgefühl, einen Geiſt der Widerſpenſtigkeit. Es war nach der alten Methode eigentlich der ſchärfſte Gegenſatz zwiſchen Schule und Turnplatz. In der Schule keine freie Bewegung, auf dem Turnplatz faſt völlige Ungebundenheit. Spieß hat dieſe Gegenſätze verſöhnt. In den Gemeinübungen wird, ähnlich wie im militäriſchen Exercitium, der einzelne in ein Ganzes eingegliedert und muß ſich dem Willen des Lehrers unterwerfen, iſt zugleich ge⸗ nöthigt, auf das genaueſte auf das in Bewegung ſetzende und die Bewegung regelnde Wort zu achten, bleibt ſo zugleich in körperlicher wie geiſtiger Thätigkeit und erlangt damit nicht blos Beherrſchung des Körpers, ſondern auch Sammlung des Geiſtes. Dieſe Gemein⸗
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