Es waren die Herren Whymper, ein in Fels und Gletſcher wohlbewanderter Mann; Hudſon, den wir nicht näher kennen, zu deſſen Charakteriſirung oben citirter(und garantirter) Ausſpruch etwas beitragen mag(er ſoll einer der tüchtigſten engliſchen Alpengänger geweſen ſein); Douglas, jüngſter Sohn des Lord Douglas; vor wenigen Wochen haben wir ihn in Grindelwald ge⸗ ſehen zur Beſteigung des Wetterhorns mit zwei Führern; ein liebenswürdi⸗ ger junger Mann von neunzehn Jahren; und Hadow, ein ungeübter Neuling in den Alpen, der außer dem ungefährlichen Montblanc wenig Alpengipfel geſehen hatte. Als Führer gingen mit: Michael Croz aus Chamounix, den Hudſon für das Matterhorn engagirt hatte, ein ſtarker Mann; ſeine Tugend als Führer ſoll hauptſächlich das Auffinden der richtigen Wege und beſten Richtungen geweſen ſein, weniger die Sorgfalt für ſeine Herren; dann zwei Walliſer, Namens„zum Taugwald,“ Vater und zwei Söhne, aus Zermatt; der Vater wenig über fünfzig alt, als guter Führer beſtens bekannt, gewöhnlich Taugwalder genannt. Hudſon meinte, es wäre an Croz und Taugwalder genug, machte jedoch keine Einwendung gegen Whym⸗ pers Vorſchlag, Taugwalders Söhne als Träger noch mitzunehmen.
In dieſer Zuſammenſetzung der Geſellſchaft lag ein doppelter Fehler;
fürs erſte war ſie zu zahlreich für eine ſo ſchwierige, ja gefährliche Beſtei⸗ gung wie die des Matterhorns; und zweitens waren drei Führer zu vier Herren, von denen nur zwei eigentlich ganz bewährte Gänger und Kletterer waren, entſchieden zu wenig. Am 13. Juli früh um 5 Uhr 35 Min. ſetzte ſich die Geſellſchaft von Zermatt aus in Bewegung, verſehen mit den gewöhnlichen Apparaten, wie Beil und Seil, mit einem Zelt(engl. Offizierszelt, die hie und da auf der⸗ artigen Touren mitgenommen werden), ſo wie mit Mundvorrath auf 3 Tage. Sie überſchritten quer den dortigen Zmuttgletſcher, zogen ſich nach dem „ſchwarzen See“ und dem„Hörnli“ zu, welche beide den Beſuchern der dor⸗ tigen Gegend, auch vielen Damen, wohl bekannt ſein werden; von da aus griffen ſie den Berg an, alſo von Nord⸗Oſt oder bald Nord. Ohne Schwierig⸗ keit hatten ſie um 11 Uhr 50 Min. bereits die Höhe von 11000 engl. Fuß erreicht, fanden einen hinlänglichen Raum und beſchloſſen, hier ihr Zelt auf⸗ zurichten und die Nacht zuzubringen. Um den Nachmittag nicht unnütz ver⸗ ſtreichen zu laſſen, ſchickten ſie die beiden Söhne Taugwalder auf Rekognos⸗ cirung weiter aufwärts. Nicht ſehr lange dauerte es, ſo kamen dieſe trium⸗ phirend wieder zurück und verkündeten die beſten Ausſichten für das Gelingen des Unternehmens, ſie waren ſogar der Meinung, man könnte noch gleichen Tags den Gipfel erreichen und wieder zum Zelt zurückkehren.(Freilich eine ſehr irrige Meinung.) Man beſchloß aber, auf der eingenommenen Station zu verbleiben. Für die Nacht bezogen Lord Douglas, Herr Whymper und die Taugwalder das Zelt, die andern zogen vor, im Freien zu bleiben. Vor Tages⸗ anbruch war die Geſellſchaft ſchon wieder munter.