Jahrgang 
1865
Seite
683
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zeln gedreht, um es leichter verbergen zu können. Latude ſetzte noch eine zweite Leiter zuſammen, um aus dem Graben zu kommen. Die Leitern hatten zuſammen die Länge von fünfzig Fuß. Außerdem beſaßen die Gefangenen noch ein Packet Stricke von dreihundert⸗ undſechszig Fuß Länge!! Dreizehn Dutzend Hemden, zwei Dutzend Paar ſeidne Strümpfe, achtzehn Paar Unterkleider, drei Dutzend Servietten, verſchiedene Nachtmützen und eine Menge Schnupf⸗ tücher hatten die Stoffe geliefert. Um beim Herablaſſen die Leitern dirigiren zu können, beſaßen ſie auch eine Anzahl dünnerer Leinen. Im ganzen hatte alles eine Länge von 1400 Fuß. Achtzehn Monate

hatten beide gearbeitet. Jetzt ſtelle man ſich die ſcharfe Bewachung der

Baſtille, die Höhe des Gebäudes, die Angſt und Hoffnung der Gefange⸗ nen vor und man wird ermeſſen können, mit welchen Gefühlen Alégre und Latude ihren grauenvollen Weg in der Nacht des fünfundzwan⸗ zigſten Februar 1756 antraten. Der Graben der Baſtille war ge⸗ wöhnlich ſeicht, heute war er ausgetreten und hatte vier Fuß Waſſer. Nach dem Mittageſſen bereiteten die Gefangenen alles vor. Sie ſetzten die Sproſſen in die Leitern, nahmen Eiſenſtangen, welche ſie mit Futteralen, aus dem Futter ihrer Kleider gefertigt, verſehen hat⸗ ten, in die Hand und erwarteten die Nacht.

Latude ging zuerſt in den Schornſtein. Knie und Arme trief⸗ ten bald von Blut, doch gelangte er auf das Dach. Oben angekom⸗ men ließ er einen Bindfaden hinab. Aleégre knüpfte die Leitern, Stricke ꝛc. daran und Latude zog alles hinauf. Bald traf Alégre ein. Vom Schornſteine des Daches ſtiegen ſie auf die Plattform. Die Nacht war ſtockfinſter und es regnete. Latude ordnete die Effec⸗ ten und dann banden ſie die Strickleiter an das Ende einer Kanone. Latude ſchlang ſich das Seil um den Leib und in die ſchwarze Nacht ſich hinausſchwingend begann er langſam in der grauſigen Tiefe zu verſchwinden, Um die Abwicklung des Strickes zu bewerkſtelligen, hatte er eine dicke Holzrolle verfertigt, die oben von Alégre gedreht wurde. Latude ſagt ſelbſt:Ich wurde faſt ohnmächtig und fürch⸗ tete gegen die Mauer geſchleudert zu werden, weil ſich ein Wind er⸗ hob. Endlich kam er im Graben an, nicht lange nach ihm ge⸗ langte Alégre hinab, der es leichter hatte, da Latude den Strick ſtraff anzog. Sie hörten deutlich die Schritte der Schildwache auf der Gallerie und gingen, bis an den Hals im Waſſer, leiſe vorwärts. Die Runde kam in dieſem Augenblick an und der Schein ihrer Later⸗ nen beleuchtete die Waſſerfläche, weshalb den Fliehenden nichts übrig blieb als unterzutauchen. Um ins Freie zu gelangen, mußten ſie ein Loch durch die Grabenmauer brechen. Sie wühlten es in neun Stun⸗ den. Um fünf Uhr Morgens befanden ſie ſich auf der Chauſſee von Charenton.Wir fielen einander in die Arme und weinten. ſchreibt Latude.

