ſammenzufaſſen. Treibt ſie, nachdem ſie einige Zeit ſcharf gedacht haben, die Unruhe, ſpringen ſie auf, weil das Bedürfniß der Bewegung ſie treibt: ſo ſehen wir ſie zum Tabaks- oder Cigarrenkaſten eilen, um bei der Pfeife von neuem zu geiſtiger Arbeit ſich aufgelegt zu machen oder ſich dazu zu beruhigen.
Eine andere Wahrnehmung, die wir täglich machen können, iſt die, daß der Tabak am beliebteſten iſt, wenn wir zugleich Gegenreize während des Rauchens genießen, z. B. Kaffee, Thee, alcoholiſche Ge⸗ tränke. Dieſe alle erregen, ſteigern das Bewegungsbedürfniß, der Tabak ſchlägt es nieder. Der Conflict dieſer entgegengeſetzten Erregungen ſteigert künſtlich den Genuß, erhöht das Wohlbehagen.
Sind dagegen unſere Gefühlsnerven in geſteigerter Reiz⸗ barkeit, und die Bewegungsorgane im erſchöpften Zuſtande, z. B. in der Reconvalescenz nach ſchweren Krankheiten, ſo hört auch bei Gewohnheitsrauchern das Verlangen nach Tabak auf. Ja ſchon nach längerem Faſten, vor der Mahlzeit, gewährt das Rauchen, wenn es auch den Appetit unterdrückt, geringen Genuß. Um ſo größer iſt dieſer nach einem guten Mittagseſſen, wo durch kräftige Speiſen, Wein und Gewürze das erregte Blut ſchneller durch die Adern eilt, wo die Kraft zur Bewegung reichlich gewonnen, aber durch eine ächte Havanna herabgeſtimmt wird, zum innern Wohlbehagen.— Da ſitzt er, hingeſunken in den weichen Lehnſtuhl, ausgeſtreckt, den Kopf ange⸗ lehnt; das Auge, wie verſunken in Seligkeit, ſtiert ins Blaue, oder ſchaut den Ringen nach, in welchen ſich der Rauch kräuſelt; kein leb⸗ hafter Gedanke darf ſich ſtörend aufdringen, die Rede wird langſamer, alle Haſt weicht. So ſteigert der civiliſirte Menſch durch Gegenreize den Genuß des Daſeins!
Aber hieraus ſind doch keine voreiligen Conſequenzen zu ziehen. Der Prozeß iſt noch nicht zu Ende, die Wirkung des Tabaks geht mit der beruhigenden Erſtwirkung noch nicht vorüber.— Nehmen wir an, der Raucher ſei ein Neuling, ſo wiſſen wir, wie ihm geſchieht, wie das Wohlbehagen ſich in das Gegentheil verkehrt. Der Kopf wird eingenommen, es ſchwindelt ihn, die Bewegung wird unſicher, das Antlitz erbleicht, kalter Schweiß tritt vor die Stirn; Aufſtoßen, Uebel⸗ keit, Bangen, widerwillige plötzliche Entleerungen treten ein, der Puls wird ſchnell, klein, ſchwach, bis nach einiger Zeit die Buße für das künſtliche Reizmittel vorüber und das Wohlſein wieder herge⸗ ſtellt iſt.
„Aber,“ höre ich,„das iſt nur bei Neulingen der Fall. Die Gewohnheit, die tägliche Uebung ſtumpft dagegen ab, die üble Nach⸗ wirkung bleibt gänzlich aus. Zwar kann es vorkommen, daß auch ein alter Raucher, wenn er des Guten zu viel gethan oder zu friſche Cigarren geraucht hat, etwas cigarrenkrank wird, aber mit ein wenig Schwindel und Bläſſe kommt er ab. Das ſchadet der Geſundheit nicht. Der Raucher lebt eben ſo lange, eben ſo gut, eben ſo aufge— legt wie jeder andere, nur hat er einen Genuß mehr. Es wird
doch in jetziger Zeit, wo die ganze Menſchheit raucht, niemand be⸗ haupten wollen, daß das Rauchen der Geſundheit ſchäd⸗ lich ſei?“
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Und doch kann ich in ſolcher Allgemeinheit dieſe Anſicht nicht gelten laſſen. Theoretiſch iſt es nicht anzunehmen, daß die Erſtwir⸗ kung, der Genuß, das Behagen fortdauere, die Rückwirkung auf den Organismus aber ganz aufhöre. Wenn auch abgeſtumpft durch die Gewohnheit, im geringern Grade dauert ſie fort, und iſt auch er⸗ kennbar. In praktiſcher Beziehung kommt es auf die Umſtände an, auf das Alter, die Conſtitution und auf die Mäßigkeit oder Unmäßigkeit in dem Nicotin⸗Genuß. So iſt die Streitfrage zu erörtern, ob es eine chroniſche Tabaksvergiftung gebe oder nicht.