— 10 Min. vor 4 Uhr am verhängnißvollen Freitag, den 14. Juli, brachen ſie auf; 3 Führer nur gingen mit, während einer der Söhne Taugwalders entlaſſen wurde. Um 6 Uhr 20 Min. war die Höhe von 12800 Fuß erreicht; eine halbe Stunde ward geraſtet. Weiter wurde ohne Unterbrechung bis 9 Uhr 55 Min. geſtiegen und hier bei 50 Min. wieder ausgeruht. Bis hieher erklärt Hr. Whymper das Aufſteigen von keiner außerordentlichen Schwierigkeit; die Aiguille verte z. B. und anderes, was er gemacht, ſei durchſchnittlich ſchwieriger. Hier nun war die Geſellſchaft bei den Felſen angelangt, die, von Zermatt aus geſehen, ſenk⸗ recht erſcheinen; dieſelben waren auch wirklich nicht zu erklimmen; man wandte ſich deßhalb mehr auf die nordweſtliche Seite des Berges. Die nächſten 200 bis 300 Fuß waren ſchwierig zu erklettern und erforderten Vorſicht. Hernach aber wurde das Steigen wieder leichter, zuletzt ſo, daß Hr. Whymper und Croz ſich von den übrigen trennten, ihnen voraneilten und um 10 Uhr 40 Min. den Gipfel erreichten; 10 Min. ſpäter folgten die andern.— Es iſt erſtiegen, das unbeſiegte Matterhorn, zu Füßen liegt die Welt, der reiche Alpenkranz, das zaubriſche Italien. Ein Steinmännchen wurde erbaut, das von Zermatt her geſehen, die Erſteigung konſtatirt. Sie mögen wohl ge⸗ ſchwelgt haben im Hochgenuß des großartigen Anblicks und im Gedanken ihres Ruhmes. Eine Stunde gönnten ſie ſich hier oben,— ein trautes Stündchen noch fröhlichen Zuſammenſeins. Dann begann die ſchwierigere Arbeit des Hinunterſteigens.
Michael Croz führte den Zug an; ihm zunächſt folgte Hadow, damit Croz ihm beiſtehen könnte; Hudſon,„welcher im ſichern Auftreten einem Führer gleichkam“, war der dritte; Lord Douglas der vierte; dann folgte Peter Taug⸗ walder(Vater); Whymper blieb mit dem Sohn noch einige Minuten auf der Spitze zurück, um die Namen ſämmtlicher Beſteiger auf eine Karte zu ſchreiben, die hinterlaſſen wurde, er holte aber bald die andern ein und ſtellte ſich in Linie ans Seil hinter T. Vater, den Schluß bildete T. Sohn.
Angelangt nahe der oben beſprochenen ſchwierigſten Stelle wurde mit größter Vorſicht gehandelt. Der erſte(Croz) bewegte ſich zuerſt allein ab⸗ wärts; hatte er feſten Stand, ſo folgte der zweite und ſo fort. Die Schwie⸗ rigkeit rührte nicht von der übermäßigen Steilheit her,(nach Herrn Whym⸗ pers Anſicht betrug die Neigung am kritiſchen Ort kaum 350) ſondern von dem Eis und Schnee zwiſchen den Felſen. Mich. Croz, welcher Hadows Sicherheit nicht traute, widmete ihm, nach Whympers Erzählung, alle Aufmerkſamkeit, faßte ſeine Füße und brachte ſie in die richtige Stellung. Im Augenblick des Unfalls war keiner von allen in Bewegung. Wörtlich fährt dann Herr Whymper fort:„Ich kann's nicht mit Sicherheit ſagen, noch kann's Taugwalder, weil die beiden leitenden Männer,(die erſten zu der Reihe) unſerm Blick entzogen waren durch eine zwiſchen inne ſtehende Fels⸗ maſſe; aber ich glaube, daß Croz eben Hadows Füße in beſchriebener Weiſe geſetzt hatte, und ſich wieder wendete, um ſelbſt eine Stufe oder zwei abwärts
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Briefe und Sendungen ſind zu richten au die Redaction des Daheim in Leipzig, Poſtſtr. Nr. 19.—
Unter Verantwortlichkeit von A. Klaſing in Bielefeld, herausgegeben von Dr. Robert Koenig in Leipzig. Verlag der Daheim-Expedition von Velhagen* Klaſing in Bielefeld und Berlin.— Druck von Liſcher* Wittig in Leipzig.