Glücklich kamen beide nach Brüſſel. Die Flucht erregte große Senſation. Die Pompadour ſchäumte vor Wuth. Latude ward wieder in Amſterdam, auf Befehl der franzöſiſchen Regierung, ergriffen und in die Baſtille geſteckt. Vierzig Monate ſaß er im Cachot. Nur durch zwei Löcher erhielt er Luft und Licht. Er war ein Scheuſal &

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geworden. Sein Lager bildete faules Stroh, ſeine Nahrung würde man nicht den Schweinen vorgeworfen haben. Er ſtarb aber nicht. Seine Lippen waren geſpalten, ſeine Zähne ausgefallen; endlich weil das Waſſer in ſeinem Kerker ſtieg, erhielt er ein anderes Zimmer. Hier fertigte er Aufſätze für den König. Eine Verbeſſerung des Briefportos, eine neue Art der Infanterie⸗Attacke. Seine Federn waren Fiſchgräten, Dinte ſein Blut, die Schreibtafeln Brotkrumen. Die Vorſchläge nahm die Regierung an, ſie zog viel Nutzen aus der Porto⸗ Erhöhung, aber Latude blieb im Kerker. Gott forderte die Marquiſe von Pompadour vor ſeinen Richterſtuhl, ſie ſtarb am ſiebzehnten April 1764 Latude blieb im Kerker. Man muß die Briefe des Opfers leſen, um die ganze Größe der Scheußlichkeit zu begreifen, die an einem nach dem Ebenbilde Gottes geſchaffenen Men⸗ ſchen ausgeübt ward. An einer Stelle heult die Wuth, dann kreiſcht der Schmerz, dann perlen Thränen, zuletzt fährt ein ſchneidender Witz gleich einer Dolchklinge hervor und das Ende iſt Ergebung in ſein fürchterliches Schickſal. Man brachte ihn endlich aus der Baſtille nach Vincennes Latude entwich zum dritten Male! Sollte man es glauben, daß Latude von ſeinem Schlupfwinkel aus wieder an Choiſeul ſchrieb? Sollte man es glauben, daß der Miniſter ihn wieder in das Gefängniß werfen ließ? in ein Gefängniß, aus welchem Latude ſich in die Cachots der Baſtille zurückſehnte! Die Haare ſträuben ſich. Latude gewann einen Schließer; dieſer beförderte ein Schreiben, worin der Unglückliche um Erbarmen flehte. Dieſes Schreiben ging zu Latudes Glück verloren. Eine Frau fand es. Sie war nur eine Wäſcherin, aber ſie hatte den Muth und die Ausdauer eines Helden. Sie hieß Legros. Das Schreiben beförderte ſie an die Adreſſe und ließ ſich durch nichts abhalten, für den ihr unbekannten Gefan⸗ genen zu wirken. Endlich ſprach alle Welt von Latude. Drei Jahre lang wirkte die edle Retterin für den halbverweſten Mann im Cachot von Vincennes. Maurepas, Rohan, Breteuil verwenden ſich für die Legros nnd ihren Schützling. Am zweiundzwanzigſten März 1784 wird Latude in Freiheit geſetzt. Fünfunddreißig Jahre hatte er im Kerker zugebracht, bis eine arme Wäſcherin ihn befreite. Unbegreiflich bleibt es, daß Ludwig XVI ihm nicht ſogleich die Thore des Gefängniſſes öffnete. Man ſagt: Er habe das Verdammungs⸗ urtheil der öffentlichen Meinung gefürchtet. Deshalb blieb Latude fünf Jahre länger eingeſchloſſen. Latude ſtarb 1805. Die Republik hatte ihm von den Erben des Miniſters Amelot eine Ent⸗ ſchädigung von 60,000 Livres ausgewirkt.

Jauchzen tönte durch die Lüfte, als am vierzehnten Juli 1789 das Krachen der Geſchütze einen Sieg verkündete, als die frohe Kunde durch Paris flog:Die Baſtille iſt genommen. Und was fand man darin? Nur ſieben Gefangene, nämlich vier Wechſel⸗ fälſcher, zwei von ihren Familien dort in Verwahrung gebrachte Wahnſinnige und einen Grafen, der einen Bauern ermordet hatte. Dennoch erſchien die Erſtürmung und Zerſtörung der Baſtille Jedermann in Frankreich, ja in ganz Europa, als ein Gericht gött⸗ licher Vergeltung.

Am Jamilientif che.

Die Kataſtrophe am Matterhorn.