Zuerſt iſt hier zu bemerken, daß es Leute gibt, welche völlig frei von der Tabaksvergiftung bleiben. Huſemann erzählt von einem Amerikaner, der täglich 60 Cigarren(ꝛ) conſumirte, ja ſogar von ei⸗ nem Hunde, der das Nicotin in wiederholten Gaben ertrug. Das ſind Ausnahmen, die nicht in die Berechnung fallen. Anderſeits wird wohl jeder zugeben, daß das Rauchen im Knabenalter ſchäd⸗ lich ſei, daß es die Verdauung ſtöre, das Gedeihen hemme, die Ent⸗ wicklung, beſonders des Nervenſyſtems unterbreche, die Reizbarkeit ſteigere und die Geſichtsfarbe bleich und krank mache. Wir finden nun, daß bei gewiſſen Conſtitutionen auch im erwachſenen Alter ähn⸗ liche Erſcheinungen bei habituellem Tabaksgenuß folgen. Ich will hier nicht davon reden, daß das Rauchen bei fieberhaften Kranken, bei Katarrhen, Augen⸗, Mund⸗ und Halsentzündungen, bei Heiſer⸗ keit, Bluthuſten u. ſ. w. ſchon durch den Rauch nachtheilig ſei. Ich meine, daß das Rauchen für viele nervöſe Naturen ſchädlich ſei, indem es die Hyperäſtheſie, die Ueberempfindlichkeit der Nerven ſtei⸗ gert, und einen Krankheitszuſtand hervorbringt, den man Rückenmarks⸗ reizung genannt hat. Die begleitenden Krankheitserſcheinungen fin⸗ den ſich nicht ausſchließlich im Rücken, ſondern in den von den Rücken⸗ nerven abhängenden Organen. Bald ſind es krampfhafte Gefühle im Halſe, Beklemmungen in der Bruſt, Herzklopfen, Verdauungs⸗ ſtörungen, Auftreibung nach der Mahlzeit, Magenkrampf, Blähungs⸗ Beſchwerden, colikartige Zufälle, je nach dem Sitze des Uebels. Solche Perſonen fühlen ſich leicht erregt, aber es fehlt ihnen die nachhaltih Kraft, ſie neigen zu ängſtlichen Vorſtellungen hin, fühlen ſich oft den Anforderungen des Lebens nicht gewachſen, ſind ſchwankend in ihren Entſchlüſſen, wiſſen ihre Perſönlichkeit andern gegenüber wenig gel⸗ tend zu machen, quälen ſich oft mit unnöthigen Sorgen, und ſind zu Zeiten wieder übertrieben aufgeregt, was dann in ſchlafloſen Nächten wieder Reue und Vorwürfe veranlaßt. Zum Beweiſe, daß ſolche körperliche und gemüthliche Leiden durch Tabakvergiftung veranlaßt werden, dient, daß dieſelben aufhören, wenn der Gebrauch des Tabaks aufhört, und daß ſie ſich mit demſelben wieder einſtellen. Die richtige Erkenntniß ſolcher Krankheitszuſtände iſt nicht leicht, weder für den Arzt noch für den Patienten. Beide, in der Meinung, der Tabak ſei unbedingt unſchädlich, kommen nicht auf die Urſache,— der Patient am wenigſten, weil ein neuer Tabaksgenuß ihm momentan Erleichte⸗ rung verſchafft.
(Schluß folgt.)
Kus den Tagen der alten Baſtille.
Von Georg Hiltl.
II.
Romanſchreiber und Freunde der Schauerliteratur konnten nicht leicht Erwünſchteres für ihre Zwecke finden, als die von niemandem belauſchten Qualen der Baſtille⸗Opfer zu ſchildern. Die furchtbaren Mauern wehrten jedem Zeugen den Eintritt und ſo blieb es der Phantaſie freigeſtellt, die gräßlichſten Bilder heraufzubeſchwören. Dieſem Umſtande verdankt man eine vollſtändige Literatur über die Baſtille. Daß hierbei die gewaltigſten Uebertreibungen den geheim⸗ nißſüchtigen Leſern aufgetiſcht wurden, iſt natürlich;
Erzählungen dazu bei, den Grimm gegen das verrufene Schloß auf⸗ zuſtacheln. Der ſeiner Freiheit, oft um des unbedeutendſten Witzes willen, Jahrelang beraubte Menſch ſuchte ſeinem Zorne Luft zu machen. Noch krank von der Luft des Gefängniſſes, krank an der Seele durch den Aufenthalt in jenem großen Grabe, ergriff er die
namentlich trugen die von den entlaſſenen Gefangenen der Baſtille verbreiteten
V Feder, um das Einzige zu thun, was er eben zur Kühlung ſeiner Rache thun konnte—: eine Flut von Verwünſchungen auf das Papier zu werfen, das Publikum zum Richter über die unverdienten Mißhand⸗ lungen zu ſetzen, die man ihn hatte dulden laſſen. So entſtanden ſicherlich manche Uebertreibungen, ja— offenbare Unwahrheiten wur⸗ den in die Welt geſchleudert.
Was in ſolchen Darſtellungen aufbewahrt iſt, ſoll hier gar nicht beachtet werden. Für den Forſcher haben nur die authentiſchen Actenſtücke im Hôtel des Archives Werth und dieſe ſind, wie ſchon früher angedeutet, ſehr lückenhaft und in verhältnißmäßig geringer Anzahl vorhanden. Dieſe Papiere, welche geſammelt zu haben ein beſonderes Verdienſt Mirabeaus iſt, der ſie gleich nach dem Sturm
der Baſtille in Sicherheit brachte, enthalten etwa 4 bis 500 Acten⸗ fascikel, welche nach den Namen der Lieutenants der Baſtille geordnet und mit denſelben bezeichnet ſind. Vom Jahre 1602 datirt das erſte vollſtändig vorhandene Stück. Es betrifft die Gefangenſchaft des
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