zu ſchreiten, als Hadow glitt, auf ihn fiel und ihn überſtürzte. Ich hörte einen Angſtſchrei von Croz, dann ſah ich ihn und Hadow, im Verſuch, ſich wieder zu erheben; im nächſten Augenblick aber wurde Hudſon aus ſeiner Stellung geriſſen und Lord Douglas unmittelbar nach ihm. Das alles war ein Augenblick. Aber ſo wie ich Croz' Schrei hörte, ſtellte ich mich ſo feſt, als der Boden es hergab, Taugwalder ebenſo, das Seil war zwiſchen uns beiden ſtraff angezogen und der Stoß(shock) traf uns zwei wie einen Mann. Wir hielten feſt, aber das Seil riß zwiſchen Taugwalder und Lord Douglas. Es iſt behauptet worden, daß es in Folge der Reibung an dem Felſen zer⸗ riſſen ſei; das iſt nicht der Fall, es riß mitten in der Luft und ſeine En⸗ den zeigten keine Spuren, die auf ſolchen Vorgang ſchließen ließen. Wäh⸗ rend zwei oder drei Sekunden ſahen wir unſere unglücklichen Gefährten auf dem Rücken hinuntergleiten und ihre Hände ausſtrecken, um ſich zu retten, dann verſchwanden ſie uns aus dem Geſichte und fielen von Abgrund zu Abgrund auf den Matterhorngletſcher hinunter, nahezu 4000 Fuß tief. Weitere Details über unſer Hinabſteigen ſind überflüſſig; es genüge zu ſagen, daß während mehr als 2 Stunden hernach ich jeden Augenblich meinte, es ſei mein letzter. Die beiden Taugwalder, außer ſich, weinten wie Kinder und zitterten dermaßen, daß für uns das Loos der andern zu befürchten ſtand. Während des Niederſteigens ſahen wir uns in allen Rich⸗ tungen nach Spuren von unſern Gefährten um, ſahen aber nichts als zwei ihrer Beile im Schnee ſteckend.“
Die Ueberlebenden ließen ſich Zeit, brachten die nächſte Nacht in der Höhe von 13000 Fuß zu und langten Samſtags, den 15. Juli um 10 Uhr 30 Min. Vorm. in Zermatt an.
„Mr. Hudſon, Hadow und Mich. Croz, der erſte aller Chamounix⸗ Führer, ſie liegen nun begraben auf dem Kirchhof in Zermatt. Ihre Leichen dahin zu bringen, war ein äußerſt ſchwieriges und gefährliches Werk, und der Dank aller Engländer gebührt den braven Männern, die es vollbracht haben. Der Leib des Lord Francis Douglas iſt, Gott allein weiß wo, wahrſcheinlich in einem hohen Felſen.— Ein einziges Gleiten oder ein einziger Fehltritt war die Urſache all dieſes Unglücks. Kein Vor wurf kann die Führer treffen; ſie haben alle ihre Schuldigkeit mannhaft gethan. Aber ich kann nicht umhin, zu denken, daß— wäre das Seil angezogen geweſen zwiſchen denen die gefallen ſind, wie zwiſchen mir und Taugwalder— der traurige Unfall hätte abgewendet werden können. Das Seil, wenn richtig angewendet, iſt ein bedeutender Schutz; aber, ſei's nun in Fels, Schnee oder Gletſcher, wenn zwei Mann ſich ſo einander nähern, daß das Seil im Bogen zwiſchen ihnen hängt, ſo kann die ganze Geſell⸗ ſchaft durch den Fall eines einzigen, in Folge des Stoßes, den die andern dadurch erhalten, in die größte Gefahr und Verwirrung geſetzt werden.“ So Hr. Whymper.