Das Matterhorn, ein Grenzſtock der Schweiz gegen Italien, unfern des Monte Roſa, circa 13,800 franzöſiſche Fuß ü. M., hat, ſeitdem das Berg⸗ ſteigen ſo zur Mode geworden, ſeitdem beſonders der engliſche Alpenelub ſeine Leute ausſendet, um an allen Wänden herumzuklettern, jede Spitzezu nehmen, jede irgend denkbare Paſſage zu überſchreiten, damit nur die Spitze genommen, die Paſſage gemacht ſei, nicht wenig die Kühnſten angelockt und herausgefordert. Seine bedeutende Höhe, ſeine freie, dominirende Lage, die einen ganz beſonders großartigen Rundblick gewähren muß, weil ſeine Umge⸗ bung zum Theil ſtundenweit um mehrere tauſend Fuß niedriger als die Spitze iſt, dazu die einzig kühne Formation des Berges, durch die es ſich aus der ganzen Walliſer⸗Alpenkette heraushebt, ja durch die es ſich vor allen übrigen Bergen der Schweiz auszeichnet, alles das macht das Matterhorn zu einem wirklich noblen Ziel für ſolche, deren Lebensaufgabe faſt darin zu beſtehen ſcheint,unerſtiegene Spitzen zu nehmen, denen die Bergſteigerei zur Leidenſchaft geworden iſt. Aber die Erſteigung hatte auch ihre beſondern Mucken. Die Schwierigkeiten erwieſen ſich ſo groß, wie nicht leicht bei einer andern Spitze. Der Piz Roſegg in Graubünden hat mehrere Verſuche zu ſeiner Beſteigung abgewieſen, am Ende aber ohne weiteres erliegen müſſen;

das Schreckhorn in Grindelwald hat drei Stürme abgeſchlagen, ehe es 1861

zum erſten von Leslie Stephen, 1864 zum zweitenmal von drei Schweizern (zu denen auch Schreiber dieſes gehörte) beſtiegen wurde; die Aiguille verte(in der Montblanc⸗Gruppe) war 1861 und 1862 der erſten Demüthi⸗ gung nahe; einer der damaligen Führer(Peter Bohren aus Grindelwald)

war ſeiner ſchrecklichen Spitze allein nahe gekommen, wurde aber von ſeinem Herrn, einem Engländer zurückgerufen, und der Verſuch aufgegeben, bis vor wenigen Wochen ein anderer Grindelwaldner, Chriſtian Almer, der muthige und vorſichtige, den Herrn Whymper auf die Spitze geführt hat; der Pic d' Ecrin in der franzöſiſchen Dauphiné ſpottete mehrerer Angriffe; im Som⸗ mer 1864 bezwangen ihn einige Engländer unter der Leitung des gleichen Chr. Almer; die dent blanche, das Cinol⸗Rothhorn und viele andere haben den Nimbus der Unnahbarkeit in den letzten Jahren eingebüßt. Sie alle waren bezwungen; noch trotzte das Matterhorn.

Was Wunder, wenn das dem zähen Volk der Engländer nicht in den Kopf wollte, wenn ſie immer wieder anſetzten, wenn endlich wie uns glaubwürdig verſichert worden iſt einige derAlpenclubbiſten ſich frevel⸗ hafter Weiſe das Wort gaben,auf Tod oder Leben nicht zu ruhen, bis auch dieſe Spitze bezwungen ſei. Sie iſt bezwungen; aber mit welchen Opfern!

Wir geben im Nachſtehenden eine Erzählung der bereits allgemein be⸗ kannten Kataſtrophe vom vierzehnten Juli. Wir haben ſie einem ſchriftlichen Bericht des Herrn Whymper entnommen, der zur Veröffentlichung beſtimmt uns zuvorkommend zur Verfügung geſtellt worden iſt; die Thatſachen können alſo vollkommen verbürgt werden; die Kataſtrophe ſelbſt erzählen wir mit Herrn Whympers eigenen Worten in getreuer Ueberſetzung.

Am zwölften Juli d. J. fanden ſich zufällig vier Engländer in Zermatt zuſammen, alle in der Abſicht das Matterhorn anzugreifen; ſie entſchloſſen ſich, gemeinſam vorzugehen und ſogleich wurde auf den folgenden Tag eine Rekognoscirung ausgemacht. Sie brachen um ſechs Uhr früh von Zermatt auf.