Eine grauſige Kataſtrophe hat das Matterhorn am 14. Juli geſehen. Welches wird ihre Folge, ihre Wirkung ſein? Wird man ſich abſchrecken laſſen von dem furchtbaren Felskegel? Nein, im Gegentheil wird's erſt recht losgehen, da die Erſteigbarkeit erwieſen iſt. Drei Tage nach jenem Un⸗ glücksfall ſoll das Horn auch von der italieniſchen Seite her erſtiegen wor⸗ ben ſein; doch ſeien nur die Führer auf die oberſte Spitze gelangt.
Wird man durch die ſchweren Opfer zu größerer Vorſicht ſich bewegen laſſen?— Viele, will's Gott; alle nicht. So ſoll ſeither am Ryffelhorn wieder ein Engländer verunglückt ſein, der ohne Führer es erſteigen wollte.
Und iſt's denn, ſo fragen wir und viele ſchließlich,— mancher iſt mit ſeinem Urtheil bald fertig— iſt's nicht Unrecht und Sünde, in ſolche Gefahr ſich zu begeben? Man ſei nicht vorſchnell mit dem Urtheil. Der Menſch iſt geſetzt, zu herrſchen über den Erdboden, der ihm unterthan iſt, und es reizt ihn, ſich alles unterthan zu machen: das Feuer und das Waſſer mit ſeinem Dampf, die Luft und die imponderablen Kräfte; den Boden der Erde durchwühlt er, und aufwärts, dem Adler es gleich zu thun, treibt, ihn ſein Geiſt. Doch von Zeit zu Zeit wird er dann ſchrecklich gemahnt an ſeine eigene Kleinheit und Schwachheit; es empören ſich die gefeſſelten Elemente und machen höhnend zu nichte, was der Menſch mit ihrer Kraft oder ſeinem Geiſt geſchafft;— er thut einen leichten Mißgriff und ſein eigen Werk verſchlingt ihn;— er macht einen Fehltritt und liegt zerſchellt, andere mit ſich reißend.
Selbſtverſchuldet iſt ſein Tod, wenn er mit der Gefahr nur ſcherzt, ſie herausfordert in Uebermuth,— und Rechenſchaft wird er geben müſſen, wie er gehandelt hat.— Aber auf all die Opfer gründen ſich die Fortſchritte der Menſchheit, hier im kleinen, dort im großen. R. G.
Briefkaſten.
Abonnent in Pomßen. Es ſteht nicht in unſrer Macht etwaigen Unregelmäßigkeiten und Nachläſſigkeiten der kleinen Poſtämter abzuhelfen oder nachzuforſchen. Wir ſtehen nur mit dem Hauptzeitungscomptoir in Ver⸗ bindung, welches von uns die ganze Anzahl der auf allen Poſtämtern des In⸗ und Auslandes beſtellten Exemplare in Bauſch und Bogen bekommt und dieſe dann nach Maßgabe des Bedarfs an die einzelnen Poſtämter vertheilt. Die Poſtanſtalten beſtellen nicht bei uns, ſondern beim Hauptzeitungscomptoir. Das einzige Schutzmittel gegen Unregelmäßigkeiten, die übrigens bei der vor⸗ trefflichen Poſtorganiſation nur ſehr vereinzelt vorkommen, iſt die direkte Beſchwerde des Abonnenten nöthigenfalls bei der nächſt vorgeſetzten Be⸗ hörde. Es würde uns viel Zeit und Mühe erſparen, wenn unſre geehrten Poſtabonnenten freundlich beachten wollten, daß nicht wir, ſondern das Poſtamt ihnen für richtige Lieferung verantwortlich iſt und daß nicht wir, ſondern dieſes verlorengegangene Nummern erſetzen muß.
1865.
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